Steht auch der Glühwein vor dem Aus?

Licht aus, Spot an: Weihnachtslichter für den Frieden

von Bertolt Willison

Holt die Lichterketten raus, die glitzernden Gartenzwerge, das blinkende Rentier mit dem buntdreisten Schlitten.© Quelle: Pixabay / Michelle Raponi / Gerd Altmann / Eigenes Bild, Montage Bertolt Willison

Das kann doch alles nicht wahr sein. Kurz bevor die ersten Weihnachtslieder ertönen, werden wir auf das Ende der Weihnachtsbeleuchtung eingestimmt.

Wie schön ist es doch gewesen, damals in den letzten Wochen des Dezembers über vielleicht pulverschneebedeckte Straßen unter blinkenden Straßengirlanden dahinzugleiten, angestrahlt von festlich illuminierten Vorgärten, Fenstern und ganzen Hausfassaden.

Überboten haben sie sich gegenseitig, die Städte und Gemeinden der Republik, im Wettstreit um die schönste Weihnachtsbeleuchtung. Sie ließen sich nicht lumpen und gaben den ein oder anderen Energie-Euro für den Heidenspaß aus. Windräder jammerten um jedes Lüftchen, Solarzellen beteten, dass es endlich Sonne werde in der kalten Jahreszeit.

Ganz nebenbei förderte diese Förderung der Weihnachtsstimmung auch die Stimmung der Konsumenten. Und die Feierfreude sowieso. Weihnachtsmärkte ohne Vollbeleuchtung? So undenkbar wie ohne Glühwein.

Auch die privaten Haushalte waren nicht geizig und rüsteten jedes Jahr weiter auf im Kampf um Lichterkrone und Leuchtkette. Das Rentier und sein Schlitten standen stets bereit.

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Das alles soll nun Geschichte sein, vielleicht nur vorübergehend, nur in diesem Winter. Fordert die Politik. Ein Zeichen dafür, dass wir es ernst meinen mit dem Stromsparen. Verzicht üben, endlich mal Verzicht üben. Maria und Josef im Stall sein, dem Christkind so dicht wie nie. Der Stern von Bethlehem strahlt hell, ganz ohne Atomkraft und sogar ohne alternative Energie. Davon träumen wir schon ein Leben lang.

Die Deutsche Umwelthilfe will uns helfen, diesen Traum zu erfüllen. Sie zeigt uns ihren grünen Finger und ruft: „In diesem Winter sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass sowohl auf die Weihnachtsbeleuchtung in Städten, wie auch die der Häuser und Wohnungen verzichtet wird."

Mit unseren (vor-)weihnachtlichen „Beleuchtungsorgien“ verbrauchen wir „so viel wie eine mittlere Großstadt mit 400.000 Einwohnern im Jahr …“ Das geht nicht, gar nicht. Ökostromanbieter Lichtblick hat herausgefunden, dass jeder deutsche Haushalt „im Schnitt sechs unterschiedliche Leuchtprodukte“ besitzt … und wohl auch an den entscheidenden Tagen einsetzt. Lichtblick ermittelte einen eindrucksvollen Munitionsbestand von 19,5 Milliarden Lämpchen in deutschen Kellern.

Immerhin schlägt die Deutsche Umwelthilfe in einem Anflug von Sentimentalität gönnerhaft einen beleuchteten Baum pro Stadt und Gemeinde vor. Danke.

Dass diese Forderungen nach Verdunkelung der Städte, gemeint als Symbol des solidarischen Stromsparens, auch negativ assoziiert werden könnten, das fällt den Umweltverbesserern nicht auf. Oder woran haben Sie gedacht, als Sie gerade das Wort „Verdunkelung“ gelesen haben?

Rechnen können die Herrschaften, die in manchen Städten und Gemeinden inzwischen die Weihnachtsbeleuchtung de facto verbieten, in ihrem Solidarisierungsparzwang auch nicht unbedingt. Bestes Beispiel hierfür ist die Weihnachtsbeleuchtung für den Berliner Kurfürstendamm. Der Senat hat seine Förderung für dieses alljährliche Spektakel abgesagt. Obwohl die Beleuchtung bereits vor Jahren auf LED umgestellt wurde und sich die Energiekosten für das kilometer- und wochenlange Lichtermeer auf gerade mal 10.000 Euro belaufen. Ein Witz gegenüber den für Auf- und Abbau erforderlichen Handwerkerkosten in Höhe von circa 500.000 Euro, denen damit natürlich auch ein gutes Weihnachtsgeschäft entgeht. Aber über volkswirtschaftliches Denken sollten wir an dieser Stelle sowieso schweigen.

So müssen wir also in der Adventszeit ohne Lichterglanz und zitternd mit Norwegerpulli, langen Unterhosen, dicken Wollsocken und womöglich auch Handschuhen … halt, ich habe die Pudelmütze vergessen … zu Hause hocken und frierend das ausbaden, was uns die Politik eingebrockt hat. Sollen die Symptome bekämpfen, während unsere Politintelligenzia nicht in der Lage ist, bei den Ursachen die richtigen Hebel anzusetzen.

So weit kommt es noch. Nein, da müssen wir nicht mitmachen. Wir werden die Lichter anzünden, den Schalter umlegen. Jeder kann in seinem Zuhause ein Zeichen setzen. Für die Liebe, für die Erleuchtung. Holt die Lichterketten raus, die glühenden Gartenzwerge, das blinkende Rentier mit dem buntdreisten Schlitten. Über Weihnachten darf geträumt werden. Wir schenken uns dieses Mal das Ende des Krieges, ohne Sieger und ohne Verlierer.

Darum jetzt erst recht: Weihnachtslichter für den Frieden!

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