Von Fotograf und Autor Christian Witt
L. ist aktuell gerade dabei, durch Kuba zu fahren und diese Dinge zu verteilen. Er schätzt selbst, dass er die nächsten zehn Tage unterwegs sein wird mit Bussen und Taxis. Er klappert sozusagen die Insel ab und liefert die Medikamente an Familien, Bedürftige und Krankenhäuser aus.
Das Gepäck wurde bei der Ankunft natürlich kontrolliert. Aber für Medikamente gibt es keine Einfuhrbeschränkung. Offiziell heißt es, an Krankenhäuser dürfe nur etwas von Organisationen übergeben und gespendet werden. Aber es findet sich immer ein Weg, das auch privat zu machen.
Im Süden der Insel traf ich einen weiteren Deutschen, der ebenfalls Medikamente verteilte. Er reiste mit einhundert Kilo, das meiste davon hatte er noch in Deutschland gespendet bekommen. Er berichtete auch, er müsse immer abwägen, welche Spenden er annimmt. Denn er müsse sie anschließend als Beigepäck und als Fracht aufgeben. Da wäre immer zu überlegen, ob er Medikamente nicht stattdessen in Panama-Stadt oder in der Panama-Freihandelszone bestellt und sich in zwanzig Kilo Paketen liefern lässt.
Das kann nämlich im Zweifel sogar billiger sein, weil die Pakete zudem noch direkt vor Ort ausgeliefert werden. Von Panama aus lässt sich alles bestellen und liefern.
Bei einem Kurzbesuch in einer der Kliniken, die überwiegend von Ausländern frequentiert werden, sind mir chinesische moderne Gerätschaften aufgefallen. Von chinesischen Medikamenten-Auslieferungen habe ich nichts mitbekommen.
Was ich hier beobachtet habe, geht über symbolische Aktionen hinaus. Die Sachen werden tatsächlich auch benötigt. Von staatlicher Seite wird wenig gemacht. Da fehlt schlicht das Geld.
Fehlt als Dritter im Bunde noch T. aus Eckernförde. Er ist seit sieben Jahren in der Karibik unterwegs und hatte sich spontan entschlossen, von Mexiko aus nach Kuba zu segeln und hier vier oder fünf Pakete mit Medikamenten und medizinischem Zubehör in den Süden zu bringen und in Trinidad zu übergeben. Damit war er sehr erfolgreich. Seine Aktion wurde auch von offiziellen Stellen und Medien positiv aufgenommen.
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In Kubas Straßenbild sieht man keine Bettelei. Was allerdings auffällt, sind die vielen Amputierten. Ich habe rumgefragt, welcher Krieg denn dafür verantwortlich sei, aber es stellte sich als Zuckerproblem heraus. Offenbar ist die Insulinbehandlung von Zuckerkranken hier in einer bestimmten Zeitperiode nicht ausreichend, falsch oder zu spät gewesen. Oder die Menschen sind nicht sensibel genug für die Problematik gewesen. Das sind demnach keine Versehrten, sondern Zuckerkranke.
T. aus Eckernförde hatte sich ganz bewusst nicht der politischen Flottille angeschlossen, weil ihm das zu regierungsnahe war. Er bestand darauf, dem kubanischen Volk helfen zu wollen, aber nicht der kubanischen Regierung. Er sei bemüht, sich rauszuhalten.
Ist der Mangel nun Folge der Sanktionen oder eine Folge der kommunistischen Misswirtschaft? Ist das konkreter eine Folge von mittlerweile nicht mehr vorhandenen Versorgungslinien? Theoretisch könnte auch Trump diesen Mangel an Medikamenten innerhalb von Sekunden lösen. Wäre das nicht die beste Werbung für ein freies Amerika? So wie Trump zuletzt auch den russischen Öltanker durchgelassen hat mit der Begründung, die Kubaner bräuchten doch Heizöl zum Kochen und Öl zum Heizen.
So bleibt es ein amerikanisches Entscheidungsroulette nach Lust und Laune. Auf der einen Seite haben die Kubaner bald siebzig Jahre Blockade hinter sich und wussten sich bisher mal besser und mal schlechter zu helfen. Was die elementare Versorgung betrifft, haben sie es einigermaßen gemeistert. Natürlich mit großen Abstrichen, die man sieht und die dann auch sozialistisch bedingt sind.
T. aus Eckernförde schrieb nach seiner Ankunft auf Kuba via Facebook:
“Gestern sind wir in Casilda/Trinidad angekommen und heute morgen kam eine Delegation aus Zoll, Krankenhaus, ICAP und einigen anderen zum Schiff um die Spenden in Empfang zu nehmen. Gemeinsam sind wir ins Krankenhaus von Trinidad gefahren um sie dort abzugeben. Selten habe ich so viel Dankbarkeit erlebt. Ich bin mir sicher, dass die Sachen am richtigen Ort angekommen sind.
Die Lage in Kuba ist mehr als prekär. Ständige Stromausfälle, kein Treibstoff, es ist nahezu unmöglich von A nach B zu kommen. Und dennoch wirken die Menschen stark, unbeugsam, unglaubliche resilient. Aber andererseits auch müde. Das Land befindet sich sprichwörtlich im Schwitzkasten, nichts geht mehr und jeder einzelne wartet auf eine Veränderung. In welche Richtung auch immer, Hauptsache es bewegt sich irgendetwas. Es ist wie in einer absoluten Flaute zu stecken, ohne Diesel, ohne Wasser, ohne Schokolade 😉. Man hofft auf ein bisschen Wind, auch aus der falschen Richtung, oder einen Sturm, egal was, Hauptsache etwas mit dem man arbeiten kann.”
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