Über die moralisierende und unbarmherzige Hetze reicherer und pseudo-gebildeter Menschen

Freiheitsliebe statt Regelwut – Anreize statt Verbote

von Jan-Heie Erchinger (Kommentare: 2)

Ich beobachte heute angewidert, dass manche Kreise arrogant über ärmere Fleischbegeisterte ablästern und sich gegenseitig in ihrer Überheblichkeit bestärken.© Quelle: Pixabay / Saint

Bei mir ist es so: Wenn ich ganz stark mitbekomme, dass ich mich bitte so oder so zu verhalten hätte, dann werde ich hellhörig. Dann hör ich die Nachtigall trapsen und es setzt eventuell eine prophylaktische, klitzekleine Trotz- oder auch Stolzreaktion ein.

Ich halte das für gesund.

Meine lieben Eltern waren in den 1970ern schon so wie heute viele Eltern.
Sie achteten darauf, dass es nicht zu viel Fleisch gibt, sie moralisierten gerne an uns Jungs herum, wenn wir einfach keine echte Begeisterung für Grün-Kern-Klopse entwickeln konnten oder wollten.

Ich finde das rückblickend sogar etwas cool, verständlich und mindestens ok von meiner Mutter. Sie, als 1942 geborene Tochter von Schlesiern, die es im Westen wieder zu etwas gebracht hatten, war einfach durch mit fettem Sonntagsbraten.

Und Oma und Opa, die in den 60s sicher gerne und dankbar schlemmten, weil sie nun mal konkret in den 40ern miterlebt hatten, was Hunger bedeutet, denen mache ich auch keinen Vorwurf.

Mir geht es hier um Erziehung und Freiheit und die Erkenntnis, dass man lieber ohne zu viel Druck den Menschen, das Kind, die Partnerin in eine Richtung konditioniert, bearbeitet oder nötigt. Liberal vermitteln, liberal eingestellt sein.

Das ist für mich elementarer Grundsatz!

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Ich persönlich fühlte mich als Kind von den ewigen Grünkern-Klopsen konkret gejagt. Meine Mutter findet das heute ungerecht und ich glaube ihr, dass es letztlich nur zweimal diese Öko-Mahlzeit gab, aber in meiner Erinnerung hat sich dieses Zeug geradezu traumatisch hochgejazzt.

Nachdem ich auszog, hatte ich es wirklich nötig, erst mal zwei Dekaden übertrieben oft zum Amerikaner zu gehen oder eher zum Fleischgericht zu tendieren. Ich konnte es selbst entscheiden und ich entschied rückblickend aus einer Art Zwang heraus. Heute bin ich reifer und entspannter. Allerdings brauchte ich offenkundig diese anti-öko-anarchische Vollfressphase!

Aber auch als studierter Lehrer oder Vater kann ich diese Erfahrung heute konstruktiv praktisch wechseln: Wenn es Dich stark stört, dass Dein Sohn, wie viele andere im Grundschulalter z.B. Fußballkarten sammeln möchte und Du diesen überteuerten Kram geradezu als Produkt von Vorsatzabziehern einordnest:

Es wird hintenraus entspannter für alle Beteiligten, wenn Du Dein Kind mit diesen Wünschen ernst nimmst, akzeptierst und auch mal (gerne mit innerlichen Schmerzen, weil frech teuer) erfüllst.

Nun ist es heute nicht so, dass alles, wogegen ich mich spontan erst mal sträube, weil es mir irgendwelche Anorder_Innen in ausgelebter Regelwut und Erziehungsanfällen vorschreiben wollen, so schlecht wie überteuerte Fußballkarten sein muss.

Nein. Ich finde durchaus ok, wenn beispielsweise grün eingestellte Städter heute in gewissen Bezirken keine oder wenig Autos mehr sehen wollen. Aber ich möchte einfach nicht, dass wir uns in unserem Land von Verbotsaffinen und Regelwütigen über die Maßen bestimmen und rein reden lassen.

Ich möchte, dass wir so viel wie möglich selbst entscheiden können.
So viel Staat wie nötig, so viel Freiheit wie möglich!
Es geht, wie so oft, um Verhältnismäßigkeit.

Da bin ich wieder beim Grünkern. Es ist auch mir völlig klar, dass übermäßiger Fleischgenuss gesundheitsschädlich, aber auch weltweit klima-schädlich ist.

Trotzdem muss weiterhin anerkannt werden, dass es nicht nur schlecht ist, wenn Fleisch bzw. Fleischkonsum heute von weitgehend allen Gehaltsklassen unserer Gesellschaft gestemmt werden kann. Das ist über einen langen Zeitraum gesehen sogar klar eine Art Gerechtigkeitsanstieg, eine echte Nahrungsdemokratisierung.

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Und ich beobachte heute angewidert, dass manche Kreise zutiefst arrogant über ärmere Fleischbegeisterte ablästern und sich gegenseitig in ihrer Überheblichkeit bestärken, während sie auf diese Menschen heruntergucken.

Wie oft ist mir schon eine Dame untergekommen, die vollsteckt und einfach mal Folgendes formuliert: "Eigentlich müsste das Schnitzel 30 Euro kosten."
Auch sehr en vogue ist das Verächtlichmachen von Menschen, die im Discounter kaufen.

Ich finde das absolut daneben. Es ist oft moralisierende und unbarmherzige Hetze reicherer und vermeintlich gebildeter Menschen.

Ich behaupte, Jesus würde sauer über öko-arrogante Zicken und Zicker in deren 5m-Deckenhöhe-Altbau-Tempeln mal sportlich alles umschmeissen!

Es bleibt richtig, wenn man daran arbeiten möchte, dass sich Menschen ökologisch vertretbarer verhalten. Es ist ok, wenn man den inflationär gebrauchten Begriff "nachhaltig" bemüht, weil es einfach bestens ist, sich auch für unsere Natur einzusetzen, sie mitzudenken – nichts dagegen!

Meine absolute Überzeugung ist durch Erfahrung und Bildung allerdings gewachsen:

Man sollte die Menschen nicht zwingen und einengen wollen, sondern offen ihnen einräumen, selbst ihren Weg, selbst ihren Öko-Anteil am Dasein, selbst ihr Tempo auf der gut ausgebauten Autobahn zu finden und zu wählen.

Das ist aber für viele in gewissen Parteien nicht richtig. Sie bestärken sich und stacheln sich gegenseitig zum Anordnen an.

Das Gegenteil von dem, was sie sich erträumen, wird durch Öko-Regelwut eintreten.

Lasst die Menschen selbst entscheiden!
Hilf mir, es selbst zu tun (Montessori).
Hilf mir, es selbst zu entscheiden und zu wollen.

(Quelle: privat)

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Kommentare

Kommentar von Jan-Heie Erchinger

Freut mich sehr, Grit Lang! Genau darum geht´s. Wieso soll man durch inflationäres Anordnen Trotz-Reaktionen auslösen.
Wir wollen selbst entscheiden - und es ist gerade heute total wichtig, auf Freiheit und Freiwilligkeit zu bestehen!

Kommentar von Grit Lang

Zustimmung zum sehr guten Artikel:. Jedes unverhätnismäßige Verbot wird das Gegenteil bewirken. Beschneiden von Freiheiten führt dazu , das man um so mehr um diese kämpft.