Toddn Kandzioras Wochenrückblick 31/2022

Es kriselt zwischen den Menschen

von Toddn Kandziora (Kommentare: 2)

Unser Kolumnist Toddn Kandziora macht sich Sorgen, was im Herbst vor allem auf die Ungeimpften zukommt. Aber er zwingt sich zu so etwas wie Gelassenheit und geht mit dem Hund.© Quelle: Pixabay / cocoparisienne

Jede Kolumne ist abhängig von der Tagesform ihres Schreibers. Ich hatte schon am Donnerstag begonnen, an meiner zu schreiben. Ich schrieb meine schweren Gedanken über das neue Infektionsschutzgesetz und seinen einzigartigen Schöpfer, Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach, auf.

Ich machte mir Gedanken über eine grüne Außenministerin namens Baerbock, die, nachdem sie Buntland schon gegen Russland militärisch in ausweglose Position brachte, sich diese Woche auch noch mit China anlegte, indem sie Taiwan Hilfe und Unterstützung im dortigen Konflikt zusicherte.

Ich versuchte am Donnerstag, meine Sorgen um Land und Menschen in Worte zu fassen. Doch mit jeder neuen, von Wahrheitsmedien verkündeten Krisenmeldung wie den Vorhaben der verzweifelt um sich beißenden Regierung und einer sich in Auflösung befindlichen heimischen Wirtschaft wurden die Sätze, die ich schrieb, Absatz zu Absatz mehr von Wut und Verzweiflung geprägt als von klarem Verstand.
Ein klarer Verstand, der in dieser Zeit so von Nöten ist. Ein klarer Verstand, der Gedanken gebiert, die niedergeschrieben Sinn ergeben und des Lesens wert sind. Worte und Sätze, die von Nutzen, vielleicht von Bedeutung sind.

Doch der klare Verstand ist mir abhandengekommen. Vielleicht wurde er mir geraubt oder ich habe ihn verloren. So wie ein Mensch die Geduld verlieren kann. Vielleicht auch, dass ich ihn im Lärm und Getöse der neuen Zeit verloren habe. Irgendwo, ohne es zu bemerken in dieser Ära Coronas, des Krieges und zu vieler böser Geister, die uns in Angst und Schrecken versetzen, damit wir eben keinen klaren Gedanken mehr fassen können. Dass wir nicht eher wieder zu Verstand kommen werden, bis vollendet ist, was sie vorhaben.

Diese vielen Krisen, die uns die Luft zum Atmen wie den Sauerstoff zum Denken nehmen (sollen). Wir haben eine Teuerungskrise. Eine Inflationskrise. Eine Versorgungs- und Energiekrise. Eine Kriegskrise. Eine Migrationskrise. Eine Rentenkrise.

Es kriselt im Schulsystem und im Kulturbetrieb. Es kriselt in Firmen und Betrieben, zwischen Freunden und innerhalb von Familien. Es kriselt in den Hosen und unter den Röcken und bei manch einem im hohen Amt auch im Oberstübchen. Und überhaupt kriselt es zwischen uns Menschen.

Es kriselt innerhalb der Bevölkerung. Es kriselt unter uns, weil kaum noch jemand unter dreißig Jahren sich darüber im Klaren ist, im Klaren sein soll, welchen Geschlechtes er/sie/es ist. Wie er/sie/es in Buntland heutzutage eine andere "Person" ansprechen darf (soll), ohne gleich wegen Diskriminierung, Rassismus, Genderismus oder sonst einem neu-woken Glaubenskult an den öffentlichen (oder gerichtlichen) Pranger gestellt zu werden.

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Mal ehrlich: Bei all diesen Krisen, die es heute zu bewältigen gilt, herrscht die größte Krise von allem doch als Regierung in Berlin. Unangreifbar von einer in Medien nicht zu Wort kommenden und daher in der Bevölkerung kaum wahrzunehmenden Opposition. In einem Bundestag, über dem beizeiten die Regenbogenfahne nach dem Wind zu wehen hat. Diesem neuen Wind, der eiskalt wie unbarmherzig für die Eigenen durch ihr vergehendes Land zieht.

Ach herrje. Nun falle ich ja schon wieder in meine „Wut & Verzweiflung“-Stimmung zurück. Genau das wollte ich nicht. Das war der Grund, meine am Donnerstag geschriebene Kolumne in den elektronischen Papierkorb zu werfen und es heute auf ein Neues, nur netter und lesbarer, zu gestalten.

Doch das ist nicht so einfach, wenn in der Nacht ein Gewitter das nächste überrollte und jeder Donner einem lauten Kanonenschlag vor dem offenen Schlafzimmerfenster gleichkam und an Schlaf in feucht-warmer Nachtschwüle wenig zu denken war. Jetzt fühle ich mich zur Mittagszeit wie nach einer Kiste Bier und vierzig Zigaretten, nur das ich nicht rauche und keine drei Bier am gestrigen Abend hinunterbekommen habe.

Auch nicht gut wie unvorteilhaft ist vor dem Schreiben, sich über die neuesten Ereignisse in der Welt zu informieren. Völlig beknackt ist das. Was man da zu lesen und zu hören bekommt, das zieht einen nur runter und dann, na, dann kommt eben so eine Kolumne wie die heutige dabei raus.

Dabei reicht es schon, bestimmte Meldungen vom Vorjahr sich noch einmal bei Licht zu betrachten. Zum Beispiel diese eine von Justizminister Marco Buschmann. Das ist ein Schwiegermuttertyp mit feschem Dreitage-Bärtchen aus Reihen der standhaften FDP. Ein integrer, glaubhafter und bezahlter Politiker, der im Oktober 2021 im O-Ton jedem, der es glauben wollte, unter die Nase rieb:

„Es gibt ein absolutes Ende aller Maßnahmen und alle Maßnahmen enden spätestens mit dem Frühlingsbeginn am 20. März 2022.“

Nun, wie Herr Lindner vor der Wahl als Parteiparole ausgab: „Aus Liebe zur Freiheit!“ Daher und niemals vergessen: Freie Demokraten sagen immer die Wahrheit und auf sie ist und war schon immer Verlass.

Ab kommenden Herbst soll es wieder Infektionschutzmaßnahmen in Deutschland und Österreich geben. Das sind diese beiden letztlich verbliebenen Länder Europas, in denen das Virus noch immer tödlich wütet. Laut Aussage des neuzeitlich apokalyptischen Reiters Lauterbach soll das Virus sogar tödlicher denn je im Herbst zurückkehren (Die schrecklichen Affenpocken jetzt außer Acht gelassen).

Also diese beiden Länder, in denen die Schutzmaske weiterhin als öffentlich getragenes Abzeichen der Freiheit in Demut gelten soll und einzig eine an die Gesamtbevölkerung quartalsmäßig verabreichte Schutzimpfung (mit den neuesten, den besten und sichersten Impfstoffen aller Zeiten) diese vom Leid, ein Mensch zu sein, erretten kann. In diesen beiden Ländern ist die Aufregung über eine vermeintlich von Impfgegnern in den Tod getriebene Ärztin dieser Tage groß.

Nach dem Freitod dieser Ärztin aus Österreich soll die Spur zu einem der Männer, die sie in diesen getrieben haben sollen, nach Bayern führen. Ein dort lebender Mann steht im Verdacht, der 36 Jahre alten Ärztin in Mails mit Folter und Mord gedroht zu haben.

Des Weiteren soll inzwischen die Staatsanwaltschaft Wels auch bei der Staatsanwaltschaft Berlin einen Tatverdächtigen angezeigt haben. Irgendwelche mir nicht bekannten „Jokos und Klaasens“ erinnern heute im TV an die tote Ärztin. Ein Regierungssprecher aus Berlin soll gesagt haben, es sei Bundeskanzler Scholz und der Bundesregierung ein Anliegen, sich gemeinsam mit den österreichischen Freund*innen gegen diesen Hass zu stellen. Drohungen und Gewalt seien auf das Schärfste zu verurteilen, gerade auch, wenn diese sich gegen medizinisches Personal, Ärztinnen und auch Ärzte richteten.

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Nun, das alles sehe ich genauso. Leider sehen das die über uns Bestimmenden nur von ihrer Seite so. Denn der vielfältige Hass, die Drohungen und ausgeübte Gewalt von Seiten des Staates und einem Großteil der Bevölkerungen gegen Millionen von Impfkritiker wurde seit 2020 und wird noch heute, im August 2022, leider toleriert. Und scheint sogar gewollt zu sein.

Aber das interessiert Personen wie Jokos und Klaasens wohl eher nicht.

Wie dem auch immer sei. Es sind eigenartige Zeiten, in denen wir leben, und es macht auf mich den Eindruck, dass diese für einen Teil der hier Lebenden gefährlicher werden, als manch einer es sich in einem schlimmen Traum ausmalen kann.

Da ich nicht in einem solchen Albtraum verhaftet werden möchte, nicht im Sog der vielen Krisensituationen im neuen Normal untergehen mag, kümmere ich mich jetzt um ein paar andere, schönere Dinge des Lebens und versuche die eigene Denkstruktur auf ein gesünderes Niveau zu heben, indem ich versuche, sie da oben in ihren Macht- und Führungspositionen nicht zu ernst zu nehmen.

Ich versuche ihnen zu entwischen, zu entgleiten wo ich kann. Und keinesfalls „klein beizugeben“, aufzugeben. So. Und jetzt gehe ich mit dem Hund raus und werde den eben beginnenden Landregen bei einem Spaziergang genießen. Bis zur nächsten Woche.

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Kommentare

Kommentar von Uwe Seeber

Die Hoffnung und auch die Gewissheit ist, daß es 1933 nach zwölf Jahren vorbei war.
Da die Zeiten mittlerweile schnelllebiger sind, sollte es nicht so lange dauern.
Freude kommt bei einem besseren und intelligenterem Neuanfang auf.

Kommentar von Hildegard Hardt

Die da oben muß man aber leider ernstnehmen, denn täglich bescheren sie uns neues Unheil gegen das wir anzukämpfen haben. - Sie betreiben dieses perfide Spiel mit wahrer Lust und scheinen sich diebisch am gesellschaftlichen Untergang zu freuen.

Auch ich wollte mich immer mal wieder geistig ausklinken - als Urgroßmutter wäre ich eigentlich reif dafür - aber keine Chance; spätestens nachts im Traum holen mich die Probleme wieder ein.

Ihre Kolumne ist eine Leselabsal, die selten geworden ist; unabhängig davon, daß ihr Inhalt wahr und zeitbedingt mehr als traurig ist. Aber wem sage ich das!