Thüringens Ministerpräsident ist Straftäter – Wann erfolgt die Verurteilung?

Doktortitel weg – Strafanzeigen der Beklauten bringen Voigt vor Gericht

von RA Dirk Schmitz (Kommentare: 7)

Der Rücktrittsverweigerer: Kampf gegen AfD als Ausrede?© Quelle: Youtube/ CDU Thüringen, Screenshot

Die Uni hat bestätigt: Schwere Verstöße, Titel weg. Ministerpräsident Mario Voigt kämpft juristisch weiter. Aber das Strafrecht wartet auf die Betroffenen –Jeder Betroffene kann Strafantrag stellen und Schadensersatz fordern. Warum passiert nichts? Sitzt Voigt es wirklich aus?

Von RA Dirk Schmitz

Es war gestern die Meldung des Tages: Die Technische Universität Chemnitz will Thüringens Ministerpräsident (Dr.) Mario Voigt (CDU) die Doktorwürde entziehen. Damit wäre nach den Maßstäben des Anstands und den ethisch-moralischen Ansprüchen an einen Ministerpräsidenten der Rücktritt des mit dem BSW und der SPD zusammen regierenden 48-Jährigen überfällig.

Den Stein ins Rollen gebracht hatte im August 2024 der österreichische Plagiatsexperte Dr. Stefan Weber mit seiner detaillierten Analyse der Doktorarbeit von Mario Voigt. Titel intellektuell überschaubar: „Der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf: George W. Bush gegen John F. Kerry“. Erschienen 2010 - 330 Seiten. Massenplagiate bei einfachem Sachverhalt? Verstehen muss man das nicht. Weber hatte zudem eine Reihe weiterer Texte von Voigt angeschaut und eklatante Plagiatsstellen extrahiert. Man kann entlang dieser Analysen von einem notorischen Diebstahl geistigen Eigentums sprechen. Weimer lässt grüßen.

Was hat Voigt in über eineinhalb Jahren daran gehindert zurückzutreten? Was hat ihn daran gehindert, die Urheberrechtsverletzungen zu entschädigen? Die Liste der Betroffenen (hier im weiteren Verlauf) ist lang. Warum hat der Noch-Ministerpräsident nicht einfach bei einem angefangen, sich zu entschuldigen, anstatt den Versuch zu unternehmen, es auszusitzen?

Denn tatsächlich zeigte etwa der 15 Jahre alte Fall von Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), dass es nicht bei umfassenden Plagiaten blieb, sondern Strafanzeigen und Straffanträge folgten. In nur einem Fall führte das strafrechtliche Ermittlungsverfahren dazu, dass Minister Guttenberg 20.000 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen musste.

Seit August 2024 sind vom thüringischen Ministerpräsidenten keinerlei Bewegungen Richtung Rücktritt erkennbar. Hier geht Voigt offenbar nicht den Weg seines Parteifreundes Guttenberg. Denn da ging alles sehr, sehr schnell. Ein weiterer Skandal in der Causa Voigt ist hier sichtbar die politisch vorsätzlich verzögerte Zeitachse und die offene Frage des Ministerpräsidenten als Straftäter.

Hier zur Orientierung die Historie der Affäre Guttenberg:

Februar 2011: Beginn der Affäre und Prüfungen.

Ab Mitte Februar 2011: Die Plagiatsvorwürfe werden öffentlich und lösen eine universitäre Prüfung aus. Die Medien berichten.

Bereits am 23. Februar 2011: Aberkennung des Doktorgrades.

Am 1.  März 2011: Abgang. Guttenberg erklärt den Rücktritt als Verteidigungsminister.

Allerdings: Damit war der Drops für Karl-Theodor zu Guttenberg noch lange nicht gelutscht. Eine Woche nach dem Rücktritt lagen der Staatsanwaltschaft über 100 Strafanzeigen im Zusammenhang mit den Plagiatsvorwürfen vor. Die Behörde nahm den Vorgang strafrechtlich mit urheberrechtlichem Kern in den Blick.

Mitte Mai 2011 kam es zum ersten Strafantrag einer vom Guttenberg-Plagiat Betroffenen. Das ist deshalb von Bedeutung, weil Urheberrechtsdelikte regelmäßig antragsgebunden sind. Das Ermittlungsverfahren gegen Guttenberg wurde dann im November 2011 gegen eine Zahlung von 20.000 Euro an die Deutsche Krebshilfe eingestellt.

Warum tritt Mario Voigt nicht zurück? Wann wird aus dem Ministerpräsidenten Mario Voigt auch offiziell der Straftäter Mario Voigt?

Die folgende alphabetisch sortierte Namensliste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sie basiert auf der Analyse des Plagiatsexperten Dr. Stefan Weber zur Doktorarbeit des Ministerpräsidenten Mario Voigt.

Jede von Voigt urheberrechtlich Geschädigte kann Anzeige erstatten und ggf. Schadensersatz einklagen. Die Liste potenziell in Frage kommender Personen ist lang.

Zwischenbemerkung: Unsere Ressourcen sind knapp. Alexander-Wallasch.de wäre dankbar, wenn „Tichys Einblick“ oder etwa „Nius“ mithelfen, die Personen der folgenden Liste einzeln anzufragen, ob sie Strafantrag stellen wollen oder bereits gestellt haben.

Weiterlesen nach der Werbung >>>

Ihre Unterstützung zählt

Mit PayPal

Hier eine vorläufige Liste von mutmaßlich im Sinne des Urheberrechts von Ministerpräsident (Dr.) Mario Voigt beklauten Autoren:

Andrea Römmele
Andrew Paul Williams
Candice Nelson
Charles Cook
Christiane Oppermann
Daron R. Shaw
Darrell M. West
David C. King
David Dulio
David Morehouse
Diana B. Carlin
Douglas Brinkley
Elisabeth Bumiller (als Primärzitat via Sekundärquelle)
Friederich Mielke
Fritz Plasser
Gunda Plasser
Henry C. Kenski
Holger Schmale
J. Gregory Payne
Jochen Arntz
Kate M. Kenski
Kevin J. McMahon (und Mitautor:innen von „Winning the White House, 2004“)
Knut Bergmann
L. Patrick Devlin
Larry J. Sabato
Lynda Lee Kaid (Hrsg.)
Manuela Baldauf
Martin Schwarz
Mary E. Stuckey
Mathias Sachs
Matthew D. Matsaganis
Michael Toner
Mitchell S. McKinney
Paul Alexander
Peter Filzmaier
Richard E. Cohen
Robert E. Denton Jr.
S. Robert Lichter
Stephen J. Farnsworth
Steve Elmendorf (als Zitatperson via Sekundärquelle)
Wolfram Brunner Zusammenfassung der Kern-Opfer (am häufigsten und schwerwiegendsten betroffen):
Daron R. Shaw
Kevin J. McMahon et al.
Fritz Plasser / Gunda Plasser
Peter Filzmaier (meist zusammen mit Plasser)
L. Patrick Devlin
Darrell M. West
Larry J. Sabato
Wolfram Brunner
Andrea Römmele
Knut Bergmann usf.

Ihre Unterstützung zählt

Mit PayPal

Einen Kommentar schreiben

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen. Aufgrund von zunehmendem SPAM ist eine Anmeldung erforderlich. Wir bitten dies zu entschuldigen.

Kommentare