Die politische Klasse entwickelt ein parasitäres Verhältnis zu den Menschen

Brot zu teuer? Dann kauft doch Kuchen!

von RA Dirk Schmitz

Der Bäcker ist deshalb noch lange kein Abzocker – Auch er muss Personal, Räume, Energie und Zutaten bezahlen© Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=bkhHxchKhZ0, Dirk Schmitz, Montage: Wallasch

Wer morgens die Ladentür aufschließt, soll sich am Wochenende vier Stücke Kuchen kaufen können, ohne darüber nachdenken zu müssen, was dafür bis zum Monatsende ausfallen muss. Das ist kein überzogener Anspruch. Es ist ein ziemlich bescheidener Maßstab für ein Land, das sich wohlhabend nennt.

Von RA Dirk Schmitz M.A.

Vier Stücke Kuchen, 15 Euro. Heute beim Bäcker in Haueneberstein, zum Mitnehmen. Kein Cafébesuch, keine Bedienung, kein Kaffee. Nur eine Pappschachtel mit vier Stückchen Normalität. Ein kleiner Einkauf, an dem sich eine große Frage stellen lässt: Was ist Arbeit in diesem Land eigentlich noch wert?

Eine Vollzeitkraft im Bäckereiverkauf verdient in Baden-Württemberg nach dem Entgeltatlas im Median rund 2.450 Euro brutto. Für einen Single bleiben ungefähr 1.740 Euro netto. Wer dafür 40 Stunden pro Woche arbeitet, muss für diese Schachtel Kuchen rund anderthalb Stunden seines Nettolohns aufbringen. Anderthalb Stunden stehen, bedienen, kassieren, aufräumen. Für vier Stücke Kuchen.

Noch deutlicher wird das Verhältnis, wenn man die unvermeidlichen Ausgaben abzieht. In einer beispielhaften, durchaus bescheidenen Haushaltsrechnung bleiben nach einer Warmmiete von 700 Euro, Strom, Telefon, Versicherungen, Mobilität, Lebensmitteln und einer kleinen Rücklage etwa 360 Euro im Monat frei verfügbar. Ohne eigenes Auto. Ohne größere Anschaffungen. Die vier Stücke Kuchen verschlingen damit mehr als vier Prozent des verbliebenen Monatsbudgets. Bei höherer Miete wird selbst diese kleine Ausgabe zur Abwägung.

Der Bäcker ist deshalb noch lange kein Abzocker. Auch er muss Personal, Räume, Energie und Zutaten bezahlen. Der Preis allein beweist weder überhöhte Gewinne noch die Schuld einer bestimmten Regierung. Er zeigt aber, wie eng der Spielraum für Menschen geworden ist, die täglich arbeiten und sich trotzdem jeden kleinen Genuss ausrechnen müssen.

Eine politische Klasse, die ihre eigene Versorgung als Selbstverständlichkeit behandelt, den bescheidenen Wohlstand der arbeitenden Bevölkerung hingegen als verzichtbaren Luxus, entwickelt ein parasitäres Verhältnis zu den Menschen, von deren Leistung sie lebt. Sie nimmt deren Arbeit in Anspruch und verliert zugleich jedes Verständnis für deren Alltag. Politische Verantwortung bedeutet dann offenbar, anderen zu erklären, weshalb weniger für sie übrig bleiben müsse.

Eine solche politische Klasse muss gehen: abgewählt und durch Menschen ersetzt werden, die ihren Erfolg am Lebensstandard der Bürger messen lassen.

Wer morgens die Ladentür aufschließt, soll sich am Wochenende vier Stücke Kuchen kaufen können, ohne darüber nachdenken zu müssen, was dafür bis zum Monatsende ausfallen muss. Das ist kein überzogener Anspruch. Es ist ein ziemlich bescheidener Maßstab für ein Land, das sich wohlhabend nennt.

 

Ihre Unterstützung zählt

Mit PayPal

Einen Kommentar schreiben

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen. Aufgrund von zunehmendem SPAM ist eine Anmeldung erforderlich. Wir bitten dies zu entschuldigen.