Wem Ukrainepolitik gegen Russland wichtiger ist als Energieversorgung, stellt seine Legitimität infrage.

Habecks Gasmangel ist politisch gewollt – Deutschland wird von Putin windelweich geprügelt

von Hans-Georg Maaßen (Kommentare: 10)

Der Rubelkurs ist nicht, wie US-Präsident Biden großspurig ankündigte, durch die Sanktionen zu „Rubble“ (Schutt) geworden, sondern er ist nach Einschätzung von CBS heute die stärkste Währung weltweit.© Quelle: privat

Habecks Gasproblem: Herr Habeck hat Probleme mit dem Russengas. In der vergangenen Woche verkündete er nämlich in seiner Funktion als Bundesminister, „der mit Deutschland noch nie etwas anzufangen“ wusste, die zweite Stufe des Notfallplans Gas. Gas sei ab sofort ein knappes Gut.

Im dunklen Anzug und mit einer Krawatte, passend für jede Trauerfeier, meinte er, es könne sogar ein harter Winter auf uns zukommen, und die Bürger sollten Energie einsparen, zum Beispiel beim Duschen.

Dann ließ der Minister verlauten, er befürchte, der Russe könne uns sogar schon im Juli den Gashahn zudrehen. Sein Chef der Bundesnetzagentur warnte vor einem Totalausfall des Russengases. Es könne sein, dass, wenn am 11. Juli die angekündigte zehntägige Wartung der Gaspipeline North Stream 1 beginne, die Russen nach dem 21. Juli den Gashahn nicht wieder aufdrehen. Und dann, und nicht erst im Winter, sitzen wir auf dem Trockenen. Gas sparen ist deshalb erste Bürgerpflicht.

Sicherlich, ohne Russengas wird zuhause das Duschen kälter und die Gasrechnung teurer. Dass das Frieren und Sparen für die Gasrechnung aber nicht alles sein wird, sollte auch dem deutschen Milchmädchen klar sein.

Aber darüber möchte die Politik ungern reden, denn auch hier gilt die klassische „de Maizière-Formel“, mit der unangenehme Wahrheiten zurückgehalten werden: Teile der Antwort würden die Bevölkerung verunsichern, andere Teile würden die künftige Arbeit der Behörden erschweren.

Offener in ihren Einschätzungen sind dagegen einige Industriekapitäne, vor allem von der hauptbetroffenen chemischen Industrie. Der Chef der Ludwigshafener BASF Martin Brudermüller sagte, dass ein Ausfall der russischen Gaslieferungen zur Zerstörung der deutschen Volkswirtschaft führen würde.

Der Chef von Evonik Industries, dem größten deutschen Spezialchemieunternehmen, Christian Kullmann, der zugleich auch Präsident des Bundesverbandes der chemischen Industrie ist, stellte in der vergangenen Woche im WDR-Fernsehen fest, dass ohne Gas die chemische Industrie nicht mehr produzieren könne.

Und er erläuterte dann, was dies für unsere Volkswirtschaft bedeutet: Rund 90 Prozent aller Industrieprodukte seien in irgendeiner Weise von der chemischen Industrie abhängig, ob dies Verpackungen, Farben, Düngemittel, Medikamente, Lebensmittel oder Treibstoffe usw., usw. sind. Die chemische Industrie sei in unserer Volkswirtschaft das Herz, und wenn es aufhört zu schlagen, würden alle anderen Industrien und dann die gesamte Volkswirtschaft zum Stillstand kommen.

Und stehe einmal die chemische Industrie still, sei es ungewiss, wie sie wieder zum Laufen gebracht werden könnte, denn eine solche Situation hätte es in Deutschland noch nie gegeben.

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Man sei auf einen solchen Restart auch nicht vorbereitet. Jedenfalls könne man den Hebel nicht einfach wieder auf „Ein“ schalten. Um zu erahnen, was das bedeutet, braucht man keinen Universitätsabschluss. Würde nichts oder fast nichts mehr produziert, explodieren die Preise für das, was noch da ist, und die Beschäftigten in der Industrie wären auf unabsehbare Zeit beschäftigungslos. Die Inflation würde dann so richtig losgehen.

Und wenn die deutsche Industrie kollabiert, wird das Auswirkungen auf die europäische Wirtschaft und die Stabilität Europas haben. Das ist das, was droht, wenn die USA- und Ukraine-Lobbyisten im Bundestag und in Brüssel sich mit ihrer irrsinnigen Forderung nach einem Gasimportembargo durchsetzen würden oder wenn Russland kein Gas mehr an Deutschland liefert.

Putin ist ein Fuchs. Es war natürlich eine überaus kluge Entscheidung von ihm, von Schröder und von Merkel, Deutschland vom russischen Gas abhängig zu machen wie einen Drogenabhängigen vom Heroin. Deutschland hätte zwar auch auf andere Gaslieferanten setzen können, um dieser Abhängigkeit zu entgehen, aber Frau Merkel setzte als Bundeskanzlerin wie auch ihr Vorgänger ganz auf den lupenreinen Demokraten im Kreml. Putins Kalkulation war ganz simpel: Wenn die Deutschen von der russischen Energie komplett abhängig sind, dann können sie den Russen außenpolitisch schon nicht in die Arme fallen. Ein bisschen vielleicht schon, schließlich müssen sie ja etwas mit der NATO mitlaufen, aber wenn denen klar ist, dass ohne Russengas nichts läuft (und zwar im wörtlichen Sinne), dann werden sie schon zahm werden und wenn nicht, dann wird der Gashahn zugedreht und die Volkswirtschaft bricht zusammen.

Ohne Volkswirtschaft kein Geld, ohne Geld keine Außenpolitik gegen Russland. Und wenn es kein Plan von den Dreien war, Deutschland energiepolitisch abhängig zu machen und damit außenpolitisch zu neutralisieren, dann ist es doch sehr gut bislang für Putin gelaufen. Man muss sagen, Chapeau. Vor allem, dass die drei es geschafft hatten, jeden Widerstand gegen die Abhängigkeitspolitik in deutschen Ministerien und Diensten kleinzuhalten.

Jetzt sind wir nun einmal abhängig und kommen so schnell nicht vom Russengas los. Alternative Lieferanten werden in den nächsten Monaten das Russengas nicht ersetzen können und wenn überhaupt, dann zu Wucherpreisen, mit denen unsere Wirtschaft international nicht mehr konkurrieren kann.

Wenn wir aus politischem Übermut, wie es die USA- und Ukraine-Lobbyisten im Bundestag wollen, auf das Russengas verzichten, bricht unsere Volkswirtschaft, die Währung und die innere Stabilität weg und wir können uns die Ukraine finanziell nicht mehr leisten. Wenn wir Putin weiter mit unserer Sanktions- und Ukrainepolitik ärgern, kann es sein, dass er uns aus Groll den Gashahn zudreht. Eine dumme Situation. Man könnte sagen, wir haben dank Angela Merkel und Freunden die Idiotenkarte gezogen. Большое спасибо, дорогая Ангела Меркель!

Die Sanktionen, die Deutschland und die EU gegenüber Russland verhängt haben, waren für uns ein Desaster. Vorgeblich sollte Russland wirtschaftlich in die Knie gezwungen werden. Die deutschen Politiker meinten in Kenntnis der Gas-Abhängigkeit allen Ernstes, dass man Russland so behandeln könne wie Nordkorea, Kuba oder den Iran. Die Sanktionen haben Russland geschadet, aber vor allem uns.

Der Rubelkurs ist nicht, wie US-Präsident Biden großspurig ankündigte, durch die Sanktionen zu „Rubble“ (Schutt) geworden, sondern hat in den letzten Monaten gegenüber dem US-Dollar um 35 Prozent an Wert zugelegt und ist nach Einschätzung von CBS heute die stärkste Währung weltweit.

Unsere Sanktionen haben dazu geführt, dass sich das Handelsbilanzdefizit der EU-Staaten zugunsten Russland dramatisch erhöht hat. Lag es noch vor einem Jahr bei 3,2 bis 3,9 Mrd. Euro, ist es durch die Exportverbote einerseits und den dramatischen Anstieg der Energiepreise andererseits auf rund 17 Mrd. Euro im April angestiegen. Wir verhängen also Sanktionen, die uns erheblich schaden und die Russland ohne weiteres verdauen kann.

Wir sind in der Situation des Schwächeren, der sich mit dem Stärkeren prügeln will, und sich dabei auch noch permanent selbst ins Gesicht schlägt. Und das liegt an der Realitätsverweigerung der politischen Führung, die immer noch glaubt, dass die G7-Staaten und die EU Weltpolizei spielen und andere Staaten mit Sanktionen überziehen könnten, wie sie es politisch für richtig halten. Russland zeigt, dass dies ein Irrglaube ist.

Wenn es einen Gasmangel in Deutschland geben sollte, ist dies kein Schicksalsschlag, dem man nicht ausweichen kann, sondern es ist ein politisch gewollter Gasmangel, der entweder dadurch erfolgt, dass wir selbst nicht mehr das Russengas abnehmen oder dass Russland uns den Gashahn als Gegensanktion zudreht. Wir sollten niemals vergessen und niemals verzeihen, dass es Merkel, Schröder und deren Freunde waren, die uns bewusst in diese Abhängigkeit führten und die diese Abhängigkeit noch dadurch verschärften, dass sie Kernkraftwerke stilllegten.

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Bereits im Kindergarten sollte man gelernt haben, dass es unklug ist, sich mit Stärkeren anzulegen. Man kann es zwar versuchen, aber man wird hoffentlich sehr schnell einsehen, dass man seine Ziele nicht dadurch erreicht, dass man auf dem Pausenhof zur Belustigung der Mitschüler windelweich geprügelt wird. Vor allem sollte man sich dann nicht auch noch selber ins Gesicht schlagen.

Habeck und die Bundesregierung stehen vor einer simplen Entscheidung: Wollen sie sich weiter mit Putin schlagen – oder nicht. Wollen sie durch ein Gasimportembargo oder durch die Provokation von Gegensanktionen Russlands, dass wir kein Russengas erhalten und dass in Folge unsere Volkswirtschaft kollabiert – oder wollen sie uns aus der Krise führen.

Deutschland ist derzeit nicht in der Situation, dass wir irgendeine Chance haben, uns auf dem Pausenhof mit Russland erfolgreich zu prügeln.

Wir sind nicht so stark, wie manche Politiker sagen, und uns war es nie gut bekommen, wenn wir es versuchten, uns mit Russland anzulegen. Es ist primäre Aufgabe des Wirtschaftsministers und der Bundesregierung, dafür zu sorgen, dass die existenziellen Lebensbedingungen für Bevölkerung und Wirtschaft gewährleistet sind. Hierzu zählt die Sicherstellung einer ausreichenden Energieversorgung.

Will die Bundesregierung dies nicht gewährleisten, weil sie glaubt, dass ihre Ukrainepolitik gegen Russland wichtiger ist als eine ausreichende Energieversorgung, stellt sie ihre eigene Legitimität in Frage. Die Bundesregierung und ihr Wirtschaftsminister haben nicht das Recht, zugunsten ihrer Ukrainepolitik die Existenzgrundlagen der Bevölkerung und der Wirtschaft zu gefährden. Tun sie es dennoch, haben auch sie die Folgen zu tragen.

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Kommentare

Kommentar von Sandra Schumacher

Noch eine Randbemerkung:

Die für uns fatale Entwicklung geht aus Sicht der USA natürlich in die gewünschte Richtung: Hauptziel ist und war, eine konstruktive Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland zu verhindern. Russland und Deutschland hätten zusammen das Potential einer Weltmacht. Diese lang gehegte Angst der Amerikaner ist nun vorerst gebannt.

Deshalb wohl auch die Zustimmung zur deutschen Wiedervereinigung 1990. Damit wurde die DDR, ehemals sowjetische Besatzungszone, dem Besatzungsgebiet der USA (genannt BRD) angegliedert, und die ehemalige DDR war "sicher" vor weiterem russischem Zugriff.

Kommentar von Sandra Schumacher

"Wenn wir aus politischem Übermut, wie es die USA- und Ukraine-Lobbyisten im Bundestag wollen, auf das Russengas verzichten, bricht unsere Volkswirtschaft, die Währung und die innere Stabilität weg und wir können uns die Ukraine finanziell nicht mehr leisten. Wenn wir Putin weiter mit unserer Sanktions- und Ukrainepolitik ärgern, kann es sein, dass er uns aus Groll den Gashahn zudreht."

Ja, so ist es. Ein Bumerang!
Die Energiekrise hat die Regierung selbst geschaffen. Russland hat uns jahrzehntelang zuverlässig Gas geliefert, zu einem vernünftigen Preis.
Wenn Scholz jetzt jammert, "Putins Russland ist vertragsbrüchig geworden, Russland sei kein zuverlässiger Energielieferant mehr", dann ist das zu 100% selbst verschuldet!

Dass die Bürger Deutschlands für diese Fehler nun bezahlen sollen, ist ein Hohn sondersgleichen, da es sich eben um keine Naturkatastrophe oder unabwendbares Ereignis handelt.

Meinen deutsche Politiker wirklich, sie könnten Sanktionen verhängen, Russland boykottieren, russischen Bürgern den Geldhahn zudrehen und das Visum zur Einreise verwehren, ohne Konsequenzen??
Vielleicht sollten sie aufwachen und begreifen - das hier ist alles kein Spiel!

Kommentar von Matthias Papke

Man kann der Bundesregierung wohl nicht den Vorwurf machen, die Gefahren zu verschweigen ("de-Maiziere-Formel"); ganz im Gegenteil haben Scholz und Habeck auf die Gefahren des industriellen Zusammenbruchs bei Gaslieferstopp schon vor Monaten hingewiesen. Es waren Wirtschaftswissenschaftler, die dann gesagt haben, dieses (von der Regierung gezeichnete) Szenario sei übertrieben.

Es stimmt auch nicht, dass es uns "nie gut bekommen" sei, wenn wir "versuchten, uns mit Russland anzulegen". Immerhin haben wir einen Krieg gegen Russland gewonnen (im 1. WK), dessen Frieden (Bresk-Litowsk) all unsere Energieprobleme gelöst hätte und auch den zweiten Krieg hätten wir gewonnen, wenn USA und GB nicht massiv Stalin unterstützt hätten. Das ist jetzt wegen unserer Demilitarisierung und wegen Russlands Atombewaffnung allerdings nicht mehr möglich.

Zu fordern, dass ausgerechnet jetzt, wo zum ersten Mal seit dem 2. WK eine ehemals deutsche Position international sich durchzusetzen im Begriff ist, wir aus dieser Position ausscheren und zum Russland-Unterstützer werden sollen, ist schwer nachzuvollziehen. Wir würden am Ende Gefahr laufen, kein Gas aus Russland zu erhalten und auch noch die Solidarität des Westens zu verlieren.

Übrigens waren es die Grünen (also wohl der Lieblingsfeind des Autors), die am ehesten gegen die Herstellung der russischen Abhängigkeit waren; dass im Falle der Katasrophe dann ausgerechnet Habeck schuld sein soll, ist dann ebenfalls nicht recht einsichtig. Aber zunächst kommt es nicht darauf, wer schuld ist, sondern wie die Katastrophe zu vermeiden ist.

Ein Weg könnte sein die Änderung der EU-Vorschrift, nach der die Industrie zuerst abgestellt wird. Es ist nicht akzeptabel, dass zB BASF stillgelegt wird, damit zB die Ungarn ihren Verbrauch nicht drosseln müssen. Nachdem D jahrzehntelang alle anderen EU-Mitglieder mit Milliardenbeiträgen ohne jede Gegenleistung unterstützt hat und weiterhin unterstützt, ist es jetzt an der Zeit, denjenigen zu unterstützen, der den ganzen Wohlstand (zum großen Teil) erwirtschaftet hat und daher die dt. Industrie zu retten. Diese Position in der EU durchzusetzen, wäre dann die Aufgabe der BReg.

Auch die USA und GB wären in der Pflicht, uns mit Gaslieferungen zu helfen, um ein geschlossenes Handeln des Westens sicherzustellen. Denn sie haben, indem sie Russland halfen, die halbe Welt (und halb Deutschland) zu unterjochen, auch den deutschen Energie- und Rohstoffmangel mit herbeigeführt.

Kommentar von Wolf Larssen

Ja, Putin ist ein Fuchs.
Einer, der im Intellekt seinen westlichen Kollegen haushoch überlegen ist.

Nein, ich bin mit Putin nicht verwandt oder ein Russe, das ist eine ganz objektive Einschätzung.

Ob ein Gasverdichter tatsächlich für den VollBetrieb der Nordstream 1 Leitung entscheidend ist, kann bezweifelt werden und dass es Gazprom damit nicht eilig hat, liegt irgendwie auch auf der Hand.

Tatsache ist jedenfalls, dass sich Deutschland mit der Weigerung Northstream 2 in Betrieb zu nehmen, von den USA und EU in eine Sackgasse manövrieren hat lassen

Entweder Deutschland springt über seinen Schatten, stellt sich gegen die USA und nimmt die Pipeline zum Wohle der Europäer endlich in Betrieb

Oder aber die Deutsche Regierung bleibt stur, beschädigt bewusst die eigene Wirtschaft, riskiert Demos und Aufstände und treibt damit die Energiepreise in immer höhere Sphären.

Das weiß der Fuchs Putin, das weiß eigentlich jeder, nur unsere bornierte Ampel-Regierung nicht.

Kommentar von Herbert Wolkenspalter

Dass Nordstream 2 nicht als Ersatz für das reduziert liefernde Nordstream 1 geöffnet wird, ist allein die unsäglich falsche Entscheidung des Westens. Wie kann man zum Sparen und Frieren auffordern, wie kann man den Zusammenbruch der Wirtschaft inkaufnehmen ohne die vorhandene Option genutzt zu haben?

Auch die sonstige, selbstgemachte Energiewende läuft letztlich auf Selbstbeschädigung Deutschlands wenn nicht Europas hinaus.

Der Westen ist es schließlich, der den Sanktionskrieg eröffnet hat. Hat er schon einmal daran gedacht, dass man einen Krieg auch verlieren kann?

Wenn es in den eigenen Köpfen nicht stimmt, wenn der Westen aus geopolitischen Expansionsgründen und der Absicht, Russland im Inneren umzumodeln und ansonsten einzuschränken, eine Konstellation herstellt, der nur noch militärisch begegnet werden kann, braucht man sich über die jetzige Situation nicht zu wundern. Was gehen uns die inneren Angelegenheiten Russlands an, was geht uns die Urkaine an, was hatte der Westen den undemokratischen Maidan-Putsch vorzubereiten und zu befeuern? Geopolitischer Wille ignoriert Völkerrecht als auch Menschlichkeit eigentlich immer und zwingt den Gegner förmlich zu ähnlichem, will er sich dem nicht unterwerfen. (Mir war aus geostrategischer Sicht in der ersten Sekunde des Maidan klar, dass sich Russland die Krim sichern wird.)

Sicher, die fast monopolartige Abhängigkeit einer wichtigen Sache von einem Lieferanten ist aus Prinzip schlecht, egal um wen und welche Ware es geht. Wenn aber die jetzige Situation letztlich doch dazu zwingt, den Gashahn auf deutscher Seite für Nordstream 2 zu öffnen, Ersatzteile für den Gastransport nicht zu sanktionieren und einzusehen, dass der Sanktionskrieg einen enormen Schaden für uns selber darstellt, ist dies der beste Anlass auch für Friedensverhandlungen in der Ukraine.

Dies mag kurios klingen, aber wer weiß, vielleicht hat die wirtschaftliche Abhängigkeit letztlich noch etwas Gutes. Natürlich nur, wenn der subtil aggressive, expansive Westen zu ein paar friedlicheren, kooperativen Einsichten kommt. Hätte der Westen es nicht vorangetrieben, würde die Krim heute noch zur Ukraine gehören, gäbe es den jetzigen Krieg nicht, wir könnten problemlos Gas aus Russland beziehen und uns auch sonst wirtschaftlich gegenseitig prächtig ergänzen: Russland hat Rohstoffe, wir haben Knowhow und Technik. Wir könnten auf Gegenseitigkeit profitieren.

Damit stellt sich noch eine weitere Frage. Wie abhängig sind wir eigentlich von den USA, die uns dies nicht erlauben bzw. untergraben? Welche Druckmittel haben sie, und wer sind „ihre“ Leute in Parteien und Instituten in Deutschland und Europa?

Können wir uns ohne großen Knall nicht langsam und allmählich emanzipieren? Roger Köppel/Weltwoche (CH) hatte die Idee, dass Deutschland bzw. Europa verschweizern solle, womit hauptsächlich Neutralität gemeint war. Muss in dieser aufgewühlten Welt nicht die schlechteste Idee sein, gerade wo Europa der historisch blutgetränkteste Kontinent auf dem Globus ist. Wir beschreien ständig den Frieden, auch wenn kein Krieg herrscht, und haben dennoch einen unfriedlichen Charakter. Fassadenpolitur. Die Zerrissenheit, die Art des Gegenübertrentes, der Kommunikation („Streitkultur“!), der Cancel-Culture im Inland zeigt dies nochmal deutlich. Alles gleich eine Kultur, eine Art Muss, eine Art vermeintlich Richtiges, auf das man stolz ist. Indira Ghandi sagte einmal sinngemäß: Wir Inder glauben keineswegs, dass der Westen einen friedlichen Charakter hat. Wie recht sie hatte!

Kommentar von Luc Joachim

Vermutlich ein Dreher im Text...in den Rücken fallen.
"Wenn die Deutschen von der russischen Energie komplett abhängig sind, dann können sie den Russen außenpolitisch schon nicht in die Arme fallen..."

Kommentar von Lili Moon

Im Großen und Ganzen kann man Herrn Maaßen natürlich nur zustimmen. Aber...
Ist es tatsächlich verwerflich mit einem (bisher immer) zuverlässigen Partner zu handeln ???
Kann ein von Energie- und Rohstoffimporten durch und durch abhängiges Land tatsächlich nach moralischen (zeitgeistabhängigen) Vorstellungen seine Lieferanten wählen ??? Ist Zuverlässigkeit und "preiswert" nicht jedem Kaufmann wichtiger ??? Welche moralischen Kriterien machen die USA, Katar, etc. besser geeignet, D mit Gas und Öl zu beliefern ???
Hieß es nicht einmal "Wer miteinander handelt schießt nicht aufeinander ???

Kommentar von Wolf Larssen

Kann dem Beitrag nur voll und ganz zustimmen, einige Anmerkungen aber dennoch:

Dass uns Merkel, Schröder und deren Freunde bewusst in diese Abhängigkeit führten, kann ich so nicht unterschreiben.
Die Vorgeschichte der deutsch-russischen Energiebeziehungen beginnt in den 1950er Jahren, der bilaterale
Handel mit der Sowjetunion, der im Gründungsjahr des Ost-Ausschusses 1952 bei bescheidenen 17,2 Millionen D-Mark gelegen hatte, wuchs bis 1960 auf 1,4 Milliarden D-Mark an.
Das 1968 von Österreich angestossene Transgasprojekt (Energie gegen Stahl) entpuppte sich als ideale Ergänzung zur Brandt‘schen Ostpolitik.
Der Bezug von sowjetischem Gas wurde als vertrauensbildende Maßnahme gesehen. Das
Auswärtige Amt hielt bereits 1969 einen Anteil von 20 Prozent sowjetischen Gases am deutschen Markt für denkbar.

Die Sowjetunion sollte für einen Zeitraum von 20 Jahren jährlich bis zu drei Milliarden Kubikmeter Erdgas im Gesamtwert von 2,5 Milliarden D-Mark an die Essener Ruhrgas AG liefern.
Um die dafür notwendige Verlängerung der Transgas-Pipeline zu bauen, produzierten die Düsseldorfer Stahlkonzerne Mannesmann und Thyssen 1,2 Millionen Tonnen Großröhren mit einem Durchmesser von 1,42 Meter.

Die Druschba Öl-Pipeline wurde von 1959 bis 1964 von der DDR mit (errichtet) und ist für die Ostraffinerien noch immer von großer Bedeutung.
usw.usf.

Die Sache ist doch einen andere:
Es gibt bis heute keinen wirklichen Grund, kein Gas oder Erdöl von Russland zu beziehen.
Die UdSSR bzw. RF war und ist noch immer ein äußerst verlässlicher Partner für unsere und auch europäische Energieversorgung.
Wir haben eine Pipeline-Direktanbindung! zu den größten Gas- und Öllagerstätten. Besser gehts nicht!

Dies alles jetzt wegen einem Greis im Washington, einer Flintenuschi in Brüssel und unseren durchgeknallten Grün-Rot-Schwarz Politikern aufzugeben, ist wohl als Verbrechen an den Europäern einzustufen und gehörte unter Strafe gestellt!

Dass wir dank Angela Merkel und Freunden die Idiotenkarte gezogen haben steht ausser Streit, obwohl eine Mehrheit der Deutschen sie ja gewählt haben.

Kommentar von hans

<i>'Mit den Waffen, die auch ich, Robert Habeck, in die Ukraine geschickt habe, werden also höchstwahrscheinlich Menschen getötet. Die Entscheidung war trotzdem, gemessen an den Alternativen, notwendig.'</i>

Ein Grünen-naher Politikwissenschaftler, der es sich mit niemandem verscherzen und deshalb anonym bleiben möchte, u.a., schreibt - 'Er (Habeck) … hält sich für Gottes Geschenk an die Menschheit' … dazu aus dem Buch HIOB (IJOB); Gott entzieht denen, die er bestrafen will, den Verstand, und das gilt in erster Linie für diejenigen, die glauben, dass der Herr selbst sie führt …

… der 'Pimmel-Pianist' in der Ukraine ist ein Abbild der 'westlichen Wertegemeinschaft' – geschaffen, nicht gezeugt.

Kommentar von Hildegard Hardt

Es ist die typische Arroganz des Westens, die uns in diese Lage gebracht hat! Wer glaubt, die wahren(!) historischen Tatsachen, die zum Krieg in der Ukraine geführt haben, ausblenden zu können, der hat sich geirrt, und dazu gehören die USA und ihre treuen Verbündeten!

Putin hat zweifellos viele Fehler gemacht; aber ihm 20 Jahre ins Kreuz zu treten und ihn als "Schüler in der letzten Bankreihe" (O-Ton Obama) zu bezeichnen, war ein großer Fehler. Denn Russland ist keine "Regionalmacht" (auch O-Ton Obama) sondern das größte Land der Erde mit fast unendlichen Ressourcen. Blendet man das aus und sanktioniert auf Teufel komm raus, wird irgendwann zurückgeschlagen, und das erleben wir heute.

Nur wirklich ernstgemeinte Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine können einen Zusammenbruck unserer Wirtschaft verhindern, aber dazu ist vor allem W. Selenskyj nicht bereit. Solange er die Unterstützung des Westens hat, die ihm Waffen und Geldmittel für den Krieg liefern, wird dieser weitergeführt und zwar zum Schaden der Menschen in der Ukraine, die ihr Präsident angeblich schützen will.

Es darf dabei nicht vergessen werden, daß auch Selenskyj ein korrupter Oligarch ist wie seine "Brüder im Geiste" in der RF. Diese Charaktere handeln in erster Linie im eigenen Interesse, sei es nun für Geld oder um ihr Image aufzupolieren. Selenskyj ist eitel und gehört wohl zur letzten Gruppe.

Wenn die EU und vor allem Deutschland nicht umgehend die Sanktionspolitik beenden, werden wir einen nie gekannten Zusammenbruch der Wirtschaft leben. Auf "Flatterstrom" ist kein Verlaß, und von der Atomenergie haben wir uns dank Merkel & Co leider verabschiedet. Ein katastophaler Weg!

Auf Hilfe aus den USA können wir uns nicht verlassen. Jenseits des Großen Teiches kennt man trotz aller Versprechen im Ernstfall nur "America First"; wir kennen hingegen nur Solidarität, selbst wenn wir daran zugrundegehen!