Der Journalist Ulrich Heyden lebt in einem „Hochrisikoland“ – sagt seine Bank

Konto gekündigt wegen Wohnsitz in Moskau: Friedensinitiative demonstriert vor der Haspa-Zentrale

von Christian Witt

Eine kleine Demo gegen ein gigantisches Problem: Banken kündigen Konten – neue Kriegspolitik der EU© Quelle: Christian Witt

Heute fand vor der Zentrale der Hamburger Sparkasse eine Kundgebung der Friedensinitiative Fried:A statt. Anlass ist die Kündigung des Kontos von Ulrich Heyden, langjähriger deutscher Korrespondent in Moskau. Die Haspa begründet den Schritt mit dem Wohnsitz in einem „Hochrisikoland“. Kritiker sehen darin einen gefährlichen Fall von Debanking, der die Existenz des Journalisten bedroht und die Meinungsfreiheit einschränkt.

Wer neu auf die Seite Alexander-Wallasch.de kommt, wundert sich vielleicht, dass hier kein eigenes Konto angeboten wird, sondern das Treuhandkonto des Anwalts Unterstützungen annimmt. Die Antwort ist einfach: Nachdem Alexander Wallasch schon vor vier Jahren mehrere Banken aus rein politischen Gründen immer wieder das Konto kündigten, sogar Konten seiner Frau und seines Partners und Webdesigners aus eben diesen Gründen gekündigt wurden, hat Alexander kein neues Konto mehr eröffnet. Die Umstände sind zu ärgerlich.

Aber Alexander-Wallasch.de steht längst nicht allein mit solchen Bank-Kündigungen. Heute, am 22. April 2026, fand vor der Zentrale der Hamburger Sparkasse (Haspa) eine Kundgebung statt, zu der die Friedensinitiative Fried:A aufgerufen hatte.

Die Demonstration richtete sich gegen die zunehmende Praxis des Debankings – also die willkürliche Kündigung von Bankkonten durch die Haspa. Besonders betroffen sind politisch oder journalistisch engagierte Personen, deren Arbeit der Bank offenbar nicht genehm ist.

Im Zentrum steht der Fall des langjährigen Moskau-Korrespondenten Ulrich Heyden. Der 71-jährige deutsche Journalist, der seit über 30 Jahren Kunde der Haspa war, erhielt die Kündigung seines Kontos, weil er in Russland lebt – einem von der Bank als „Hochrisikoland“ eingestuften Staat.

Ein Mitarbeiter nannte am Telefon explizit die EU-Sanktionen als Grund. Für Heyden, der vollständig von Honoraren aus dem deutschsprachigen Raum lebt, ist diese Maßnahme existenzbedrohend. Er hat Widerspruch eingelegt und sich mit einem offenen Brief an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gewandt.

Kritiker sehen in diesem Vorgehen nicht nur eine überzogene Auslegung von Risikovorschriften, sondern eine gefährliche Form der indirekten Zensur: Wer unliebsame Berichterstattung aus Russland oder anderes kritisches Engagement betreibt, riskiert den Ausschluss aus dem normalen Wirtschaftsleben. Die Haspa, die auch in Berlin und anderen Regionen aktiv ist, begründet die Kündigung offiziell mit „geschäftspolitischen Gründen“ und bietet Heyden bezeichnenderweise sofort ein neues Konto an – sofern er nach Hamburg zurückkehrt.

Die heutige Protestaktion macht deutlich: Solche Kontokündigungen bedrohen nicht nur individuelle Existenzen, sondern untergraben grundlegende Rechte wie die Meinungsfreiheit und die Teilnahme am zivilgesellschaftlichen Leben. Sie werfen die Frage auf, wie weit eine Sparkasse gehen darf, um politisch unpassende Kunden loszuwerden.

Mein Kurzbericht direkt nach der Fotogalerie:

Ulrich Heyden – Ein Chronist zwischen den Fronten — Wie die Hamburger Sparkasse einem langjährigen Kunden das Konto kündigte und was das über den Zustand der deutschen Demokratie verrät

Das erste Mal bin ich Ulrich Heyden im vergangenen Jahr in einem kleinen Café in Moskau begegnet. Ich war damals mitten auf meiner mehrwöchigen Bahnreise vom Atlantik in Porto bis nach Wladiwostok am Pazifik unterwegs. In endlosen Zugfahrten durch ganz Eurasien hatte ich bereits mit zahlreichen Menschen gesprochen – Reisenden, Einheimischen, Intellektuellen und Alltagsmenschen.

Von Beginn an beeindruckte mich Heydens ruhige, differenzierte und vorurteilsfreie Art, über Russland, seine Menschen, die Politik und die Geschichte zu sprechen. Heyden ist kein Kämpfer ideologischer Fronten, sondern Beobachter und Chronist. Er beleuchtet – manchmal auch indirekter – die verschiedenen Facetten von Macht, Herrschaft, Propaganda und gesellschaftlichen Veränderungen in Russland, ohne dabei in einfache Schwarz-Weiß-Schemata zu verfallen. Mit einem ausgeglichenen, friedlichen Wesen und großer intellektueller Redlichkeit liefert er seit Jahrzehnten wertvolle Bausteine zum Verständnis der Zeitgeschichte.

Geboren und aufgewachsen ist Ulrich Heyden in Hamburg als Sohn aus gutem bürgerlichem Hause. Schon in jungen Jahren zeigte er sich als rebellischer Geist, der sich früh den politischen Diskursen und gesellschaftlichen Fragen widmete. Er wurde nie ein bequemer Mitläufer, sondern jemand, der immer wieder nach den Hintergründen, den Abhängigkeiten und den menschlichen Realitäten sucht. Genau das macht ihn zu einem wichtigen Sensor und Übermittler der Zeitgeschichte – besonders in Zeiten, in denen die Fronten zwischen Russland und dem Westen immer schärfer gezogen werden.

Heyden berichtet seit 1992 regelmäßig aus Russland. Er lebt zeitweise in Hamburg und zeitweise in Moskau oder anderen Teilen Russlands. Er ist in Moskau verheiratet. Seine Texte zeichnen sich durch genaue Beobachtung, persönliche Begegnungen und den Willen aus, auch jene Seiten des Landes zu zeigen, die in der westlichen Berichterstattung meist ausgeblendet oder verzerrt dargestellt werden. Er sucht bewusst das Gespräch mit Menschen auf beiden Seiten der „vorbereiteten Front“, ringt um nuancierte Worte und weigert sich, einfache Feindbilder zu bedienen.

Die Konto-Kündigung – Ein Signal

Umso schockierender die Nachricht, die im Frühjahr 2025 bekannt wurde: Die Hamburger Sparkasse (Haspa), bei der Ulrich Heyden seit mehr als 30 Jahren Kunde war, hat ihm das Konto gekündigt.

Dieser Schritt steht im Grunde in krassem Widerspruch zu grundlegenden demokratischen Prinzipien und dem Geist des Grundgesetzes. In einer freien Gesellschaft sollte niemand wegen seiner publizistischen Tätigkeit oder seiner differenzierten Haltung zu geopolitischen Fragen von elementaren Dienstleistungen ausgeschlossen werden.

Journalisten wie Ulrich Heyden tragen mit unabhängiger, zeitgeschichtlich relevanter Arbeit zur Vielfalt der Berichterstattung bei und sollten daher von Sanktionen ausgenommen werden; das gilt ebenso für freischaffende, neutrale Akteure wie Literaten, Fotografen und andere Kulturschaffende, deren Tätigkeit nicht politischer Einflussnahme dient, sondern der Dokumentation, Einordnung und Reflexion gesellschaftlicher Wirklichkeit.

Die Demonstration vor der Haspa-Zentrale

Am Tag der Kundgebung versammelten sich etwa 50 Menschen vor der Zentrale der Hamburger Sparkasse. Sie hielten Schilder hoch, auf denen Forderungen nach Meinungs- und Pressefreiheit standen, Berufung auf Grundrechte und guter demokratischer Praxis. Die Demonstranten forderten ein persönliches Gespräch mit dem Vorstand. Dieses Gespräch wurde weder im Vorfeld bestätigt noch vor Ort gewährt.

Während die kleine Gruppe friedlich und diszipliniert ausharrte, kam es zu bemerkenswerten Szenen. Einige Bankmitarbeiter traten vor die Tür, um zu rauchen oder einfach zu schauen. Sie warfen den Protestierenden hämische, selbstgefällige Blicke und Grinsen zu – eine herabwürdigende Haltung. "Das sollen alle sein?", sagte ein robuster Beobachter mit tätowierten Oberarmen und deutete an, dass er eigentlich eine russische Rockerband erwartet habe. Ein zwei Meter großer Sicherheitsmann mit breitem Kreuz, Totenkopf-Tattoos und einem Eisernen Kreuz auf dem starken Oberarm. Mit Knopf im Ohr beobachtete er die Szene über längere Zeit hinweg sehr aufmerksam.

Stimmen der Protestierenden

Mehrere Redner ergriffen das Wort.

„Ulrich Heyden ist ein Journalist, der seit 1992 aus Russland berichtet – kritisch, offen, zugewandt und warmherzig. Er hat nichts gegen die Russen. Er möchte, dass wir gute Nachbarn sind. Es kann nicht sein, dass einem solchen Menschen nach über 30 Jahren das Konto bei seiner Hausbank einfach gekündigt wird – offenbar auf Druck der BaFin oder der Bankenaufsicht.“

Ein anderer Redner ergänzte:

„Unsere Regierung und die BaFin tun alles dafür, dass das Feindbild Russland in die Köpfe gehämmert wird. Wer wahrheitsgetreu über das Leben in Russland berichtet, wird bestraft. Das ist Teil eines umfassenden Informationskrieges. Wir wollen keine Feinde aufbauen. Wir wollen gute Nachbarschaft, Frieden und ein Leben in Würde für unsere Kinder und Enkel.“

Es wurde auch ein Brief an den Haspa-Vorstand (Dr. Harald Vogelsang und Dr. Burkhard Quenter) verlesen. Darin heißt es unter anderem:

Ulrich Heyden hat sich nie etwas zuschulden kommen lassen. Er ist seit Jahrzehnten Kunde Ihrer Bank. Die Kündigung seines Kontos widerspricht dem Leitbild Ihrer Bank, wonach ‚der Mensch im Mittelpunkt steht‘ – nicht als leere Formel, sondern als gelebte Haltung. Wir fordern Sie auf, diese Entscheidung zu korrigieren und uns ein Gespräch zu gewähren. Die Haspa würde in ihren Statuten betonen, dass sie den Menschen in den Mittelpunkt stelle. Tut sie das hier?"

Der größere gesellschaftliche und politische Kontext

Der Fall Ulrich Heyden steht nicht isoliert da. In den letzten Jahren häufen sich Berichte über Kontokündigungen, Zahlungsverweigerungen durch Zahlungsdienstleister und andere Formen der finanziellen und gesellschaftlichen Ächtung gegenüber Personen, die sich der einseitigen politischen Linie widersetzen. Kritiker sprechen von einer neuen Form der „Cancel Culture“ mit administrativen und wirtschaftlichen Mitteln.

Viele Kritiker sehen in solchen Maßnahmen den Versuch, mögliche Brückenbauer und differenzierte Stimmen einzuschüchtern. Militärische Szenarien für die Jahre ab 2029 werden in politischen Kreisen bereits offen diskutiert. Wer in dieser Situation für Dialog, Entspannung und gute Nachbarschaft eintritt, gerät schnell in Verdacht.

Ulrich Heyden selbst bleibt trotz der persönlichen Betroffenheit sachlich und ruhig. Er arbeitet weiter, berichtet weiter aus Russland und lässt sich von administrativen Schikanen nicht zum Schweigen bringen. Genau diese Haltung scheint für manche Akteure besonders "bedrohlich" zu sein – weil sie zeigt, dass es noch Menschen gibt, die sich nicht einschüchtern lassen.

Eine Frage an die Gesellschaft

Die Kündigung des Kontos von Ulrich Heyden ist weit mehr als eine banale Bankangelegenheit. Sie wirft harte Schlagschatten auf eine grundsätzliche Fragestelluzng: Wie frei ist die Meinungsäußerung in Deutschland wirklich noch? Wie weit darf eine Bank – noch dazu eine öffentlich-rechtlich geprägte Sparkasse – gehen, wenn es darum geht, unliebsame Kunden loszuwerden? Muss sie diese nicht eher schützen? Und vor allem: Welche Signale sendet eine solche Praxis an alle anderen Journalisten, Aktivisten und Bürger, die wagen, abweichende Positionen zu vertreten?

In einer gesunden Demokratie sollten unterschiedliche Meinungen ausgehalten und diskutiert werden – nicht mit finanziellen Sanktionen und sozialer Ächtung bekämpft. Der Fall Heyden zeigt, wie fragil die Grundlagen der Freiheit geworden sind, wenn sogar langjährige Kundenbeziehungen aus politischen Gründen aufgekündigt werden.

Ulrich Heyden selbst hat einmal gesagt, dass er einfach nur wahrheitsgetreu berichten und Brücken bauen möchte. Dass genau das heute zum Problem wird, sagt viel über den Zustand unserer Gesellschaft aus.

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