Vorsorge jetzt: Horten Sie schon?

Christian Rieck gibt Tipps für Krisen: „Wie man sich richtig vorbereitet“

von Bertolt Willison (Kommentare: 1)

Man hört es von allen Seiten. Brennholz wird bestellt, Konservendosen werden palettenweise nach Hause geschleppt, Solargeneratoren angeschafft, Gasflaschen gehortet, sogar Grillkohle wird gebunkert.© Quelle: Bertold Willison

Wo Friedensverhandlungen in weite Ferne rücken, kommt der Krieg immer näher. Müssen wir uns auf das Schlimmste vorbereiten? Heute Morgen wurden Kiew und weitere Städte in der Ukraine von russischen Raketen angegriffen. Es gab Tote und Verletzte zu beklagen. In der gesamten Ukraine wurde Luftalarm ausgelöst.

Auch eine andere Nachricht von heute macht deutlich, dass sich die Eskalationsspirale immer schneller dreht: Die dänische Ostseeinsel Bornholm war nach einem Schaden an einem Hochseekabel mehrere Stunden komplett ohne Strom.

Vielleicht nur ein technisches Versagen, aber wer weiß das schon heute. Gezielte Anschläge auf die Infrastruktur sind mindestens ebenso wirksame Waffen wie Panzer und Raketen.

Solche Anschläge können beispielsweise erreichen, dass die Stromversorgung plötzlich unterbrochen ist und hunderttausende Menschen buchstäblich im Dunkeln sitzen. Kein Licht, kein Strom – und vielleicht am Bedrohlichsten: kein Internet. Was das bedeuten kann?

Nicht weniger als ein Ende der gewohnten modernen Form der Kommunikation. Ich schließe jede Wette ab, dass die Menschen lieber ohne Heizung in Decken gehüllt vor dem Rechner oder am geladenen Handy sitzen, als dass sie die warme Bude ihren elektronischen Kontakten und ihrem elektronischen Blick in die Welt vorziehen würden.

Aber so ein Blackout beendet ja beides, Heizung und Internet. Und er käme von einem Moment auf den anderen ohne konkrete Vorankündigung. Nicht nur das Licht geht überall aus, auch die Trinkwasserversorgung bricht zusammen und die Menschen frieren vor kalten Heizungen. Das sind zweifelsfrei kriegsähnliche Zustände, ohne dass auch nur eine einzige Bombe fällt.

In dieser dramatischen Situation haben nun Experten verschiedener Hilfsorganisationen flächendeckende Krisen-Vorbereitungskurse gefordert.

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In manchen Städten werden diese unter dem Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ schon durchgeführt.

Da geht es zum Beispiel um die alternative Gewinnung von Trinkwasser, die Vorratshaltung von Lebensmitteln, Erste-Hilfe-Maßnahmen bei medizinischen Notlagen und die Bekämpfung von Bränden.

Alles existentiell wirklich wichtig. Man fragt sich nur, ob es für die Organisation von derartigen Survival-Seminaren nicht zu spät ist. Wer sollen die Anbieter sein? Der Malteser Hilfsdienst, das Technische Hilfswerk, das Rote Kreuz? Oder vielleicht die Volkshochschulen? Wie finanziert sich das Ganze? Zahlen die Teilnehmer Gebühren oder wird auch dieses Projekt mit Steuergeldern subventioniert? So schnell, wie es angebracht wäre, lässt sich diese Idee nicht umsetzen.

Ein solches institutionelles Angebot aber ist womöglich überhaupt nicht mehr notwendig. Weil viele Bürger nämlich inzwischen Eigeninitiative ergreifen und vor diesem Staat, von dem sie sich im Stich gelassen fühlen, sowieso schon die Flucht ergriffen haben. Bis auf die Antifa und die Grünen natürlich.

Inzwischen wird flächendeckend gehortet (neudeutsch: gepreppt), was das Zeug hält. Und diejenigen, die sagen, sie tun es nicht, machen es heimlich.

Man hört es von allen Seiten. Brennholz wird bestellt, Konservendosen werden palettenweise erstanden, Solargeneratoren angeschafft. Jeder hat seine eigene Art und Weise und Einfälle, was ihn und seine Familie über den sehr kalten, vielleicht sibirisch kalten Winter bringen könnte.

Aber das gehört auch zur Wahrheit dazu: Nicht jeder hortet schlotternd vor Angst, sondern viele auch mit einem gewissen Spaß daran, Teil von etwas zu sein, was man bisher nur aus Geschichtsbüchern und Kriegsfilmen kannte.

Ist das die Lust am eigenen Untergang? Die Lust, die persönliche Endlichkeit noch ein wenig hinauszuzögern? Um dann nach Wochen der Isolation (kommt einem irgendwie bekannt vor) in blühende Landschaften hinauszutreten. Wir umarmen uns erleichtert. Die Apokalypse ist vorbei. Die Vöglein zwitschern. Windräder summen, Wärmepumpen brummen. Schöne neue Welt. So ähnlich funktioniert nur Kaugummiwerbung, der pfefferminz-frische Kuss nach der Zeit der Cholera.

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Das Internet ist voll mit weisen Ratschlägen, wie man durch den Blackout kommt.

Der Wirtschaftswissenschaftler Christian Rieck, wir berichteten von seinen spieltheoretischen Überlegungen zu der Frage, wer für die Anschläge auf die Nord-Stream-Pipelines verantwortlich sein könnte, hat im Mai letzten Jahres auf seinem Youtube-Kanal ein Video veröffentlicht mit dem Titel „10 Tipps für Krisen! Wie man sich richtig vorbereitet“.

Damals konnte Rieck natürlich nicht ahnen, dass wir uns im deutschen Herbst 2022 in einem kriegsähnlichen Szenario befinden würden. Mit Krise meinte der Professor aus Frankfurt eine dramatische Wirtschaftskrise.

Sein Video ist jedoch auf die jetzige Zeit übertragbar. Nicht nur, weil es diejenigen, die schon am Vorbereiten auf den Blackout-Tag X sind, auf neue Ideen bringt, sondern auch, weil er unseren Zeithorizont vom Davor über das Ist bis hin zum Danach erweitert.

Und auch, weil er im Subtext denjenigen, die sich noch nicht in Bewegung gesetzt haben, um sich zu präparieren, vermittelt, dass sie nun ganz schnell in den Handlungsmodus umschalten müssen. Ehe es zu spät für sie ist.

Hier in sehr kurzer Zusammenfassung die Tipps von Prof. Dr. Christian Rieck, manchmal eher Merksätze, die zum weiteren Überlegen animieren. Ganz am Ende dann das Video mit Christian Rieck mit näheren Erläuterungen hierzu.

10 Tipps für Krisen! Wie man sich richtig vorbereitet

  1. Die Krise kommt über Nacht. Sie merken es erst, wenn sie eingetreten ist.
  2. Es gibt keine Sicherheit mehr.
  3. Geld ist innerhalb kürzester Zeit nicht mehr verfügbar.
  4. Besorgen Sie sich rechtzeitig Tauschgegenstände. Wertgegenstände sind nicht das Gleiche und helfen ihnen während der Krise kaum.
  5. Man sollte an Widerstandsfähigkeit denken.
  6. Man muss sich in normalen Zeiten positionieren. In dem Augenblick, wo die Krise bereits begonnen hat, ist es zu spät.
  7. Echte Freunde sind extrem wichtig.
  8. Schulden durch Inflation loszuwerden, ist ein reines Schönwetter-Modell.
  9. Das Ende einer Krise kommt fließend.
  10. Lesen sie vorher gute Bücher zu dem Thema.

Hier das Video mit Prof. Dr. Christian Rieck

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Kommentare

Kommentar von Alfonso Kerner

"Besorgen Sie sich rechtzeitig Tauschgegenstände. Wertgegenstände sind nicht das Gleiche und helfen ihnen während der Krise kaum."

Immer diese schlauen Empfehlungen.

Willst du was beim Bauern eintauschen, dann musst du einen Sack voll Saatweizen mitbringen.
Aber wer hat schon vorgesorgt, dass er in Krisenzeiten als Tauschmittel ein paar Säcke Saatweizen vorrätig hat?
Willst du beim Metzger per Tauschgeschäft ein paar Fleischstücke erwerben, dann geht das nur, wenn dafür eine Krügerrand-Goldmünze eintauschen kannst.

Das alles funktioniert nur bei ein paar ganz wenigen Menschen.

Die anderen müssen nun mal einen Baseballschläger mitnehmen, wenn sie sich etwas zum Essen besorgen wollen.