Ohne Auto keinen QR-Code, keinen Test, also kein Auto

Garagen-Odyssee auf den Garagenhof

von Toddn Kandziora (Kommentare: 2)

Was Toddn Kandziora mit seiner Liebsten als Ungeimpfte erlebten, als sie einfach nur ihren Wagen ummelden wollten, muss man sich in zehn Jahren noch einmal vorlesen, um den ganzen Wahnsinn unserer Zeit zu begreifen.© Quelle: Toddn Kandziora

In dieser Woche wollten meine Herzdame und meine Wenigkeit ein Auto in der Kreisstadt ummelden. Da ich es wieder einmal nicht hinbekam, über die Internetseite des zuständigen Straßenverkehrsamtes einen Behördentermin zu bekommen und das zuständige Amtstelefon ein aufs andere Mal nur das Besetztzeichen erklingen ließ, machten wir uns am Dienstagvormittag halt ohne Termin auf den Weg in die etwa zwanzig Kilometer entfernte kleine Stadt. Wir vertrauten auf unser Glück, den lieben Gott und einer Lücke im Amtssystem.

Gegen halb elf kamen wir am zuständigen Straßenverkehrsamt an. Vor der Eingangstür hatte sich ein kleiner Menschenauflauf versammelt, an deren Ende wir uns (natürlich mit Maske und Abstand) einreihten. Wäre dies der Treffpunkt zum Beginn eines frühen Montagsspazierganges gewesen, so wären wir womöglich von einem Wasserwerfer und einer Hundertschaft Bereitschaftspolizei beschützt worden.

So aber empfing uns nach fast halbstündiger Wartezeit bei einer Außentemperatur um null Grad nur ein einzelner, höflicher und recht junger Sicherheitsbeamter mit Migrationshintergrund, welcher uns erklärte, dass wir innerhalb des Amtes einen Termin erst dann beantragen dürften, wenn wir ihm einen negativen Test vorwiesen

Er gab uns den Hinweis, dass es zwei Straßen weiter eine Teststation auf einem großen Busgelände gäbe. Da könnten wir den Test schnell hinter uns bringen. Wir also beide guten Mutes dorthin gestiefelt. Bibbernd vor Kälte angekommen, erblickten wir auf einem großen Gelände eine Art „MacDrive“ für die Testwilligen dieser Stadt.

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Der Weg zu einem zum Testzentrum umgebauten Doppeldeckerbus war über verschlungene Kurvenwege zu erreichen, die einer Rennstrecke für Gokarts ähnelte. Doch statt der dort üblichen rot-weißen Sicherheitsbaken in den Kurven waren hier übergroße Plakate mit Barcodes angebracht.

Vor diesen Plakaten hielten in Abständen immer wieder einzelne Fahrzeuge. Fensterscheiben wurden heruntergelassen und wir sahen, wie Smartphones gegen diese Plakate gerichtet wurden. Ich war irritiert. Für ein Dorf-Ei wie ich es bin, war die Szenerie befremdlich und recht surreal.

Wir beide überlegten also, ob wir den sich so dahinschlängelnden Rennparcours in seiner ganzen Länge zu Fuß abgehen sollten, entschieden uns aber dagegen und gingen geradewegs über den Parkplatz in Richtung des Busses. Was sich als Fehler herausstellen sollte.

Denn am Bus angekommen, wurden wir von einem unhöflichen Mann zurechtgewiesen. Das ginge ja gar nicht. So ohne Auto hier. Ich erklärte die Sachlage. Dass wir uns doch testen lassen müssten, damit wir uns mit dem Auto testen lassen könnten, dass wir zwei Straßen weiter erst mit gültigem Test anmelden lassen wollten.

Ich blickte in zwei große Augen und auf einen offenen Mund darunter und wurde mittels seines Zeigefingers zu einem anderen Mann im weißen Astronautenanzug ohne Sauerstoffflaschen auf dem Rücken verwiesen, der uns aus einer geöffneten Busluke nach unserer Anmeldung fragte.

Ich verstand nicht. Meine Herzdame erklärte mir, was Sache ist. Demnach hätten wir mit einem Smartphone eines dieser zerbröselnden Vierecke auf dem Weg aus einem Auto heraus fotografieren sollen. Diese würden heute „QR-Code“ genannt. Und ein Smartphone würde auf neuzeitliche Art und Methode mit der dafür zuständigen Überwachungsmatrix interagieren, sodass wir als anerkannte, ordentliche Personen die Erlaubnis bekämen, uns mit einem langen Stäbchen unsere Nasen pfählen zu lassen, um als gesund ausgewiesen werden zu können. Aha.

Weder ich noch Herzdame besitzen aber so ein Smartphone. Und kein Smartphone, kein Test. Der Astronaut im Bus verriet uns aber noch, wo wir in der Innenstadt direkt einen Test machen könnten. Wir sind dann also dorthin gezockelt. Aber auch hier große Verwirrung und kein Test für uns.

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Wir also zurück zum Straßenverkehrsamt. Dort erst einmal wieder in der Schlange angestellt, und als wir dann endlich dran waren, schilderten wir dem netten Sicherheitsmenschen unser Testproblem. Er gab uns den Hinweis, wo denn "so welche wie wir" (ungeimpfte ohne Smartphone) sich noch testen lassen könnten.

Garagen-Odyssee auf den Garagenhof
© Foto: Toddn Kandziora

Diese Teststation „sei Familie“ und „die seien nett, dort“ auch zu … „so welchen wie uns“.

Wir bedankten uns für den Tipp und gingen den beschriebenen Weg hin zu dieser einen Corona-Teststation die "so welche wie uns" noch testet.

Dort angekommen waren wir ob der Örtlichkeiten zunächst schon irritiert. Aber was soll es, dachten wir uns und wischten die Bedenken einfach weg: Garagen Rock 'n' Roll kannten wir doch von früher, das war eben ein Ort für „so welche wie uns“.

Keine fünfzehn Minuten Garagen Rock 'n' Roll später kehrten wir beiden negativ Gesunden zurück zum Straßenverkehrsamt. Dort wurde uns dann kurz vor Dienstschluss ein Termin für morgen gegeben, um den Wagen ummelden zu dürfen. Aber bitte nur mit neuem Test! Denn der Termin für morgen lag exakt zehn Minuten über der 24-Stunden-Gültigkeit des gerade erst gemachten Garagentests.

…diese Geschichte wird fortgesetzt. Der Wagen ist nämlich noch immer nicht umgemeldet!

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Kommentare

Kommentar von Martin Haimböck

Ein Irsin ist das alles !

Kommentar von Henrik Osterloh

Es erinnert an den Hauptmann von Köpenick...