Toddn Kandzioras Wochenrückblick 32/2021

Einfach abschalten

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Einfach abschalten
Kolumnist Toddn Kandziora war auf Reisen. Von der Einsamkeit in die Einsamkeit. Vom Computer in die computerfreie Einöde. Und für Toddn gilt: Alles ist besser als das, was für alle gleich ist. © Foto: Pixabay / Mystic Art Design

Ich war die letzte Woche mal weg. Nein, nicht daheim hinter meinen sieben Bergen. Dort, wo ich war, da hatte ich keinen Computer und keinen Internetzugang. Daher kam meine Kolumne nicht am letzten Samstag. Deshalb könnt ihr sie erst heute lesen. Entschuldigt bitte die Verspätung.

Die letzte Woche und das vergangene Wochenende hatte ich mit körperlicher Arbeit verbracht. Vom hellen Morgen bis zum dunklen Abend. In diesen Tagen hatte ich sehr wenig Kontakt mit der Welt an sich. Und das war überhaupt nicht schlimm. Das war sogar ganz gut. So ohne Internet, Fernseher, Radio oder einem anderen Gerät, das einem Menschen mit Horrorshow-News den Tag vermiesen soll. Das kann ich jedem - fangen wir klein an - mal für eine Woche empfehlen.

Heute, am Dienstagmorgen haue ich also Zeilen in meine Tastatur, die schon am letzten Freitag hätten getippt sein sollen. Doch da saß ich noch glücklich und im Schweiße meines Angesichts über einer mittags dick mit Wurst und Butter belegten Arbeitsstulle und freute mich des Lebens. Und dass trotz der Wiederkehr längst vergessener Muskelschmerzen und eines gekrümmten Rückens.

Jetzt sind die Arme wieder locker und dem Rücken geht es wieder gut. Das ist das Gute. Schlecht ist, ich habe seit heute Morgen wieder Computer und Internetzugang und ich frage mich warum? Was ich lese, sehe und höre, das gefällt mir nicht. Das ist gar nicht gut und ich frage mich, warum ich mir das antue.

Diese Welt ist schlecht. Na ja, nicht alles auf dieser Welt ist mies. Ihr wisst schon, singend Vögel, Sonnenuntergänge am Meer, blühende Apfelbäume im Mai oder ein fantastisches Essen. Das sind schon tolle Dinge. Aber das alles hat man ja auch nicht aller Tage. Das Böse und Schlechte auf dieser Welt, das können wir meist nicht ändern. So gerne wir auch Schlechtes in Gutes verwandeln möchten. So edel und rein unsere Motive auch sein mögen. Oft steht die Realität vor uns wie eine ausgehärtete Betonwand. Undurchdringbar. Unüberwindbar.

So wie meine Hürde an diesen Morgen: Ich verfolge die Nachrichten über Afghanistan und mich überkommt das deprimierende Gefühl, dass der westliche, militärisch-wirtschaftliche Komplex in Afghanistan sein letztes großes Krisenspiel verloren hat. Und das absolut. Ähnlich absolut, wie sich dies die USA im Frühjahr 1975 in Vietnam eingestehen musste. Als unbeteiligter Beobachter schaue ich einem sogenannten freien Westen schon seit Jahren bei seinem siechenden Untergang zu.

Dieser seinem Untergang geweihte Westen kann weder einen Jahrzehnte währenden militärischen Konflikt gegen die Taliban in Afghanistan zu seinen Gunsten entscheiden noch konnte er viel früher schon einen Krieg gegen eine zu allem entschlossene Bevölkerung in Vietnam gewinnen, welche, wie die Taliban ebenfalls nicht bereit war, sich den westlichen Lebensidealen anzupassen. Oder sagen wir präziser: zu unterwerfen.

Die letzten zwanzig Jahre habe ich mich immer wieder gefragt, was zum Teufel haben NATO oder Bundeswehr in Afghanistan verloren? Dass ein Militäreinsatz in einem zutiefst islamischen Staat nichts, aber auch rein gar nichts bewegen wird, das muss doch jedem Menschen klar sein, der sich nur mal eine Stunde mit dem Stammessystem in diesen Regionen oder dem durchdringenden Einfluss des Islams und seiner „Gotteskrieger“ beschäftigt hat.

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Anscheinend aber hat sich kein verantwortlicher deutscher Politiker diese Stunde Zeit genommen. Nur ein absolutes Terrorregime oder eine Militärdiktatur könnte mit drastisch geführten, völkerrechtswidrigen Militäreinsätzen derartigen Gesellschaften oder Stammeskulturen einen Stempel aufdrücken bzw. diese im eigenen Interesse oder Sinne „befreien“. Und dass kann nicht der Weg einer westlichen Wertegemeinschaft sein.

Die westliche Wertegemeinschaft hat in Afghanistan kläglich und erbärmlich versagt. Schluss und aus. Was bleibt, das ist einzig die Möglichkeit Konsequenzen aus dieser absoluten Niederlage für „Frieden, Freiheit und Gleichberechtigung“ zu ziehen und sich in Zukunft nicht mehr in Regionen, in Ländern oder Kulturen einzumischen, die dieses nicht wünschen, nicht bereit dazu sind, andere Werte als die ihren anzuerkennen oder gar anzunehmen.

Zudem: Der seiner Werte so kastrierte Westen kann nicht gewinnen, da er nichts gegen alte gelebte Traditionen und Religionswerte entgegenzusetzen hat. Der Westen kämpft heute auf verlorenen Posten, da er nichts Immaterielles mehr besitzt, dass zu verteidigen oder zu schützen wert wäre.

Für mich ist in dieser Hinsicht jedes Wort zu Annegret Kramp-Karrenbauer, der Oberbefehlshaberin der Bundeswehr, überflüssig. Ebenso wie zu Außenminister Heiko Maas. Diese beiden Personen haben vollkommen versagt, - aber wieder wird es so sein, dass beide für dieses Versagen nicht zur Verantwortung gezogen werden. Mir fehlen die Worte, um meine Geringschätzung zu diesen Politikern auszudrücken.

Weiter im Text. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass das Desaster in Kabul von GRÜN-ROT-ROT-SCHWARZ-GELB und den Qualitätsmedien dazu genutzt wird, um der hier schon länger lebenden Bevölkerung eine weitere Öffnung unserer Gesellschaft als moralische Verpflichtung zu verkaufen. Unser Land wird sich jetzt halt noch schneller in Richtung Vielfalt verändern, wie es seit Jahren von gewählten deutschen Politikern herbeigesehnt wurde.

Dieser Umstand wird sicher auch Russland und insbesondere China mehr als erfreuen. Mit jedem weiteren militärischen und/oder wirtschaftlichen Desaster des Westens und weiteren Migrationsströmen, wird dieser Westen instabiler und als Wirtschaftsgegner schwächer. Das ein Großteil der nun wieder nach Europa flüchtenden junge, kräftige und ja auch von NATO und Bundeswehr militärisch gut ausgebildete Männer mit langen Bärten sein werden, dieser Umstand wird schon bald zu einer rassistischen Nebensache verteufelt werden.

China jedoch wird eine solche Nebensache sehr erfreuen. Die neue Superweltmacht weiß sehr genau, was sie in wenigen Jahren vom freien Westen und von Europa zu erwarten hat. China ist nicht so dumm, wie es uns noch immer zur eigenen Beruhigung vor Augen geführt wird. Was China realisiert, das ist ein Regenbogenfarben gefärbtes Schaf, das in einem viel zu großen Wolfspelz gesteckt, divers wie gendergerecht gehalten nur laut vor sich hin Blöcken in der Lage ist.

China und Russland brauchen nur abzuwarten. Abwarten, bis das letzte was Europa zusammen hält in sich zusammenfällt. Die Illusion seiner selbst. Lange wird es nicht mehr dauern.

Die USA, Europa und insbesondere Deutschland haben ausgespielt. Jedenfalls denke ich das, wenn ich mir das viral gehende Foto vom Taliban-Co-Gründer Mullah Abdul Ghani Baradar und dem chinesischen Außenminister Wang Yi so betrachte, dass im Juli dieses Jahres aufgenommen wurde. China wusste augenscheinlich schon im letzten Monat, wer bald wieder im Land bestimmt.

Ich denke, ich werde auch diese und die nächste Woche dorthin zurückfahren, wo ich keinen Computer oder Internetzugang zur Verfügung habe. Mein Leben abseits der heutigen Gesellschaftsform ohne der täglich verimpften Angstdosen, ohne Terror, Chaos und Krisenmeldungen, das ist mein besseres Leben.

Und wenn es dicke kommt, dann kommt es halt dicke. Ob nun in Afghanistan oder in der Eifel. Da kann Mensch halt nichts gegen machen. Oder doch?

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Kommentare

Kommentar von E T

Da kann Mensch etwas gegen machen.

Mir wäre z.B. wichtig, ein wirksames Gegenmittel gegen die Nazikeule zu entwickeln, um den Druck auf Patrioten zu vermidern, die sich als Patrioten outen oder Führungspositionen einnehmen.

Meiner Ansicht nach hat dafür Markwort in einem Kommentar im Focus einen Ansatzpunkt geliefert. Er hat erklärt, dass Maassen kein Nazi sondern Lauterbach ein Hetzer ist.

Wenn man generell die Benutzung der Nazikeule als Hetze bezeichnen wüde, könnte man die Nazikeule zum Bumerang machen. Wenn der Einsatz der Nazikeule dazu führen würde, dass man in rechten Medien als Hetzer bezeichnet würde, bliebe das nicht ohne Wirkung.

Wenn z.B. in rechten Medien grundsätzlich von der Hetzerin Esken gesprochen würde, bliebe das nicht unbekannt. Ausserdem könnte man damit rechnen, dass das Etikett Hetzer besser haftet als das Etikett Nazi, da es der Wahrheit sehr viel näher käme.

Alle Nutzer der Nazikeule als Hetzer zu bezeichnen, würde die Nazikeule zu Bumerang machen und die Zahl der Benutzer senken. Außerdem wurden die Antipatrioten gespalten, da nur eine Minderheit die Nazikeule benutzt.