Heizung aus und warm im Schritt für die Ukraine: Rein in die wollene Unterbuchse!

Die Zwangshose aus dem Winterhilfswerk: 83 Millionen Deutsche werden in Thermounterwäsche isoliert

von Gaia Louise Vonhof (Kommentare: 3)

Thermounterwäsche-Läden würden gefördert, Unterwäsche-Kontrollen in der Bahn und vor Einlass ins Restaurant mit kalter Küche und runtergedrehter Heizung.© Quelle: Youtube / Magazin Royal, Westfalen im Film I Montage Alexander Wallasch

Die Inflation steigt, Lebensmittelpreise explodieren, und Energie- und Gaskosten noch viel mehr. In Bezug auf das, was sich jetzt anbahnt, ist guter Rat teuer. Einen solchen Ratschlag, wie wir über den Winter kommen, bietet jetzt ein Professor aus Bochum an. Der gute Mann hat eine bahnbrechende Idee: Die Menschen sollen Thermounterwäsche tragen, um die Energiekosten zu Hause zu sparen.

Nein, Sie haben sich nicht verlesen! Um diese sensationelle Lösung der Energiekrise und die damit verbundenen Kosten und Einschnitte dem Menschen zugänglich zu machen, bekommt Graham Weale, Professor für Energiewirtschaft an der Ruhr-Universität Bochum, eine ganzes Interview in der rp-online, das man beim ersten Lesen nur für Satire halten muss.

Ist es aber nicht, sondern ernst gemeint. Jedenfalls gibt es bei Fragen und Antworten keinen beruhigenden Hinweis darauf. Das liest sich dann auszugsweise so:

Herr Professor Weale, was steckt hinter Ihrer Idee?

GRAHAM WEALE: Die Regierung hat zu Recht gesagt, dass man dringend Energie, insbesondere Gas, sparen muss. Die Politiker haben aber wenig dazu gesagt, wie das möglich sein könnte. Im Prinzip gibt es drei Möglichkeiten: Dass man sein Leben mit gleicher Energiemenge fortsetzt, was zu großen Schulden führen würde. Oder dass die Menschen in ihren Wohnungen sitzen und frieren, weil sie nicht mehr heizen. Oder aber, und das ist meine Idee: Die Menschen tragen Thermounterwäsche. Es ist ja nicht möglich, innerhalb kurzer Zeit die Gebäude besser zu isolieren. Man kann aber die Menschen besser isolieren – mit der wärmenden Unterwäsche.

Thermounterwäsche trägt man üblicherweise draußen beim Wintersport ...

WEALE: Ja, es mag seltsam klingen, aber die Wahrheit ist doch: Deutschland befindet sich in einer gewaltigen Krise und jeder muss kreativ sein und seinen Beitrag leisten. Als Ökonom fällt mir nichts Einfacheres ein als die Verwendung von Thermounterwäsche. Wenn die Regierung die Menschen mit Thermounterwäsche ausstattet, bringt das ökonomisch mehr, als ihnen einfach Geld in die Hand zu drücken. Durch das Tragen der wärmenden Wäsche kann man die Heiztemperatur in der Wohnung von 22 auf 18 Grad senken. Bei einem typischen Vier-Personen-Haushalt lassen sich allein dadurch 1500 Euro pro Jahr einsparen. Für zwei Garnituren Thermounterwäsche muss man etwa 60 Euro investieren. Das Verhältnis zwischen Nutzen und Wert könnte nicht besser sein.

(…)

Mal abgesehen von der wärmenden Unterwäsche: Haben Sie noch andere praktische Ideen?

WEALE: Der beste Beitrag ist es, die Wohnungstemperatur runterzudrehen, weniger Zimmer zu beheizen. Aber damit man es gleichzeitig warm und bequem hat, braucht man Thermounterwäsche.

Willkommen im Gaga-Deutschland, wo Gaga-Ideen von Gaga-Experten unhinterfragt ihr Podium bekommen. Weales Expertise wird in einer der Speaker-Agenturen, wo er als Energie-Experte Vorträge anbietet, wie folgt beschrieben:

„Er hat ein tiefes Verständnis für die politischen, wirtschaftlichen und technologischen Dimensionen des Energiewandels und ist in der Lage, die Herausforderungen des Energiewandels verständlich sowohl für den Fachmann als auch für den Laien zu machen.“

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In diesem Thermounterwäsche-Interview scheint allerdings eher der Laie aus dem Professor zu sprechen. Weiter heißt es hier über den 69-jährigen Oxford-Absolventen:

Er sei in der Lage, „tiefgreifende Einblicke in die Entwicklungen im Energiebereich zu geben und ehrgeizige Regierungsziele einem gesunden Realitätscheck zu unterziehen.“

Entsprechend gleich die wichtige Interviewfrage, und damit wären wir auch schon durch, mit dem, was das Mitglied des Wirtschaftsrates Bahnbrechendes zu verkünden hat:

Haben Sie Ihre Idee schon hinterlegt in Berlin?

WEALE: Noch nicht. Aber die Regierung kann die Idee ja aufgreifen. Bis zum Winter 83 Millionen Menschen mit Thermounterwäsche einzudecken, wird natürlich nicht funktionieren. Da gilt es zu priorisieren. Wie beim Corona-Impfstoff. Erst sind die Älteren dran und diejenigen, die wenig Geld zur Verfügung haben. Jeder Einzelne kann die Idee natürlich sofort für sich umsetzen.“

Diese Idee ist viel cleverer als so simple Politiker-Vorschläge wie Kniebeugen, um sich aufzuwärmen, oder sich nicht zu duschen oder gar der Lösungsvorschlag, sich nunmehr nur noch mit einem sparsam befeuchteten Waschlappen zu waschen, um Energie zu sparen. Man merkt sofort: Der kreative Ideengeber war immerhin mal Chefvolkswirt bei der RWE AG, kommt also aus der Wirtschaft.

Denn, mal den Gedanken zu Ende gedacht: Aus dieser bahnbrechenden Idee könnte sich ein ganzer Wirtschaftszweig entwickeln, ganz nach dem Vorbild der Masken oder Vakzin-Beschaffung.

Die neue Währung wäre dann Thermounterwäsche, ganz neue Möglichkeiten erschließen sich: Thermounterwäschezentren werden eröffnet, natürlich mit altersentsprechender Priorisierung bei der Zuteilung – eine ganze Thermounterwäsche-Schattenwirtschaft könnte entstehen.

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Sicherlich würde es massig neue Thermounterwäsche-Deals zwischen Verwandten und Bekannten von Abgeordneten geben, Aufträge würden untereinander verschachert, Beschaffungs-Deals gemacht werden, gesetzliche Lücken clever genutzt, der Rest vertuscht, Aussagen verweigert, keine Untersuchungsausschüsse eingesetzt, wo es nötig wäre.

Thermounterwäsche-Läden würden gefördert, Unterwäsche-Kontrollen in der Bahn und vor Einlass ins Restaurant mit kalter Küche und runtergedrehter Heizung – das darf natürlich jeder X-Beliebige. Unterwäsche ist dann nicht mehr meine Privatsache, ein ganz neuer Zweig von Security-Jobs, Thermounterwäsche-Kontrolleure, entsteht. Die neue Solidarität heißt dann: Thermounterwäsche tragen gegen Putin.

Ja, vielleicht greift die Regierung ja diese außergewöhnliche Idee eines engagierten Wissenschaftlers auf. Vielleicht unter ökonomischer Sicht als kleinen Lichtblick in der niedergehenden Wirtschaft, als Anregung, wie man kurzfristigen Aufschwung bewirken kann? Der hoffentlich nicht in einem Thermounterwäsche-Gate endet.

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Kommentare

Kommentar von Sandra Schumacher

Na klar schwingen sich jetzt Möchtegern-Profiteure der Krise auf und preisen ihre Waren an. Das ist nichts Neues.

Kommentar von Uwe Seeber

@Joachim Winter: Wie Lauterbach schon erzählte, wurde seine Professorenstelle auf seinen Vorschlag für ihn geschaffen.
Und so geht das Spiel: Ein Schwachkopf denkt sich einen Schwachsinn aus, geht zu seinen Spezis in der Uni und bekommt eine Professur zugeschanzt.
Fertig, nur das Parteibuch muss stimmen.

Kommentar von Joachim Winter

Eines hat die Coronakrise wirklich gezeigt: Teil des Problems, und zwar ein ganz großes, sind die deutschen Schmalspur Akademiker. Womit sind die eigentlich alle Professor geworden, diese Schwachköpfe?