Mit dem Team vor Ort: So war es wirklich

GenZ in Berlin: Jenseits der Gerüchteküche

von Gregor Leip

Eine Gruppe verstanden es erstaunlicherweise perfekt, sich medienwirksam zu präsentieren© Quelle: Gregor Leip

Wir waren in Berlin und berichten, was wir beobachtet haben. Denn vieles wird heute ganz anders dargestellt. TeamWallasch war zuerst am Brandenburger Tor, wo „Gen Z“ zu einer Kundgebung aufgerufen hatte. Anschließend ging es weiter.

Von Außenreporter Gregor Leip

Dem GenZ-Aufruf folgten ca. 3000 Demonstranten. Die Veranstaltung verlief friedlich. Zu geschätzt 60–80 Prozent Schülerinnen und Schüler gesellten sich die links zu verortende Elterngeneration, Pro-Palästina-Aktivisten und linke Splittergruppen mit Fahnen und Megaphonen. Die genannten Gruppen skandierten neben dem Veranstaltungswagen ihr eigenes Programm.

Es ging so weit, dass die Veranstalter diese politischen Gruppen über die Lautsprecheranlage darauf hinwiesen, dass es sich hier um einen Schülerprotest handele.

Gleichzeitig hatten sich die Verantwortlichen am Brandenburger Tor öffentlich und im Vorfeld von der später stattfindenden und für 500 Demonstranten angemeldeten Demonstration am Rosenthaler Platz distanziert.

Dieser Demonstrationszug war für 17.30 Uhr gemeldet, und um 17.00 Uhr sah es auch noch nach diesen etwa 500 Demonstranten aus. Der Platz – ein belebter Knotenpunkt in Berlin-Mitte – war von Polizisten an allen Seiten bewacht. Hier trafen – woher kommend war nicht abzuschätzen – schnell immer mehr Menschen ein. Viele kamen aus der U-Bahn „Rosenthaler Platz“.

Auffällig war zunächst eine maskierte Halloween-Gruppe von etwa einem Dutzend junger Männer, die untereinander arabisch, mit anderen Teilnehmern aber in fast akzentfreiem Deutsch sprachen.

Diese wenigen jungen Leute verstanden es erstaunlicherweise perfekt, sich medienwirksam zu präsentieren. Schnell wurden erhöhte Punkte am Platz eingenommen. Von erklommenen Ampeln und Laternen skandierte man sozialistische Straßenparolen.

Der Zug wurde zunächst von Polizeikräften am organisierten Losgehen der Demonstration gehindert. Kurze Zeit später hatte sich wie aus dem Nichts die „Rote Jugend“ an die Spitze der Veranstaltung gesetzt. Von da an verstand auch der Gelegenheitsdemonstrant, wer hier als Veranstalter auftrat und sein Handwerk perfekt beherrschte.

Einer der Organisatoren ging vermummt und mit Megaphon vor der Demo und stand ständig im Austausch mit den Ordnungskräften, die ihrerseits die Geschwindigkeit des Zuges bestimmten.

Weiterlesen nach der Werbung >>>

Ihre Unterstützung zählt

Mit PayPal

Vorneweg fuhren einige Polizeibusse, die den Weg freihielten und verkehrsregulierend auftraten. Geschäfte wurden nicht geplündert wie in Frankreich oder vereinzelt in Frankfurt.

Die Demonstranten wirkten eingespielt oder zumindest perfekt orchestriert. Immer wieder gab es Sprechchöre in Richtung der Polizisten, die in je einer Reihe den Zug von beiden Seiten flankierten. Von Schmährufen bis zu Tiervergleichen war alles dabei. Die Beamten, die noch nicht wie in Frankreich mit Schilden unterwegs waren, sollten so mutmaßlich mürbe gemacht werden.

Nach 3,7 km vom Rosenthaler Platz bis zur Prenzlauer Allee stoppten die Einsatzkräfte die Demonstration, nachdem zu viele Steine und Böller in ihre Richtung geflogen waren, und erklärten die Veranstaltung für beendet.

Über diese fast vier Kilometer hatten sich immer mehr junge Berliner dem Zug angeschlossen; auch nach fünf Minuten vorbeiziehender Demonstration war kein Ende abzusehen.

Die Prenzlauer Allee wurde von Minute zu Minute dichter, und etwa eine Stunde lang lieferten sich die provozierend auftretenden jungen Demonstranten kleine Scharmützel mit der Polizei.

Immer wieder wurden Personen herausgezogen, gestellt, festgenommen und zu den Einsatzwagen gebracht, begleitet von einstudierten Sprechchören: „Du bist nicht allein“ und „Ganz Berlin hasst die Polizei“. Eine Berliner Straßenbahn wurde mittendrin gestoppt und großflächig besprüht. Dann zerstreute sich die Menge nach und nach.

Der Weg zurück zum Rosenthaler Platz führte entlang einer lebendigen Clubkultur und vieler Gastronomien – man konnte den Eindruck gewinnen, diese Läden verschluckten mühelos zehntausend junge Demonstranten, so wie sie aus dem Nichts aufgetaucht schienen und aus 500 angemeldeten mehrere Tausend Demonstranten gemacht hatten.

(Quelle: Gregor Leip)
(Quelle: Gregor Leip)
(Quelle: Gregor Leip)
(Quelle: Gregor Leip)

Ihre Unterstützung zählt

Mit PayPal

Einen Kommentar schreiben

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen. Aufgrund von zunehmendem SPAM ist eine Anmeldung erforderlich. Wir bitten dies zu entschuldigen.