Toddn Kandzioras Wochenrückblick 12/2021

Alle wieder glücklich - alle sind gut drauf!

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Alle wieder glücklich - alle sind gut drauf!
Unter strengen Auflagen darf der Osterhase die Ostereier verteilen © Foto: Pixabay / Alexandra_Koch

Die beste Kanzlerin aller Zeiten hat sich entschuldigt. Dafür, dass sie den Osterhasen von der Arbeit abhalten wollte, vormals leere Kirchen auch über Ostern leer geblieben wären und größere Familien kein lustiges Eiersuchen für den lustig maskierten Nachwuchs im Garten hätten ausrichten dürfen.

All dies hatte die beste Kanzlerin aller Zeiten nach einer schlaflosen Nacht ihren Untertanen wieder gestattet. Diese, ihre Entschuldigung war das Sahnehäubchen auf der derzeit bestehenden Demokratie. Eine vom Osterfest zu befreiende Bevölkerung wurde Tage zuvor vom Rauschen im Blätterwald auf kommende, karge Tage eingestimmt, was jedoch nicht ganz gelang. Um der möglichen Kanzlerdämmerung zu entgehen, entschied sich Merkel für etwas, was sie bisher nie getan hatte. Sie entschuldigte sich. Die beste Kanzlerin aller Zeiten konnte so gerade noch die letzte Kurve vor der Vertrauensfrage kratzen, zurück auf LOS gehen um ein weiteres, ja vielleicht letztes Rennen gegen das Land und seine Altbevölkerung in Angriff zu nehmen.

Die Wähler der bunten Parteien von Schwarz bis Gelb wurden mit einer halbherzigen Rede versöhnt. Die üblichen Medien unterstützten, wo und wie sie es konnten. Linientreue „Qualitätsjournalist*innen“ frohlockten und lobpreisten die Größe der Kanzlerin einen Fehler eingestanden zu haben. Vom Flensburger Tageblatt im hohen Norden bis hin zur Badischen Zeitung im tiefen Süden – im von Corona gebeutelten Ländle bekundeten die Titelseiten Merkel gegenüber Wohlgefallen. Und hat's geklappt? Jawohl! Die Menschen im Land sind wieder glücklich, die Menschen sind gut drauf.

Das mit dem Entschuldigen, das merke ich mir für die Zukunft. Sollte ich einmal mit Vorsatz einen Verkehrsunfall verursachen, bei dem es zu Personenschäden kommt, dann trete ich, wenn die Polizei am Unfallort erscheint, unter deren Aufsicht noch schnell ein noch intaktes Rücklicht am anderen Fahrzeug kaputt. Und dann, dann entschuldige ich mich für das zertretene Rücklicht und alles wird gut für mich. Besser noch, ich werde für diese meine Entschuldigung von den zu Schaden gekommenen Verkehrsteilnehmern sogar gelobt, ja gebeten, in Zukunft doch gerne wieder einmal ihr Auto zu Schrott zu fahren, weil ich einer neuen Fehlerkultur Genüge getan hätte – Bravo der Herr!

Apropos Verkehrschaos. Im Suezkanal steckt derzeit noch das einst größte Transportschiff der Welt fest. Der japanische Schiffseigner lässt nett grüßen und verspricht, dass an diesem Wochenende das Verkehrsproblem schon behoben wird. Das um die vierhundert Meter lange und fast sechzig Meter breite Schiff steckt zwischen den beiden Ufern des Kanals fest und lässt derzeit hunderte von Schiffen im Mittel- und im Roten Meer auf freie Durchfahrt warten. Dieser Stau aller Staue hat schon Auswirkungen auf die weltweiten Ölpreise. Diese sind am Mittwoch um fast einen Dollar pro Barrel gestiegen.

Da mag ich gar nicht spekulieren, wie die Preise für dies und das steigen werden, wenn die von Industrie und Wirtschaft benötigten Produkte in der Just-in-Time Produktionswelt nicht rechtzeitig vor Ort eintreffen. Über den Suezkanal verlaufen mehr als zehn Prozent des Welthandels und der Großteil des europäischen. In Zeiten von Corona, Home-Office und blank liegenden Nerven kann ein derartig gewaltiger Stau nicht nur finanziell zum Fiasko werden. Er kann auch menschliche Verhaltensweisen beeinflussen. Daher und an dieser Stelle ein dreifach ohje, ohje, ohje auf das beste System das kluge Menschen sich auszudenken in der Lage waren.

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Wenn ich jetzt über „kluge Menschen“ schreibe, dann schreibe ich doch gleich einmal über die vierzigtausend sich glücklich wähnenden Urlauber aus Deutschland, die an diesem Wochenende aus hunderten von Großraumflugzeugen steigend die sonnige Insel Mallorca im Freundensturm einzunehmen gedenken. Wie viele Tests ein Mensch über sich ergehen lassen muss, um an solch einem bizarren Trauerspiel teilnehmen zu dürfen, ich weiß es nicht. Was ich weiß ist, dass über die Feiertage an Nord- und Ostsee heimische Hotels und die Gastronomie geschlossen bleiben. Warum das so ist, das kann mir vielleicht ein kluger Mensch erzählen. Doch ich lebe unter den ahnungslosen, dumm gehaltenen Menschen, es erschließt sich mir einfach nicht.

So bleibe ich wieder einmal daheim und erhoffe mir über die Ostertage einen Dorfspaziergang am Abend. Ob auch diese kleine Hoffnung stirbt, das weiß allein Deutschlands derzeit klügster Mann mit Namen Karl Lauterbach. Dieser erwägt schon öffentlich wegen der stetig steigenden Infektionszahlen eine zweiwöchige Ausgangssperre vom Abend bis zum Morgen und das am besten bundesweit. Wir dürfen also weiterhin wie auf der Folterbank gespannt sein, was der nächste Tag uns Neues bringen mag.

Dieses Jahr fällt nun das zweite mal in Folge unser traditionelles Osterfeuer aus. Als netten Ersatz gibt es heuer im Ort die Möglichkeit für acht Euro und fünfzig ein „Osterfeuer To Go“ zu erstehen. Die Wurst im Brot mit regionalen Bier und kleiner Überraschung könnte ich mir Tage zuvor abholen. Aber bitte mit Abstand und Maske. Darf nicht vergessen werden. So groß kann doch kein Arsch sein, wo er sich all seine „Osterfeuer To Go“ reinstecken kann.

Ein Wunsch von mir in diesem Jahr war, das erwähnte ich schon in meiner letzten Kolumne, dass ich im Juni im Garten unter blühenden Apfelbäumen mit mehr als einer Person aus anderem Haushalt Geburtstag feiere. Doch es schaut danach aus, als ob sie ihren Shut- Lock- was auch immer „Down“ bis Ende Juni 2021 durchziehen. Also wird wieder nichts aus meiner Feier. Wie das Osterfeuer, das Maifest und viele andere Feste wird auch diese in Folge ausfallen. Feiern verboten. Tanzen ist verboten. Gemeinsam musizieren ist verboten. Sich zu treffen ist verboten. Alles verboten.

Nein. Nicht alles. Arbeiten ist erlaubt. Noch. Zwar vermehrt im „Home-Office“, doch erlaubt. Noch arbeiten viele tausend Menschen im Grunde auf nicht mehr real-existenten Arbeitsstellen. Was dann geschehen kann, wenn nach mehrmaliger Verlängerung des COVID-19-Insolvenz-Aussetzungsgesetz – die letzte Aussetzung soll Ende April 2021 enden – unzählige bis zu diesem Termin mit staatlichen Corona-Hilfsprogrammen finanzierte Gewerbe und Unternehmen dran sind, daran mag ich gar nicht denken.

Diese im Grunde staatlich geförderte Insolvenzverschleppung, die am 27. März 2020 im Bundesrat angenommen und verkündet wurde ist am heutigen Tage ein Jahr in Kraft und wird möglicherweise über den April hinaus verlängert werden – werden müssen. Vielleicht verlängert werden bis zur Bundestagswahl am 26. September. Wie auch möglicherweise die derzeit schon bestehenden und kommenden Maßnahmen zum „Gesundheitsschutz“ der Bevölkerung.

Ein Schelm, der sich dabei etwas denkt? Nun ja. Ein Schelm und sicherlich ein böser ist heute auch, wer sich eigene Gedanken über die 750 Milliarden Euro des Corona-Wiederaufbaufonds macht, für die Deutschland mit zu bürgen hat. Seit gestern schon im Bundestag beschlossene Sache mit den Gegenstimmen der AFD und ein paar „Abweichlern“ aus der CDU und FDP. Aber die paar Milliarden Euro, die machen den Kohl nun auch nicht mehr fett, wie Oma zu sagen pflegte.

Unsere „Bestimmer*innen“, so macht es auf mich Eindruck, haben ihren Siegeszug gegen die Altbevölkerung gewonnen. Doch eine Kapitulation reicht ihnen nicht mehr. Sie fordern im Jahr 2021, in der von ihnen verordneten neuen Normalität die völlige, die absolute Unterwerfung eines jeden Menschen bis hin zur Aufgabe seines Selbst.

Das letzte Wort heute, das haben die Borg: »Wir sind die Borg! Deaktivieren sie ihre Schutzschilde und ergeben sie sich. Wir werden ihre biologischen und technologischen Charakteristika den unsrigen hinzufügen. Ihre Kultur wird sich anpassen und uns dienen. Widerstand ist zwecklos!« (Aus Star Trek: First Contact) https://www.youtube.com/watch?v=ZetmwyBanNU

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