Corona’s Paradise

Fett abgesahnt: 19-Jähriger wird Testcenter-Millionär für ein paar Wochen

von Gaia Louise Vonhof

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Das Nichteinhalten dieser Binsenweisheit kann millionenschwere Folgen haben, wie der Fall eines 19-Jährigen aus Freiburg zeigt, der mit fiktivem Corona-Testcenter knapp sechs Millionen Euro abrechnete.© Quelle: Pixabay / Vintagelee

Ob Monstergewinne der Pharmaindustrie, profitable Maskendeals oder Politikervillen mit Millionenwert – während seit Coronazeiten immer mehr Menschen mit ihrer Existenz zu kämpfen haben, landen andere die ganz großen Coups. Goldgräberstimmung also nicht nur bei Maskendeals im Bundestag. Denn was der gemeine Abgeordnete kann, das traut sich ein findiger Grünschnabel mit Haaren auf den Zähnen erst recht zu – und er hat Erfolg damit. Zunächst jedenfalls.

Ein besonders lohnendes Geschäftsfeld scheinen hier die steuerfinanzierten Corona-Testzentren zu sein. Wahlweise sogar „gutes Geschäft“ auch ohne wirkliches Business – zudem ein offenbar kinderleichtes.

Das führte ein Azubi aus der Nähe von Freiburg vor, der seit dem Spätsommer 2021 bei der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KV) mit seinem fiktiven Corona-Testcenter 492.000 nie durchgeführte Tests abrechnete und dafür prompt und ungeprüft 5,7 Millionen Euro aufs Konto überwiesen bekam.

Um es vorwegzunehmen, der findige Azubi flog auf, und musste sich am Montag vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Der zur Tatzeit 19-Jährige wurde zu einer Strafe auf Bewährung und zusätzlich zur Zahlung von 1.500 Euro + Gerichtskosten verurteilt.

Zu dieser vergleichsweise milden Bestrafung habe wohl beigetragen, wie einfach dem Angeklagten sein Betrug gemacht wurde. Der Richter kam nicht umhin, seine Fassungslosigkeit insbesondere darüber auszudrücken.

Die (Geschäfts-)Idee dazu war bei Cocktaillaune in einer Bar auf der Partymeile Freiburgs entstanden – so ähnlich wie eine beschwipste Wette mit den Kumpels, die dem Sohn eines Betreibers von Testcentren nicht abnehmen wollten, dass es kinderleicht sei, die Kassenärztliche Vereinigung (KV) hereinzulegen, so der jetzt 20-Jährige vor Gericht.

Gesagt, getan – mit ein paar Mausklicks habe er sich im August 2021 dort registriert. Als Adresse für das mutmaßliche Corona-Testzentrum hat er das Geburtshaus dieser Idee, die Bar in der Partymeile, angegeben und, über die folgenden Monate verteilt, fast eine halbe Million Test abgerechnet.

Das alles ohne Belege oder nur einen Nachweis gegenüber der KV. Auch nicht die, sondern eine Mitarbeiterin der Bank des jungen Mannes schöpfte Verdacht ob des übermäßigen Geldsegens auf dem Konto und alarmierte, ausgehend von Geldwäsche, die Polizei. Das Geld war erst eingefroren und ist mittlerweile wieder zurückgebucht zur KV.

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Ermittler der Polizei gehen mittlerweile von mehr als einer Milliarde Euro Schaden aus durch korrupte Geschäftemacherei mit Corona-Testzentren. Und wahrscheinlich wird nur ein Teil der Betrüger zur Rechenschaft gezogen.

Wenn ein Azubi so kinderleicht Millionen kassieren kann, dann werden wir bestimmt noch das ein oder andere betrügerische Gesellen- oder gar Meisterstück dieser neuen Corona-Kriminalität zu sehen bekommen – und viele Täter davon wahrscheinlich nicht vor Gericht. Der eine oder andere liegt dann sicher schon unerreichbar in Rio in der Sonne, ganz ungeimpft, ungetestet, aber mit Millionen Euro deutschem Steuergeld auf der Kante. Willkommen in Gangsta’s Paradise.

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