Höcke: „Als Kind hatte ich schon das Gefühl in mir, etwas Größerem dienen zu wollen“

Höcke bei Ben – Wie gefährlich ist Normalität?

von RA Dirk Schmitz (Kommentare: 10)

2015 mit Deutschlandfähnchen bei Günther Jauch© Quelle: ARD, mediathek via Youtube, Screenshot

Wenn man ihn einfach reden lässt: Eine Folge des Podcasts „ungeskriptet“ mit Björn Höcke hat bislang über 3,6 Millionen Zugriffe.

Das Interview von Björn Höcke bei „{ungeskriptet} by Ben“ hat ein ungewöhnlich starkes Echo ausgelöst – allerdings weniger im Sinne einer klassischen inhaltlichen Auseinandersetzung als vielmehr als Debatte darüber, ob man Höcke eine derart lange Plattform geben dürfe.

Systemmedien griffen drei Punkte auf:

1. die enorme Reichweite,
2. die Länge und Ungeskriptetheit des Gesprächs,
3. die Gefahr einer „Normalisierung“ Höckes durch ein ruhiges Langformat-Interview.

Selbst internationale Medien erwähnten das Gespräch inzwischen anerkennend als Beispiel dafür, dass Höcke zunehmend außerhalb klassischer TV-Formate Reichweite erzielt. In der englischen Wikipedia wird das Interview bereits als „viral“ beschrieben; dort heißt es, das fast viereinhalbstündige Gespräch habe innerhalb eines Tages über eine Million Aufrufe erzielt.

Die Reaktionen der klassischen deutschen Medien lassen sich grob in drei Lager einteilen:

Kritische Einordnung: Viele Beiträge warnten davor, dass lange Podcast- oder YouTube-Formate Politikern wie Höcke erlaubten, ohne journalistische Gegenwehr ihre Narrative auszubreiten.


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Medienkritische Selbstreflexion: Einige Kommentatoren stellten fest, dass klassische Talkshows und lineare Medien gerade bei jüngeren Zuschauern massiv Reichweite verlieren und Formate wie „Ben Ungeskriptet“ deshalb politisch relevanter werden.

Strategische Beobachtung: Teilweise wurde nüchtern analysiert, dass die AfD und speziell Höcke inzwischen Kommunikationsräume besetzen, die außerhalb der Kontrolle etablierter Redaktionen liegen.

Auffällig ist dabei: Das Interview wurde zwar breit diskutiert, aber indirekt. Viele Medien nannten nicht einmal ausführlich den Inhalt, sondern konzentrierten sich auf die „Gefährlichkeit“ oder die Reichweite des Formats selbst. Dadurch entstand paradoxerweise zusätzlicher Aufmerksamkeitseffekt.

Bemerkenswert ist, dass das Gespräch offenbar deutlich größere Abrufzahlen erreichte als viele klassische politische TV-Interviews derselben Woche. Genau das wurde wiederum von Kommentatoren als Warnsignal für die Krise klassischer politischer Propaganda-Medienformate interpretiert.

In sozialen Medien und alternativen Medienräumen war das Echo deutlich euphorischer: Dort wurde das Interview als „historisch“, „unzensiert“ oder „erstmals ausführlich“ beschrieben. Klassische Medien verwendeten dagegen Begriffe wie „rechtsextreme Plattform“, „Normalisierung“ oder „Strategie der Selbstverharmlosung“.

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