Von Rechtsanwalt Dirk Schmitz M.A.
Deutschland schafft, was man lange für unmöglich hielt: Ein hochindustrialisiertes Land mit Ingenieuren von Weltruf, einer hunderte milliardenschweren Energiewende und einem gewaltigen politischen Belehrungsapparat arbeitet sich bei der Energiesicherheit nach unten in Richtung jener Staaten vor, die man hierzulande „gesichert“ als Entwicklungsländer bezeichnet.
Jahrzehntelang galt Deutschland als zuverlässiger Industriestandort. Strom kam aus der Steckdose, Kraftwerke produzierten, wenn sie gebraucht wurden, Versorgungssicherheit war eine Selbstverständlichkeit. Heute haben wir eine Energiepolitik, die darauf vertraut, dass uns die Klimaerwärmung rettet und Nachbarn rechtzeitig einspringen.
Ein neuer internationaler Energiesicherheitsindex des britischen Adam Smith Institute untersucht 187 Staaten. Deutschland landet nach der von ScienceFiles veröffentlichten Auswertung auf Platz 67. Vor uns rangieren unter anderem Ägypten, Irak, Kamerun, Mosambik, Südafrika, Benin, die Mongolei, die Republik Kongo. Grotesk für die einstige deutsche Industrienation.
Für die CDUSPD-Bundesregierung ein Transformationserfolg. Schließlich hat es die politische Klasse geschafft, funktionierende Kraftwerke stillzulegen und zu zerstören, bevor man ernsthaft eine gleichwertige gesicherte Leistung auch nur entschieden hat. So, als würde eine Fluggesellschaft ihre Triebwerke ausbauen und den Passagieren anschließend erklären, der Wind werde schon günstig stehen.
„Borderline“ zwischen Größenwahn und Wirklichkeitsverlust: Und „Borderline“ nennt das Gutachten unsere Politik: Die deutsche Energiewende leidet an einem fundamentalen Widerspruch. Sie will eine immer stärker elektrifizierte Gesellschaft, verabschiedet sich aber gleichzeitig von jenen Kraftwerken, die Strom unabhängig von Tageszeit und Wetter erzeugen.
Elektroautos, Wärmepumpen, Klimaanlagen, Rechenzentren, elektrifizierte Industrie: Alles soll künftig mit Strom betrieben werden. Gleichzeitig sollen Kohle und Kernenergie verschwinden. Die Kernkraftwerke sind abgeschaltet, der Kohleausstieg durchgeplant.
Natürlich produzieren Windräder und Solaranlagen Strom. An günstigen Tagen sogar gewaltige Mengen. Aber eine Kilowattstunde, die mittags im Sommer erzeugt wird, lässt sich nicht in eine Kilowattstunde an einem windstillen Winterabend verwandeln. Dafür braucht man Speicher, flexible Kraftwerke, steuerbare Verbraucher und leistungsfähige Netze. Und das kostet Geld, viel Geld. Und eine komplexe und finalisierte deutschlandweite Netz- und Speicherplanung. Davon gibt es – nichts.
Die Warnung kommt keineswegs aus der AfD und klimaskeptischen Kreisen. Die europäische Stromnetzorganisation ENTSO-E weist darauf hin, dass konventionelle Kraftwerke wirtschaftlich aus dem Markt gedrängt werden können und die Versorgungssicherheit gefährdet ist.
Selbst eine russische Exklave führt Deutschlands Absurdität vor: Besonders bitter wird der Vergleich nämlich, wenn man nach Königsberg schaut, im nördlichen Teil des ehemaligen Ostpreußens. Die russische Exklave liegt isoliert zwischen EU-Staaten, ist politisch von Moskau abhängig, gehört zu den ärmeren Regionen Europas.
Schon beim Strompreis zeigt sich ein bemerkenswerter Unterschied. Seit Oktober 2026 beträgt der Haushaltsstromtarif im unteren Verbrauchsbereich für einen städtischen Haushalt mit Gasherd 7,48 Rubel je Kilowattstunde. Bei einem Wechselkurs von 90 Rubel je Euro wären das gut acht Eurocent.
Deutschland liegt dagegen nach den europäischen Vergleichsdaten des ersten Halbjahres 2026 bei rund 36 Eurocent. Der russische Tarif ist reguliert. Die Einkommen sind unterschiedlich, die Netzkosten ebenso. Die deutsche Regulierung heißt Weltverbesserung, die Bürger sollen verarmen und frieren:
„Atomkraftgegner überwintern bei Dunkelheit mit kaltem Hintern!“
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Frankreich, Tschechien, Slowakei und Slowenien können es günstiger: EU-Frankreich kommt im ersten Halbjahr 2026 auf rund 24,9 Cent pro Kilowattstunde. Tschechien liegt bei 28,8 Cent, Slowenien bei 21,2 Cent und die Slowakei bei 19,9 Cent. Noch einmal: Deutschland: 36,2 Cent.
Das sind strukturelle Dimensionen. Frankreich setzt seit Jahrzehnten auf Kernenergie. Die Slowakei nutzt ebenfalls Kernkraft, Tschechien kombiniert Kernenergie mit weiteren konventionellen und erneuerbaren Erzeugungsformen. Slowenien verfügt neben Wasserkraft über das Kernkraftwerk Krško.
Keine problemlose Energieversorgung: Kernkraftwerke müssen gewartet werden, benötigen Brennstoff und verursachen Kosten. Frankreich musste in der Vergangenheit erleben, wie problematisch die zeitweilige Nichtverfügbarkeit von Reaktoren werden kann. Deutschland setzt den Nero-Befehl der Zerstörung seiner Infrastruktur fort.
Der Index des Adam Smith Institute misst nicht die Häufigkeit von Stromausfällen. Er kombiniert vier Faktoren: steuerbare Stromerzeugung, Vielfalt der Energieträger, Importabhängigkeit und wirtschaftliche Zahlungsfähigkeit.
Die Verfügbarkeit von Stromspeichern, die tatsächliche Netzstabilität, die Qualität der Infrastruktur und die technische Integration in den europäischen Stromverbund lassen sich damit nicht umfassend abbilden.
Das Adam Smith Institute ist keine politisch neutrale Naturwissenschaftsakademie, sondern ein wirtschaftsliberal ausgerichteter Thinktank. Aber solide.
Warum landet ein Land, das enorme Summen für seinen Energieumbau ausgibt, bei einer solchen Untersuchung soweit hinten? Weshalb wurde eine gesicherte, CO₂-arme Erzeugungsquelle wie Kernenergie aus irrationalen Gründen abgeschaltet, während gleichzeitig über neue Gaskraftwerke diskutiert wird?
Deutschlands Energiepolitik ist die teuerste moralische Selbstgewissheit Europas. Sie muss sich an Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und industrieller Wettbewerbsfähigkeit messen lassen. Wind- und Solarenergie haben Vorteile. Sie können fossile Brennstoffe ergänzen, sind unter günstigen Bedingungen kostengünstige Stromerzeuger. Ihr Ausbau ist deshalb nicht unsinnig. Stromimporte sind nicht per se schlecht. Der europäische Stromhandel kann Kosten senken und die Versorgung stabilisieren. Es wäre wirtschaftlicher Unsinn, wenn jedes Land seine Stromversorgung zu jeder Minute vollständig allein organisieren müsste.
Ein Verbrechen wird Abhängigkeit, wenn eigene gesicherte Leistung schrumpft, während die drohnenhafte Parteienkaste hofft, dass im entscheidenden Moment anderswo ausreichend Strom zur Verfügung stehen könnte, egal zu welchem Preis.
Die Folgen betreffen nicht nur Privathaushalte. Energieintensive Unternehmen verlassen Deutschland, wandern dorthin, wo Strom zuverlässig und bezahlbar ist. Die Deindustrialisierung findet aktuell statt.
Das Licht geht in Deutschland noch nicht aus. Aber es ist nicht mehr ausgeschlossen.
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Kommentar von Ombudsmann Wohlgemut
Speicher sind der einzige Weg, wie die PV und Wind überhaupt sinnvoll genutzt werden können, außerdem fielen dann die ebenfalls die massenhaft zusätzlich installierten konventionellen Kraftwerke weg, die nur als Lückenbüßer da sind, wenn die EE wieder versagen und deren Belastung kein Stück in die Gestehungskosten der EE einfließt, genauso wenig wie die mehr als Vertausendfachung der Regeleingriffe und Netzausbaukosten.
Der Bestand an Wind- und PV-Energie ist jedoch nur für die Kurzzeitspeicherung bereits 4x so groß wie die Menge der notwendigen Speicher, deshalb ist ein Ausbau dieser Energien grundsätzlich in keinem(!) Fall sinnvoll, sondern es wäre sogar angebracht, alte/defekte Anlagen nicht zu ersetzen!
An mittelfristige oder gar Langzeitspeicherung braucht man gar nicht erst denken.