„Leugnung“ ist ein missbräuchlicher Begriff aus der Theokratie – aus der Vormachtstellung der Kirche

Aus der Wörter-Giftliste der grünistischen Moral-Republik: „Klimaleugner“

von Dr. Philipp Lengsfeld

Du Klimaleugner!© Quelle: Pixabay/apafox, Bearbeitung: Grok

Nach meinem Eröffnungstext über die Denunziationsvokabel „Kriegstreiber“ möchte ich jetzt eine weitere grünistische Kampf- und Denunziationsvokabel diskutieren: „Klimaleugner“.

Von Philipp Lengsfeld

Wobei man statt „Klima“ auch jeder x-beliebige andere Begriff verwendet werden kann, der irgendetwas mit Wissenschaft oder wissenschaftlichen Diskussionen zu tun hat, in der Hochzeit der Covid-19-Pandemie-Hysterie, war es ja gerne der „Coronaleugner“.

Die Giftküche der Denunziationsvokabeln in diesen eigentlich sachgetriebenen Themenbereichen wurde direkt aus dem Mittelalter in die Neuzeit geholt: Der Kernbegriff „Leugnung“ und seine Personifizierung in dem „Leugner“ sind dabei an verlogener Perfidität nicht zu überbieten.

Fakten kann man nicht leugnen, die rationale Wissenschaft, insbesondere die Naturwissenschaften basieren auf Daten und deren Interpretation, die nach Gesetzen der logischen Argumentation widerlegt oder durch Bestätigung, bzw. gescheiterter Nicht-Widerlegung gestärkt werden können.

„Leugnung“ ist dagegen ein missbräuchlicher Begriff aus der Theokratie, aus der Vormachtstellung der Kirche: „Leugnen“ tut man z.B. die Existenz Gottes oder die Jungfrauengeburt. Das Gegenstück zu „leugnen“ ist natürlich auch nicht „wissen“, sondern „glauben“.

Achten sie mal darauf, wie prävalent im deutschen Sprachgebrauch die Formulierung „ich glaube dies oder jenes“ vorkommt, meist übrigens in der Variante „das kann ich einfach nicht glauben“ oder „glaubst Du das wirklich“?

Gerne wird sich in Deutschistan ja auch „bekannt“ – ein Volk, das oft schon gehörigen Abstand zur christlichen Kirche hat, wo man seinen Glauben gemeinsam im Gottesdienst „bekennt“, hat sich eine Alltagsbeseeltheit aufgebaut, wo man sich statt zur „Gemeinschaft der Heiligen“ und „Vergebung der Sünden“ lieber zur Mülltrennung oder zum Kreuzzug gegen den Klimaweltuntergangshitzetod „bekennt“.

Besonders toxisch in dieser kryptoreligiösen, post-christlichen Welt ist aber eben die Universalanklage: „Leugnung“.

„Klimaleugnung“ oder wenigstens „Klimawandelleugnung“ war zwischenzeitlich ein anstandslos benutztes Wort. Durch häufige Wiederholung auch aus berufenem professoralem Mund so akzeptiert, wie weiland der „Flüchtling“ in der Asylkrise.

Dabei „leugnet“ kein Wissenschaftler einen echten Fakt, also einen Datensatz, ein Modellierungsergebnis, eine Veröffentlichung. Und die wissenschaftliche Methode erzwingt das wissenschaftliche Argumentieren. Wozu man übrigens keine wissenschaftlichen Weihen braucht (das ist ja das ganze Geheimnis der Algorithmen, der KI). Wie im Handwerk auch, weist der Meistertitel nur jemanden aus, der voll ausgebildet wurde und mindestens mal sein „Meisterstück“ erfolgreich herstellen musste.

Man kann Tatsachen nicht „leugnen“, in der Wissenschaft schon gar nicht. Deshalb kann es auch keine „Leugnung“ geben, sei sie nun „Klimaleugnung“ oder „Coronaleugnung“ genannt.

Wissenschaft hat nichts mit „Glauben“ oder Religion zu tun und auch nichts mit Kunst und Kreativität, genauso wenig, wie mit Politik. Im Gegenteil, „politisch“ ist das Gegenstück zu „wissenschaftlich“ – eine „politische“ Bewertung ist im schlechten Falle manipulativ, im guten Falle pragmatisch-konstruktiv, aber sie weicht immer von einer rein wissenschaftlichen Analyse ab, da sie immer das Moment der subjektiven Bewertung und Entscheidung hat, was die wissenschaftliche Analyse nicht kennt.

Weshalb ja auch das Konzept „Konsens“ nichts mit Wissenschaft zu tun hat. Gefühle, insbesondere kollektivistische Gefühle (der englische Fachbegriff group think bringt da noch mal eine ganz eigene Note ein) haben keinerlei Platz in der Wissenschaft. In der echten Wissenschaft gibt es keine „Bekenntnisse“ (sondern maximal Annahmen und Szenarien) und erst recht gibt es keine „Zweifler“ (die vermeintlich passendere Ersatzvokabel zu dem Totschlagwort „Leugner“) – das sind alles Frames aus der Religion und aus dem postreligiösen Politdiskurs der Neuzeit in Traditionslinie der spanischen Inquisition oder der stalinistischen Gedankenpolizei.

Weiterlesen nach der Werbung >>>

Ihre Unterstützung zählt

Mit PayPal

„Leugnen“ tun Täter ihre Taten, Verbrecher ihre Verbrechen. Das ist menschlich, aber es ist in einer freien Gesellschaft auch ein Menschenrecht (da sonst dem im Mittelalter üblichen Foltergeständnis Tür und Tor geöffnet wird). Die Vorstufe von „leugnen“ ist natürlich die Lüge, ein in der Politik und im Krieg omnipräsentes Mittel. Die Übergänge zwischen Demagogie, Propaganda, ehrlich überzeugtem Missionarstum und hoch raffinierter, grundperfider politischer Manipulation sind da manchmal fließend, aber es gibt immer einen Umschlagpunkt, eine Grenze.

Da Lüge und Manipulation in der Politik und im Krieg üblich sind, befassen sich natürlich auch wissenschaftliche Fachgebiete mit diesen Komplexen – insbesondere die Politologie und vor allem die Geschichtswissenschaften. Und hier sieht man die klaren Trennlinien: Eine nicht manipulierte historische Quelle kann man niemals „leugnen“, aber man kann es natürlich versuchen. So wie es in der Vergangenheit immer und immer wieder getan wurde – ein jüngerer Klassiker ist die geheime Zusatzvereinbarung zum Hitler-Stalin-Pakt mit der Teilung Polens und Osteuropas zwischen Nazideutschland und der kommunistischen Sowjetunion vom 23. August 1939 und der im Anschluss an die Besetzung des ostpolnischen Teils durch die Rote Armee erfolgten genozidalen Massakern von politischen Offizieren und Intellektuellen in Katyn durch die Sowjets. Dieser Teil der europäischen Geschichte wurde von den Kommunisten jahrzehntelang konsequent „geleugnet“. Mit erheblichem Aufwand und großer Brutalität.

Aber immer und immer wieder: Fakten kann man nicht „leugnen“ – die Wahrheit setzt sich am Ende durch – in der Naturwissenschaft eh, aber auch in anderen Bereichen des Lebens.

Lassen Sie sich deshalb, auch wenn Sie kein Naturwissenschaftler oder Ingenieur sind, niemals von jemanden als „Leugner“ stigmatisieren.

Sie können dem Autor schreiben: p.lengsfeld@arcor.de

Der Autor: Dr. Philipp Lengsfeld, geboren 1972 in Ost-Berlin, ist parteilos politisch aktiv im liberal-konservativen Lager. Er war 20 Jahre Mitglied der CDU und von 2013 bis 2017 Mitglied des Deutschen Bundestages.

Ihre Unterstützung zählt

Mit PayPal