ECDC: überwiegend MSM in Saunen – auch Kampfsport

Auch das noch: Regenfäule kommt beim Menschen an – Tiererreger, Cluster, Hautkontakt

von RA Dirk Schmitz

Risiko für die Allgemeinheit sehr niedrig© Quelle: wikipedia/Centers for Disease Control and Prevention, Pixabay/huumsauna, Montage: Wallasch

Dermatophilus congolensis war eine seltene Zoonose. Seit Ende 2025 gibt es in zehn europäischen Ländern menschlich verbundene Cluster, genetisch eng verwandt, meist nach Venue-Kontakt. Kondome schützen hier kaum – es geht um Haut, Feuchtigkeit und Flächen, nicht um eine klassische STI. Bis August 2026 rund 126 bestätigte Fälle, milde Verläufe, Antibiotika wirken.

Eine neue Spezialerkrankung von „Personen mit häufig wechselndem Geschlechtsverkehr“: Die „Regenfäule“ auch Dermatophilose genannt. Die Erkrankung war bislang eine reine Tiererkrankung. Manchmal haben sich Menschen bei Tieren infiziert - bitte jetzt kein Kopfkino, das wäre ungerecht. Denn die erste Infektion von Menschen wird 1961 aus den USA berichtet. vier Jäger hatten sich an einem Weißhirsch infiziert – späte Rache des Opfers.

Bis 2025. Seither ist die Ansteckungswelt von "dermatophilus congolensis" eine andere. „Regenfäule“ ist ein Bakterium, das sich verhält wie ein Pilz. Es bildet Zoosporen, die den Herd der Ansteckung darstellen mit Langlebigkeit von mehreren Monaten auf der Haut oder kontaminierten Gegenständen. Sie sind dann in Wartestellung bis Wärme und Feuchtigkeit sie aktivieren und nach einem neuen Wirt Ausschau halten lassen. Der bemerkt seinen neuen Untermieter durch Ausschlag.

Tiere, vor allem Huftiere, Schafe, Pferde, Rinder, Esel, entwickeln nasse, entzündete Haut, einen geblich-krustigen Schorf, Haare kleben pinselartig zusammen aufgrund der nässenden Stellen darunter.

Bei Menschen bilden sich Pocken, pickelartige Pusteln, kleine entzündete Knötchen, die mit Eiter gefüllt sind, mit einer heftigen, stark juckenden Dermatitis vergleichbar, zuweilen von einer Entzündung der Haarwurzeln (Follikulitis) an Bart, Leiste oder Genitalien begleitet.

Die ECDC meldete zum 20. August 2026 Fälle in zehn europäischen Staaten: Österreich, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Niederlande, Norwegen, Spanien, Schweden, Schweiz und Vereinigtes Königreich.

Die Behörde beschreibt einen epidemiologische Hauptcluster bei schwulen, bisexuellen und anderen Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), häufig mit vorausgegangenem Besuch von Saunen bzw. Sex-Lokalen. Und damit es politisch nicht zu unkorrekt klingt: Es soll auch Infektionen bei Kontakt- und Kampfsportlern, einschließlich Muay Thai, gegeben haben. Bislang bis zu 126 bestätigte Fälle in Europa. Hohe Dunkelziffer, nicht meldepflichtig.

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Für Deutschland berichtete die ECDC zunächst 16 Fälle, davon 14 in Berlin und zwei in Brandenburg, mit Erkrankungsbeginn zwischen Dezember 2025 und April 2026. Von zehn Patienten, für die detaillierte Expositionsdaten vorlagen, bezeichneten sich alle zehn als MSM. Neun hatten während des wahrscheinlichen Infektionszeitraums eine Schwulensauna besucht, zum 1. Juni 2026 wurde die deutsche Zahl auf 17 Fälle erhöht.

Auch in Frankreich und Spanien ist der Zusammenhang mit schwulen sexuellen Kontakten medizinisch ziemlich eindeutig: Die französische Fachpublikation in Emerging Infectious Diseases beschreibt neun Männer aus Lyon und Paris. Ähnlich in Barcelona: Dort wurden neun Betroffene zwischen Dezember 2025 und März 2026 untersucht. Alle hatten kurz vor Erkrankung Orte für sexuelle Begegnungen besucht; acht davon eine Sauna. Die Isolate waren genetisch eng verwandt.

Statt „Übertragung beim schwulen Sex“ kann man politisch korrekt sagen: Übertragung durch engen Hautkontakt, die gegenwärtig besonders häufig in bestimmten sexuellen Netzwerken von MSM und in entsprechenden Saunen beobachtet wird.

Die plausible Erklärung ist die Expositionssituation: enger und großflächiger Hautkontakt, mehrere Kontaktpersonen, Feuchtigkeit und Wärme sowie gemeinsam benutzte Flächen. Der französische Bericht erläutert, dass Feuchtigkeit und kleine Hautverletzungen bei der Pathogenese des Bakteriums eine wichtige Rolle spielen. Die Genomdaten der europäischen Humanisolate sind außerordentlich eng miteinander verwandt. Wie beim HIV: Eine „human-associated lineage“ – menschenassoziierte Linie – ist wissenschaftlich hoch wahrscheinlich.

Die European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) beschreibt papulöse, pustulöse, schuppende, verkrustete oder follikulitisähnliche Hautveränderungen, häufig an Genitalien, Leisten, Oberschenkeln oder im Bart-/Gesichtsbereich. Die Erkrankungen sind im europäischen Ausbruch noch mild und heilten nach lokaler oder systemischer Antibiotikatherapie.

Wie bei HIV-Infektionen: Die ECDC bewertet derzeit das Risiko für die Allgemeinbevölkerung als sehr niedrig. Allerdings: Ein Kondom kann diese Infektion nicht zuverlässig verhindern, weil es nicht um Sperma oder Schleimhautsekrete geht, sondern um großflächigen Hautkontakt. Das unterscheidet Dermatophilose epidemiologisch etwa von Gonorrhö oder HIV.

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