Filmbesprechung zum DC-Superheldenfilm Justice League von Zack Snyder

„ZACK SNYDER’S JUSTICE LEAGUE“ – Gerechtigkeit für enttäuschte Fans

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„ZACK SNYDER’S JUSTICE LEAGUE“ – Gerechtigkeit für enttäuschte Fans
DC-Superhelden Batman, Wonder Woman und Superman © Foto: Unsplash / King Lip

Nachdem Comicfans 2017 auf die Barrikaden gegangen waren und die Ursprungsfassung des DC-Superheldenfilms „Justice League“ vom Regisseur Zack Snyder gefordert hatten, gab Warner Bros. endlich nach. Der Film ist nicht nur länger, sondern auch um Längen besser.

Batman, der Superheld unter den Superhelden, hat mehrere Namen. Darunter solche wie „Der dunkle Ritter“ oder auch „Ritter der Rache“, der für Gerechtigkeit einsteht und sie notfalls auch mit unkonventionellen Mitteln durchsetzt. Letztere Bezeichnung wäre passend, um die Entstehungsgeschichte der neu aufgelegten Fassung von „Justice League“ zu erklären. Diese vier Stunden lange Fassung des Regisseurs Zack Snyder, auch der sogenannte „Snyder Cut“ genannt, ist die die ursprünglich vorhergesehene Fassung des „Justice League“-Kinofilms von 2017. Und diese bringt sowohl Fans als auch Regisseur Snyder selbst späte Genugtuung, um nicht Rache an Warner Bros. damaligen Umgang mit ihm und seinen Film zu sagen.

YouTube: Zack Snyder's Justice League | Official Trailer | HBO Max
Offizieller Trailer zu Zack Snyder's Justice Leagu

Die Kinofassung von „Justice League“ (Gerechtigkeitsliga) erschien 2017, nachdem Snyder mitten in der Fertigstellung aus dem Projekt ausgestiegen war. Der ausschlaggebende Grund war der Selbstmord seiner Tochter gewesen, doch wahrscheinlich spielte verletzte Eitelkeit auch eine Rolle. Die Superheldenfilme aus dem DC Universum waren immer düsterer angelegt gewesen als die unterhaltsamen und bunten Marvel-Filme, die größeren finanziellen Erfolg an den Kinokassen verbuchten. Darum holte Warner Bros. Joss Whedon, den Regisseur der finanziell erfolgreichen „Avengers“ Filme an Bord, der anfangs nur das Drehbuch überarbeiten sollte, doch dann die Regie von Snyder übernahm. Whedon nahm noch einmal ein Budget von ca. 20 Millionen Dollar für den Nachdreh in die Hand, kürzte den Film auf zwei Stunden und machte aus den Mitgliedern der „Gerechtigkeitsliga“ fast eine Zirkustruppe. Dies alles in der Hoffnung, an den Erfolg der Marvel-Filme anknüpfen zu können. Doch Warner Bros. hatte diese Rechnung ohne seine Fans gemacht. Der Film floppte nach seiner Erscheinung nicht nur an den Kinokassen, sondern Fans forderten in den sozialen Netzwerken unter dem Hashtag #ReleaseTheSnyderCut eine Veröffentlichung von Snyders Vision des Films. Die Wünsche der Fans wurden lange ignoriert und die nicht veröffentlichen Szenen waren noch nicht einmal auf DVD und Blu-ray zu finden. Doch dann schwenkte das Filmstudio plötzlich letztes Jahr um. Eine sehr begrüßenswerte Entscheidung.

Trailer: https://youtu.be/vM-Bja2Gy04

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Wer weder die Handlung noch die „Justice League“ kennen sollte, hier ein kurzer Überblick. Bei der „Justice League“ handelt es sich um einen Zusammenschluss von Einzelkämpfern, die zusammen die Welt retten müssen. Zu den bekanntesten gehören Batman, Wonder Woman, Superman und Aquaman und in diesem Fall kommen ergänzend noch The Flash und Cyborg hinzu. Die Handlung setzt nach dem Vorgängerfilm „Batman vs. Superman“ ein. In diesem stirbt Superman nach einem Kampf gegen das Alien „Doomsday“ einen Märtyrertod und versetzt die Menschheit in eine Schockstarre. Um die Welt vor einer neuen tödlichen Bedrohung zu retten, scharren Batman (Ben Affleck) und Wonder Woman (Gal Gadot) den schnellen The Flash (Ezra Miller), den charmanten König der Meere Aquaman (Jason Momoa) und eine Art Terminator mit menschlichen Anlitz Cyborg (Ray Fischer) um sich. Der neue Bösewicht Steppenwolf hat vor ewigen Zeiten bereits einmal versucht die Erde mithilfe eines Apparats, der aus sogenannten Mother-Boxen besteht, zu unterwerfen. Natürlich können Batman und Co. nur erfolgreich sein, wenn Superman (Henry Cavill), der die Hoffnung und den Glauben an die Menschheit verkörpert, wieder von den Toten aufersteht. Nach dem großen Showdown treten im Abspann noch andere Figuren aus dem DC-Universum auf, die Hoffnung auf weitere Filme machen. Hierfür schlüpfte Jared Leto extra noch einmal in sein Joker-Kostüm und liefert endlich eine Vision des Jokers ab, die der von Joaquin Phoenix in nichts nachsteht. Zur Erinnerung: Jared Letos Darstellung des Jokers fiel in „The Suicide Squad“ ebenfalls Anpassungswünschen des Filmstudios zum Opfer und der geplante Auftritt von 20 Minuten wurde zu einer kurzen Farce.

Snyders Fassung ist ein richtig guter Film geworden und das nicht bloß im Vergleich zum schlechten alten. Die fast doppelte Laufzeit tut der Handlung gut und ermöglicht es, mehr über die Hintergründe der Nebencharaktere zu erfahren. Bei Whedon tauchten The Flash und Cyborg eher auf, doch wurden die Szenen, die erklären, wie aus dem aufstrebenden Footballspieler ein Cyborg wurde, an den wichtigen Stellen gekürzt. Snyder verleiht dem Film auch wieder mehr Aktionsequenzen. Es fließt Blut, Aquamans Speer wird noch mehr genutzt es rollen sogar Köpfe, was auch die hochgesetzte Altersfreigabe auf 18 Jahre erklärt. Selbst Steppenwolfs Motivation, der bei Whedon zu einer seelenlosen Kreatur degradiert wurde, wird für den Zuschauer greifbar und ist nachvollziehbar. Dafür wurde auch sein noch böserer Boss wieder eingefügt. Wer ist das ist, wird hier aus Spoilergründen nicht verraten. Gerade die Rolle des Steppenwolfs war einer der größten Schwachstellen der Kinofassung.

Trotz oder gerade wegen des düsteren Tons und der anstrengenden Überlänge ist „The Justice League“ der wahrscheinlich in sich geschlossenste und beste Film aus dem DC-Superheldenuniversum. Um seine Fassung noch in Imax-Kinos aufführen zu können, hat Snyder das schmale 4:3 Format verwendet. Für Warner hat die 70 Millionen Dollar Investition, die Snyder benötigte, gelohnt. Gerade in der Corona-bedingten Zeit, in der Studios ihre Blockbuster zurückhalten. Vor seinen Fans steht Warner-Bros. als geläutert da, Snyder ist rehabilitiert und der Weg ist frei für weitere düstere Superheldenfilme. Ende gut, alles gut.

„Zack Snyder’s Justice League“ bei Sky und Sky Ticket, ab 18 Jahren

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