Wahre Liebe gewinnt auf wundersame Weise immer

Ist das Leben nicht schön?

von Tara Grimm (Kommentare: 7)

Gegen die Liebe sind selbst die Mächtigsten dieser Welt machtlos.© Quelle: Youtube / Liberty Angel / Zenspannung, Montage Bertolt Willison

Noch einmal schlafen, dann ist Weihnachten. Dieser Satz löst in jedem von uns etwas aus. Bei dem einen eine aufgeregte Vorfreude, bei dem anderen das panische Bedürfnis, den nächsten Flughafen anzusteuern, um im erstbesten Flieger nach Nirgendwo zu entkommen.

Was hat es nur auf sich, mit diesem in Hunderten von Liedern und Geschichten gepriesenen Weihnachtszauber? Warum können die einen gar nicht genug davon bekommen und die anderen ihn kaum ertragen?

Ja, ich gestehe, ich gehöre der ersten Gruppe an. Weihnachten ist meine ganz persönliche fünfte Jahreszeit. Und selbstverständlich habe ich auch einen Lieblingsweihnachtsfilm, so wie es sich für einen anständigen Vollblutwichtel gehört. Alle Jahre wieder malträtiere ich meine leiderprobte Familie, die inzwischen gelernt hat, dass in dieser einen Sache jeder Widerstand zwecklos ist, und werfe an einem der Weihnachtsabende die DVD in das Abspielgerät. Was stets unangekündigt passiert, versteht sich, damit sich niemand mit einer vorgebastelten Ausrede davonstehlen kann.

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„Ist das Leben nicht schön?"

So heißt der Film von Frank Capra aus dem Jahr 1946. In schwarz-weiß gedreht und mit einer Überlänge von 125 Minuten der Endgegner für jeden Grinch. Erzählt wird die Geschichte von George Bailey, gespielt vom unvergessenen James Stewart, der als Leiter der Bausparkasse „Building and Loan" im ständigen Kampf gegen den ebenso reichen wie gemeinen Banker Mr. Potter sein Leben in der amerikanischen Kleinstadt Bedford Falls verbringt.

Die Bausparkasse, die das Lebenswerk seines Vaters gewesen war, ist auch zu Georges Lebensinhalt geworden. Jeden Tag aufs Neue opfert er alles dafür, dass auch jene Menschen in Bedford Falls, welche nicht mit einem goldenen Löffel im Mund geboren wurden, sich den Traum vom eigenen Häuschen erfüllen können. Und "opfern" trifft die Sache ziemlich gut, denn sein eigener Traum ist dabei auf der Strecke geblieben. Schon als Kind wollte George Bailey nämlich nur eines: als berühmter Architekt überall in der Welt die bedeutendsten Bauwerke erschaffen. Einige Male sah es fast so aus, als würde er seine Vision wahr werden lassen können, doch irgendwie grätschte ihm immer – wer kennt das nicht?! –  das Leben dazwischen. Wobei das nicht die ganze Wahrheit ist. Denn auch wenn das Leben sich auf den Kopf stellt und uns eiskalt Steine in Findlingsgröße vor die Füße wirft, sind es letztlich immer noch wir, die die Entscheidungen treffen.

Und genau das tat auch George Bailey. Zum Beispiel, als er den Vorsitz der „Building and Loan" übernahm, nachdem sein Vater gestorben war und die Bausparkasse deshalb vor ihrem Ende stand. Er räumte die bereits gepackten Koffer wieder aus und ließ an seiner statt den jüngeren Bruder Harry aufs College gehen. Seine Hoffnung war, dieser würde ihn nach dem Abschluss in der Bausparkasse ablösen. Doch als Harry nach einigen Jahren zurückkehrte, hatte er nicht nur eine frisch gebackene Ehefrau im Gepäck, sondern auch einen gut bezahlten Job im Unternehmen seines Schwiegervaters. Es kam also, wie es kommen musste: George begrub seine Pläne, heiratete seine Jugendliebe Mary und bekam mit ihr vier Kinder.

Als der schicksalhafte Weihnachtsabend herannaht, ist George Bailey vom Alltag ausgelaugt. Davon, dass die Familie nach wie vor jeden Penny umdrehen muss, dass es im Haus zieht wie Hechtsuppe und dass der Knauf am unteren Ende der Treppe vom Geländer fällt, sobald man ihn auch nur scharf ansieht. Doch vor allem hat ihm der ewige Kampf gegen den gierigen und machtbesessenen Mr. Potter zugesetzt. Dieser Kampf, der nie zu Ende gehen will, und in dem George immer die schlechteren Karten zu haben scheint.

Als wäre dies noch nicht genug an Elend und Trübsal auf den Schultern eines einzelnen Menschen, verliert der alte, tüdelige Onkel Billy an Heiligabend 8000 Dollar, die er im Auftrag der „Building and Loan" auf der Bank von Mr. Potter einzahlen soll. Und das natürlich ausgerechnet an dem Tag, als ein Bankrevisor die Bausparkasse zum Jahresabschluss unter die Lupe nehmen will.

George ist verständlicherweise außer sich, denn er hat nicht die geringste Ahnung, wie er das Geld in der kurzen Zeit ersetzen soll. In seiner Not kriecht er sogar vor Mr. Potter zu Kreuze und bietet ihm, als Sicherheit für einen Kredit, seine Lebensversicherung an. Da auf dieser bislang allerdings nur drei Pfennig fuffzig eingezahlt wurden, wartet Mr. Potter, der – Vorsicht Spoiler-Alarm! Angels’ Share – die 8000 Dollar gefunden und sich heimlich unter seine dreckigen Nägel gerissen hat, mit einer vernichtenden Antwort auf. "Sie sind ja tot mehr wert als lebendig!", ruft er höhnisch lachend aus. Woraufhin George wie ein geprügelter Hund die Bank verlässt.

Nach einem kurzen Abstecher nach Hause, wo er seine Kinder zum Weinen bringt und Mary ratlos zurücklässt, weil er ihr, wie Männer das nun mal so tun, nichts von dem Riesenschlamassel erzählt, landet er am Ende auf einer Brücke am Rande der Stadt. Inzwischen ist es dunkel geworden, und ein dichtes Schneegestöber hüllt ihn ein, während er verzweifelt in die unter ihm tosenden Fluten blickt.

Springt er? Natürlich tut er das. Doch vorher wünscht er sich noch inbrünstig, nie geboren worden zu sein. Die Opfer, die er gebracht hat, die Kämpfe, die er gezwungen war auszufechten, ja sein ganzes Leben scheint ihm sinnlos gewesen zu sein und darüber hinaus die Ursache von Leid für all die Menschen, die das Pech hatten, seinen Weg zu kreuzen. Davon ist er felsenfest überzeugt, und kein Argument der Welt könnte ihn in diesem Moment umstimmen. Es ist einer dieser typischen Augenblicke, in denen Angst und Wut und vor allem das Gefühl der Ohnmacht so stark sind, dass weder Herz noch Verstand erreichbar sind.

George ist also entschlossen, aufzugeben, und springt. Doch Gott hat andere Pläne und schickt Clarence zu seiner Rettung, einen Schutzengel zweiter Klasse, der sich heute seine Flügel verdienen möchte. Zusammen machen sie sich auf den Weg, um zu erkunden, wie die Version von Bedford Falls aussieht, in der es George Bailey nie gegeben hat.

Um es abzukürzen und nicht zu viel zu verraten: Bedford Falls heißt nun Pottersville, und der Name ist nicht das einzige, was sich zum ausgesprochenen Übel verändert hat. Es dauert eine Weile und benötigt etliche Begegnungen mit alten Bekannten, die nun Fremde sind, bis George die Wahrheit erkennt und seinen Wunsch, nie gelebt zu haben, zurücknimmt. Womit endlich das große und obligatorische und zum Heulen schöne Happy End eingeläutet werden kann.

Und die Moral von der Geschicht'?

Sie ist so banal wie tiefgreifend. Wir Menschen lernen entweder über Erkenntnis oder durch Schmerz. Was dazu führt, dass wir manchmal am Abgrund stehen müssen, um uns wieder daran zu erinnern, worum es im Leben geht. Was wirklich Bedeutung hat, für uns von Wert ist. Und an eben diesem Abgrund, wo sich jede politische, religiöse, ideologische oder sonst irgendwie geartete persönliche Befindlichkeit als vollkommen irrelevant auflöst, werden wir erkennen, glücklicherweise, ohne wie George Bailey springen zu müssen, dass die absolute Mehrheit von uns, den Menschen dieser Welt, exakt ein und denselben Wunsch hat: Wir möchten ein Leben führen, in welchem wir frei über uns bestimmen können, unsere Liebsten nicht in Kriegen opfern müssen, die wir weder brauchen noch wollen, und unsere Kinder in einer Welt großziehen, in der wir sie unbesorgt zurücklassen können, wenn es für uns an der Zeit ist zu gehen.

Mit diesem kleinsten gemeinsamen Nenner, der so viel größer ist, als es der Begriff suggeriert, sind wir definitiv in der Überzahl in unserem Kampf gegen die Mr. Potters dieser Welt. Und dabei spielt es nicht die geringste Rolle, ob da draußen noch das eine oder andere Milliönchen an Menschen herumläuft, das, in Bezug auf die Lage, in der wir uns aktuell alle miteinander befinden, noch die Augen öffnen muss. Denn das werden sie.

Die Entwicklungen auf dieser Welt werden jeden einzelnen auf seine ureigene Brücke über dem Fluss führen, auf der viele von uns in den vergangenen drei Jahren schon wenigstens ein Mal gestanden haben. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Moment gekommen sein wird, in dem die Stunde des kleinsten gemeinsamen Nenners schlägt. Und dann wird es dreizehn schlagen – bekomme ich ein Hallelujah?! – und auf der ganzen Welt zu hören sein.

Ach, und wird uns ein Clarence geschickt werden, oder ist er vielleicht sogar schon längst da? Mit anderen Worten: Wird eine – nennen wir sie mal weihnachtsgerecht "höhere Macht" – intervenieren, um uns zu retten? Diese Frage wird schon seit längerem äußerst kontrovers diskutiert, und müsste ich eine Antwort geben, so lautete sie klar und eindeutig "Jein".

"Nein", weil niemand an unsere Tür klopfen und uns verkünden wird, dass wir ab sofort frei sind. Und selbst wenn dieser verrückte Fall eintreten würde: Wäre Freiheit etwas, das man geschenkt bekommen kann, wäre es schlicht und ergreifend das genaue Gegenteil.

"Ja", weil man nicht an den Weihnachtsmann glauben muss, um zu erkennen, dass diese Welt bereits seit einiger Zeit umgebaut wird. Und zwar auf eine Weise, dass nicht einmal mehr der berühmte Blinde mit dem Krückstock übersehen kann, wie der sogenannte "wertebasierte Westen", der uns diese seine Werte mit Krieg und Zensur, mit Gesundheitsdiktatur und vielen weiteren Geschmacklosigkeiten seit einiger Zeit förmlich im Schnelldurchlauf vor die ungläubig aufgerissenen Augen führt, täglich mehr an den Rand der Macht- und Bedeutungslosigkeit gedrängt wird. Der inzwischen unabwendbare Niedergang des nicht nur für das globale Fiatgeld-Finanzsystem zwingend notwendigen Petrodollars ist dabei lediglich ein Punkt von vielen. Und allein dieser hat in seiner Konsequenz eine Sprengkraft, die von den Mainstream-Medien nicht ohne Grund totgeschwiegen wird.

Brasilien, die Türkei, China, die USA; Afrika und der gesamte Nahe Osten; die EU, die neuerdings von einem Skandal in den nächsten stolpert; die NATO, die sich sozusagen mit Hilfe der Ukraine selbst entwaffnet hat – jeder, der in der Lage ist, seine Aufmerksamkeit nur für einen Moment von den desaströsen Zuständen in unserem Land auf das zu lenken, was auf der Welt vor sich geht, wird die Puzzleteile finden, die nur einen Schluss zulassen: Die große Agenda der Globalisten ist gescheitert.

Warum die meisten Menschen nur die Krisen und nicht die Chance sehen, die sich für uns hinter den zugegebenermaßen durchaus beängstigenden Prozessen eröffnet? Die Erklärung dafür ist ein Paradoxon, an dem sich auch der weihnachtliche Nussknacker die Zähne ausbeißt: Weil die meisten Menschen zwar mühelos an das Böse glauben können, aber in tausend kalten Wintern nicht an das Gute. Womit wir wieder beim Zauber der Weihnacht angekommen wären. Und bei der Frage, warum sich die einen ihm vorbehaltlos hingeben können und die anderen, wenn überhaupt, nur unter Protest.

Könnte es sein, dass wir insbesondere an Weihnachten aus unerfindlichen Gründen in der Lage sind, Kontakt zu etwas aufzunehmen, das uns innewohnt und gleichzeitig so viel größer ist als wir selbst? Zu diesem Etwas, das uns Menschen dazu bringen kann, die Waffen ruhen zu lassen und in gegenüberliegenden Schützengräben gemeinsam „Stille Nacht, heilige Nacht" zu singen? Ist es möglich, dass wir in diesen heiligen Nächten – wenn man sie von dem verlogenen roten Mantel befreit – etwas spüren können, das jenseits unserer anerzogenen Sicht auf die Welt liegt, in welcher das Ego alles und bedingungslose Liebe als Schwäche gilt? Und wenn dem so ist, wäre es dann nicht nachvollziehbar, dass diese vermeintliche Schwäche zuzulassen dem einen, aus Gründen, die allesamt menschlich sind, schwerer fällt als dem anderen?

Die möglichen Schlussfolgerungen aus diesen Überlegungen hinsichtlich der Empfänglichkeit für weihnachtlichen Zauber mögen interessant sein, doch an dieser Stelle sind sie vollkommen unwichtig. Die einzig bedeutsame Wahrheit ist nämlich, dass wir alle diese Kraft in uns tragen. Egal ob Vollblutwichtel oder Grinch. Und zu dieser Wahrheit gehört folglich auch, dass – "höhere Mächte" hin oder her – wir uns längst selbst gerettet haben.

Jedes Mal, wenn wir gebremst haben, um an einer zugestauten Kreuzung einen Wagen vor uns in die Spur einscheren zu lassen. Jedes Paket, das wir für den Nachbarn entgegengenommen haben. Jedes kleine Lächeln für die Kassiererin im Supermarkt. Jedes laute Wort zu einem unserer Lieben, für das wir uns hinterher entschuldigt haben. Einfach alles, was wir getan haben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten, hat eine Wellenbewegung ausgelöst, die wir in ihrer Gänze niemals werden verfolgen können, deren Existenz jedoch unbestreitbar ist. Jede einzelne Handlung dieser Art hat die Welt bereits zu einem besseren Ort gemacht. Weshalb die Option „Aufgeben" nicht nur auf Grund von Kategorien wie „Disziplin" oder „Prinzipien" nicht in Frage kommt, sondern weil dies wegen der geschichtlich womöglich einmaligen Besonderheit unseres Kampfes geradezu schildbürgerhaft wäre.

Welche das ist? Dass wir bereits gewonnen haben. Wie ich darauf komme?

Der wichtigste unter mindestens hundert weiteren und vermeintlich handfesteren Gründen lautet: Weil wahre Liebe auf wundersame Weise immer gewinnt. Das ist es, was George Bailey zum Ende des Filmes erkennt. Dass die Liebe eine Kraft ist, vor der sich jeder Mr. Potter zu Tode fürchtet. Denn im Gegensatz zu Hass und Angst und Wut kann die Liebe niemand kontrollieren. Gegen die Liebe sind selbst die Mächtigsten dieser Welt machtlos.

Also, umarmt Euch, was das Zeug hält, ihr Wichtel und Festtagsmuffel!

Feiern wir die Liebe, weil sie – im Großen wie im Kleinen – das Einzige ist, worauf es ankommt.

Fröhliche Weihnachten, alle miteinander!

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