„Ich bin Oeventroper mit Herz und Seele, dieses Dafür und Dagegen spaltet den Ort“

Flüchtlingsunterkunft fällt flach: Bauunternehmer solidarisiert sich mit Bürgerprotesten

von Gaia Louise Vonhof (Kommentare: 3)

Viele Fragen, Sorgen und Ängste, die den Oeventropern unter den Nägeln brannten, kamen zur Sprache, die Angst vor steigender Kriminalität und sexuellen Übergriffen.© Quelle: Youtube / Tomek R. / Homepage tagesschau.de, Screenshots, Montage: Bertolt Willison

Ist das der neue zivile Widerstand gegen die Migrationspolitik der Bundesregierung? Mitten in der Bürger-Infoveranstaltung zu einer geplanten Flüchtlingsunterkunft in Arnsberg/NRW im ehemaligen Kloster Oeventrop schlägt sich der Eigentümer der Immobilie auf die Seite der besorgten und protestierenden Bürger – er nimmt sein Angebot zurück, das Kloster stehe nicht mehr als Option für das Land zur Verfügung.

Ausgerechnet im Wahlkreis von CDU-Chef Friedrich Merz hat gestern Abend das Volk gesprochen: Ein Unternehmer, der selber Arnsberger ist, hat die ambitionierten Pläne, aus dem 2021 von ihm erworbenen Kloster Oeventrop eine gigantische Unterkunft für Geflüchtete zu machen, einfach gekippt. Warum? Weil er es konnte!

Arnsberg in Nordrhein-Westfalen wirbt für das Leben in der sauerländischen Stadt mit dem Slogan „Eine Stadt zum Wohlfühlen“. Und dass das nicht so bleiben wird, befürchteten die Arnsberger, weil im ehemaligen Kloster Oeventrop ab Sommer 2024 bis zu 450 Geflüchtete einquartiert werden sollten.

So voll wie Montagabend ist es sonst wohl nur auf dem Arnsberger Schützenfest: Auf der Infoveranstaltung in der Ruhrtalhalle kamen circa 850 Bürger zusammen, nicht alle fanden im Saal Platz, im Außenbereich verfolgten circa 150 Personen via Bildschirm die Infoveranstaltung zur geplanten Flüchtlingsunterkunft.

Fachbereichsleiter Dr. Andreas Hohlfeld von der Bezirksregierung Arnsberg war vor Ort und versuchte vorerst um Verständnis für das Flüchtlingsheim zu werben: Es gebe Betreuungs- und Sicherheitsdienstleister, sodass rund um die Uhr jemand vor Ort sei, zudem gebe es in den Einrichtungen erste integrative Ansätze für Kinder und Erwachsene sowie die Möglichkeit zur gemeinnützigen Arbeit. Der Arnsberger Christopher Kraas war auch vor Ort, er hatte das 1902 erbaute Kloster vor zwei Jahren käuflich erworben.

Der Abend wurde schnell munterer, als den Flüchtlingsheimbauern lieb war. Die Regierungsvertreter versuchten die Oeventroper von der Notwendigkeit des Vorhabens zu überzeugen. Nachdem eine Stunde lang Monologe mit der immer gleichen Botschaft auf sie eingeprasselt waren, konnten die Einwohner ihre Fragen stellen. Die Sorgen und Ängste, die den Oeventropern unter den Nägeln brannten, kamen zur Sprache: Die Angst vor steigender Kriminalität und sexuellen Übergriffen. Für solche Aussagen gebe es keine Grundlage, kam als Antwort von der Bezirksregierung zurück, beantwortet vom Publikum wiederum mit lauten Buh-Rufen und hitzig vorgetragenen Hinweisen auf zahlreiche Straftaten in Nachbarstädten.

„Was, wenn im Laufe der Zeit doch mehr als 450 Menschen hier untergebracht werden sollen?“, „Mit einer Flüchtlingsunterkunft geht steigende Kriminalität einher“ und „Wir nehmen unseren Kindern und Jugendlichen Lebensqualität“ waren nur einige der Äußerungen der Teilnehmer. Auch eine Verteilung der Geflüchteten auf mehrere kleinere Standorte wurde vorgeschlagen, berichtet der „Sauerlandkurier“.

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Unternehmer Kraas wollte im Kloster ursprünglich betreutes Wohnen und Generationen-Wohnen ermöglichen, er habe, als das Land auf der Suche nach Flüchtlingsunterkünften im Frühjahr auf ihn zukam, auch eine Chance für Arnsberg gesehen, wollte den Ort und Vereine an den Mieteinnahmen beteiligen. Die Buh-Rufe gegen ihn verebbten, als er unmissverständlich deutlich machte: „Ich werde das nicht ohne Euch entscheiden.“

Während die Vertreter der Bezirksregierung noch versuchten, bei der zunehmend hitziger werdenden Diskussion zu beschwichtigen, kam die Wendung: Christoph Kraas nahm das Mikrophon und zog sein Angebot zurück: „Ich sage hiermit ab. Das Projekt ist für mich vom Tisch." Standing Ovations und zahlreiche Dankesworte zu dieser Entscheidung kamen als Resonanz, während die Vertreter der Regierung spontan aufstanden, die Mäntel anzogen und ihre eigene Veranstaltung verließen.

Dem Kurier gegenüber sagte der Unternehmer später: „Ich bin Oeventroper mit Herz und Seele, dieses Dafür und Dagegen spaltet den Ort“, und erklärte, dass er durch das Stimmungsbild in der Halle bzw. bei den Bürgern und die teils schwammigen Aussagen des Landes zu dieser Entscheidung gekommen sei. „Ohne die Akzeptanz des Ortes mache ich das nicht, das habe ich von vornherein gesagt. Die Resonanz jetzt zeigt mir, dass Geld allein nicht alles und die Entscheidung goldrichtig ist."

Und was kann man daraus lernen? Es gibt sie noch, die anständigen Leute, ausgestattet mit Gemeinschaftssinn und einem unverstellten Grundverständnis für das Eigene und wie es gegen die da oben zu schützen ist. Und das nicht nur bei den einfachen Leuten, sondern bei allen Menschen, die das Gleiche verbindet: Ein untrügliches Gefühl dafür, was gut für die Gemeinschaft ist. Und das vom Angestellten bis hinauf zum Klosterbesitzer.

PS: Den Moment, in dem Christoph Kraas sein Angebot zurückzieht und die Oeventroper jubeln, können Sie sich hier anschauen.

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