Das AfD-Familienfest als letzter Open-Air-Akt, der Protestbus davor, morgen der ganze Domplatz

Magdeburg vor der Wahl: Sturm, Selfies und infantile „Scheiß-AfD“-Gesänge

von Gregor Leip

Der Andrang könnte kaum größer sein© Quelle: Gregor Leip

Zwei Tage vor der Wahl gibt sich Siegmund auf der Festwiese die Ehre, Chrupalla redet sich in Fahrt, und ein Lautsprecherbus macht den Eingang zur Geräuschkulisse. Schulze lässt eine aufs Pflaster gemalte deutsche Fahne wegschrubben, während für Samstag AMO-Kundgebung und Demokratiefestival die Innenstadt dichtmachen. Was bleibt, ist weniger Kaiserwetter als ein politischer Ausnahmezustand – und die Frage, ob jetzt noch Stimmen zu holen oder nur noch Pannen zu vermeiden sind.

(Quelle: Außenreporter Gregor Leip)

In Magdeburg fand heute das Familiensommerfest der AfD statt. Dies ist die vorletzte offizielle Veranstaltung der Partei vor der Wahl am Sonntag. Was kann man an so einem Tag noch gewinnen? Hofft man auf mehr Stimmen oder doch eher darauf, dass nichts mehr passiert, das den perfekten Lauf von Ministerpräsidentenkandidat Ulrich Siegmund noch gefährden könnte?

Sven Schulze, der Kandidat der CDU, hatte sich heute noch ins Fettnäpfchen gesetzt, als er heute beim Aufbau für eine Abschlusskundgebung, an der der amtierende Ministerpräsident teilnehmen will, vor dem Dom eine aufs Pflaster gestrichene Deutschlandfahne von einer Spezialfirma entfernen ließ. Fahnen sollen morgen verboten sein. Besonderheit: Sven Schulze wurde nie von den Sachsen-Anhaltern gewählt, er übernahm die Geschäfte seines zurückgetretenen Vorgängers und Parteifreundes Reiner Haseloff.

Die AfD hatte das Fest wie folgt in den sozialen Medien beworben:

„Das große Familienfest und die letzte Open-Air-Veranstaltung der AfD Sachsen-Anhalt! Mit dabei u. a.: Ulrich Siegmund, Martin Reichardt, Tino Chrupalla und Sebastian Münzenmaier!“

Hundertschaften der Polizei Thüringen unterstützten heute die Magdeburger Kollegen. Der Publikumstournee der AfD hinterher reist der von linksradikalen NGOs organisierte Adenauerbus – in AfD-Kreisen „Krawallbus“ genannt, weil er sich zur Aufgabe gemacht hat, infantilen Lärm („Sch…. AfD“) immer dort zu organisieren, wo die AfD eine Wahlkampfveranstaltung macht, wie zuletzt in Haldensleben, wir hatten berichtet https://www.alexander-wallasch.de/gastbeitraege/afd-sommerfest-in-haldensleben-siegmund-vor-2000-gaesten-protestbus-daneben.Die Stadt Magdeburg hat den Wagen 50 m vor dem Eingang des Veranstaltungsgeländes genehmigt. Die etwa fünfzig den Bus begleitenden Demonstranten bildeten so eine Art Prügelgasse für jene, die die Veranstaltung besuchen wollten.

Aber das alles dürfte nur der Auftakt für das morgige Spektakel sein, wenn die beiden Parteichefs der AfD zur Abschlusskundgebung im AMO Kulturhaus in Magdeburg erscheinen werden, um Ulrich Siegmund zu unterstützen.

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(Quelle: Außenreporter Gregor Leip)

Dafür wurden für die gesamte Innenstadt umfassende Sicherheitsmaßnahmen und massive Gegenproteste angekündigt. Da bereits am Sonntag die Landtagswahl stattfindet, herrscht in der Stadt der absolute politische Ausnahmezustand. Der Widerstand gegen die AfD will hier abermals ein Zeichen setzen:

Eine Großdemonstration startet um 13:30 Uhr am Magdeburger Hauptbahnhof. Die Route führt durch die Innenstadt. Ein sogenanntes Demokratiefestival soll ab 15:00 Uhr den Domplatz beschallen. Auf dem als Kulturfestival angekündigten Spektakel soll auch der CDU-Ministerpräsident erscheinen und dort neben Luisa Neubauer und prominenten Musikern auftreten.

Erwartbar ist auch direkter Protest am AMO angekündigt, um gegen die AfD-Veranstaltung zu demonstrieren.

Aber zurück zum Sommerfest heute: Der Zeitplan hing wie immer hoffnungslos hinterher. Denn Ulrich Siegmund nahm sich, wie auf allen anderen Wahlveranstaltungen zuvor, bereits wieder Zeit für Selfies, Unterschriften und Händeschütteln. Gegen 14:00 Uhr waren wohl bereits einige tausend Besucher vor Ort. Kurz vor 16 Uhr regnete es stark und Sturm kam auf. Dramatischer hätte die Natur Tino Chrupalla kaum ankündigen können. Und so plötzlich, wie der Sturm anfing, nahm ihn der Parteichef gewissermaßen wieder mit von der Bühne.

Tino Chrupalla war im Kampfmodus angereist. Er beschwor die EU-Abgeordnete Strack-Zimmermann (FDP), doch bitte auf den Leipziger Flughafen zu gehen, sich dort aufzustellen, dann würde freiwillig keine Drohne mehr landen wollen. Die Rente mit 70 findet Chrupalla übrigens schlicht asozial, auch das erfuhr der Zuschauer.

Die großen Bilder dieses Wahlkampfs, wie jene von Ulrich Siegmund in Quedlinburg, blieben heute zwei Tage vor der Wahl aus. Selbst der Wettergott schien erschöpft. Die letzten Wochen hatte er noch mit Siegmund und so etwas wie Kaiserwetter um die Wette gestrahlt, jetzt machte er ein Päuschen. Die Bündnisse gegen die AfD werden morgen kaum mehr Glück haben, es bleibt bedeckt.

(Quelle: Außenreporter Gregor Leip)
(Quelle: Außenreporter Gregor Leip)
(Quelle: Außenreporter Gregor Leip)
(Quelle: Außenreporter Gregor Leip)
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