Der Bürger soll den Gürtel enger schnallen, während die Party für die Bürokraten erst richtig losgeht

EU-Gehälter plus 8,5 Prozent: 60.000 Mitarbeiter bekommen Sahne auf die Buttercremetorte

von Gaia Louise Vonhof (Kommentare: 1)

Kein Aufschrei, kein Protest – still und heimlich wird diese rechtssicher gemachte Selbstbedienungsmentalität hingenommen© Quelle: Pixabay / la-fontaine, Ralphs_Fotos

Von einer Lohnerhöhung träumen viele, andere sind froh, wenn sie überhaupt noch einen Job haben und backen sprichwörtlich kleine Brötchen. Aber jene 60.000 Mitarbeiter, welche in Brüssel die Brötchen vermessen und ihre Größe bestimmen, finden nichts dabei, sich Jahr für Jahr einen obendrauf einzuschenken.

Steigende Inflation in Kombination mit einer immensen Steuerbelastung, galoppierende Lebensmittel-, Gas- und Energiepreise, und vor allem: Besserung erstmal nicht in Sicht – so mancher brave Steuerzahler muss jetzt an seine Notgroschen.

Wenn überhaupt noch einer vorhanden ist: Immer mehr Familien sind hoch verschuldet, über zwei Jahre Pandemie samt Lockdowns und mutwilliger staatlicher Vernichtung von Wirtschaftskraft und Arbeitsplätzen haben tiefe Furchen gezogen. Die Angst vor Jobverlust, Armut und sozialem Abstieg inklusive staatlicher Unterstützung geht um.

Die besagten Mitarbeiter der EU und seiner Institutionen kennen diese Sorgen von denen da unten allenfalls vom Hörensagen. Denn sie haben das Glück, dass es gesetzlich so vorgesehen ist, dass die Höhe ihrer Gehälter an die Inflation gekoppelt ist und sie einen Inflationsausgleich bekommen. Mit Stand jetzt macht das 8,5 Prozent Gehaltserhöhung aus.

Was verdient man in Brüssel? Es gibt 16 Besoldungsstufen, ab der zehnten Stufe bekommt man als Angestellter ein Bruttogehalt von mehr als 10.000 Euro monatlich. Das niedrigste Bruttogehalt liegt derzeit bei 3.057 Euro.

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EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, seinerzeit ins lukrative Amt gehievt durch ihre Parteifreundin Angela Merkel, bekommt Monat für Monat die dickste Torte: Ihre bisher 29.205 Euro werden demnächst auf 31.687 Euro aufgefettet. Sahne auf Buttercreme könnte man also sagen. Das ist ein Monatsplus von 2.483 Euro.

Damit dürfte sie dann sogar 1.500 Euro über Bundeskanzler Scholz liegen, der am 1. Juli als erster Bundeskanzler überhaupt die 30.000-Marke knackte und mit 30.189,81 Euro monatlich nach Hause geht. Diese Diäten-Erhöhung, großzügig in Krisenzeiten von der Deutschen Regierung für sich selbst beschlossen, erscheint gegen den EU-Pauschal-Rundumschlag regelrecht wie Peanuts, denn jeder Mandatsträger bekam „nur“ eine Erhöhung um 310,40 Euro.

Aber diese Sichtweise wäre ein Denkfehler, denn beide werden vom steuerzahlenden Bürger bezahlt. Und der ist unabgefedert der Inflation und den aktuellen Preissteigerungen bei Lebensmittel, Energie und allen weiteren Kosten ausgesetzt.

Protest dagegen regte sich derweil bei einigen EU-Mitgliedsstaaten, so das Handelsblatt: Die Lohnerhöhung sei zwar rechtlich so vorgesehen, aber politisch in Zeiten wachsender finanzieller Sorgen schwer zu erklären, klagen Diplomaten.

Kein Aufschrei, kein Protest – still und heimlich und begleitet wird diese rechtssicher gemachte Selbstbedienungsmentalität hingenommen im dahindümpelnden Sommerloch.

Aber vielleicht hat der Durchschnittsbürger aufgegeben, resigniert, fühlt sich machtlos – zu abgehoben, zu abstrakt und zu weit weg nicht nur solche Gehaltsklassen, sondern auch Brüssel nicht wirklich greifbar und die ganzen Politiker-Privilegien sowieso nicht.

Ein abgehobener und von den Bedürfnissen abgekoppelter, in sich geschlossener Machtbereich, ein überdimensionierter Wasserkopf, der seine eigenen Privilegien beschließt, um sich diese dann zu versilbern. Nein, zu vergolden.

Ach so, über Reisekostenerstattung, Tagegeld, allgemeine Kostenvergütung, Kosten für medizinische Versorgung, Übergangsgeld und sonstige Ansprüche haben wir hier noch gar nicht gesprochen, nachzulesen hier.

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Kommentare

Kommentar von Hildegard Hardt

Für die Brüsseler Qualitätspolitiker gilt der Satz: Je unfähiger, desto höher bezahlt und besonders für die Kommissionspräsidentin! Ihre Unfähigkeit hat sie in ihrer Zeit als Bundesministerin ja hinreichend unter Beweis gestellt!
Wenn die "Anpassung" nicht ausreicht, gibt es übrigens noch andere Methoden der Gehaltsaufbesserung; Martin Schulz (SPD) war ganz groß darin, Abrechnungen zu frisieren und sich diverse andere Vorteile zu verschaffen. Man muß nur findig sein!