DDR 2.0 und das Demokratieabschaffungsgesetz

Geboren in der DDR – Aufgewachsen in Leipzig

von Corinne Henker (Kommentare: 7)

Das übertrifft alles, was ich in der DDR erlebt habe.© Quelle: Pixabay/ Clker-Free-Vector-Images

So war die späte DDR: Man musste nicht ständig öffentlich „Haltung zeigen“. Selbst politische Witze wurden in gewissem Maße geduldet: Der Studentenfasching an der Karl-Marx-Universität Leipzig 1988 war regierungskritischer als der Kölner Karneval heute.

Frau Esken forderte vor einigen Tagen, die Lehrpläne zu ändern, damit deutsche Schüler sich mehr mit der Geschichte, Kultur und die politisch-gesellschaftlichen Situation in den Herkunftsländern von Migranten beschäftigen.

Autor Dennis Riehle unterbreitete auf X einen Gegenvorschlag: eine stärkere Beschäftigung mit der DDR-Geschichte. Als DDR-Flüchtling und Mutter zweier erwachsener Kinder, die sich überhaupt nicht für diesen Teil unserer Geschichte interessieren, kann ich ihm nur zustimmen.

Also hier ein kleiner Ausflug in meine ostdeutsche Vergangenheit. Leser aus der alten Heimat mögen mich bei Bedarf korrigieren, denn natürlich ist das selbst Erlebte immer subjektiv.

Ich bin Jahrgang 1967, in Leipzig geboren und aufgewachsen, verbrachte also den wesentlichen Teil meiner Jugend in den 1980ern.

Zu diesem Zeitpunkt war die Situation schon recht entspannt. Während unsere Eltern während ihres Studiums in den 1960ern noch ausgeschickt wurden, um Antennen für „West-Fernsehen“ von den Dächern zu entfernen, waren „Dallas“ und „Denver Clan“ bei uns in der Schule Tagesgespräch.

Pionierkleidung und FDJ-Hemd beleidigten meinen Sinn für Ästhetik, mussten aber nicht allzu oft getragen werden. Ansonsten sah man in der Schule recht gut, wer „West-Verwandtschaft“ hatte und wer sich mit DDR-Einheitskluft zufriedengeben musste. Ich erinnere mich an einen Tag, an dem ein Schüler wegen eines Parkas mit kleiner BRD-Flagge von unserer Russisch-Lehrerin nach Hause geschickt wurde.

Insgesamt war der Unterricht für mich eher langweilig, außerhalb von „Staatsbürgerkunde“ und Geschichte hielt sich die Ideologie in Grenzen. Englisch wurde von Lehrern unterrichtet, die noch nie ein englischsprachiges Land besucht hatten - entsprechend war die Qualität. Außerdem ging es mehr um Gewerkschaften und soziale Gerechtigkeit als um praktisch anwendbare Redewendungen. Es wurde wohl erwartet, dass auch wir nie den englischsprachigen „Klassenfeind“ besuchen würden.

In Russisch waren Oktoberrevolution und Großer Vaterländischer Krieg die wichtigsten Themen, aber in unserer Klasse mit erweitertem Russisch-Unterricht lernten wir auch Gedichte von Puschkin und die Biographe von Tschaikowski auswendig.

Insgesamt konnte man mit einer abweichenden politischen Haltung vermutlich besser zurechtkommen als heute - wenn man sie nicht zu offen äußerte. Es wurde erwartet, dass in Schule und Studium marxistische Lehrsätze und staatliche Propaganda nachgebetet wurden und man zum 1. Mai an den von oben verordneten Demonstrationen teilnahm, aber im Privatleben wurde man relativ in Ruhe gelassen.

Man musste nicht ständig öffentlich „Haltung zeigen“. Selbst politische Witze wurden in gewissem Maße geduldet: Der Studentenfasching an der Karl-Marx-Universität Leipzig 1988 war regierungskritischer als der Kölner Karneval heute.

Obwohl ich mit Religion nicht viel anfangen kann, ging ich damals sogar hin und wieder in die Kirche. Mit etwas Glück erwischte man eine regierungskritische Predigt, während heute fast nur noch dem Zeitgeist gehuldigt wird. Man hatte es aber auch nicht immer leicht als bekennender Christ in der DDR.

Ohne FDJ-Mitgliedschaft war es sehr schwierig, einen begehrten Studienplatz wie z.B. Medizin zu ergattern. In unserer Studiengruppe war dennoch eine bekennende Christin, die es geschafft hatte. Doch ihr Glück war nicht von Dauer: Unser Studiengruppen-Leiter, ein Facharzt für Arbeits- und Sozialmedizin, ekelte sie im 2. Studienjahr nach ein paar Fehlleistungen heraus. Dabei war sie definitiv nicht die schlechteste Studentin in unserer Gruppe. Immerhin konnte sie zur Theologie wechseln.

Ich selbst hatte auch ein paar Probleme, einen der begehrten EOS-Plätze (EOS: Erweiterte Oberschule, entspricht den letzten 2 bis 4 Jahren des Gymnasiums) zu erhalten. Meine schlechteste Note war eine „2“ in Sport, ich hatte ein paar Mathe-Kreis- und eine Russisch-Bezirksolympiade gewonnen - aber meine Eltern waren beide Akademiker. Dank der Beziehungen meines Vaters (er war SED-Mitglied und Ärztlicher Direktor eines Bezirkskrankenhauses) klappte es schließlich doch. Für die Zulassung zum Medizinstudium zählten dann im Wesentlichen die Leistungen - solange man seine wahren politischen Ansichten für sich behielt.

In den 1980ern hatte sich auch in der DDR die Erkenntnis durchgesetzt, dass sich mit der richtigen Haltung allein kein Staat machen ließ - ein gewisses Maß an Fähigkeit und Leistung wurde auch benötigt. Allerdings konnte man teilweise das eine durch das andere ersetzen: Mit Einser-Noten reichte es, den Mund zu halten, wer nur mittelmäßige Noten zustande brachte, musste dafür mehr Haltung zeigen. SED-Mitgliedschaft und „freiwillig“ verlängerter Wehrdienst bei der NVA erwiesen sich immer als sehr vorteilhaft.

Ich war schon als Kind ein Individualist, jede Form Kollektivismus ist mir zuwider. Es bereitete mir nie Vergnügen, andere herumzukommandieren, im Gegenzug wollte aber auch ich unbehelligt von der Moral anderer Leute mein Leben leben. Demzufolge wollte ich dem real existierenden Sozialismus entkommen, sobald ich klar denken konnte.

Fundamentalopposition war allerdings nie mein Ding. Wir bekamen nur am Rande mit, wie Bürgerrechtler und DDR-Flüchtlinge im Gefängnis landeten, doch das genügte als Abschreckung. Auch im Nachhinein habe ich den Eindruck, dass sich diese Menschen, die definitiv jede Hochachtung verdienen, letztlich nur selbst das Leben ruinierten.

Zum Mauerfall selbst haben andere Dinge mehr beigetragen: Die „Perestroika“ in der Sowjetunion, der wirtschaftliche Ruin, die Grenzöffnung in Ungarn und die Massenfluchten junger Leute lieferten stärkere Antriebe für die Massendemonstrationen als ein paar eingesperrte und totgeschwiegene Bürgerrechtler.

Auch nach der Wende erlangten DDR-Bürgerrechtler nicht die Positionen, die sie verdient hätten. Schon bald weideten sich eher System-Profiteure wie Merkel und Gysi oder Mitläufer wie Göring-Eckardt an den Futtertrögen der Macht. Bärbel Bohley, Vera Lengsfeld oder Stephan Krawczyk verschwanden mehr oder weniger in der Bedeutungslosigkeit.

Meine „Republikflucht“ im Mai 1989 war dann eine Verkettung günstiger Umstände: Wir konstruierten Verwandte, die mich zur (echten) Hochzeit ins Ruhrgebiet einluden, der Antrag auf Besuchsreise wurde wider Erwarten genehmigt - und ich blieb einfach da. Meine Mutter half bei der Vorbereitung, mein SED-Vater durfte nichts erfahren.

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Bei meinem Mann war es spannender. Nach einem gescheiterten Versuch, über die grüne Grenze von Ungarn nach Österreich zu flüchten, verbrachte er drei Tage im ungarischen Knast und wurde dann in die DDR zurückgeschickt. Einige Wochen später war er wieder in Ungarn und ließ sich von Verwandten im Kofferraum eines Ford Escort nach Österreich schmuggeln.

In der neugewonnen Freiheit war nicht alles paradiesisch, aber wir haben unseren Entschluss nie bereut. In der BRD der 1990er wurde Leistung noch geschätzt und man konnte die Früchte seiner Arbeit genießen, ohne ständig von anderen belehrt zu werden.

Witzig fanden wir allerdings die „Wessis“, die unseren DDR-Lebenslauf mit der Bemerkung quittierten: „Mit uns hätten die das nie machen können.“ Vermutlich haben sie dann in den letzten Jahren Lockdown, Maskenpflicht und Impfnötigung begrüßt und laufen heute voller Überzeugung bei den Pro-Ampel-Demonstrationen mit. Und sie erzählen uns, dass man doch die DDR mit unserer „lebendigen Demokratie“ nun wirklich nicht vergleichen könne.

Nun, ich habe 22 Jahre totalitären Kollektivismus in der DDR erlebt - und fühlte mich dabei meist freier als während der Corona-Schikanen im „besten Deutschland aller Zeiten“.

Allerdings steckt der DDR-Totalitarismus auch noch in vielen Ossi-Köpfen. Einige Monate nach unserem Klassentreffen in Leipzig (im Juni letzten Jahres) teilte eine alte Klassenkameradin in unserer WhatsApp-Gruppe die Petition, die den Grundrechtsentzug für Björn Höcke forderte, und bat um Unterstützung. Das Echo war geteilt.

Die Corona-Schikanen sind (vorläufig) Geschichte, doch der Freiheitsentzug schreitet voran. Inzwischen genießt man zwar weitgehende Freiheiten bei Geschlechtswahl und Drogenkonsum, darf aber nicht mehr frei entscheiden, welche Heizung man in sein Haus einbaut. Man wird sanktioniert, wenn man die biologische Tatsache verkündet, dass es nur zwei Geschlechter gibt und kann sich (nicht nur) als Frau immer weniger frei bewegen, weil immer mehr Gewalttäter unbehelligt herumlaufen (hier nur ein Beispiel von vielen).

Vieles, was das Leben einst lebenswert machte, wird künstlich verteuert und/oder als „schädlich“ abgestempelt: Fliegen, Auto fahren, Kreuzfahrten, Schokolade, Fleisch essen … Wobei die lautesten Moralapostel sich oft am wenigsten an das von ihnen Gepredigte halten.

Und demnächst droht uns noch das von Nancy Faeser (SPD) und Lisa Paus (Grüne) erschaffene „Demokratiefördergesetz“, das tatsächlich mehr ein Demokratieabschaffungsgesetz ist. Schon heute werden Regierungskritiker diffamiert, kriminalisiert, ihre Karrieren zerstört, ihre Wohnungen unter fadenscheinigen Vorwänden durchsucht: Michael Ballweg, Ulrike Guérot, Markus Krall - um nur drei Beispiele zu nennen. Mit dem neuen Gesetz sollen derartige Verfolgungen offenbar juristisch untermauert werden.

Mit dem Demokratieabschaffungsgesetz sollen schon Meinungsäußerungen unterhalb der Strafbarkeitsgrenze verfolgt werden - beispielsweise die überaus diskriminierende Behauptung, es gäbe nur zwei Geschlechter. Mit steuergeldfinanzierten NGOs werden Denunziations- und Überwachungsnetzwerke aufgebaut - „bis in die Familien hinein“.

„Verfassungsfeinde“ (übersetzt: Regierungskritiker) können leichter aus dem öffentlichen Dienst entfernt werden. Der „Verfassungsschutz“ bekommt neue Befugnisse. Kontensperrungen und Entzug von Waffenscheinen werden erleichtert. Polizei- und Ordnungsbehörden sollen „rechtsextremistische“ Veranstaltungen untersagen. Ein- und Ausreisen von „Rechtsextremisten“ sollen so weit wie möglich verhindert werden.

Der oberste „Verfassungsschützer" Thomas Haldenwang wird noch deutlicher, was die Ziele des neuen Gesetzes betrifft: „Wir müssen aufpassen, dass sich entsprechende Denk- und Sprachmuster nicht in unsere Sprache einnisten.“ Faeser, Paus, Haldenwang & Co wollen also nicht nur festlegen, was wir sagen, sondern auch, was wir noch DENKEN dürfen!

Die Ampel-Regierung und ihre Vorgänger haben wahrlich genug Probleme geschaffen: gescheiterte Energiewende, Deindustrialisierung, unkontrollierte Massenmigration, drohender Kollaps der Sozialsysteme, steigende Gewaltkriminalität, muslimischer Antisemitismus, anti-weißer Rassismus, Kindesmissbrauch durch Frühsexualisierung und Trans-Propaganda, Diskriminierung biologischer Frauen durch Transaktivisten, Diskriminierung von (weißen) Jungen und Männern durch alle anderen.

Nun will man diese „lösen“, indem man uns verbietet, darüber auch nur nachzudenken! Das übertrifft alles, was ich in der DDR erlebt habe, bei weitem.

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