Toddn Kandzioras Wochenrückblick 28/2021

Land unter

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Kolumnist Toddn Kandziora schaut zurück auf die Woche und kommentiert was passiert ist und was nicht und was die Entscheider meinen, wie wir darüber zu denken haben. © Foto: Pexels / Vlad Chețan, Alexandra_Koch

Es regnet und regnet und regnet. Es hört ja gar nicht mehr auf zu regnen. Auch hier, wo ich schon länger lebe, regnet es seit Wochen immer wieder und tagelang und meist in der Nacht. Doch ist unser Regen lange nicht vergleichbar mit den katastrophalen Wassermassen, die der Himmel über NRW und Rheinland-Pfalz auf die dort lebenden Menschen prasseln lässt.

Bei uns im heimischen Garten hat es nur die Tomaten verregnet. Nicht der Rede wert. Hier sind keine Autos und ganzen Häuser von Wassermassen mitgerissen worden. Ich musste nicht mit ansehen, wie Menschen von den Fluten mitgerissen wurden und Tiere verendeten.

Hier im Harzer Vorland verlor wohl keiner durch den großen Regen seine Existenz, Haus und Gut und möglicherweise einen geliebten Menschen. Das alles geschah und geschieht dieser Tage im Westen des Landes. Meine Gedanken und Gebete gehen an die dort lebenden Menschen, die einen geliebten Menschen betrauern müssen. An die heimatlos Gewordenen, die in diesen Tagen nicht wissen, wo oder bei wem sie übernachten können. Auf das den Menschen in den Katastrophenregionen vor Ort schnell Hilfe zuteilwird, sie Leid, Sorgen und Ängste mit jemanden teilen können und die Hoffnung auf ein besseres Morgen wieder zu ihnen zurückkehrt.

Die Hoffnung allerdings auf das so gern wie oft zitierte Hirn vom Himmel, das der alte, graue Herr dort oben in seinem siebten Himmel, für die seinen auf die Erde doch mal schütteln sollte, diese habe ich aufgegeben, wenn ich mir die ein oder andere Äußerung gewisser Personen der letzten Tage zu den heftigsten Niederschlägen seit einem Jahrhundert im trockenen Kämmerlein mal betrachte.

Die Verlautbarungen und Erklärungen, die ich von den Medien zu lesen und Politikern zu hören bekomme, die scheinen wie aus einer anderen Welt. Die an uns verkündete Meinung zur Lage von Frau Katrin Göring-Eckardt. Die Sachkenntnis von jungen Fräuleins wie Greta Thunberg und Luisa Neubauer. Die Lautäußerungen von den Grünen an sich und überhaupt und anderer, uns regierende Politiker und Politikerinnen.

Sie alle stoßen in das Horn der Offenbarung. Und das Lied das stündlich von überall wiederholt in unseren Ohren erklingt, soll uns erschrecken. Wir sollen Abbitte leisten, weil - und das wird uns unmissverständlich links, wie rechts um die Ohren geschlagen - weil wir die ganze Schuld tragen. Wir alle. Zumindest wir alle hier in Deutschland.

Und an was tragen wir alle Schuld? Ist doch klar. An der Klimakatastrophe. Denn diese ist eingetreten. Nicht erst in wenigen Jahren oder übermorgen. Nein, sie wäre jetzt, heute da. DIE KLIMAKATASTROPHE IST DA. Endlich. Und jeder kann es sehen. (Wenn er nicht zu den bisher mehr als hundert Toten zählt)

Das wird uns zumindest von gewissen Medien und Politikern so zu verstehen gegeben. Andere jedoch, viele der Wetterexperten und Meteorologen, die dieser Tage weniger zu Wort gelassen werden, diese haben explizit darauf hingewiesen, dass es hier keinen Zusammenhang mit der Jahrhundertkatastrophe bzw. dem Extremwetter der letzten Tage im Westen von Deutschland gäbe.

Experten haben bekundet, dass dieses Extremwetter nicht unter dem Mantel der Klimakatastrophe der Bevölkerung zum Schrecken hervorgeholt werden kann. Aber hey, ist doch egal. Das alles passt gerade (Corona macht in diesen Tagen nicht viel her) zu gut ins Konzept von Politik, Medien und Interessenvereinigungen. So eine Klimakatastrophe, die hat schon einiges für sich. Nicht nur, weil damit gut Wahlkampf gemacht werden kann. Nein. Auch weil mit diesem Schreckgespenst von der ein oder andere politische Missetat oder selbst gemacht Umweltsünde der letzten Jahrzehnte nicht weiter der Rede sein muss.

Was sich im jetzigen Wahlkampf nicht gut machen würde, das wäre als Politiker zugeben zu müssen, versagt zu haben oder als führender Angestellter viele Jahren im Amt bautechnischen Blödsinn verantwortlich mitgetragen zu haben. Gerade in den westlichen Bundesländern wurden über Jahrzehnte große Landschaftsflächen regelrecht umgekrempelt bzw. be- und zugebaut. Das kann jeder sehen, der da mal durchfährt oder lebt und älter als Fräulein Neubauer ist. Dann nämlich stimmt der Bildvergleich mit Alt und Neu.

Wenn in den Großstädten die Kanalisation insbesondere in den derzeit betroffenen Ballungsgebieten rechtzeitig modernisiert worden wäre, damit sie den Abwassermassen heutiger Einwohnerzahlen standhält, wäre ein besserer Abfluss des Regenwassers möglich gewesen. Wenn nicht Quadratkilometer um Quadratkilometer Tag auf Tag mehr im Land versiegelt worden wäre, hätte das Regenwasser sicher besser im Erdreich versickern können. Wenn nicht Jahr um Jahr, Fluss um Fluss und Bach um Bach umgeleitet und/oder begradigt worden wäre, hätten die Wassermassen wie vor Jahrhunderten ihren Weg zum angestammten Ziel ohne Überschwemmung gefunden. Doch wäre und hätte und Fahrradkette. Denn diese angestammten Ziele, wohin seit Urzeiten auch bei Starkregen das Wasser fließen konnte, die gibt es eben heute nicht mehr.

Denn diese sind begradigt, verbaut, versiegelt und einbetoniert worden. Oder entwaldet. Auch das noch. Unzählige Wälder, Höhen und Landstriche wurden entwaldet, regelrecht „platt“ gemacht, um Zehntausende von Windrädern auf das dann platt gemachte Land zu stellen. Zehntausende von Plätzen, wo Regenwasser nicht mehr wie seit Urzeiten in einem Wald- und Wiesenboden versickern kann, sondern ungebremst in die Niederungen sprudelt und alles mit und wegspült, was im Weg steht.

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Und auch bitte nicht vergessen. Die vielen staatlich geförderten wie angelegten Baum Monokulturen. Wer braucht schon Mischwälder, in denen der Regen im Boden versickert, wenn ein Fichtenwald zur Holzgewinnung schneller wächst. Das ist die wahre Klimakatastrophe. Die Wirkliche. Die Mensch gemachte. Und...

…dass alles geschah auf Anweisung. Wurde von gewählten Politikern getragen und verantwortet. Hier trifft tatsächlich einmal die Schuldzuweisung an uns wählende Bürger. Wenn auch indirekt. Nicht weil wir die große Sünde begingen, einmal im Jahr auf die Kanaren zu fliegen. Oder mit Hundertzwanzig Kilometer die Stunde über die Autobahn mit einem (böse!) Verbrennungsmotor betriebenen Auto düsten und daheim angekommen einen Hamburger zu viel des guten, mit richtigem Rindfleisch mampfte um noch rechtzeitig am Abend vor dem Kamin auf dem Bärenfell der Herzallerliebsten aus Sahra Wagenknechts neuem Buch „Die Selbstgerechten“ vorzulesen.

Wohl weniger aus diesen Gründen. Wohl mehr, weil Wähler ebenso wählen, dass zum Wohle dieser Welt beispielsweise eines der modernsten und gerade in Betrieb genommen Kohlekraftwerke Europas vor Hamburgs Stadttoren gleich wieder abgeschaltet wird, während in China mehr als zweihundert neue Kohlekraftwerke jedes Jahr mehr betrieben werden können.

Wie kann das denn sein, dass in Deutschland die Kernkraftwerke abgestellt werden, jedoch um einen Blackout zu vermeiden, dann überteuerter Atomstrom aus Frankreich, Belgien oder Tschechien eingekauft werden muss? Nicht weiter der Rede wert, dass diese Kraftwerke veraltet, marode und unsicher sind und welch ein Zufall aber auch, direkt an den deutschen Grenzen vor sich hin strahlen. Aber egal. Völlig Wumpe. Hauptsache es ist klimaneutral im eigenen Land. Koste es was es wolle. Denn und irgendwann wird am neuen deutschen Wesen die Welt genesen. Denken sie. All die Thunbergs und Göring-Eckards und Neubauers in ihrer etablierten, abgesicherten, ach so schönen neuen Welt.

Oh je, entschuldigt. Ich habe mich ein klein wenig in Rage geschrieben und bin vom eigentlichen Thema abgekommen. Ich habe Faden und Überblick verloren. Daher kommen wir zu etwas ganz anderem, einem kurzen Wochenrückblick:

Montag: In Südafrika kommt es zu Stammesaufständen. (Darf das 2021 in Regenbogenland so geschrieben werden. Stammesaufstände?) Jacob Zuma, der ehemalige Präsident Südafrikas, wurde wegen Missachtung des Gerichts und Korruption zu fünfzehn Monaten Gefängnis verurteilt. Zumas Anhänger - und diese sind zumeist Zulus - gefällt das nicht und sie drohen das Land niederzubrennen wenn ihr Anführer nicht frei kommt. Zuma selbst ist einer der oberen Zehntausend des Bantu-Stammes der Zulus. Seine Stammesleute halten Wort und es eskaliert in vielen Städten des Landes. Geschäfte werden geplündert. Häuser brennen. Das Militär wird eingesetzt. Menschen sterben. Weiße Minderheiten haben es, sagen wir einmal „schwer“.

Das Bremer Verwaltungsgericht hat die Abschiebung von Clan-Chef Ibrahim Miri im Jahr 2019 für rechtswidrig erklärt. Da wird sich Herr Miri wohl freuen. Ob er nachträglich noch Klage wegen seelischer Grausamkeit Seitens des deutschen Staates und rassistischen Nachbarn stellen wird und er möglicherweise dann aus Steuergeldern finanziell entschädigt wird?

Dienstag: 07:45 Uhr. Deutschlandfunk. Interview mit Dr. Eckardt v. Hirschhausen. Zuvor weist die woke Moderatorin in etwa wie folgt auf sein neues Buch hin:

Wie sollen wir mit Nachbarn diskutieren die Corona leugnen und die Maßnahmen kritisieren? Mit dem Cousin in der eigenen Familie der den vom Menschen verursachten Klimawandel leugnet? Wie können wir Nachbarn, Freunde und Verwandte vom kranken Denken gesunden lassen? Wie können wir Querdenker und politisch Fehlgeleitete argumentatorisch überzeugen?

Das Interview mit dem Herrn Doktor hält, was die Moderatorin in ihrer Einleitung verspricht und setzt noch einen drauf: Wir haben nur noch zehn Jahre, in denen wir Erde und Menschheit retten können. Alle müssen wir unser Leben ändern. Und wichtig! Wir sollen wählen gehen. Am besten eine links-ökologische Partei. Die Gute. Natürlich. Und auch wichtig. Wir müssen die Anhänger dieser einen so demokratie- und ökologisch feindlichen Partei von ihrem Irrweg abbringen. Müssen sie wieder in unsere gesellschaftliche Mitte versuchen zurückzuholen. Und wenn eine solche Person trotz unserer Bemühungen nicht mehr erreicht werden kann, tja, dann. Dann besser meiden.

Weiterhin Dienstag: Unsere besenharte und beste Verteidigungsminister*in aller Zeiten, Annegret Kramp-Karrenbauer, hat heute der tapfersten Bundeswehr aller Zeiten ein Weltraumkommando geschenkt. Wahnsinn. Aber mit was kämpft, bzw. wird dieses Kommando denn 2021 ausgestattet, mit Teleskopen? Weil, so habe ich erfahren, unsere tapfere und beste Bundeswehr aller Zeiten inzwischen vom ADAC sich Hubschrauber leiht, damit die Piloten Flugstunden nehmen können. Haben wir eigentlich wieder ein U-Boot, das tauchen kann? Eine einzige, fahrbereite Leokompanie? Was macht eigentlich die Gorch Fock? Na ja. Egal. Sind erst die Toiletten für das dritte Geschlecht in den Kasernen eingebaut, dann wird die neue gegenderte wie woke Bundeswehr nicht mehr aufzuhalten sein.

Mittwoch: Die Münchner Polizei fahndet nach zwei unbekannten Männern, die am vergangenen Wochenende ein sogenanntes Pride-Banner von einem Zaun rissen und tatsächlich darauf uriniert haben sollen. So etwas macht Mann ja auch nicht. Daher und aus gutem Grunde wird jetzt wegen Volksverhetzung ermittelt, da das Urinieren auf die Regenbogenfahne als „staatsschutzrelevantes Delikt“ seitens der Behörden sehr ernst genommen wird.

Ah so. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass das Verbrennen der schwarz-rot-gelben Fahne nicht strafrechtlich verfolgt wird. Weil das eine freie Meinungsäußerung wäre. Auch, sollte denn jemand seine Notdurft auf einer Schwarz-Rot-Gelben Fahne verrichten wollen, also bitte nur nicht auf einem bunten Pride-Banner…

Einer noch. Dann ist aber wirklich Schluss: Etliche Verkehrsbetriebe und Verkehrsverbunde im Land verzichten auf das Wort „Schwarzfahren“ und „Schwarzfahrer“. Weil es diskriminierend sei und rassistisch sowieso. Das sich da mal jetzt niemand über derartig zeitgemäße schwarze Pädagogik schwarzärgert oder sich noch angeschwärzt fühlt, denn sonst könnte man schon schwarz sehen in der heutigen, so bunten Welt, und dass, das wäre doch fast irgendwie Schwarzmalerei.

In diesem Sinne.
Gute Nacht Deutschland.
Ich geh wieder ins Bett.
Jetzt, um 15:53 Uhr
Ist besser so.
Für heute.

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