Letzter Teil unserer Serie, die sich in 8 Folgen mit weltweiten Alternativen zu Deutschland beschäftigte

Auswandern – Ein Resümee

von Corinne Henker (Kommentare: 6)

„Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben.“© Quelle: Pixabay / StockSnap

Nachdem ich mögliche Auswanderungsziele auf allen Kontinenten etwas näher betrachtet habe, möchte ich nun noch ein paar abschließende Gedanken zum Thema „Auswandern" äußern.

Es ist offensichtlich, dass es keine Patentlösung für jeden Einzelnen geben kann. Die einen sind heimatverbunden, möchten ihre Freunde und Verwandtschaft nicht verlassen und ertragen lieber die verrückteste Regierungspolitik, als Deutschland den Rücken zu kehren. Und diejenigen, die es nicht mehr ertragen können, haben sehr unterschiedliche Vorstellungen darüber, wo und wie sie in Zukunft leben möchten. Und natürlich hat auch jeder unterschiedliche Möglichkeiten in Bezug auf Ausbildung, Sprachkenntnisse oder finanzielle Ressourcen. Gesundheitliche Probleme oder Kinder in Ausbildung machen die Entscheidung auch nicht gerade leichter.

Ich bin im real existierenden Sozialismus der DDR aufgewachsen und wollte dort weg, sobald ich klar denken konnte. Selbst hinter dem eisernen Vorhang fühlte ich mich mehr europäisch als deutsch. Die griechisch-römische Mythologie faszinierte mich ebenso wie die nordisch-germanische. Von der DDR aus bereiste ich den Ostblock – so weit möglich. Nach meiner „Republikflucht“ erschloss ich mir die Welt. Ich ergründete die Vielfalt der Kulturen und Landschaften, wobei mir einige weitaus besser gefielen als andere.

Spätestens da erkannte ich, dass Moral und Werte immer subjektiv sind. Im Westen redet man zwar viel von „wertegeleiteter Politik“, aber ich vermute, auch Taliban und IS halten ihre Werte für die besten.

Mit den Werten im Scholzland 2023 kann ich mich jedenfalls nicht mehr identifizieren. Ich beurteile meine Mitmenschen nach ihren Fähigkeiten, Leistungen und ihrem Charakter und bin nicht bereit, Pluspunkte für Pigmentierung, Geschlechtsorgane oder sexuelle Präferenzen zu vergeben. Ebensowenig, wie ich bereit bin, den Klimagötzen zu huldigen und mich von deren ungebildeten aber fanatischen Jüngern bevormunden zu lassen. Die allseits gepredigte Vielfalt ist aus meiner Sicht nur stumpfsinnige, prollige Einfalt. Klimakleber und frei baumelnde Geschlechtsorgane auf Massenparaden sind ein untrügliches Zeichen von Wohlstandsverwahrlosung. Ideologie ersetzt Intelligenz. Wenn das die neuen, allgemeingültigen Werte sein sollen, ist dieses Land nicht mehr mein Land. Mit den Menschen, die sich dieser Ideologie unterwerfen, habe ich nichts mehr gemeinsam. Es gibt lebenswertere Flecken auf dieser Welt.

Eigentlich würde ich lieber heute als morgen das Land verlassen, muss aber aus persönlichen und beruflichen Gründen wohl noch drei bis vier Jahre bleiben. Als Notfallplan gibt es immerhin meine gültige Residencia permanente in Mexiko. In jedem Fall werde ich legal in ein Land einwandern, in dem ich respektiert statt bevormundet werde. Ich werde nicht mit leeren Händen kommen, mich bestmöglich integrieren, Kultur und Werte achten und niemandem zur Last fallen.

Ich habe noch nicht definitiv entschieden, wo ich meinen Ruhestand verbringen möchte. Die Perpetual Traveler-Variante würde meiner Begeisterung für das Reisen am weitesten entgegenkommen. Doch ich werde nicht jünger und weiß nicht, wie lange ich mir das finanziell und gesundheitlich leisten kann.

Für einen dauerhaften Ruhesitz habe ich derzeit drei Favoriten:

  • Ungarn – wegen der Politik und der Nähe zur Verwandtschaft in Deutschland.
  • Spanien – wegen Sonne, Meer und Lebensstil.
  • Mexiko – wegen der landschaftlichen und kulturellen Vielfalt und der Ferne zur EU.

Aber das ist mein ganz persönlicher Geschmack. Für andere Meinungen in den Kommentaren wäre ich sehr dankbar: Es kann nie schaden, seinen Horizont zu erweitern.

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Ich denke schon lange über das Auswandern nach und habe deshalb noch ein paar Tipps für diejenigen, die zwar prinzipiell interessiert sind, sich aber noch nicht so ausgiebig damit beschäftigt haben:

  1. Vertrauen Sie auf sich selbst!
    Besprechen Sie Ihre Pläne mit Ihrer Familie und entscheiden Sie gemeinsam, aber lassen Sie sich nicht von Außenstehenden unter Druck setzen. Insbesondere sollten Sie nicht davon ausgehen, dass es deutsche Auswanderer in einer bestimmten Region immer gut mit Ihnen meinen.
  2. Informieren Sie sich gründlich über Ihre potentiellen Zielländer!
    Verbringen Sie zumindest mehrere Urlaube vor Ort, lesen Sie alle Informationen, die Sie finden können, schauen Sie Youtube-Videos und verfolgen Sie die lokalen Nachrichten.
  3. Lernen Sie die Landessprache!
    Zumindest gewisse Grundlagen sollten vorhanden sein, bevor Sie endgültig umziehen. Für die Grammatik sind Kurse sehr hilfreich, ansonsten habe ich gute Erfahrungen mit Duolingo gemacht: Ich übe täglich etwa eine halbe Stunde Spanisch. Nachteil: Mit Deutsch als Ausgangssprache kommt man nicht weit, erst mit Englisch erschließt sich die ganze Welt der Sprachen – bis hin zu Klingonisch. Bücher und Filme (mit Untertiteln in der zu lernenden Sprache) sind hilfreich für Fortgeschrittene. Kindle und Netflix bieten eine gute Auswahl. Natürlich lernt man die Sprache am besten vor Ort, oft sind dort auch die Kurse billiger, aber Grundkenntnisse vor Einreise können nie schaden.
  4. Seien Sie auf einen Kulturschock gefasst!
    Während man im Urlaub vieles idealisiert, werden die Probleme erst bei einem längeren Aufenthalt deutlich. Deutsche Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit sollte man in südlichen Ländern besser nicht erwarten. Andererseits findet man diese in Deutschland auch immer seltener. In Schwellenländern kann man nicht unbedingt von einer zuverlässigen Versorgung mit Energie und Trinkwasser ausgehen. Auch öffentliche Sicherheit und Gesundheitswesen können sich als gewöhnungsbedürftig erweisen. Flexibilität und Anpassung sind hier gefragt, manchmal auch etwas Schmiergeld. Als arroganter, fordernder Ausländer beißt man dagegen auf Granit.
  5. Wenn Sie umziehen: Lieber erst mieten, später eventuell kaufen!
    In einigen (lateinamerikanischen) Ländern erhält mit dem Kauf einer Immobilie leichter eine Aufenthaltsgenehmigung, ansonsten empfiehlt sich die Miete. Bei der ersten Besichtigung kann man sich kaum ein umfassendes Bild davon machen, ob einem die auserkorene Region wirklich langfristig zusagt – und eine unerwünschte Immobilie wieder loszuwerden kann schwierig werden. Zum anderen bekommt man durch einen längeren Aufenthalt als Mieter ein besseres Gespür für den lokalen Immobilienmarkt und realistische Preise.

Das ist so ziemlich alles, was mir zu diesem Thema einfällt. Aber wie schon gesagt: Ich bin dankbar für jeden weiteren Ratschlag. Allerdings wird es niemand schaffen, mich für Scholzland 2023 zu begeistern. Und ich glaube auch nicht mehr daran, dass es gewaltlos reformierbar ist.

„Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben.“ (Alexander von Humboldt)

Auswandern – Eine Serie

Der Traum vom Auswandern
von Corinne Henker am 3. Juli 2023

Auswandern in Europa – Ein Überblick
von Corinne Henker am 7. Juli 2023

Auswandern – Asien
von Corinne Henker am 19. Juli 2023

Auswandern - Nordamerika
von Corinne Henker am 23. Juli 2023

Auswandern – Afrika - Australien
von Corinne Henker am 27. Juli 2023

Auswandern – Lateinamerika
von Corinne Henker am 29. Juli 2023

Auswandern – Mexiko
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Auswandern – Ein Resümee
von Corinne Henker am 14. August 2023

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