Eine neue Partei – Die Gerüchte verdichten sich, dass die linke Querulantenikone all-in geht

Kann der Wähler bald sein Kreuzchen bei Sahra Wagenknecht machen?

von Bertolt Willison (Kommentare: 5)

„Ich wünsche mir, dass es auf dem Wahlzettel zur nächsten Bundestagswahl eine Partei gibt, die für die Interessen unseres Landes, für wirtschaftliche Prosperität, soziale Gerechtigkeit und Frieden steht.“© Quelle: SUPERIllu / Youtube / explainity Erklärvideos, Montage Bertolt Willison

Sahra Wagenknechts Worte haben Gewicht. Sie setzt bei den Linken die Diskurse. Sie gibt ihrer Partei ein Gesicht. Aber wie lange noch? Wann ist die kritische Zone fehlender Übereinstimmung erreicht?

Sahra Wagenknecht hat parteiübergreifend so hohe Popularitätswerte wie kaum ein anderer aktiver Politiker. Immer mehr Stimmen hegen die Hoffnung, dass die linke Vorzeigefrau (viele ihrer Parteigenossen würden sie nie so bezeichnen) endlich die Gründung einer eigenen Partei verkündet.

Einen ersten Versuch gab es schon vor ein paar Jahren. „Aufstehen“ hieß die Bewegung mit dem Flaggschiff Wagenknecht, die die Partei „Die Linke“ von innen reformieren sollte. Ein Versuch, der sich im Nachhinein schon deshalb als naiv erwies, weil er an den starren Machtstrukturen der SED-Nachfolgepartei scheitern musste und den Isolationsprozess von Sahra Wagenknecht in ihrer Partei noch mehr beförderte.

Die Attacken aus der Linken gegen Wagenknecht gehören hier schon zum Ritual, wie jener Spagat, die Linkspolitikerin immer wieder vorführen zu müssen. Stimmen in der Partei fordern regelmäßig Wagenknechts Ausschluss.

Ohne allzu schwärmerisch zu werden: Viele Anwürfe überstand Sahra Wagenknecht, sie bleibt äußerlich gelassen, mehr verwundert und irritiert als aggressiv und verletzt. In Talkshows und anderen Veranstaltungen sieht sie sich regelmäßig einer Horde fletschender „Diskussionsteilnehmer“ gegenüber. Aber die hochgezogenen Augenbraue obsiegt meistens, fein kombiniert mit klugen, nachdenkenswerten Worten.

Je mehr der Mainstream inklusive der eigenen Genossen auf sie eindrischt,  ganz gleich, ob sie sich zur Flüchtlings-, Corona- oder Kriegspolitik äußert, der Beliebtheitskurve der Wagenknecht tut das keinen Abbruch. Es scheint sogar eine Folgerichtigkeit zu besitzen.

Da sind zum einen diejenigen, für die links sein immer noch etwas mit dem Eintreten für soziale Gerechtigkeit und für Frieden zu tun hat, völkerverbindend und doch patriotisch, was überhaupt kein Widerspruch ist, die sich mit dieser Haltung aber nicht mehr von der Partei „Die Linke“ vertreten fühlen. Sie können es kaum noch aushalten, wie ihre Gallionsfigur Sahra Wagenknecht im öffentlichen Diskurs mit Schmutz beworfen zu werden.

Eine andere, womöglich weit größere, unsichtbare Gruppe sind die Protest-Nichtwähler, diejenigen, die sich nicht überwinden können, ihre Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien mit einer Stimme für die AfD zu bekunden und darum lieber bei Wahlen zu Hause bleiben. Unter ihnen gibt es viele, die in einer „Sahra Wagenknecht Partei“ einen guten Ort für ihre Wählerstimme sehen würden.

Der SUPERillu – einer Zeitung, die nach der Wende explizit im Osten ihre Stammleser gefunden hat – gab Sahra Wagenknecht ein Interview. Die Linke hat ein Gespür dafür, wer ihre Wähler sind, wo sie wohnen. Die SUPERillu versteht sich als „Plattform für alle, die das Land und seine Menschen lieben.“

In eben dieser Zeitschrift finden sich nun Wagenknechts Sätze, welche Fans der Politikerin aufhorchen lassen:

„Ich wünsche mir, dass es auf dem Wahlzettel zur nächsten Bundestagswahl eine Partei gibt, die für die Interessen unseres Landes, für wirtschaftliche Prosperität, soziale Gerechtigkeit und Frieden steht.“

Von diesen Zielen habe sich die Partei Die Linke entfernt, was zum Ergebnis habe, „dass der Wählerzuspruch von Wahl zu Wahl geringer wird. Niemand braucht eine zweite grüne Partei.“

Es ist wohl tatsächlich die Ursünde der Linken, dass sie sich dem grünen Mainstream angebiedert haben, mit ihm Bündnisse schmiedeten und in diesen langsam verglühten, bis hin zur Bedeutungslosigkeit, so wie gerade erst in Niedersachsen gesehen. Im Westen unattraktiv, im Osten sterben die Wähler weg: Eine Partei leidet an Altersschwäche.

Wagenknecht braucht keine politischen Berater, um zu begreifen, dass der Kahn Schlagseite hat und massiv Wasser eindringt. Unterhaken macht jetzt keinen Sinn mehr. Da heißt es: Rette sich, wer kann. Und Kapitän ist sie längst nicht mehr, worauf also warten?

Die, die noch ein wenig auf der Titanic ihre Lieder singen wollen, werden ihr keine Träne nachweinen, oder vielleicht doch, wenn die Schornsteine im Ozean versinken und beim Eindringen des Wassers noch einmal kurz aufschluchzen, aber dann ist es zu spät.

„Drum links, zwei, drei, drum links, zwei, drei!“ Ihr ehemaliger Co-Fraktionsvorsitzender im Bundestag, Dietmar Bartsch, sieht Wagenknechts Parteigründungsideen tiefenentspannt entgegen. Für ihn ist die Gründung und Etablierung einer Partei in Deutschland „eine ganz andere Dimension“. Er fühlt sich wohl, dort wo er ist, und ist sich sicher: „Ich schließe den Erfolg einer solchen Veranstaltung aus.“ Wenn er sich da mal nicht irrt.

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