Hoffentlich begegne ich keinem Reichsbürger

Alles wird gut

von Toddn Kandziora (Kommentare: 3)

Was heute nicht alles rechtsextrem ist: Wer öffentlich gegen deutsche Leopard-Panzerlieferungen an die Ostfront ist, macht sich bereits verdächtig© Quelle: Pixabay/ Alexas_Fotos

Es ist 10 Uhr 23 an diesem Freitagmorgen, dem dreizehnten im Januar 2023, und über die Newsticker diverser Wahrheitsmedien werde ich darüber informiert, dass die deutsche Wirtschaftsleistung im letzten Jahr um 1,9 Prozent zugenommen hat. Alles wird gut.

Vielleicht sollte ich ein paar der mir noch verbliebenen Freunde anrufen und ihnen die gute Nachricht mitteilen, dass die deutsche Wirtschaftsleistung trotz Pandemie, trotz Krieg, trotz Klimakrise, trotz Energiekrise, trotz Inflationskrise, trotz Versorgungskrise, trotz Migrationskrise, trotz Wohnungskrise, trotz Gesundheitskrise, trotz rot-grün-gelber Regierung, trotz alledem im letzten Jahr um 1,9 Prozent zugenommen hat.

Deutschland trotzt der vielen Krisen. Deutschland schafft es, kratzt die Kurve, holt den Karren aus dem Dreck. Und so weiter …

In den ersten Tagen im neuen Jahr habe ich ein paar Telefonate geführt, die anderes hätten vermuten lassen. Telefonate, in denen ich ein gutes neues Jahr wünschte, klangen, was die Antworten am anderen Ende der Leitung angeht, wenig optimistisch. Manch ein Gesprächspartner war sich sicher, dass es schlimmer kommt. Weitaus schlimmer, als es die letzten drei Jahre schon war.

Wenn ich sie jetzt anriefe, um ihnen die frohe Botschaft woker Wahrheitsmedien mitzuteilen, wie würden sie darauf reagieren? Ich kann mir die ein und andere Antwort denken.

Niemand in Regierung und Medien wird sich für was auch immer entschuldigen. Niemand von den Maßnahmenverordnern wird sich vor einem Gericht zu verantworten haben. Niemand wird, wie so viele tausend andere Menschen, Arbeit, Reputation, Familie oder Bankkonto verlieren. Da hackt die eine Krähe der anderen kein Auge aus.

Die kleinen Leute müssen Tag auf Tag ertragen, was ihnen von oben aufgebürdet wird. Ertragen, wie mit ihnen verfahren und umgegangen wird. Jeder Hauch von Protest, jedes Fünkchen Gegenwehr ist jetzt laut neuer Definition rechtsextrem.

Und was heute nicht alles rechtsextrem ist: Wer öffentlich gegen deutsche Leopard Panzerlieferungen an die Ostfront ist, macht sich bereits verdächtig.

Noch vor wenigen Monaten war in den Augen mancher rechtsextrem, wer sich nicht zweimal „impfen“ und mindestens einmal hat boostern lassen.

Vielleicht ist morgen rechtsextrem, wer auf dem Dorffest auf eine Grillwurst aus echtem Fleisch besteht. Wer einen alten Benziner fährt. Womöglich öffentlich seinen Unmut gegen Regierung und Medien äußert. Oder der Ansicht ist, dass es viel zu wenig Schulplätze, Krankenhausbetten wie Ärzte, Tafeln und Wohnungen für immer mehr neue Menschen im Land gibt.

Auch über Derartiges zu schreiben, ist heute rechtsextrem.

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Linksextrem gibt es politisch nicht mehr. Es gibt und gilt nur rechtsextrem. Personen, die während der Räumung des besetzten Dorfes Lützerath Molotowcocktails, Raketen und Steine auf Polizisten werfen, werden von Regierung und Medien „Aktivisten“ genannt, nicht Terroristen. Nicht einmal Extremisten.

Sie werden mit Samthandschuhen angefasst. Sie werden unterstützt und finanziell gefördert. Diese sogenannten „Aktivisten“ werden von Regierung und Medien vielfach mit positiv besetzten Attributen behandelt und beschrieben.

Man stelle sich nur einmal vor, auf einer der vielen friedlichen Demonstrationen der letzten Jahre gegen die Coronamaßnahmen wäre nur ein Molotowcocktail geworfen, eine Feuerwerksrakete gegen Polizisten abgeschossen worden. Ich muss hier nicht ausführen, wie Regierung und Medien auf solch einen Gewaltakt reagiert hätten. Wie dann gegen Montagsdemonstranten verfahren worden wäre. Wir wissen es längst.

Noch einmal zu den Vorkommnissen der letzten Silvesternacht in vielen deutschen Städten. Damit derartige Angriffe nicht wieder geschehen, fordert unter anderen der nordrhein-westfälische Innenminister Reul strengere Regeln für den Erwerb von Schreckschusswaffen. Sein Argument: „Schreckschusspistolen und Armbrüste, die bei Reichsbürgern besonders verbreitet sind, sollten künftig nur gegen einen Waffenschein zu haben sein.“ Da haben wir sie. Die Schuldigen. Die Gewalttätigen. Reichsbürger.

Bundesinnenministerin Frau Faeser kündigte im vergangenen März an, das deutsche Waffenrecht ändern zu wollen. Ihr Ziel, mutmaßliche Extremisten zu entwaffnen. Mit Extremisten sind von Faeser wahrscheinlich weniger, wie von Frau Franziska Giffey definiert, „Berliner Kinder“ oder „feiernde Männer“ gemeint.

Schon damals zielte ihr vorgelegter Aktionsplan in erster Linie gegen einen von ihr selbst definierten Rechtsextremismus. Darunter fallen inzwischen von friedlich demonstrierenden Querdenkern bis Rollator schiebenden „Reichsbürgern“ viele Menschen. Politisches Ziel ist, so scheint es, ihre mutmaßlichen Extremisten zu entwaffnen, indem schon ausgestellte Waffenscheine entzogen und Neuanträge generell versagt werden.

Da stellt sich mir die Frage, wer bzw. wie von den Regierenden und ihren Medien heutzutage ein Reichsbürger oder Rechtsextremist definiert wird.

Möglicherweise ist ja schon bald jeder verdächtig, der in dritter Generation als Deutscher ertappt wird. Und weiter interessant: Benötigen für den Besitz einer Schreckschusspistole demnächst einzig sogenannte "Reichsbürger", also in dritter Generation enttarnte, weiße Deutsche einen großen Waffenschein und dürfen anders definierte Bürger derartige Waffen, sagen wir zum „Selbstschutz“, weiterhin frei erwerben?

Wenn ich mir heute düstere Gedanken über das vergehende Deutschland mache, dann muss ich an ein treffendes Satirebild denken. Auf diesem ist eine junge Frau zu sehen, die nachts allein die Straße einer x-beliebigen deutschen Großstadt entlanggeht. Über dem Bild ist zu lesen: „Hoffentlich begegne ich keinem Reichsbürger.“

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