Heinz war Deutscher – Mach‘s gut Heinz – Du warst ein Guter!

Das alte Haus wird abgerissen

von Toddn Kandziora (Kommentare: 5)

Ist es nicht von Vorteil, sich mit Kritik über heutiges Ungemach zurückzuhalten? Nicht ohne Grund versteckte ich meine Kritik, meinen Ärger vermehrt „zwischen den Zeilen“.© Quelle: Pixabay / Kaffee

Gleich gehe ich mit dem Hund vor die Tür. Bevor es draußen zu warm wird. Laut ist es schon jetzt. Sehr laut ist es an diesem Morgen. Seit sieben Uhr sind Bauarbeiter mit schwerem Gerät dabei, das Haus von gegenüber abzureißen. Das Haus von Heinz. Heinz, der immer so laut lachen konnte, dass es einen oft zum Mitlachen zwang.

Heinz, der kurz vor Corona an einem Wahlsonntag in seiner Küche verstarb, nur wenige Tage bevor er in Rente gehen konnte. Auf die er sich freute und vor lauter Vorfreude auf den verdienten Ruhestand Wochen vorher wieder mit dem Rauchen begonnen hatte.

Es fiel auf, dass Heinz am Sonntag nicht persönlich zur Wahl in unserem kleinen Dorf erschien. Eine Briefwahl kam wie für viele von uns nicht in Betracht. Keiner weiß, wer in einem stillen Kämmerlein auf der Samtgemeinde die Kreuze derjenigen zählt, die aus welchen Gründen auch immer nicht mehr persönlich in der Kabine ihr Kreuz machen wollen.

Inzwischen hatte es sich bis zu uns Hinterwäldlern auf den kleinen Dörfern herumgesprochen, dass die Auswertungen der Briefwähler selten den Auswertungen der persönlich vor Ort abgegebenen Stimmen entsprachen. Lasen wir dann in den nächsten Tagen die amtlichen Wahlergebnisse, so waren wir über den immens großen Stimmanteil von Grünen- und SPD-Briefwählern überrascht.

Wie auch immer. Heinz wurde am Wahltag nicht im Wahllokal gesehen. Da wunderten wir uns das erste Mal. Am darauffolgenden Montag das zweite Mal. Denn er war - es sollte die letzte Arbeitswoche vor der Rente sein - nicht pünktlich zur Arbeit erschienen. Da seine Kollegen Derartiges von Heinz nicht gewohnt waren, sorgten sie sich. Gegen Mittag dann, als zuständige, dafür befugte Personen sein Haus betreten hatten, war klar, dass das vergehende Land Deutschland sich eine Rentenausgabe sparen konnte.

Heinz hatte an die fünfzig Jahre durchgearbeitet. In vielen Ländern Europas der EU hätte Heinz nicht so viele Jahre sich abschuften und Steuern zahlen müssen, um in den „Genuss“ einer Rente zu kommen.

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Als Franzose hätte Heinz spätestens mit sechzig in den Ruhestand gehen können. Hätte seit Jahren schon eine „ruhige Kugel geschoben“. Aber "Hätte, hätte, Fahrradkette". Heinz war kein Franzose. Heinz war Deutscher. Als Deutscher geht der Arbeiter in Europa "als Letzter“ in Rente, zahlt sein Leben lang die meisten Steuern und bekommt als Dank "hinten“ am wenigsten raus.

Würde Heinz meine Zeilen lesen, er würde sein unnachahmliches Lachen dazu erschallen lassen. Doch mitlachen würde ich heute nicht mehr. Mir ist das Lachen seit Längerem vergangen.

Im Moment schaue ich durch das Fenster in meinem Arbeitszimmer auf ein schon fast vollständig abgerissenes altes Siedlungshaus der fünfziger Jahre. Es ist weg, weil es alt ist. Das alte Haus genügt heutigen Anforderungen nicht mehr. Nicht den vielfältigen neuen Bestimmungen und Verordnungen.

Den Gesundheitsbestimmungen. Den neuesten Bausubstanzrichtlinien. Wahrscheinlich auch noch den Hygienevorschriften, weil das Bad und seine Bleileitungen länger als unser Grundgesetz durchhielten. Das kann dann auch gleich mit weg. Bringt nichts mehr. Ist unwichtig im neuen Deutschland. Und ich meine jetzt nicht das alte Badezimmer von Heinz. Das gerade vom Baggerarm seiner Grundfesten beraubt wird.

Das Alte kann weg. Hat für neue Bewohner*innen (!) wie Nutzer*innen(!) wenig Wert. Macht keinen Sinn. Nicht weiter von Bedeutung. Und für die Alten? Die gehen von alleine. Machen Platz. Auf die ein oder andere Weise.

Überhaupt. Ist es noch angebracht, überhaupt zu hinterfragen? Ist es nicht von Vorteil, sich mit Kritik, gar offen geäußertem Unmut über heutiges Ungemach zurückzuhalten? Nicht ohne Grund versteckte ich meine Kritik, meinen Ärger vermehrt „zwischen den Zeilen“.

Wenn auch eher aus dem Grund, weil offen nieder geschriebene Kritik gegenüber Regierungspolitik und woken Politiker*innen (!) dank Innenministerin Frau Nancy Faeser einen nicht nur in des Teufels verfassungsfeindliche Schnellkochküche bringen kann, sondern möglicherweise bald als rechtsradikaler Strafbestand ausgelegt wird.

Ich für meinen Teil habe weniger Angst vor Verfolgung als davor, nicht mehr gelesen zu werden, nicht mehr gelesen werden zu dürfen. Schlimmer vielleicht, von der neu erwachten, guten bürgerlichen Mehrheit ob meiner Meinung verlacht, somit quasi egalisiert zu werden. Bäh, der Typ ist doch alt und daher gefährlich.

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Und weiß ist er und bekennender Mann noch dazu. Der kann doch nur krudes Zeug schreiben. So einer ist laut Frau Faeser wahrscheinlich schon rechtsradikaler Querdenker. Sowas muss weg. Wie ein Haus, das neuen Anforderungen, Bestimmungen und Verordnungen nicht mehr genügt und abgerissen wird.

Meine Hoffnung in die Zukunft besteht im Wissen, das viele der alten Häuser solide erbaut wurden. Standfest sind. Ihre Dachstühle und Schindeln starken Winden und schweren Schauern zu widerstehen in der Lage sind. Schaue ich mich in einer alten Stadt um, dann sehe ich - so sie die Bombennächte des zweiten Weltkrieges überstanden haben - Jahrhundert Jahre alte Häuser und Bauwerke, die noch heute Bestand und Wert haben. Die teils prachtvoll anzusehen sind.

Wogegen täglich allerorten billige Mehrzweckhallen, Schulen und Bauten der fünfziger und sechziger Jahre abgerissen werden, weil sie wenig Wert haben, wenig prachtvoll anzuschauen sind. Unsere Häuser können wie Menschen und unsere Städte wie Regierungen sein.

Es ist für mich schon irgendwie nachvollziehbar, heute, im besten Deutschland aller Zeiten, wo so viel falsch läuft, die sogenannte Demokratie Schaden nimmt, der soziale Friede ins Wanken gerät, dass dieser Tage gewählte Minister und Ministerinnen vor möglichen Bürgerunruhen im Herbst oder Winter warnen.

Ebenso ist es, versetzt man sich in die Gedankenwelt von Regierend*innen (!), nachvollziehbar, dass sie im gleichen Zuge vor gewaltbereiten Rechtsradikalen und Querdenkern, sogenannten „Impfgegnern“ warnen, die durch ihre Politik ja erst verursachte Missstände für gewaltbereite Proteste nutzen wollen.

Denn mit diesen Rechten haben sie den 1A-Sündenbock erschaffen. Den Grund, den sie benötigen, um das Land in Ruhe zu verhaften, bis der Sturm kommt. Und rechts gar rechtsradikal sind viele in diesen Tagen. Die AFD und ihre Wähler. Die Querdenker und Verschwörungstheoretiker. Alle Impfgegner und Ungeimpften. Diejenigen Menschen im Land, die noch immer ihr „altes Deutsch“ sprechen, die nicht Gendern wollen. Sich der Vielzahl der Geschlechter verweigern.

All diejenigen, denen Worte wie Familie, Heimat, Grundgesetz, Freiheit oder Anstand von Bedeutung sind. Ja, denen tatsächlich das Land am Herzen liegt, die sich um ihre Lieben Sorgen machen. All diese Menschen sind für Nancy Faeser und ihre regierende Clique diejenigen, die ihnen die feine Suppe versalzen. Diese deutschen Bürger und Bürgerinnen können, sie sollen weg. Werden nicht länger gebraucht. Sind ihnen nicht weiter von Nutzen. Denn sie sind nicht gewillt, ihnen zu dienen.

Die noch Regierenden haben Angst bekommen. Unsere gewählten Politiker*innen (!). Und das ist gut so. Ich kann ihre Angst schon förmlich riechen. Von Berlin bis hin in mein kleines Dorf. Und diese Angst haben sie sich wahrlich verdient.

Sie halten uns seit fast drei Jahren kontinuierlich in Angst. Sie hören einfach nicht auf, Panik zu verbreiten. Versuchen uns weiterhin tagtäglich durch unterwürfige, bezahlte Büttelmedien mittels einer Terrornachricht nach der nächsten in handlungslose Schockstarre zu halten. Es kommt im Grunde einer Schocktherapie gleich, der wir unterzogen werden. Oder werden wir umerzogen?


PS: Zu bestimmten Gelegenheiten im Text gendere ich absichtlich, mit zynischen Hintergedanken. Dann mache ich dies mit (!) erkennbar.

PPS: Ich möchte mich an dieser Stelle für viele liebe, mitfühlende oder bejahende Kommentare unter der ein oder anderen meiner Kolumnen bedanken.

PPPS: Ein passendes Liedchen, so finde ich zu dieser Zeit:

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Kommentare

Kommentar von Richard Funk

Der Bagger weckt Phantasien in mir - so einer könnte eines Tages vor der einen oder anderen Parteizentrale stehen...

Kommentar von Torsten Kandziora

Liebe Frau Stern ... ich hoffe, sie sind mir nicht bös, dass ich sie so anspreche, aber sie haben mir mit ihrem Kommentar in dieser ach so dunklen Zeit den Tag erstrahlen lassen. Und glauben sie mir wirklich, solch ein Kommentar einer Leserin ist mir wertvoller als ein im heutigen Deutschland von "amtlicher Seite" aus vergebener Journalistenpreis. Ich danke ihnen von Herzen dafür.

Kommentar von Nicoletta Stern

Vielen Dank für diesen wunderbaren Text. Dieser Blick auf das "das vergehende Land Deutschland" das ist gut, so ein Artikel hätte früher vielleicht einen Journalistenpreis bekommen, heute wachesen solche Perlen still, im Verborgenden, und man muss wohl froh sein, dass es so ist. Der Abriss alter , funktionsfähiger Gebäude, im Namen von "Nachhaltigkeit und Klimaschutz" offenbart nicht selten den ganzen Wahnsinn der grün angemalten WEF-Agenda. "You will own nothing, and you will be happy. "Die Smart City erwartet Euch, mit Metaverse, digitalem Covidpass, Zentralbankgeld, und Lastenfahrrad (staatskonformes Wohlverhalten vorausgesetzt)

Kommentar von Joerg Knurr

Danke, gut geschrieben. Spricht mir aus der Seele.

Kommentar von Hildegard Hardt

Ein Lob dem "alten weißen Mann", dem die Erkenntnis langer Jahre hier die Feder führte, er spricht mir aus dem Herzen!

Manchmal packt mich der unwiderstehliche Drang, in meine Geburtsstadt Berlin zu fahren und ein Gebäude zu zerstrümmern, das zwar DEM DEUTSCHEN VOLK gewidmet ist, dessen Insassen aber weder diesem Volk dienen, noch ihm Gutes wollen. Dann erfaßt mich schmerzliche Trauer, denn ich bin zu alt, um noch nach Berlin zu fahren, und eigentlich will ich es auch gar nicht; es herrscht dort ein Ungeist, dem ich fassungslos gegenüber stehe. - Ihn konnte ein guter Freund nicht mehr ertragen und verließ diese Welt vor genau sieben Monaten, nur ein Opfer von vielen.

Dann tröstet mich in gewisser Weise Attinghausen aus Schillers "Wilhelm Tell" mit "Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit und neues Leben blüht aus den Ruinen". Ich bezweifle allerdings, daß das neue Leben gut sein wird, die Erfahrung hat mich anderes gelehrt.

Dank für den passenden Hinweis auf Hannes Wader; er und auch Reinhard Mey waren und sind die Gefährten meiner recht einsamen und doch noch erfüllten Tage.

Dank auch an Alexander Wallasch, daß hier - jenseits von politischen Themen - auch die menschliche Seite in unserer wirren Welt zu Wort kommen läßt!