Wo war 14+03 unmittelbar vor Luxor?

Der Regierungsjet, Luxor und die Tropen: Eine Erklärung mit vielen offenen Fragen

von RA Dirk Schmitz

Die Geschichte soll eigentlich aufgeklärt sein – Ist sie aber nicht© Quelle: https://www.bundeswehr.de/de/ausruestung-technik-bundeswehr/luftsysteme-bundeswehr/bombardier-global-5000/ Grok

Seit Tagen steht der Regierungsflieger Bombardier Global 5000 mit der Kennung 14+03 der Flugbereitschaft auf den Seychellen. Das Verteidigungsministerium liefert dafür eine zunächst beruhigende Erklärung: Kein Minister im Badeurlaub, keine heimliche Regierungsreise. Die Maschine sei auf einem Trainingsflug von Luxor in Ägypten nach La Réunion unterwegs gewesen und wegen eines technischen Problems außerplanmäßig auf Mahé gelandet. Außer der Besatzung sei niemand an Bord gewesen.

Schön. Dann wäre ja alles geklärt. Oder? Aber warum beginnt die Geschichte ausgerechnet in Luxor? Die interessanteste Frage beantwortet das Ministerium bislang nämlich nicht:

Wo war 14+03 unmittelbar vor Luxor? Ein Regierungsflugzeug materialisiert sich schließlich nicht auf einem ägyptischen Flughafen. Es muss dorthin geflogen sein.

Wann? Von wo? Mit welchem Auftrag? Und vor allem: War auf dem Flug nach Luxor ebenfalls nur die Besatzung an Bord – oder wurden VIP-Passagiere nach Ägypten gebracht?

Dafür gibt es derzeit keinen belegten Nachweis. Ebenso wenig gibt es einen Beleg dafür, dass ein Minister samt seiner Geliebten nach Luxor geflogen wurde. Genau deshalb wäre es falsch, aus einer offenen Frage eine Tatsachenbehauptung zu machen. Aber gerade deshalb muss das Verteidigungsministerium die Frage beantworten.

Die Aussage, auf dem Flug von Luxor nach Réunion seien außer der Crew keine weiteren Personen an Bord gewesen, sagt logisch nämlich überhaupt nichts darüber aus, wer auf der vorherigen Etappe nach Luxor mitgeflogen sein könnte.

Erst VIP-Flug, dann „Training“? Das wäre die entscheidende Information.

Hat die 14+03 zuvor einen dienstlichen Transport durchgeführt und wurde anschließend für ein ohnehin notwendiges Crewtraining weiterverwendet? Das wäre durchaus denkbar und könnte sogar wirtschaftlich sinnvoll sein.

Oder wurde die Maschine ausschließlich für eine Ausbildungsmission nach Ägypten geschickt? Auch das wäre möglich. Wir wissen es schlicht nicht.

Und genau hier liegt das Problem der bisherigen Kommunikation: Das Ministerium präsentiert eine Erklärung für Luxor–Réunion, während wir wissen möchten, wie und warum der Regierungsjet überhaupt nach Luxor flog.

Was trainiert man eigentlich auf Luxor–Réunion? Nach Angaben des Verteidigungsministeriums üben die Besatzungen dort unter anderem Flüge durch unkontrollierten Luftraum, besondere Anflugverfahren sowie den Betrieb unter besonderen klimatischen Bedingungen – beispielsweise in Äquatornähe, in der Innertropischen Konvergenzzone und bei hohen Temperaturen.

Das ist fliegerisch keineswegs unsinnig. Die Flugbereitschaft muss ihre Regierungsmaschinen weltweit einsetzen können. Aber auch daraus ergeben sich Fragen. Warum wurde dafür konkret die Strecke Luxor–Réunion gewählt Welche Qualifikation sollte dort erworben oder erhalten werden?

Warum musste dafür speziell eine VIP-konfigurierte Global 5000 diese Strecke fliegen? Wie häufig werden solche Ausbildungsflüge durchgeführt? Und vor allem: Wie sah der vollständige Trainingsumlauf aus? Ein transparenter vollständiger Flugplan würde viele Spekulationen innerhalb von fünf Minuten erledigen.

Und wie groß war die „Besatzung“? Auch die Formulierung des Ministeriums ist bemerkenswert. „Außer der Crew“ beziehungsweise der Besatzung sei niemand an Bord gewesen. Gut – wie viele Menschen waren das konkret? Nur Cockpitbesatzung? Piloten plus Kabinenpersonal Ausbilder? Techniker? Zusätzliche Besatzungen, die selbst Trainingsabschnitte absolvieren sollten?

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Bei einem Trainingsflug ist die genaue Zusammensetzung keineswegs nebensächlich. Wenn die Reise gerade mit der Aus- und Weiterbildung der Besatzungen begründet wird, sollte das Ministerium problemlos erklären können, wie viele Personen zu welchem Ausbildungszweck mitflogen.

Und die Stewardessen trainieren ebenfalls Tropen Besonders erklärungsbedürftig wird es beim Kabinenpersonal. Wenn das Training mit unkontrolliertem Luftraum, speziellen Anflugverfahren und meteorologischen Besonderheiten begründet wird, betrifft ein erheblicher Teil davon naturgemäß zunächst die Cockpitcrew.

Sollte eine vollständige VIP-Kabinenbesatzung mitgereist sein, wäre deshalb eine einfache Frage angebracht:

Welche konkreten Ausbildungsinhalte absolvierte das Kabinenpersonal auf dieser Reise?

Vielleicht gibt es dafür eine vollkommen vernünftige Erklärung. Langstreckenbetrieb, Notfallverfahren und gemeinsames Crew-Training können selbstverständlich auch Kabinenpersonal betreffen.

Dann soll das Ministerium sie nennen. Der unbekannte Minister und seine Freundin. Und dann bleibt die hübscheste aller Spekulationen:

Vielleicht sitzt irgendwo ein noch unbekannter Minister mit seiner Freundin in Luxor und fragt sich gerade, wie er jetzt nach Hause kommt, weil sein Chauffeur der Lüfte mit technischem Defekt unter Palmen auf Mahé steht. Dafür gibt es derzeit keinen Beleg.

Sieben einfache Fragen an das Verteidigungsministerium:

1. Wo befand sich 14+03 unmittelbar vor Luxor?
2. Wann und von welchem Flughafen flog die Maschine nach Luxor?
3. Welche Personen befanden sich auf dieser Etappe an Bord – Besatzung und gegebenenfalls Passagiere?
4. Was war der dienstliche Zweck der Etappe nach Luxor?
5. Wie viele Besatzungsmitglieder befanden sich anschließend auf dem Trainingsflug Luxor–Réunion und welche Funktionen hatten sie?
6. Welche konkreten Ausbildungsziele machten die Strecke Luxor–Réunion erforderlich und wie sah der vollständige geplante Trainingsumlauf aus?
7. Welche Kosten entstanden für die gesamte Ausbildungsmission einschließlich Anreise nach Luxor, Aufenthalt, Flug nach Réunion und der durch den Defekt verursachten Zusatzkosten?

Das sind überprüfbare Fragen zu einem staatlichen Flugzeug und einem mit öffentlichen Mitteln finanzierten Einsatz.

Herr Pistorius: Bitte nachliefern.

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