Toddn Kandzioras Wochenrückblick 13/2022

Ein frisches Bier auf diese elende Maskerade

von Toddn Kandziora

Unser Kolumnist hat Maskenzoff bei Edeka – also kauft er sein Bier eben beim Kiosk seiner Wahl, solange es dort noch erschwinglich ist.© Quelle: Screenshot / YouTube, Vaolio Casting, Freepik.com / freepik, Bildmontage: Alexander Wallasch

Gestern am Nachmittag war ich mal wieder zwei Dörfer weiter bei meinem Lieblingskiosk mein Lieblingsbier einkaufen. Und das gleich kistenweise. Was in den Wagen hinten an Bier noch reinpasste. Gestern war ich hamstern. Aber geplant war das eigentlich gar nicht.

Bisher hatte ich weder Klopapierrollen (es gibt doch Regenwasser und Waschlappen) noch Speiseöl, Mehl oder Nudeln gehortet. Nachdem mir jedoch vom Kioskbetreiber eröffnet wurde, dass schon im Laufe der nächsten Woche die Brauereien ihre Preise um ein Drittel erhöhen würden, hielt ich es für eine gute Idee, rechtzeitig einen Vorrat an gutem Gerstensaft zu sichern. Wer weiß heute schon, ob er sein Bier morgen noch bezahlen kann. Oder ob es überhaupt noch welches gibt.

Ich kaufe gerne in meinem Lieblingskiosk ein. Und das nicht nur deshalb, weil dort die Maske im Gesicht nicht den Menschen ausmacht. Wie zum Beispiel in dem EDEKA-Markt, bei dem ich schon seit mehr als zehn Jahren ein guter Kunde bin. Oder besser: war. Denn Gestern wurde ich von der Kassiererin, mit der ich mich seit Jahren gut zu verstehen glaubte, vorwurfsvoll - und für alle andere hinter mir wartenden Kunden klar vernehmbar - auf die Maske in meinem Gesicht aufmerksam gemacht. Diese Maske würde nicht einem derzeitigen FFP2 Standard entsprechen.

Aber die Maske die ich trug erfüllte sehr wohl einer FFP2 Standardnorm anhand derer sich gläubige Coronas wie Anhänger eines für mich recht bizarr erscheinenden neuzeitlichen Glaubenskultes erkennen.

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Die Maske hatte ich im Zehnerpack in einem Fachgeschäft für viel Geld erworben, da sie nicht der allerorten benutzten Schnabeltasse glich, sondern eher der flach anliegenden OP-Maske - wenn auch um ein Vielfaches dicker im Stoff, um gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden.

All das versuchte ich der inzwischen erbosten Kassiererin zu erklären. Aber es gelang mir einfach nicht. Merke: Nur die Maske, die auch nach Schnabeltasse ausschaut, ist eine gute Maske.

Die Maske, die ich trug, die könnte sie tödlich infizieren. Was sie mir und anderen Kunden mit rotem Gesicht gut hörbar zu verstehen gab. Ich überlegte kurz, ob ich ihr meine erst wenige Stunden alte Bescheinigung über ein negatives Testergebnis zum Nachweis des tödlichsten Virus mit Namen SARS-CoV-2 im besten Deutschland aller Zeiten zeigen sollte, unterließ dies aber.

Wozu auch? Ich trug eine flache Maske. Ich trug nicht die Schnabeltasse im Gesicht. Ein Blick hinter mich, auf die sich stauende, länger werdende Kundenschlange mit kultgerechten Schnabelmasken sagte mir überdeutlich: Ich war schuldig im Sinne der Anklage und hatte daher jetzt für meine Untat eine Flachmaske zu tragen zu büßen. In Corona Amen.

So nutzte ich zwischen zwei Gesundheitslitaneien eine Luftschnappause der Kassiererin, um sie zu fragen, ob ich den EDEKA-Laden sofort zu verlassen habe, dann meinen Einkauf auf ihrem Rollband liegen lasse oder ob ich noch zahlen darf, um die Sachen mitzunehmen.

Ich durfte zahlen und dann gehen. Die Frage nach Form oder FFP Norm der Maske wird sich ab kommenden Montag in einem EDEKA-Markt für mich nicht mehr stellen. Ab diesem Tage ist das Tragen der Maske nicht mehr vorgeschrieben. Sehen wir vom Hausrecht des jeweiligen Betreibers einmal ab. Gestern jedoch, da kam ich mir wie ein Deserteur vor. Einer, der noch Stunden vor dem erlösenden Waffenstillstand vor einer Laterne erwischt wurde. Doch schon irgendwie.

Auf den Schrecken bei EDEKA brauchte ich einen Drink und den schnell. So fuhr ich die paar Dörfer weiter zu meinem Lieblingskiosk wo Form wie Norm einer Maske keinen Anlass geben, den Puls höherschlagen zu lassen und den Glauben an den Menschen gänzlich zu verlieren.

Wie zu Beginn meiner Kolumne beschrieben, plauderte ich dort angekommen mit dem Kioskbetreiber über die bald steigenden Bierpreise. Nun steigt aber nicht nur der Preis für das tägliche Bier. Alles, was wir zum Leben und zum Überleben benötigen, wird sich in den nächsten Wochen rasant verteuern.

Während der Kioskplauderei kam ein Landwirt in den Laden und gab seinen Senf zum Thema ab. Dass der Sack Dünger ihn im letzten Jahr 35 Euro gekostet hätte und ihn ab nächsten Monat die gleiche Menge fast hundert Euro mehr kosten wird. Dass er froh sei, seine großen Dieseltanks schon Ende letzten Jahres gefüllt zu haben, nur aus diesem Grund könne er in diesem Jahr den Betrieb aufrechterhalten und und und ...

Nun, was soll ich schreiben, es hörte sich nicht gut an, was er uns über die Preise für Mehl, Fleisch, Eier, Gemüse und Obst im Verlauf des Jahres prophezeite. Darauf tranken wir ein Bier und wünschten uns gegenseitig ein Prosit auf unsere Zukunft.

Sollte in diesem Jahr eine weitere von Karl Lauterbach befohlene Viruswelle das Land überrollen, dann wird Form und Norm einer zu tragenden Maske wenig bis keine Bedeutung haben. Weder für mich noch für eine heute von mir gemiedene Kassiererin bei EDEKA.

Denn dann werden alle hier Lebenden noch ganz andere Probleme zu bewältigen haben, als sich über ihren Impfstatus oder eine politische Einstellung zu zerspalten. Dann wird nicht nur ein vermeintlich reiches Deutschland nicht länger in der Lage sein, seine eigene Bevölkerung mit Nahrung und Energie zu versorgen, sondern ganz Europa wird dazu nicht mehr in der Lage sein.

Es wird nichts anderes übrigbleiben, als das wir uns zusammentun. Nur gemeinsam, unabhängig der Religion, Abstammung oder politischen Gesinnung werden wir alle, die in diesem Land, in Europa, ja auf dieser Erde leben, es schaffen, dies verfluchte Jahr zu meistern.

Die Medien dürfen nicht länger nach dem Munde von Geldgebern und politischen Interessen schreiben, senden und berichten. Sie müssen endlich ihrer Rolle der vierten Gewalt wieder gerecht werden. Sie dürfen die Bevölkerungen nicht länger gegeneinander ausspielen, gar aufhetzen, sondern müssen versuchen, sie zu vereinen. Nur gemeinsam werden wir die gewaltige, auf uns zukommende Krise bewältigen können.

Und zu guter Letzt: Was wir jetzt dringend brauchen, sind Politiker, die uns reinen Wein einschenken. Politikerinnen, die sagen, was Sache ist, was zu tun und zu lassen ist, um den rollenden Wagen vor dem Abgrund zum Stehen zu bringen. Wir brauchen Menschen, die NEIN sagen, wenn sie der Meinung sind, dass das, was sie zu tun haben, falsch ist. Wir brauchen mehr Menschen, die nicht zu allem JA sagen, was ihnen vom vermeintlichen Oben aufgetragen wird.

Was wir nicht brauchen, das sind die verwirrten Geister in Führungspositionen. Wir brauchen keine Menschen an den Schalthebeln politischer Macht, die uns mit halbreligiösen Wahnvorstellungen an einem freien Leben hindern. Die uns das Leben verleiden, weil sie selbst nicht in der Lage sind, das ihre zu leben.

Wir können es zusammen schaffen. Doch. Wir schaffen das ohne jene, die wir nicht brauchen, die jedoch uns für ihre fragwürdige Ziele brauchen, die nicht die unseren sind und es im Interesse der Kinder und einer gemeinsamen Zukunft auch nicht sein dürfen.

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