Toddn Kandzioras Wochenrückblick 18/2021

Auf der anderen Seite der Daseinswippe

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Auf der anderen Seite der Daseinswippe
Es kommt darauf an, wie viele von uns sich für die eine oder die andere Seite der Daseinswippe entscheiden! © Foto: Alexander Wallasch

Ein besseres Land für alle Menschen dieser Erde ist gar kein Deutschland mehr. Keine Landesfahne. Keine gemeinsame Sprache. Ach, und am besten gleich auch keine bösen Deutschen mehr. Weg damit. Zero Covid, Zero Deutschland!

Gut. Ich fang jetzt dann mal an. Der Wecker klingelte mich wie jeden Tag um sieben Uhr in der Früh aus dem Bett. Ein erster Blick aus dem Fenster. Ich wäre gerne liegen geblieben. Ein Blick auf das Außenthermometer. Es zeigt 3 Grad plus an. Draußen ist es weiterhin viel zu kühl für diese Jahreszeit. Es regnet lose Bindfäden und über den Feldern wabert ein tiefliegender Nebel. Der Frühling lässt viel zu lang schon auf sich warten. Ich mache mir, wie oft an diesen kühlen Tagen Sorgen um die verschiedenen Setzlinge im windschiefen Gartenhaus. Um das vorgezogene Gemüse, das seit April auf, für diese Jahreszeit typische Temperaturen wartet. Auf die nötige Wärme, die ein Keimen und Sprießen und ein normales Wachstum ermöglicht. Allein die Erbsen und Bohnen haben es bisher durch die Bodenkrumme geschafft. Das andere Gemüse, von den verschiedenen Gurken und Tomatenarten bis zu den selbst gezüchteten Hokaido Kürbissen, scheint abzuwarten. Auf wärmere Tage. Wie auch ich.

Da es an diesem Morgen im Haus zu kalt ist, heize ich den Ofen an, bevor ich mit dem Hund den ersten Gang des Tages um die Felder mache. Hinter dem Garten steht ein Sprung Rehe auf dem Feld und schaut skeptisch in unsere Richtung. Der Hund winselt verhalten vor sich hin, da derzeit Leinenpflicht herrscht und er nicht kann, wie er gerne würde. Ich ärgere mich, dass ich nicht an meine Handschuhe gedacht hatte. Aber wer denkt schon im Wonnemonat Mai an warme Handschuhe, wenn er vor das Haus geht.

Jetzt steht vor mir auf dem Tisch dampfend der erste Pott Kaffee und im Radio bringen sie „I'm a Loser Baby" von BECK. Genau das Lied, um mich destruktiv in den Tag zu begleiten und mich beim Schreiben der heutigen Kolumne auf den Weg zu bringen.

Ein erster Blick durch diverse Onlinemedien. Von den behördlich verordneten bis hin zu denen, die es bald nicht mehr geben darf. Im zweiten Programm soll gestern Abend die Zahnfee Karl Lauterbach in einer Talkshow gesagt haben: „Noch drei Wochen, danach kann geöffnet werden“ und weiterhin: „Wollen wir nicht drei Wochen durchhalten und dann den vollen Genuss haben?“

Ich schaue ja seit Jahren keine Talkshows mehr. Grund war vor Jahren eine Talkshow im Ersten, in der über das neue Europa diskutiert werden sollte. Zu sehen und hören waren Politiker fast aller Parteien. Außer einer. Der bösen. Ich war recht verwundert über den Talk der eingeladenen Gäste. Sie waren hörbar gleicher Meinung. Eine Diskussion mit kontroversen Ansichten nein, die gab es nicht. Was sollte das also sein? Ich setzte mich noch während der Show an den Computer, tippte die Namen der Politiker ein und fand recht zügig den gemeinsamen Nenner: Sie alle waren Mitglieder der Atlantikbrücke. Ob nun Gelb, Grün, Schwarz oder Rot. Ob Weiblein oder Männlein. Egal.

Entweder hatte Anne Will nicht recherchiert oder die Show war reine Absicht. Ich tippe auf Absicht. Gewollte. Oder war Anne selbst Teil der Truppe?

Die neuen, auf Wokeness (übersetzt man das mit „Angesagtheit“?) produzierten Tatort-Folgen schaue ich übrigens auch nicht mehr. Was schon schade ist. Der tägliche Sonntagabendtatort war mir seit Schimmis Zeiten zu einem lieben Ritual geworden. Aber Frau/Etwas/Mann muss augenscheinlich in der Regierungszeit Merkels groß geworden sein, um einen heutigen Tatort interessant zu finden.

Aber zurück zum Zahnfleisch: Ich wollte doch etwas zum SPD-Abgeordneten Karl Lauterbach schreiben. Dem Herrn Professor Doktor aus Düren, der uns alle miteinander vor geraumer Zeit zu einer letzten großen Schlacht gegen Corona an die Gesundheitsfront befahl, um ein letztes Gefecht bis zur letzten Patrone auszutragen und der nun verkündete, nur noch drei Wochen – nur noch drei Wochen!! – durchzuhalten. Und dann, nach diesen drei Wochen, ja dann können alle wieder den „vollen Genuss haben“.

Gut. Jetzt ein paarmal tief durchgeatmet und an nichts Böses gedacht. Schon gar nicht an das politische Führungspersonal im Land. Zeit, in den Keller hinunterzugehen und mir eine Flasche vom guten, selbst gebrannten Pflaumenschnaps rauf zu holen. Den vom letzten Jahr. Dann ein Glas aus dem Schrank genommen, auf den Tisch gestellt, anschlagvoll eingeschenkt und runter damit. Und dann, aber erst dann, werde ich in Ruhe mal bis zur letzten Patrone durchzählen.

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Was hat dieser obskure Mann gestern nur wieder alles in laufende Kameras der Massen manipulierenden Medien gesprochen? Wir müssen ein letztes Mal und nur drei Wochen durchhalten, um wieder den vollen Genuss zu haben. Und dann. Dann ist alles wieder gut? Alles wieder schön? Dann wird wieder alles geöffnet sein? Auf immer und ewig und alle Zeiten? Na klasse. Danke, Herr Lauterbach. Ich freue mich darauf. Freuen wir uns doch schon heute auf Millionen lachender und singender Menschen, die in drei Wochen wieder auf den Straßen den Sieg über das Virus feiern werden. Aber wenn doch nicht, was kommt denn dann? Kommt im Spätherbst, pünktlich nach der Wahl wie bestellt die viel gefährlichere Klimakrise? Die letzte ultimative Krise, die nicht nur Millionen, nein, Milliarden von Menschen töten kann?

Ich habe mich längst entschieden: Ich glaube nicht mehr an eine Rückkehr zu einer alten Normalität. Eine solche Rückkehr können sich unsere Eliten nicht mehr erlauben. Sich nicht leisten. Wer einmal derartig viel an Macht und Befugnisse, wie die in heutiger Zeit in seinen Händen hielt, der/die/das wird nicht bereit sein, sie wieder abzugeben. Zu verlieren. Und freiwillig schon mal gar nicht. Nach Corona wird daher vor dem Klima sein. Der nächsten, noch bedrohlicheren Krise, die sie auf ihr mit Angst gespanntes Trapez bringen, um uns weiterhin im Medientakt hoch und runter hüpfen zu lassen.

Selten zuvor in der Geschichte wurde die Gesellschaft mehr und planmäßiger gespalten als heute. Die scharfen Äxte zur Spaltung heißen Corona-Pandemie und Klimawandel. Welche Axt den gesellschaftlichen Kahlschlag mehr zu verantworten hat, das sollen kommende Historiker herausfinden. Also vorausgesetzt, es gäbe eine Zukunft, in der dieser Berufszweig eine Bedeutung hat.

Beide Krisen-Phänomene, Corona und Klima, haben ähnliche Wurzeln, auf denen sie wachsen und gedeihen konnten. Ich habe heute die Befürchtung, dass sich diese Wurzeln innerhalb der Gesellschaft derart verzweigt haben, dass sie das Denken zu vieler Betroffener schon kollektivistisch mittels angstbesetzter Themen umwuchert haben. So wild und um sich greifend, dass ein mutiger, frei denkender Prinz aus eigenem Land nicht mehr in der Lage sein wird, all die vielen, in Tiefschlaf versetzten Menschen wach zu küssen und in die real existierende Welt zurückzuholen.

Vielleicht steht unsere Gesellschaft heute am Rand eines Paradigmenwechsels. Und nun kommt es darauf an, wie viele von uns sich für die eine oder die andere Seite der Daseinswippe entscheiden. Wie viele werden sich in unserer Epoche gegen den Individualismus entscheiden, wie viele für das neue Kollektiv, das es gilt anzunehmen? Schon im Jahre 1944 schrieb Friedrich August Hayek vor dem Hintergrund der aufkommenden, sozialistischen Strömungen in Europa folgende Zeilen:

„Das Wort Individualismus hat heute einen schlechten Klang, denn man bringt den Ausdruck in Zusammenhang mit Eigennutz und Selbstsucht. Aber der Individualismus, den wir dem Sozialismus und allen anderen Arten des Kollektivismus gegenüberstellen, braucht damit nichts zu tun haben. (…) Dieser Individualismus, der auf der Grundlage des Christentums und der Philosophie des klassischen Altertums sich zuerst während der Renaissance voll entwickelte und sich seitdem immer mehr als abendländische Kultur entfaltet hat, ist in der Hauptsache durch die Achtung vor dem Individuum als Menschen gekennzeichnet“

Sollten wir tatsächlich die Achtung vor unserer persönlichen Freiheit zugunsten des neuen Kollektivs aufgeben, so geben wir die humanistischen Errungenschaften auf, die wir in den letzten Jahrhunderten uns in Europa erkämpft oder mit Wissen angeeignet hatte. All die Revolutionen, Freiheitskämpfe, die wissenschaftlichen und künstlerischen Erfolge der vielen Kämpfer, Geister, Künstler und Wissenschaftler wären umsonst gewesen.

Je mehr Menschen keine Probleme mehr in dieser Zeit haben oder darin sehen, sich aufgrund vieler unangenehmer bestehender oder kommender Szenarien einer fragwürdigen Meinungsmehrheit unterzuordnen, desto mehr müssen sich jene fürchten, die nicht bereit sind ihre Freiheiten und Rechte, ihre Meinung und Prinzipien aufzugeben.

Schon morgen könnte es so weit sein, sollten die verschiedenen menschenfeindlichen und pessimistischen Strömungen in Politik und Wirtschaft tatsächlich einen vollkommenen Sieg davontragen, sollten Würde und Freiheit des Einzelnen auf dem Müllhaufen der Geschichte entsorgt werden. Wer weiß heute schon, wie morgen mit Querdenkern und Andersdenkenden verfahren wird? Wie wird morgen mit impfunwilligen Personen umgegangen? Können möglicherweise bald die Kinder ihren Eltern entzogen werden, weil diese eine Schulimpfung verweigern?

Wen meint Herr Lauterbach, wenn er sagt, dass wir nur noch drei Wochen durchhalten sollen, um den vollen Genuss zu haben? Was meint er überhaupt mit „vollen Genuss“? Und wer darf diesen in drei Wochen genießen. Wir alle? Jeder von uns? Oder doch nur diejenigen, die sich die Spritze setzen lassen? Immer dann, wenn es verlangt wird. Die sich wieder und wieder testen, testen und testen lassen? Diejenigen, die wie und wo es Pflicht ist, die Maske, die Maske und noch eine neue Maske tragen?

Entschuldigt mein heutiges Gestammel. Doch ich bin verwirrt ob der vielen kryptischen Aussagen einer gewählten Führung dieses Landes. Vielleicht bin ich es aber gar nicht, der verwirrt ist. Vielleicht sind ganz andere Personen dieser Tage noch viel mächtig verwirrter. Oder vielleicht sind die Mächtigen die mächtig Verwirrten?

Verwirrt in ihrem Denken und Sinnen. Und mit dem, was sie vorhaben. Diese Grünen zum Beispiel: Die kommende Regierungspartei mit der neuen, besten Kanzler*in aller Zeiten in spe. Frau Baerbock. Welch eine tolle Frau. So toll, dass sie dieser Tage mehr Lobdudeleien in allen Medien des Landes genießt, als jemals ein Mensch zuvor gelobt wurde in den deutschen Medien. Diese Frau muss doch einfach gut sein. All diese Zeitungen Online oder noch gedruckt können nicht irren. All die vielen, studierten und gut bezahlten Journalist*innen von Bertelsmann, Burda, Springer & Co.

Die Grünen wollen das Wort „Deutschland“ aus ihrem Sprach- und Schriftverkehr entfernen. Bald macht es den Eindruck, sie wollten sich noch schnell vor der großen Wahl komplett selbst entdeutschen. Die Grünen werden im September 2021 die Regierung stellen. Möglicherweise sogar in den Farben Grün-rot-rot Alles ist heute möglich. Gut. Und dann wird Baerbock Kanzler*in.

Ich stelle mir im Moment gerade die linke Kipping als Verteidigungsministerin vor. Das ist jetzt nicht als Scherz gemeint. Alles ist heute möglich. Oder Alt-Antifa-Esken als Vizekanzlerin. Haha. Alles ist denkbar geworden. Bis dahin hinaus, dass sogar das Wort Deutschland verboten wird. Schon deshalb, weil es mit dermaßen viel Leid und Grausamkeit verbunden wird. Deutschland! Welch ein zutiefst rassistischer Terminus. Bloß weg damit. Und erst das Wort „Volk“. Muss auch weg. Das steht sogar noch über dem Reichstag eingemeißelt. DEM DEUTSCHEN VOLKE. Geht gar nicht. Meißelt es raus. Und überhaupt. Reichstag. Ganz böses Wort. Wie viele andere Wörter der deutschen Sprache. VOLK. EHRE. LEISTUNG. ANSTAND. PFLICHTGEFÜHL. HEIMAT. BODEN. All diese Wörter. Weg damit. Und wenn ich gerade dabei bin. Die deutsche Sprache an sich. Die sollte doch verboten werden. Ist doch in der deutschen Sprache das absolut Böse seit Menschengedenken so tief verwurzelt.

Wir dürfen schon gespannt sein, wie viele es sein werden, die am 26. September 2021 die Grünen wählen. Damit dieses Land endlich ein gutes Land wird, gut erst, wenn es ganz verschwunden ist! Ein besseres Land für alle Menschen dieser Erde ist gar kein Deutschland mehr. Keine Landesfahne.  Keine gemeinsame Sprache. Ach, und am besten gleich auch keine bösen Deutschen mehr. Weg damit. Zero Covid, Zero Deutschland!

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