Die Pandemie der Experten

Berlin bellt und jault: Männer in Hundekostümen lassen sich von Kindern streicheln

von Julian Adrat (Kommentare: 4)

Sexualassistentin für Senioren in Altenheimen© Quelle: Youtube/ Six Screenshot

Ich habe nach dem Gegenteil von „Triggerwarnung“ gegoogelt. Leider scheint es da nichts zu geben. Ich wollte von den 400 Menschen sprechen, die sich letzte Woche als Hunde verkleidet in Berlin auf dem Potsdamer Platz versammelt hatten.

Dort forderten sie Rechte für „Trans-Spezies“. Sie taten das verbal, aber ohne zu reden, sie jaulten und bellten.

Viele werden schon davon gehört haben. Daher die „Anti-Triggerwarnung“. Wer, insbesondere, von sexuellen Abgründen berichtet, läuft mittlerweile Gefahr, zu langweilen. Was die Frage aber nicht beantwortet, was es mit einer Gesellschaft macht, wenn man ihr jede Schweinerei zutraut.

Ich wollte außerdem vom Hauptstadt-Portal berlin.de reden, wo zehn Jahre lang - bis vorgestern - ein Buch zum Download stand, das Kindern Prostitution erklärt, und von einem Bericht des Berliner Kuriers, der von einer „Sexual-Assistentin“ berichtet, die in Berliner Pflegeeinrichtungen Senioren zur Hand geht, sozusagen.

Der Vollständigkeit halber - immerhin hatte auch die „New York Post“ berichtet: Auf dem Potsdamer Platz waren es in erster Linie Männer, die Hundekostüme trugen. Aber: „Ein Puppy ist ein Puppy. Ein Puppy kann alles sein – lesbisch, schwul, bi, trans*, inter, queer, hetero. Die Puppy-Welt ist inklusiv“, schreibt die Gruppe PupPlay Berlin auf ihrer Facebook-Seite.

Einen Bekanntheitsschub haben die Männer in Hundekostümen durch Videos erhalten, in denen sie sich auf CSD-Paraden von Kindern streicheln ließen. Laut „New York Post“ unterscheiden Experten dabei zwischen „Therians“ und „Furries“. Als „Therians“ werden Menschen bezeichnet, die sich selbst als nicht-menschliche Wesen identifizieren. Der Begriff „Furries“ bezeichnet hingegen Personen, die sich gerne als realistische Tiere verkleiden und auch deren Verhalten adaptieren.

Mir war sofort aufgefallen: Auch der Berliner Kurier spricht einmal von „Sexualassistentin“, die Senioren ihr letztes Mal bereitet, dann von „Sex-Expertin“. Der Artikel der BILD-Zeitung über die „Hure“ Rosi, die Kindern Prostitution erklärt, kommt zu meiner Enttäuschung ganz ohne Experten aus, aber Google belohnt mich schnell mit einem verwandten Thema: „Zwei Stunden Penis und Vulva und schon brennt die Schule“ titelt Alexander Kauschanski in der ZEIT seinen Bericht über einen Protest, zu dem sich „eine Koalition aus katholischen und muslimischen Hardlinern, Verschwörungstheoretikern und Rechtsextremen“ zusammengefunden hat.

Es geht dabei um dem seit neuestem verpflichtenden Sexualkundeunterricht in Belgien. Acht Schulen brannten. Um die Situation zu entschärfen, verschickte die Ministerin ein Rundschreiben an die Schulen: Am 300-seitigen Leitfaden des Projekts hätten 150 Experten mitgewirkt. 150 Experten. Die ZEIT schrieb ganz ohne Gendersterne. Ich war beeindruckt, aber nicht befriedigt. Was die Qualifikation sein muss, um als Experte Kinder „sexistischer und homophober Stereotype“ zu entwöhnen, blieb offen.

Überhaupt ist spätestens seit der Pandemie der Begriff „Experte“ zum Ass im Ärmel aller säkularen Berichterstattung mutiert - ein säkularer Totschlagbegriff, vergleichbar mit „Steht in der Bibel“ für religiöse Menschen. Apropos Bibel: Im babylonischen Babel war es die Hybris der Menschen, einen Turm zu bauen, der bis zum Himmel reicht, die dazu führte, dass die Menschen plötzlich einander nicht mehr verstanden.

Klar, es stimmt: Belgien ist nicht Babylon, Berlin nicht Babel. Immerhin haben wir in 14 Jahren einen Flughafen gebaut. Ätsch! Und noch haben keine Schulen gebrannt. Der Fairness halber: An Türmen haben wir uns schon lange nicht mehr versucht, die höchsten baut man ganz woanders. Klar ist aber auch: An zunehmender Tribalisierung und der Unfähigkeit, miteinander zu reden und einander zu verstehen, ist nicht nur die Migration schuld.

Zu Triggerwarnungen bilanzieren Victoria Bridgland von der Flinders Universität und Psychologen der Harvard Universität, dass diese nicht vor negativen Gefühlen schützen, sondern im Gegenteil vorab leichte Erwartungsängste schüren. Ob wenigstens Anti-Triggerwarnungen davor schützen können? Das sollen die Experten klären.

Wuff, Wuff

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