Toddn Kandzioras Wochenrückblick 10/2022

Ist nicht mehr normal!

von Toddn Kandziora

Kolumnist Toddn Kanziora hört morgens die Außenministerin im Radiowecker und lässt sich prompt den Tag verhageln. Und als wäre das nicht genug, sind auch noch die Nudeln in Toddns Supermarkt auf drei Pakete pro Person limitiert worden …© Quelle: Freepik.com / pikisuperstar, Wikimedia Commons / Sandro Halank, CC BY-SA 4.0

Guten Tag, ich hoffe, es geht Ihnen gut. So gut es einem in dieser absurden Zeit gehen kann. Wie es mir geht? Wenn ich ehrlich bin, nicht so gut. Nein, keine Sorge, nichts Schlimmes. Ich zweifle nur bisweilen an meiner geistigen Gesundheit, wenn ich die täglichen Wahrheitsmedien lese und höre.

Am Freitagmorgen holte mich der Radiowecker wie jeden Morgen um Punkt 07:00 Uhr aus dem Schlaf. Und die ersten Worte, die an mein Ohr drangen, waren ausgerechnet die von der Pfostenschildkröte*, pardon, von Annalena Baerbock.

Ich möchte der Außenministerin keine Worte in den Mund legen, die sie eh nicht in der Lage wäre, fehlerfrei auszusprechen, doch versuche ich Sinn, beziehungsweise Unsinn der vernommenen Worte hier wiederzugeben:

Annalena Baerbock vertrat die Ansicht, dass Deutschland abhängig von russischen Energie- und Rohstofflieferungen sei. Wer hätte das gedacht, wie ist sie nur darauf gekommen?

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Und deshalb schließe die Bundesregierung die Beendigung russischer Lieferungen aus. Ein übereiltes Embargo spiele zudem Präsident Putin in seine schmutzigen Hände, so Baerbock. Und weiter: Wenn man von heute auf morgen alle Energieimporte einstellen würde, hieße das, wir hätten in ein paar Wochen keinen Strom und keine Wärme mehr.

Frau Baerbock fragte ihre Zuhörer rhetorisch, wie viele Tage wir es denn aushalten können, dass Leute nicht mehr zur Arbeit fahren, wir in Kindergärten keinen Strom mehr haben und Krankenhäuser nicht mehr am Laufen erhalten können.

Das wäre dann genau die Destabilisierung, die sich der russische Präsident wünschen würde, mutmaßte die Grüne weiter, Und sie meinte, ein Lieferstopp russischer Energie und dringend benötigter Rohstoffe käme einer Kriegserklärung Putins an Deutschland gleich.

Nein. Gelogen! Das mit der Kriegserklärung hatte ich mir in der Aufwachphase hinzu gereimt.

Der russische Präsident wird seit zwei Wochen von den westlichen Wahrheitsmedien als Irrer, Diktator und blutrünstiger Despot bezeichnet. Und was macht die Bundesregierung? Sie tut alles dafür, dem Land wirtschaftlich zu schaden und entsendet viele Waffen in die Ukraine. Waffen, mit welchen auch russische Soldaten getötet werden. Mutmaßlich schon zu Tausenden.

Deutschland ist mitverantwortlich dafür, dass Russland aus dem SWIFT Abkommen raus ist, wodurch Millionen von Menschen und zumeist Zivilpersonen keine Zahlungen mehr tätigen können. Die scharfen Sanktionen von deutschem Boden aus sind Legion und treffen zumeist das zivile Herz des russischen Bären. Laut Baerbock ist es bereits ein Angriff Putins auf Deutschland, wenn die russischen Energielieferungen eingestellt werden. Diese Chuzpe muss eine Person erst einmal haben.

Und da solche politischen Dreistigkeiten zum heutigen Normal gehören, fühle ich mich mehrmals täglich eben unnormal. Abseits des guten Geschmacks und fern einer neuen gesellschaftlichen Konformität die ich nicht teilen mag.

Was aber ist heute noch normal? Nehmen wir nur Mal die Preisexplosion bei Benzin und Diesel. Heute Morgen kostete mich der Liter Diesel 2 Euro und 33 Cent. Der Liter!

Herrgott noch einmal, es gab Zeiten in meinem Leben, da konnte ich mir eine Flasche Wein nicht leisten, wenn diese mehr als zwei Mark kostete. Für den Liter Diesel zahlt man heute das Doppelte einer Flasche Rotweins in den 1980ern. Und morgen schon vielleicht, da wird er die drei Euro Grenze knacken.

Und wie bitte schön soll das der gern zitierte „kleine Mann“ finanziell wuppen können? Wenn er oder sie auf dem Land lebt, mehr als fünfzig Kilometer mit dem Auto zur Arbeit braucht und wenn er auch wieder zurückkommen muss?

Oder die Handwerksfirma aus dem Nachbardorf mit mehreren Mitarbeitern und Fahrzeugen? Das geht doch gar nicht mehr! Da kommen bei fünf Transportern für so eine Handwerksfirma im Jahr bis zu fünfzigtausend Euro an Mehrkosten für Treibstoff zusammen. Die Treibstoffkosten werden weiter steigen. Und die werden nicht auf Kunden übertragbar sein. Denn diese Kunden leben selbst inzwischen am Limit und gehen aus Energiespargründen schon selbst auf dem Zahnfleisch.

Doch wie sagte dieser Tage ein Altpräsident unseres vergehenden Landes so oberlehrerhaft: „Wir können auch einmal frieren für die Freiheit, wenn wir Putin schaden wollen.“ Derartiges sagt sich leicht, wenn man von Steuergeldern weich gepolstert und abgesichert im Warmen sitzt.

Entschuldigt meine Emotionalität, aber ich war heute Morgen auch noch im Supermarkt drei Dörfer weiter und bin noch immer aufgebracht ob meiner dort gemachten Beobachtungen: Mir sind seit dem ersten Lockdown nicht mehr so viel missmutige und unter ihren Gesichtsmasken so traurig erscheinende Mitmenschen begegnet wie am heutigen Morgen.

Im Supermarkt informierte mich ein Informationsschild darüber, dass es ab jetzt eine Mengenbegrenzung für Grundnahrungsmittel gäbe. Aus diesem Grund durfte ich nicht mehr als zwei Flaschen Olivenöl, drei Packungen Mehl und drei verschiedene Nudelprodukte in meinem Einkaufswagen legen.

Dass die Preise für Grundnahrungsmittel seit letzter Woche wieder gestiegen sind, ist inzwischen kaum noch eine Erwähnung wert. Und ganz sicher ist daran auch der Putin schuld. Wer denn sonst? Unsere Politiker*innen? (Ich Gender dieses Wort absichtlich) Nein, die doch nicht. Auf gar keinen Fall, niemals.

Unsere Politiker*innen lügen nicht. Sie sagen immer die Wahrheit und täuschen ihre Wähler nicht. Schon gar nicht vor Wahlen. So auch Herr Marco Buschmann von der FDP: Unser Bundesjustizminister im Kabinett Scholz hatte vor der Bundestagswahl im Herbst 2021 öffentlich erklärt:

„Es gibt ein absolutes Ende aller Maßnahmen und alle Maßnahmen enden spätestens mit dem Frühlingsbeginn am 20. März 2022.“ Wir dürfen gespannt sein, ob Buschmann sein Wahlversprechen halten wird. Oder ob er es halten darf. Das muss schon miterwähnt werden.

Mein persönlicher Eindruck: Der Wähler kann nur noch Parteien wählen, die nach den Wahlen Wahlversprechen brechen. Denn nur diese Parteien, deren Politiker*innen korrupt sind, die betrügen und die Wähler belügen, unsere Steuergelder veruntreuen oder zweckentfremden, diese gelten als anständige und gute Politiker*innen.

Daher ist es für mich auch verständlich, dass eine Partei, die ihre vor der Wahl gegebenen Versprechen einzuhalten versucht, das eine solche Partei dieser Tage dann vom Verfassungsschutz als rechtsextremer „Verdachtsfall“ beobachtet werden soll. Ich betonte: Was auch immer man von ihren Versprechungen halten mag.

Was ich von "unserer" Regierung halte, das kann allerdings jeder am derzeitigen Zustand unseres Landes sehen, daran, wohin dieses zu entgleiten scheint. Wohin die Regierenden ihre Bevölkerung führt, vielleicht bald „treibt“.

„Und wenn alle anderen die von der Partei verbreitete Lüge glaubten, wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten, dann ging die Lüge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit.“

George Orwell

* Eine Pfostenschildkröte ist eine Schildkröte, die oben auf einem Pfosten sitzt. Du weißt, sie ist nicht alleine dort hinaufgekommen. Sie gehört dort nicht hin. Sie weiß nicht, was sie machen soll, während sie dort oben ist. Sie wurde höher hinaufbefördert als es ihre Fähigkeiten zulassen. Und jeder wundert sich, wer sie dort hingesetzt hat.

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