Von RA Dirk Schmitz
Es war gestern die Meldung des Tages: Die Technische Universität Chemnitz will Thüringens Ministerpräsident (Dr.) Mario Voigt (CDU) die Doktorwürde entziehen. Damit wäre nach den Maßstäben des Anstands und den ethisch-moralischen Ansprüchen an einen Ministerpräsidenten der Rücktritt des mit dem BSW und der SPD zusammen regierenden 48-Jährigen überfällig.
Den Stein ins Rollen gebracht hatte im August 2024 der österreichische Plagiatsexperte Dr. Stefan Weber mit seiner detaillierten Analyse der Doktorarbeit von Mario Voigt. Titel intellektuell überschaubar: „Der amerikanische Präsidentschaftswahlkampf: George W. Bush gegen John F. Kerry“. Erschienen 2010 - 330 Seiten. Massenplagiate bei einfachem Sachverhalt? Verstehen muss man das nicht. Weber hatte zudem eine Reihe weiterer Texte von Voigt angeschaut und eklatante Plagiatsstellen extrahiert. Man kann entlang dieser Analysen von einem notorischen Diebstahl geistigen Eigentums sprechen. Weimer lässt grüßen.
Was hat Voigt in über eineinhalb Jahren daran gehindert zurückzutreten? Was hat ihn daran gehindert, die Urheberrechtsverletzungen zu entschädigen? Die Liste der Betroffenen (hier im weiteren Verlauf) ist lang. Warum hat der Noch-Ministerpräsident nicht einfach bei einem angefangen, sich zu entschuldigen, anstatt den Versuch zu unternehmen, es auszusitzen?
Denn tatsächlich zeigte etwa der 15 Jahre alte Fall von Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), dass es nicht bei umfassenden Plagiaten blieb, sondern Strafanzeigen und Straffanträge folgten. In nur einem Fall führte das strafrechtliche Ermittlungsverfahren dazu, dass Minister Guttenberg 20.000 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen musste.
Seit August 2024 sind vom thüringischen Ministerpräsidenten keinerlei Bewegungen Richtung Rücktritt erkennbar. Hier geht Voigt offenbar nicht den Weg seines Parteifreundes Guttenberg. Denn da ging alles sehr, sehr schnell. Ein weiterer Skandal in der Causa Voigt ist hier sichtbar die politisch vorsätzlich verzögerte Zeitachse und die offene Frage des Ministerpräsidenten als Straftäter.
Hier zur Orientierung die Historie der Affäre Guttenberg:
Februar 2011: Beginn der Affäre und Prüfungen.
Ab Mitte Februar 2011: Die Plagiatsvorwürfe werden öffentlich und lösen eine universitäre Prüfung aus. Die Medien berichten.
Bereits am 23. Februar 2011: Aberkennung des Doktorgrades.
Am 1. März 2011: Abgang. Guttenberg erklärt den Rücktritt als Verteidigungsminister.
Allerdings: Damit war der Drops für Karl-Theodor zu Guttenberg noch lange nicht gelutscht. Eine Woche nach dem Rücktritt lagen der Staatsanwaltschaft über 100 Strafanzeigen im Zusammenhang mit den Plagiatsvorwürfen vor. Die Behörde nahm den Vorgang strafrechtlich mit urheberrechtlichem Kern in den Blick.
Mitte Mai 2011 kam es zum ersten Strafantrag einer vom Guttenberg-Plagiat Betroffenen. Das ist deshalb von Bedeutung, weil Urheberrechtsdelikte regelmäßig antragsgebunden sind. Das Ermittlungsverfahren gegen Guttenberg wurde dann im November 2011 gegen eine Zahlung von 20.000 Euro an die Deutsche Krebshilfe eingestellt.
Warum tritt Mario Voigt nicht zurück? Wann wird aus dem Ministerpräsidenten Mario Voigt auch offiziell der Straftäter Mario Voigt?
Die folgende alphabetisch sortierte Namensliste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sie basiert auf der Analyse des Plagiatsexperten Dr. Stefan Weber zur Doktorarbeit des Ministerpräsidenten Mario Voigt.
Jede von Voigt urheberrechtlich Geschädigte kann Anzeige erstatten und ggf. Schadensersatz einklagen. Die Liste potenziell in Frage kommender Personen ist lang.
Zwischenbemerkung: Unsere Ressourcen sind knapp. Alexander-Wallasch.de wäre dankbar, wenn „Tichys Einblick“ oder etwa „Nius“ mithelfen, die Personen der folgenden Liste einzeln anzufragen, ob sie Strafantrag stellen wollen oder bereits gestellt haben.
Weiterlesen nach der Werbung >>>
Ihre Unterstützung zählt
Hier eine vorläufige Liste von mutmaßlich im Sinne des Urheberrechts von Ministerpräsident (Dr.) Mario Voigt beklauten Autoren:
Andrea Römmele
Andrew Paul Williams
Candice Nelson
Charles Cook
Christiane Oppermann
Daron R. Shaw
Darrell M. West
David C. King
David Dulio
David Morehouse
Diana B. Carlin
Douglas Brinkley
Elisabeth Bumiller (als Primärzitat via Sekundärquelle)
Friederich Mielke
Fritz Plasser
Gunda Plasser
Henry C. Kenski
Holger Schmale
J. Gregory Payne
Jochen Arntz
Kate M. Kenski
Kevin J. McMahon (und Mitautor:innen von „Winning the White House, 2004“)
Knut Bergmann
L. Patrick Devlin
Larry J. Sabato
Lynda Lee Kaid (Hrsg.)
Manuela Baldauf
Martin Schwarz
Mary E. Stuckey
Mathias Sachs
Matthew D. Matsaganis
Michael Toner
Mitchell S. McKinney
Paul Alexander
Peter Filzmaier
Richard E. Cohen
Robert E. Denton Jr.
S. Robert Lichter
Stephen J. Farnsworth
Steve Elmendorf (als Zitatperson via Sekundärquelle)
Wolfram Brunner Zusammenfassung der Kern-Opfer (am häufigsten und schwerwiegendsten betroffen):
Daron R. Shaw
Kevin J. McMahon et al.
Fritz Plasser / Gunda Plasser
Peter Filzmaier (meist zusammen mit Plasser)
L. Patrick Devlin
Darrell M. West
Larry J. Sabato
Wolfram Brunner
Andrea Römmele
Knut Bergmann usf.
Einen Kommentar schreiben
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen. Aufgrund von zunehmendem SPAM ist eine Anmeldung erforderlich. Wir bitten dies zu entschuldigen.
Zur Anmeldung
Kommentare
melden
Kommentar von Detlef Piel
@ Eugen Karl:
Ich habe auch nicht behauptet, daß der Meistertitel dem Doktor entspricht, Gottseidank.
Mit so etwas inhaltsleerem wie „Gerechtigkeit und die Funktionen des Gesundheitswesens" wird man kein Handwerksmeister, kann aber seinen Doktor machen und Minister werden.
melden
Kommentar von Eugen Karl
@D. Piel: Der Meistertitel entspricht wenn, dann dem "Magister (Artium)", nicht dem Doktortitel. Das läßt sich sogar etymologisch zeigen: dt. Meister > lat. Magister.
melden
Kommentar von Detlef Piel
@ Eddy Nova:
Das endet erst, wenn akademische Grade als Namenszusatz entfallen. Diese Titelgeilheit hat ja viel mit dem immer noch etablierten ständischen Denken und immer noch vorhandenen Standesschranken hier in Deutschland zu tun.
Habe ich einen Doktortitel etc. macht der mich "wertvoller", verleiht mir mehr Gewicht. Schauen Sie mal in diverse Kommentarspalten, da glauben auch manche, der online gar nicht überprüfbare Titel würde ihrer Stimme mehr Gewicht verleihen als jemandem ohne Titel. Als ob ein Diplom-Ingenieur oder Meistertitel als Leistung geringer einzuschätzen wären. Apropos Meistertitel. Tino Chrupalla wird ja auch gern als intellektuell begrenzt satisfaktionsfähig dargestellt, weil er ja nur "Malermeister" ist.
Und wenn einer "nur" auf dem Bau arbeitet, oder "nur" Alte pflegt oder "nur" Mutter ist, so macht dies eine inhaltliche Aussage oder eine Lebensleistung nicht weniger wertvoll. Dahin zu kommen ist für die titelgeilen und Obrigkeitstreuen Deutschen aber noch ein weiter Weg.
melden
Kommentar von Eddy Nova
Extrem unsympathischer Freak ...Aber wo führt das im beginnenden KI Zeitalter hin ? Sollte jetzt jeder jeden via KI überprüfen ...Dieser Plagiatskram ist kritisch zu sehen ...zumindest solange es sich nicht um ganze abgekupferte Seiten handelt.
*****
Mag CDU Voigt jetzt 'wegfliegen' - und dann ? Durchforstet die CDU folgend jeden Aufsatz eines AfD ler ? 330 Seiten - vorläufig 100 Plagiatsfälle ...was bleibt da eigentlich noch über ...hoffentlich ist nicht auch der Name Voigt vom NPD Mann Udo Voigt geklaut ...
melden
Kommentar von Detlef Piel
Die meisten Metzgereien suchen Aushilfskräfte.
Vielleicht wäre das etwas für Mario Voigt.
Immerhin kennt er sich mit Mettbrötchen aus.
melden
Kommentar von Kurt Engel
passt doch:
Und so haben sich diese Politiker selbst, in die dritte Kategorie der von Machiavelli definierten dreigeteilten menschlichen Ordnung eingeordnet. Die, die verstehen, ohne dass sie es erklärt bekommen, die, die verstehen, nachdem es erklärt wurde und zuletzt die, die auch nachdem es erklärt wurde, nichts verstanden haben.
melden
Kommentar von Manfred Sonntag
Es scheint so, als ob Deutschlands Politiker ein besonders ausgeprägtes Faible für die Methode "copy & paste" hat. Wenn die Welt sich jedoch ändert, so wie es jetzt geschieht, da stehen sie bedröppelt da. Da ist guter Rat teuer. Und damit die Unfähigkeit sich nicht rumspricht und für jeden sicht- und hörbar wird, werden alle Register gezogen um "andersdenkende" Medien zu drangsalieren oder gar zu verbieten, wie NIUS, Alexander-Wallasch, TichysEinblick, ApolloNews, Reitschuster etc.
Die Werkzeuge und Maßnahmen für diese Schikane dürften der Stasi alias Verfassungsschutz bekannt sein. Die brüsten sich ja damit selbst Teil der Terrororganisation "Antifa" zu sein (https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_100512916/-wir-sind-antifa-verfassungsschutz-sorgt-mit-social-media-post-fuer-wirbel.html). Frau Bohley hat diese Geschehnisse schon 1991 vorhergesehen:
„Alle diese Untersuchungen, die gründliche Erforschung der Stasi-Strukturen, der Methoden, mit denen sie gearbeitet haben und immer noch arbeiten, all das wird in die falschen Hände geraten. Man wird diese Strukturen genauestens untersuchen – um sie dann zu übernehmen. Man wird sie ein wenig adaptieren, damit sie zu einer freien westlichen Gesellschaft passen. Man wird die Störer auch nicht unbedingt verhaften. Es gibt feinere Möglichkeiten, jemanden unschädlich zu machen. Aber die geheimen Verbote, das Beobachten, der Argwohn, die Angst, das Isolieren und Ausgrenzen, das Brandmarken und Mundtotmachen derer, die sich nicht anpassen – das wird wiederkommen, glaubt mir. Man wird Einrichtungen schaffen, die viel effektiver arbeiten, viel feiner als die Stasi. Auch das ständige Lügen wird wiederkommen, die Desinformation, der Nebel, in dem alles seine Kontur verliert.“