Emotionaler, über dreißig Jahre alter Wechselwind

Ein Wind of Change – Ein immerwährender Auftrag der Erneuerung!

von Jan-Heie Erchinger (Kommentare: 2)

... ihr Eiserner-Vorhang-Einsturz-Hit ´Wind of Change´ ist nun mal einer der Haupt-Songs, wenn nicht der international berühmteste und bekannteste Song zu dem Thema.© Quelle: Pixabay / schaerfsystem

Einverstanden, die Scorpions sind nicht jedermanns Sache. Aber ihr Eiserner-Vorhang-Einsturz-Soundtrack „Wind of Change“ ist der berühmteste und bekannteste Song mit diesem unvergleichlichen Taste of Freedom.

Manchmal bekommt man bei Psycho-Trick-Affinen den Tipp, sich bei einem heftigen mentalen Tiefdruckgebiet über Gerüche, Akustisches oder gerne auch Essen (Königsberger Klopse) wieder in glücklichere Zeiten zurück zu fühlen oder neudeutsch: „zu beamen“.

Ich finde das gut und mache das gerne und oft.

Auch mich kann man mit nostalgisch Erbaulichem, beispielsweise einem schönen Foto eines VW-Käfer-Innenraums von 1973 oder der farbenfrohen Innenarchitektur der alten Spiegel-Kantine, von jetzt auf gleich in einen viel entspannteren und ausgeglicheneren Gemütszustand versetzen.

1973 war ich sechs Jahre alt – und es ist kein Witz: Einer der Scorpions, der Bassist Francis Buchholz, soll Zivi in der Titus-Kirchengemeinde Hannover-Vahrenheide gewesen sein, in der mein Vater damals Pastor war und wir als Familie wohnten.

Mein Vater war der ultimative 70er-Jahre Pastor mit Bart und Gitarre im Neubau-Viertel. Er spielt heute noch gerne Gitarre und singt mit seiner Taizé-Gruppe.

Ich sag mal aus dem Bauch heraus: Francis Buchholz und natürlich unser Vater haben meinen Bruder Dirk und mich sicherlich mit inspiriert, Profi-Musiker zu werden.

Ob diese Legende mit dem Scorpions-Bassisten wirklich stimmt? Ich werde dran bleiben und berichten, ich kenne einen aus der Crew!

Auf jeden Fall haben die Scorpions mit “Wind of Change“, ob zufällig oder nicht, ob musikalisch hochwertig oder nicht, einen der auch rückblickend friedenspolitisch und kalter-Krieg-verändernd wichtigsten Songs gemacht.

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Kann man diesen Geist des friedfertigen Neuanfangs, des Grenzen-Überschreitens, des den-Menschen-hinter-den-vermeintlichen-Feinden-Wahrnehmens nicht öfter mal musikalisch aufleben lassen?

Frau Strack-Zimmermann oder Frau Baerbock, auch Tony Hofreiter oder der Herr Röttgen scheinen das jedenfalls eher nie zu machen.

Klar, es ist bei dem Scorpions-Song etwas gefährlich, weil man schnell die blanke und konkrete Wut eines Hard-Rock- oder Heavy-Metal-Kenners erfahren könnte.

Es mag sogar sein, dass es Menschen gibt, für die dieser Song in der Hitparade der unerträglichsten Lieder aller Zeiten weit oben steht (und ich habe dafür echtes Verständnis).

Trotzdem gehe ich davon aus, dass sehr viele Menschen, besonders wenn sie die Schnulze lange nicht hören mussten, durch “Wind of Change“ binnen Nano-Sekunden in die Zeit des Mauerfalls zurückversetzt werden.

Wind of Change – ich wünsche mir heute in einigen Bereichen einen solchen Wechselwind, nicht nur in Bezug auf den grausamen Krieg in der Ukraine, trotzdem würde ich Russland von ganzem Herzen einen neuen Wind of Change und Mut zur Demokratisierung wünschen!

Auch würde ich unserem „Westen“ einen Wind-of-Change-Willen zum Forcieren von aufrichtigen Verhandlungen wünschen. Und der soll noch viel stärker sein als der inflationär zu hörende Ruf nach Panzern und schweren Waffen.

Übrigens: Auch wenn demokratische Länder über viele Jahrzehnte immer dieselbe Partei an der Macht haben, wie die Sozialdemokraten in Schweden, ist es sicherlich Zeit für einen konkreten Wind of Change.

In unseren Öffentlich-Rechtlichen weht seit den Enthüllungen um Patricia Schlesinger beim RBB hoffentlich nachhaltig ein „Wind of Change“ (hier benutze ich extra das von mir nicht gemochte Mode-Zeitgeist-Adjektiv "nachhaltig").

Bei einem großen Automobil-Hersteller, der vor ein paar Jahren durch autoritären Führungsstil, Bezahlung von gewissen weiblichen Dienstleistungen, durch konkreten Betrug und Umweltverschmutzung und immer wieder durch eine brutale wirtschaftliche Praxis mit Zulieferern aufgefallen ist, soll es schon einen gewissen Wind of Change geben. Hoffen wir´s mal für alle Beteiligten.

Es muss einen Wind of Change bei der völlig übertriebenen Empörung über vermeintlich kulturelle Aneignungen geben. Und wenn wir schon dabei sind: Auch bei angeblichen Diskriminierungen von zahlenmäßig kleinen Minderheiten muss es einen Wind of Change wehen (nichts gegen faires Zusammenleben mit Minderheiten, es muss aber verhältnismäßig bleiben – der Winnetou-Schwachsinn war es überhaupt nicht).

In den politischen Festlegungen und Einstellungen bei großen Gewerkschaften, die seit Jahren quasi ein konkretes und unreflektiertes SPD-Automatismus-Ding am Laufen haben, muss es bitte zeitnah einen Wind of Change geben.

Bei der Organisation von Bildung in unserem Land, wo ganz klar in Schule, FH oder Uni vor allem die rotgrüne Sichtweise dominiert, und zwar nicht in einer toleranten Ausrichtung, sondern paradoxer Weise eher autoritär, obwohl die doch mal „anti-autoritär“ unterwegs gewesen sein sollen, soll es bitte, bitte einen spürbaren Wind of Change geben!

Der Muff von tausend Jahren – diese symbolisch tausend Jahre seit den berechtigten APO-Zeiten sind jetzt hoffentlich bald rum, und es soll einen wirklich genauso berechtigten neuen und offenen Wind of Change mit fairer, differenzierter und kluger Diskussion und Wettbewerb unterschiedlicher politischer Ideen, ohne übertriebene Denkverbote und ewiger sprachlicher Nazi-Bezichtigungs-Keulen-Nutzung, geben.

Auch und besonders im Kontext Krieg, Klima, Energie-Preise oder Gender-Sprache-Anordnungs-Übertreibung. Friedlich diskutieren und locker bleiben. Das wäre schön!

Frau Merkel hatte durch die autoritär vorangebrachte Sozialdemokratisierung der Union leider die Unterschiede der „Volksparteien“ brachial verwischt, annähernd unkenntlich gemacht.

Letztes Wochenende hat die Union in Hannover die Frauenquote beschlossen … Na, herzlichen Glückwunsch (Ironie!).

Ich bin gegen starre Quoten. Meiner Ansicht nach ist eine Frauenquote bei der Union auch unionsintern kein Wind of Change, sondern eher ein Wind-of-Daniel-Günther-Angela-Merkel, noch dazu ist es das konkrete Genauso-machen wie Grüne oder SPD.

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Wind of Change ist was anderes. Und jetzt gehe ich pfeifend zu meinem Klavier und schaue mal, welcher Wind da heute pustet, haucht oder auffrischt. Ich möchte mich über die Musik gleich wieder in entspanntere und ausgeglichenere Gemütszustände versetzen. Extra, vorsätzlich und mit Ansage!

Den eisernen Vorhang möchte ich jedenfalls nicht wieder so wachsen und gedeihen sehen. Mein Auftrag: Vorn vorneherein in unseren Köpfen einreißen, das miese Ding!

Wider dem kalten Krieg 2.0: Reiht Euch ein, liebe Freunde!

Quelle privat

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Kommentare

Kommentar von Peter Löcke

Für Freiheit zu sein in Zeiten der Freiheit ist einfach. Gegen Faschismus zu sein, wenn Faschismus weit weg ist, ebenso. Da sind Applaus und ein gefülltes Bankkonto garantiert.

Und heute? Wo sind die Künstler und Liedermacher, wenn es neben politischem Durchblick wirklichen Mut braucht? Wenn man wirklich was riskieren muss im Leben? Mit wenigen Ausnahmen ... nada, rien, niente.

Campino grölte bei einem Konzert während der Schweinegrippe in die Menge, dass er sich niemals impfen lasse bei diesem größten Skandal der Geschichte. Und heute? Tote Hose bei den toten Hosen. Vielleicht gibt es ja bald ein Duett - Suzanne Vega featuring Fanta 4: My name is Luka. Und Wolfgang Niedecken lässt sich von seinem Freund Karl erklären, was das genau mit dem Virus auf sich hat. Verdammt lang her, dass ich mich so fremdgeschämt habe. Konstantin Wecker? Der schrieb mal das Lied "Fast ein Held" und stellte sich darin die Frage, wie er sich wohl verhalten würde, wenn es wirkliche Zivilcourage braucht. Die Frage ist heute beantwortet. Auch Wecker ist nur fast ein Held.

Die Liste der theoretischen Antifaschisten könnte ich meterlang fortführen.

Kommentar von hans

'Wider dem kalten Krieg 2.0' – da mach ich mit.

… nun ja, die 'Scorpions', puuuh, typisch verweichlichte 'Wessis'. Die locken mir nicht einmal ein müdes grinsen ins Gesicht. Nix für ungut. ;-) Kommt wohl doch darauf an, von welcher Seite der ehemaligen Demarkationslinie der eiserne Vorhang erlebt wurde.

… ich mag Bob Dylan.

The line it is drawn
The curse it is cast
The slow one now
Will later be fast
As the present now
Will later be past
The order is rapidly fadin'
And the first one now
Will later be last
For the times they are a-changin'

https://www.youtube.com/watch?v=DL_kPNFL3dY