„Fauda“ – Israelische Agentenserie auf Netflix

„Fauda“: Infiltrieren und sterben lassen

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„Fauda“ – Israelische Agentenserie auf Netflix
Die dritte Staffel startete am 16. April 2020 auf Netflix © Foto: Pixabay / Andrés Rodríguez

Die Kamera zeigt jemanden, der in einem Moment noch Gitarre spielt, nur um dann im nächsten Moment, mit der Pistole, um sich zu schießen. Wer jetzt an Antonio Banderas und den Film „Mariachi“ gedacht, der liegt falsch. Es ist nämlich eine der erfolgreichsten israelischen Serien der letzten Jahre gemeint: „Fauda“. Die dritte Staffel startete am 16. April 2020 auf Netflix und bereits im vorhergehenden Dezember im israelischen Fernsehen. Dort stelle sie innerhalb weniger Tage neue Einschaltrekorde auf, die Produktion bzw. Ausstrahlung einer vierten Staffel ist bereits auf dem Weg.

Worum geht’s in der Serie? Der Titel kommt aus dem Arabischen und bedeutet „Chaos“. Dies ist das Codewort israelischer Spezialeinheiten, wenn eine Mission aus dem Ruder zu laufen droht und die Serie wird dem Titel in vielerlei Hinsicht gerecht. Die Handlung dreht sich um eine Spezialeinheit der „Mista’aravim“, was sich mit „die Arabisierten“ grob übersetzen ließe. Deren Mitglieder sind oftmals Mizrachim. Also Juden aus arabischen Ländern, die fließend arabisch sprechen, wie Araber aussehen und die Bräuche und Gepflogenheiten der Araber kennen. Unter Arabern nicht als Jude aufzufallen ist nicht nur Grundvoraussetzung, sondern auch überlebensnotwendig für diesen Job, denn sie operieren in den Palästinensergebieten. Dort infiltrieren sie feindliche Einheiten, nehmen Terroristen gefangen oder schalten diese aus, vereiteln Anschläge und beschaffen Informationen.

YouTube: Season 3 | Official Trailer | Netflix
Offizieller Netflix-Trailer zur 3. Staffel von Fauda

Als Hauptprotagonist fungiert Doron Kavillio, der sich nach der erfolgreichen Ausschaltung des Hamas-Kommandeurs Taufiq Hammed aus der Einheit verabschiedet hatte. Zukünftig wollte er die Zeit mit seiner Familie auf seinem Weingut verbringen. Doch dieser Taufiq hatte seinen Tod nur vorgetäuscht und taucht nun auf der Hochzeit seines jüngeren Bruders wieder auf. Grund genug für Kavillio, noch einmal zurückzukehren und dem Untoten endgültig den Gar auszumachen.

Die zweite Staffel führt den Islamischen Staat auf den Plan, der versucht unter den „Palästinensern“ Fuß zu fassen. Dafür rekrutiert dieser junge arabische Hebräischstudenten, die nun auf israelischer Seite für Fauda sprich Chaos sorgen sollen. Doch damit haben nicht nur die „Mista’aravim“ ein Problem, sondern auch die Fatah und die Hamas, die keine große Lust haben, mit einem weiteren Mitspieler die Pfründe zu teilen.

Die dritte Staffel handelt von den Terrortunneln, dem Goldstück der Infrastruktur der Hamas. Hierüber organisiert diese den Waffenschmuggel und andere terroristische Aktivitäten. Kavillio hat die Identität eines arabischen Boxtrainers aus Jerusalem angenommen. Während er in dieser Rolle Informationen zu einem Gesuchten sammelt, trainiert er den äußerst talentierten Bashar. Dieser hat mit Terror nichts am Hut und will über das Boxerticket raus aus der Armut und raus aus Gaza. Doch aufgrund eines Fehlers von Kavillio geriet Bashar samt Familie zuerst zwischen die Fronten und dann ins Schussfeld der Hamas. Um aus dieser Misere zu entkommen, flieht er in den Gazastreifen, wohin Kavillio ihm folgt.

Trailer zur 3. Staffel von Fauda: https://youtu.be/op_cGQtFgYU

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In der Serie werden Hebräisch und Arabisch gesprochen. Von der synchronisierten deutschen Fassung ist abzuraten, weil man nach der ersten Staffel den Sprecher von Kavillio ausgewechselt hat, was die Vertrautheit trübt. Also besser das Original mit Untertiteln schauen. Das ist übrigens spätestens seit Mel Gibsons „Passion Christi“ und einer Reihe von Szenen in den aramäisch und auch hebräisch gesprochen wird – weltweit in der jeweiligen Landessprache untertitelt – längst keine Krücke mehr, sondern großer Mehrwert.

Aber zurück zu Fauda: Lior Raz und Avi Issacharoff sind zugleich Produzenten und Ideengeber der Serie. Die beiden Filmemacher wissen, wovon sie erzählen: Issacharoff war jahrelang als Journalist spezialisiert auf den Nahen Osten. Raz, einst selbst Mitglied einer „Mista’aravim“ Einheit und spielt auch die Hauptrolle des bulligen Doron Kavillio. In einer amerikanischen Serie hätte man eher einen Schauspieler wie Arnold Schwarzenegger genommen, dessen Leibwächter Raz auch eine Zeitlang war, doch die israelische Wirklichkeit sieht rauer aus.

Kritiker wie die linke Ha’Aretz (wer sonst?) werfen der Serie vor, Israelis zu glorifizieren und Araber als rückständig darzustellen und somit anti-palästinensische Ressentiments zu schüren. Das zeigt aber nur, dass die Ha’Aretz die Serie entweder nicht gesehen oder verstanden hat, und ist somit erst recht ein Grund sich Fauda anzuschauen. Auch wenn die dritte Staffel, die bisher bitterste von allen war, und man sich fragen könnte, ob sich all dies noch steigern ließe, darf man glücklich sein, dass die Produzenten bereits eine vierte Staffel zusammengeschnürt haben.

„Fauda“, drei Staffeln à jeweils 12 Episoden, bei Netflix.

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Kommentare

Kommentar von thors

Es wird gezeigt, wie sich ein Staat verteidigt. Gut so! Und nebenbei auch spannende Unterhaltung! Wem's nicht gefällt, kann ja ÖR's schauen!