Von Außenreporter Gregor Leip
Vom Westharz geht’s heute nach Aschersleben. Sachsen-Anhalt hat die ältesten und ärmsten Bürger Deutschlands, ergibt eine Recherche. Aber was bedeutet das für eine Stadt, wenn viele Rentner in Armut leben? Eine schnelle Recherche ergibt: Auch Aschersleben ist eine schrumpfende Stadt, geprägt von steigenden Energie- und Lebenshaltungskosten bei oft geringen Renten.
Gleichzeitig gibt es städtische Gegenmaßnahmen: Energieautarke Wohnungen mit Photovoltaik und fester Pauschalmiete für fünf Jahre unter anderem für Rentnerpaare und ein Projekt „Route 60+“ gegen Einsamkeit älterer Menschen. Was könnte ein Ministerpräsident Siegmund hier machen?
Am heutigen Montagnachmittag – bis zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sind es nur noch wenige Stunden – fand im Grauen Hof in Aschersleben eine Wahlkampfveranstaltung der Grünen statt. Die Ascherslebener sollen von der ehemaligen grünen Bundestagspräsidentin überzeugt werden: „Wahlkampf mit Katrin Göring-Eckardt im Salzlandkreis.“
Die prominente Grüne soll hier die grüne Landes-Spitzenkandidatin Suse Sziborra-Seidlitz unterstützen. Katrin Göring-Eckardt nutzt den Termin, um gleich noch eine Lesung ihres 2025 erschienenen Buches „Deutschland, lass uns reden – Eine Reise durch die Seele der Republik“ dranzuhängen.
Auf der Fahrt hierher fallen Massen von Windrädern in Windparks auf, wie man sie sonst in Niedersachsen in der Dichte seltener sieht. Sind hier die Kohl‘schen blühenden Landschaften endlich umgesetzt?
Der Weg zum Veranstaltungsort nach Aschersleben hinein führt entlang zugenagelter Leerstände. Die Tristesse ist hier seit Wochen garniert mit Wahlplakaten, die den Eindruck erwecken, als interessiere sich Politik tatsächlich noch für die Menschen, die hier leben und nicht wie Göring-Eckardt, die morgen vielleicht schon wieder im Borchardt sitzt und von der frittierten Wellwurst probiert, die Stammgast Poschardt hier zuletzt versehentlich empfohlen hatte.
Überall also Plakate, aber keins von der AfD. Dafür ein auffällig hoher Anteil an Menschen in der Innenstadt, die man am ehesten als Zuwanderer lesen kann.
Im Grauen Hof, der so liebevoll wie aufwendig renovierten mittelalterlichen Anlage mitten in dieser Kulisse, wirkt der Termin fast wie ein Besuch aus einer anderen Republik: Kulturquartier statt Leerstand, Gesprächsangebot statt zugenagelter Fenster. Ob das die Menschen erreicht, deren Alltag zwischen geringer Rente, festen Pauschalmieten und der Frage liegt, ob die Stadt noch eine Zukunft hat, entscheidet sich nicht an den Plakaten – und auch nicht an einer Lesung.
Göring-Eckardt kommt mit zwei jungen Begleitern. Sie sieht erschöpft aus. Oder sie ist einfach nur genervt: Zuhören wollen hier nur etwas mehr als ein Dutzend Ascherslebener. Und ich bin für Alexander-Wallasch.de der einzige Reporter vor Ort.
Die fast rotzige Art zu lesen passt nicht zu der älteren Dame mit dem schon leicht gebeugten Rücken. Die Promi-Grüne wird vom Kreiskandidaten vorgestellt, inklusive einer gemeinsam durchlebten Anekdote aus der Wendezeit. Man hat gemeinsam begonnen, das wiedervereinte Deutschland gestalten zu wollen.
Katrin Göring-Eckardt machte Politkarriere. Er blieb im Ländle, dafür kommt sie jetzt bei ihm auf Wahlkampftour in Sachsen-Anhalt vorbei, na ja. Die oft mit dem Kürzel KGE erzählte Grüne trägt ein Wahltour-T-Shirt, das irgendwie nicht so sitzt, wie es sollte. Wurde am Material gespart?
Die vorgelesenen Sätze aus dem Buch kommen, wie sie wohl kommen sollen: Triggern, Nazis, Cannabis. Dann erzählt sie die Geschichten der Menschen, die sie getroffen hat. Die Mutter, die ihr irgendwann offenbarte, dass sie sich im August Erdbeeren für fünf Euro geleistet hat. Eine kurze Lebensgeschichte reiht sich an die nächste. Die Distanz, mit der sie als Bundespolitikerin die Probleme der Leute vorträgt, erzwingt die Frage, was sie in ihrem langen Politikerleben selbst dagegen unternommen hat.
Die Wangen röten sich, wenn sie berichtet, dass sie die Leute ein Jahr später wiederbesucht hat und der Klempner erzählt, dass er nun die Wärmepumpe … Was genau war damit? Sie liest einfach weiter, blättert frei im Buch, als suche sie eine noch bessere Stelle, bleibt hier und da hängen und beginnt von neuem.
Zwischendurch immer wieder Eigenlob: Sie war zweimal Spitzenkandidatin der Grünen, und das als jemand aus dem Osten! Der Ehemann komme aus Hamburg, erzählt sie, erwähnt scherzhaft den Besserwessi und dass irgendwann geerbt wird. Über die Wahl in Sachsen-Anhalt sagt sie, es werde schon gutgehen, die Prozente reichten. Aber man könne auch nochmal eine Revolution durchführen. Wir hätten Erfahrung, wenn es denn schiefgeht.
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Ob Ostdeutsche solidarischer sind? Sie denkt nein. Es war eine Zwangsgemeinschaft. Das Nacktbaden habe sie als Gefühl von Freiheit ausgemacht. Sie ist sich sicher: Es muss um die Freiheit gehen.
Nach dreißig Minuten ist es ihr schon ganz gleich, dass nur rund fünfzehn Zuschauer da sind. Sie berauscht sich an sich selbst, freut sich nochmal und nochmal über die Worte, die sie schon vor knapp einem Jahr veröffentlicht hat. So geht es noch einmal eine halbe Stunde weiter. Auch Corona wird thematisiert. Es habe ihr leidgetan, aber man habe es nicht besser gewusst. Steht auch so im Buch. Göring-Eckardt fragte auch eine Psychiaterin, was mit den Wütenden und Verbitterten zu tun sei. Auch das steht im Buch.
Auch um die Schönheit der Heimat geht es irgendwie: Wir müssten uns einmal um 360 Grad drehen, um zu erleben, wie schön es in unserem Land ist. Das Lächeln in der Straßenbahn ist ihre Idee gegen Gewalt und Hass. Das sollten wir uns immer mal wieder sagen, weil es so einfach sei.
Vor und nach Corona hörte sie oft: Da ist schon viel passiert in uns. Dann kommt der Bekannte aus der Nähe von Bergamo, der sagte, passt auf, sonst kommt das mit den Toten nach München, wenn ihr nicht aufpasst. Bergamo? Göring-Eckardt bedient immer noch das Narrativ der Lastwagen voller Toter und glaubt wohl tatsächlich daran.
„Ich bin ja so ein bisschen fromm“, geht es weiter. Und das verbinde sie mit einer Pandemiegeschichte älterer Leute, die zu bestimmten Zeiten einkaufen sollten. Eine angesprochene Ältere lehnte empört ab: Sie wolle doch Leute sehen und Kinder schreien hören und gehe um fünf in den Markt. „Total gut gemeint, was wir uns da ausgedacht hatten, um die alten Leute besonders zu schützen“, resümiert sie heute.
Andreas Reckwitz‘ Buch „Verlust. Ein Grundproblem der Moderne“ empfiehlt sie den wenigen Zuhörern noch. Denn womöglich habe sie dieses Buch zu einem besseren Menschen gemacht, sagt sie zum Abschluss. Aber will man wirklich so sein, wie Göring-Eckardt, wenn das der bessere Mensch sein soll?
Wir bräuchten etwas Seelenheil und Pathos gegen die Macht der Finsternis, so die mittlerweile 60-Jährige, also noch ein paar Jahre bis zur Rente. Aber Flaschensammeln wird die gebürtige Thüringerin aus Friedrichroda im Landkreis Gotha wohl eher nicht.
Das bleibt dann Privileg der Ascherslebener Rentner. KGE ist jene, die die Flaschen austrinkt. Aber auf den guten Roten gibt’s kein Pfand. Den Wein hat der grüne Flaschenpfanderfinder Trittin ausgelassen: Es gab im Weinsegment kein funktionierendes einheitliches Mehrwegsystem, deshalb blieb Wein außen vor.
Zuletzt wird’s noch gemütlich: Da erzählten sich die Zuschauer und Göring-Eckardt gegenseitig Migrationsgeschichten: Sie berichtete von Syrern, die ihr keine orientalischen Köstlichkeiten schenkten, sondern eine Handvoll Äpfel aus dem Alten Land. Integration à la KGE.
Und sie hängt noch weitere tumbe Migrationsgeschichten wie Trophäen auf und beklagt, dass wir Deutschen noch nicht einmal eine dieser Erlebnisse hätten bewältigen können.
Göring-Eckardt strahlt über die Fluchtfolgen anderer. Und sie fühlte sich so schlecht, weil einer sagte, er sei Deutschland so dankbar und wir hätten ihm doch so viele Hürden über Hürden in den Weg gelegt. Was als Echo der Veranstaltung bleibt, ist ein letztes Jammern noch über die Gefahr, als Politikerin gewissermaßen Schlusslicht einer Veranstaltung zu sein, nach der kein Hahn kräht und die nicht einmal mit ihrer Skurrilität irgendetwas Bleibendes zu erzeugen in der Lage sein wird.
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Kommentar von Andreas Hofer
Mit einer Farbrevolution ist durchaus zu rechnen. Wenn Ungarn, Polen und Rumänien auf Linie gebracht werden können, klappt das in Deutschland auf jeden Fall!
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Kommentar von T S
Interessanter Ortsbericht. Man fragt sich zuerst woran es liegt daß kein Plakat der AfD hing - fehlte es an Aufhängern aus dem fernen Westen? Hat die unserdemokratische Sachbeschädigungstruppe bereits gewütet? Oder hat sie gar keine Werbungmehr nötig?
Interessant wie sehr die Vortragende in ihrer alten Geisteswelt verhaftet ist, dazu paßt auch das berufsjugendliche Verhalten mit fast rotzige Art zu lesen und das ungelenke T-Hemdchen. Fast schon erstaunlich, denn ihre Mitgrünenden im Südwesten blenden geradezu in ihrem schick maximalgeschniegelten Auftritt.
Dafür liebäugelt sie mit dem Gedanken an eine "Revolution" - wo bleibt denn da der Wiederspruch, ist das denn nicht maximal staatsgefährdend demokratieverachtend?
Bezeichnend daß sie nach wie vor die Mühle der Coronoia bemüht, ohne jegliches Anzeichen echter Einsicht. Da waren andere schlauer, und wenn es nur darin besteht das Thema samt früherer Mitschuld totzuschweigen.
Man fragt sich auch wo diese dame ihre 360°-Wenden herbeiphantasiert hat, denn wer das nachmacht sieht heutzutage ein einst schönes Land voller Windräder verschandelt umzingelt von nicht minder erfeulichen Stadtbildern. Blühende Landschaften gibts übrigens zahlreich, wo zu VEB-Zeiten noch Schlote qualmten und Plattenbauten prangten blüht heute vielfach nur noch Löwenzahn.
Und falls sie wirklich in der Strampe ihr Lächeln dreht, solang es ihr dort nicht ohnehin sofort vergeht, hätte ihr auffallen müssen daß die Horde der Smombies das ohnehin nicht wahrnimmt - bestenfalls blitzt einem Müll oder ein Messer entgegen.
Es fragt sich ob Göre den Rat besagter Psychiaterin auch selbst befolgt hat um ihrer Wut und Verbitterung zu begegnen, oder ob das schon untherapierbar ist.
Immerhin, wenn Nacktbaden für sie Freiheit ist bleibt sie damit getrost im Fahrwasser der WEF-Agenda - nichts besitzen, nicht mal mehr ein letztes (T-)Hemd, aber trotzdem glücklich sein.
Immerhin erfreulich daß nur eine doppelte Handvoll Zuhörer und nicht mal Lokalpresse vor Ort waren - ob das alles pflichtschuldige Parteigenossen waren, oder auch Flaschensammler die auf ein paar Gratisschittchen gehofft haben?
Das "Seelenheil und Pathos gegen die Macht der Finsternis" hätte sie an anderer Stelle in Sachsen-Anhalt gefunden, dort wo der Siegmund-Sonnyboy die Massen scharenweise begeistert und echte Aufbruchstimmung zu finden ist. Zumal mit mehr Substanz als die abgegriffene grüne Mottenkiste aufzubieten hat.
Schade aber daß auch hier die schon vom SWR verbreitete Falschbehauptung weiterverbreitet wird daß es kein kein funktionierendes einheitliches Mehrwegsystem für Wein gäbe: Denn hätte Trittihn mal seinen steinewerfenden Turnschuhkumpel befragt hätte er gewußt daß im Südwesten Schraubverschluß-Literflaschen bepfandet sind. Üblicherweise mit dem Kopfschmerz-Rosé befüllt der als Abwasser beim Saftabzug zum Keltern gewichtigerer Weine übrig bleibt und, zu Korea verpanscht, auch deren Politik erträglicher macht - oder wollte man gerade diese Zielgruppe verschonen?
Herrn Leip sei es verziehen, denn anders als beim Südwest-Schutzgeldschundfunk ist bei ihm der nächste Getränkehändler der darüber aufklärt wohl mehr als eine Minute Fußweg entfernt.