Friedrich Merz hat es wieder getan. Nur wenige Wochen nach der ominösen „Stadtbild“-Debatte haute er erneut einige Aussagen heraus, die nicht komplett falsch, aber doch meilenweit von der Realität in diesem Land entfernt sind.
Zunächst wäre da sein Auftritt bei der IHK, wo er unter dem Beifall der anwesenden Unternehmer forderte, dass Deutsche wieder mehr arbeiten müssten. Bald darauf verkündete Merz bei einer Wahlkampfveranstaltung in Bad Rappenau (Baden-Württemberg), die Arbeitnehmer in Deutschland wären zu lange krank.
Friedrich Merz ist zwar kein Ökonom (sondern Jurist), aber nach jahrelanger Tätigkeit in Aufsichtsräten von AXA, BASF, Borussia Dortmund und einigen anderen bis zum Aufsichtsratsvorsitz bei BlackRock Deutschland (2016-20) sollte man eigentlich meinen, er hätte den Unterschied zwischen Arbeitszeit und Arbeitsproduktivität begriffen.
Vielleicht hat er das auch - und hält nur seine Zuhörer für dumm? Andererseits sind es nicht die einzigen Merz-Zitate, die für ökonomische Ahnungslosigkeit sprechen, da wäre zum Beispiel noch dieses Zitat zu Javier Milei (die Realität ist hier gut recht beschrieben).
Ich frage mich also, wofür Herr Merz bei BlackRock eigentlich so gut bezahlt wurde - ökonomischer Sachverstand kann es nicht gewesen sein. Merz ist allerdings nicht allein, wenn es um Forderungen nach Mehrarbeit geht. Zustimmung für seine Kritik an der deutschen Arbeitsmoral erhielt er unter anderem vom Vorsitzenden der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Andreas Gassen, auch wenn dessen Lösungsvorschläge etwas anders aussehen.
Auch Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger will neben anderen „Reformen“ Einschränkungen bei der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall und Arbeitslosenunterstützung. Das Wirtschaftsministerium unter Katharina Reiche (CDU, Tegernsee-Connection) spricht sich für eine Erhöhung des Renteneintrittsalters und Rentenkürzungen aus.
Wie bereits zu Beginn erwähnt, liegt Friedrich Merz mit seiner Aussage zu unnötigen Fehltagen nicht komplett falsch. Die meisten von uns hatten schon Kollegen, die sich für jeden Schnupfen zwei Wochen krankmelden und/oder mindestens einmal im Monat fehlen, nachdem sie am Wochenende zu lange gefeiert hatten. Das ist ärgerlich und vergiftet auf Dauer das Betriebsklima, weil andere diese Minderleistung kompensieren müssen. Der Kanzler zweiter Wahl richtete seine Aussage vermutlich an diese arbeitsscheuen Kollegen, aber sind sie mit den angedachten Lösungen überhaupt zu erreichen?
Aktuell muss man meist erst nach dem dritten Krankheitstag ein ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen (der individuelle Arbeitsvertrag kann andere Regeln enthalten). Eine Abschaffung der telefonischen Krankschreibung würde bei den Wochenend-Verlängerern also nicht viel bringen. Karenztage (keine Lohnzahlung für die ersten Krankheitstage) wären da vielleicht erfolgreicher, könnten aber bei dem betreffenden Klientel auch dazu führen, dass man dann der Arbeit lieber gleich 1-2 Wochen fernbleibt - damit es sich auch lohnt.
Eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung zu bekommen, dürfte dabei das geringste Problem sein. Wie soll ein Arzt beim Erstkontakt beurteilen, ob ich tatsächlich Kopf- oder Rückenschmerzen habe - oder diese nur simuliere?
Ein erfahrener Arzt erkennt zwar das Problem bei seinen Stammkunden, aber wird er daraus die entsprechenden Konsequenzen ziehen? Ein chronisch überlasteter Hausarzt würde vermutlich einfach die entsprechende Bescheinigung ausstellen, um fruchtlose Diskussionen (bis hin zu Beschimpfungen) zu vermeiden. Und falls nicht, findet sich bestimmt ein anderer Arzt.
Ein anderes Problem ist die Verteilung der Krankheitstage. Herr Merz beschwerte sich über 14,5 Fehltage im Jahresdurchschnitt. Allerdings liegen gerade die Bundesbehörden mit etwa 21 Fehltagen deutlich über dem Durchschnitt, wobei Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes in Berlin mit 36,8 Krankheitstagen unangefochtener Spitzenreiter sind.
Die höchsten Fehlzeiten gab es hier bei Politessen (77,3 Tage), in Gefängnissen und Ordnungsämtern (50 Tage), bei Polizei und Feuerwehr (40 Tage). Aber warum sollten sich die Mitarbeiter im Öffentlichen Dienst auch anders verhalten als die Bundestagsabgeordneten?
Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass die krankheitsbedingten Fehltage in körperlich belastenden (und oft schlecht bezahlten) Berufen wie Pflege oder Industrie deutlich höher sind als bei Akademikern mit Bürotätigkeiten.
Natürlich spielen auch Alter und Geschlecht eine Rolle. Bei den Krankheitsursachen führen Erkrankungen des Bewegungsapparates mit 20,3 Prozent vor Krankheiten des Atmungssystems (19,7 Prozent) und psychischen Störungen (17,4 Prozent). Gerade die psychischen Erkrankungen erreichen nach einem relativen Plateau von 2014 bis 2019 seit 2020 jährlich neue Höchststände .
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2020, war da nicht etwas? Genau: die Corona-Schikanen. Gerade Kinder und Jugendliche wurden erst zu Hause eingesperrt, dann mit unhygienischen Masken schikaniert und zu einer Impfung genötigt, die (nicht nur) in dieser Altersgruppe mehr Schaden als Nutzen brachte. Auch die Erwachsenen wurden drangsaliert: ständige Tests, Masken- und Impfnötigung, Kontaktverbote, Reisebeschränkungen und vieles mehr. Wer nicht freiwillig mitmachte, wurde denunziert und diffamiert.
Familien und Freundschaften brachen auseinander, Alte und Kranke vegetierten einsam dahin. Wer dagegen widerspruchslos alle noch so unsinnigen Regeln befolgte, sich mehrfach impfen ließ und bei jedem Hüsteln der Arbeit fernblieb, durfte sich als Held feiern. Auch diese Phase dürfte einen Einfluss auf die heutige Arbeitsmoral haben, von den Nebenwirkungen der Corona-„Impfung“ ganz abgesehen.
Abgesehen von diesen komplexeren Zusammenhängen kann man davon ausgehen, dass Merz mit seiner Pauschalkritik gerade nicht das Problem-Klientel der Arbeitsscheuen erreicht, sondern diejenigen, die ihre Berufstätigkeit verantwortungsbewusst ausüben und sich somit erneut verleumdet und missachtet fühlen werden.
Genau da liegt das Kernproblem der deutschen Politik der letzten Jahre: der mangelnde Respekt vor den Leistungsträgern, die das Land trotz
aller politischer Fehlentscheidungen, Bevormundungen und bürokratischer Hürden überhaupt noch am Laufen halten. Und mit jeder dieser Respektlosigkeiten dürfte deren Motivation weiter sinken.
Auch ich gehöre zu denjenigen, die ihre Arbeitszeit bereits reduziert haben und trotz aller Appelle aus Politik und Medien vorfristig in den Ruhestand gehen werden. Der Grund dafür ist einfach: Ich frage mich jeden Tag auf’s Neue, wofür ich eigentlich arbeite. Eigentlich gehöre ich zu den Menschen, die gern arbeiten, mein Beruf macht mir Spaß (allerdings in Anbetracht der allgegenwärtigen Bevormundung und Bürokratisierung immer weniger).
Offenbar kommt das auch an, denn unser Team wird immer wieder von Patienten gelobt – was wiederum motivierend auf uns wirkt. Aber Zufriedenheit im Beruf reicht nicht: ein ganz wesentlicher Grund dafür, jeden Morgen früh aufzustehen und zu arbeiten (während Transferleistungsempfänger ausschlafen dürfen), dürfte für jeden von uns das Streben nach Wohlstand sein.
Wir arbeiten, damit es uns und unserer Familie besser geht. Doch das funktioniert immer weniger, wenn uns der Staat immer mehr von unserem
erarbeiteten Verdienst durch verschiedenste Steuern und Abgaben wegnimmt. Steuern sind notwendig und sinnvoll, solange sie vor allem denen dienen, die den Staat mit ihrer Arbeit und ihren Steuern am Laufen halten: Infrastruktur, innere und äußere Sicherheit, Rechtssicherheit, öffentliche Ordnung, Bildung, Gesundheit.
Aber all das funktioniert immer weniger, dafür wird unser Steuergeld mit vollen Händen verschwendet: für eine „Energiewende“, die unsere Energieversorgung zerstört und das Land deindustrialisiert, für die Alimentierung illegaler Migranten, Waffen und goldene WC-Schüsseln für die Ukraine, Radwege in Peru, Kühlschränke in Kolumbien und unzählige andere Projekte, die keinen erkennbaren Nutzen für unsere Gesellschaft bringen.
Wer das kritisiert, wird diffamiert und zum Schweigen gebracht - von Medien und NGOs, die er ebenfalls mit seinem Steuergeld (oder GEZ-Gebühren) zwangsfinanzieren muss. Selbst über den immer spärlicheren Teil unseres Verdienstes, der uns nach Abzug aller Steuern und Abgaben noch bleibt, sollen wir nicht mehr frei verfügen dürfen. Nicht nur mit alltäglichen Moralpredigten, sondern auch mit immer neuen Abgaben will man uns Flugreisen, Auto fahren, Zucker-, Alkohol- und Fleischkonsum so gründlich vermiesen, dass wir „freiwillig“ darauf verzichten.
Und wenn dann am Ende unseres Lebens tatsächlich noch ein kleines Vermögen übrigbleibt, dürfen wir dieses nach dem Willen zahlreicher Politiker aus allen Parteien „unserer Demokratie“ demnächst nicht einmal mehr an unsere Nachkommen weitergeben, ohne dass der Staat noch kräftiger mitkassiert als bisher. Wozu also arbeiten?
Es ist offensichtlich, dass sich Wirtschaft und Arbeitsproduktivität im Sinkflug (wenn nicht sogar schon im freien Fall) befinden. Seit Jahren wächst nur noch der steuerfinanzierte öffentliche Sektor, verarbeitendes Gewerbe und Baugewerbe schrumpfen ebenso wie die Exporte.
Eine Trendwende ist nicht absehbar, da unsere Politiker trotz aller gegenteiligen Versprechungen im Wahlkampf auf ein Weiter-so mit noch mehr Planwirtschaft, Bürokratie und Umverteilung setzen und die noch verbliebenen Leistungsträger lieber beschimpfen und ausplündern statt sie zu respektieren und
ihre Leistung zu würdigen.
Das kann noch ein paar Jahre gutgehen und darauf spekuliert wohl auch Herr Merz. Ich halte ihn für intelligent genug um zu wissen, dass der von Herrn Klingbeil und Frau Bas vorgegebene Kurs mittelfristig ins Verderben führen muss. Und dennoch setzt er diesen Kurz bereitwillig um und bekämpft alle Kritiker mit immer totalitäreren Methoden.
Viele sagen, der Kanzler zweiter Wahl sei nur eine Marionette, die im Auftrag von BlackRock, Soros und anderen unser Land zerstören soll. Ich glaube das nicht, sondern halte es eher mit Hanlon’s Razor: „Schreibe nicht der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend zu erklären ist“.
Wobei ich die „Dummheit“ im Fall von Merkel, Scholz, von der Leyen und Merz eher durch Egoismus ersetzen würde: es ging ihnen immer nur darum, die eigene Macht zu erhalten und auszubauen, die katastrophalen Folgen für unser Land sind ihnen einfach egal.
Allerdings dürfte im Fall des Kanzlers zweiter Wahl noch eine gehörige Portion gekränkter Eitelkeit dazukommen: man wollte ihn nicht, man mag ihn nicht, also soll der Pöbel büßen. Und vermutlich wird sich der Pöbel nicht wehren, sondern Merz & Co. ihr Zerstörungswerk fortsetzen lassen, bis auch durch eine echte 180-Grad-Wende kaum noch etwas zu retten sein wird.
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Kommentar von stephan manus
Der Grundfehler von dem Herrn hinter der Topflanze und den Altparteien ist m.E. ein Politikversagen auf ganzer Linie. Und das schon seit langem (ich würde sagen seit Merkel).
Willy Brandt, RIP, 1973: "Wir müssen natürlich zuerst an unsere eigenen Landsleute denken". Wäre heute AfD Sprech. Meiner Meinung nach, gehört die gesamte Politik ausgerichtet auf eigene Landesinteressen um den Niedergang Deutschlands zu stoppen und wieder auf ansteigendes Terrain zu zu bringen. Dann würde es m.E. auch wieder mit der Arbeitsmoral klappen.
Der gesamte Staatsapparat gehört entschlackt, die Finanzierung anderer Länder (Ukraine und andere korrupte Staaten weltweit) gehört gestoppt, das Feindbildnarrativ Russland geändert zu einem Freundbildnarrativ und die Massenmigration in die Sozialsysteme via Remigration gelöst. Merz beschwert sich über Bürokratie, Deindustrialsiserung und merkt nicht mal, dass seine Partei dafür verantwortlich ist. Inhaltsleere Worthülsen, ohne Tatendrang ist sein Geschäft.
Das Thema EU (Armut statt Wohlstand, Krieg statt Frieden) und das Thema Westeuropa Nato (Aufrüstung und Krieg gegen Russland) gehört auf den Verhandlungstisch, neu überdacht
Wohlstand per Definition verringt sich im Durchschnitt, wenn der erarbeitete Kuchen auf immer mehr Esser weltweit verteilt wird. Wenn das gewollt ist, bitte nicht beschweren und entsprechend kommunizieren..
Krankheitstage werden m.E. hoch bleiben. Spitzenreiter bleibt die öffentliche Verwaltung. Die Arbeitsmoral bleibt bestenfalls auf schlechtem Niveau, geht eher runter. Immer weniger haben Bock auf Arbeit. Ja, "Wofür eigentlich?"
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Kommentar von Thomas Jäpelt
Vielen Dank für den schönen Artikel! Ich bin auch Arzt und ich war es bis 31.12.2023 in einem eigenen MVZ. Beim Ausstieg beziehungsweise Verkauf, war ich 63 Jahre! Mir hat mein Job als Radiologe immer Riesenspaß gemacht, aber das war nur die halbe Wahrheit. Meine Partnerin und ich sind durch den übergriffig Staat regelmäßig gebeutelt worden, d.h. Steuerprüfung. Alle zwei Jahre, Dauer der Prüfung jeweils mindestens anderthalb Jahre. Wir haben uns immer regelkonform gehalten. Der Aufhänger war stets, das, was wir für unseren Mitarbeiter d.h. MF A gemacht haben, d.h. das was irgendwie den Mitarbeiter nutzt und uns auch. Und für das Finanzamt war das einfach , ein nogo!. Also haben Sie uns eine Peppermint Patty (ihr kennt alle Charlie, Brown und Co.) auf den Hals gehetzt. Und die gute Frau, jedem übrigen genauso agiert hat wie Peppermint Patty, hat 1,45 Jahre gebraucht, um uns ein Steuer Vergehen von 10,50 € nachzuweisen, dass im übrigen noch justiziabel ist. Diese Frau wurde über anderthalb Jahre von unseren Steuergeldern bezahlt. Das, was sie einspielt, ist ein Witz!. Und so ist alles in den letzten Jahren in Deutschland, einen Witz! Und dieser Witz hat dazu geführt, dass wir einfach unsere Praxis, die gut lief und einen Umsatz von 2 Millionen hatte pro Jahr einfach verkauft haben! Es hat zwei Jahre gedauert, in dem man immer etwas bezahlen muss, bis das Ganze vorbei ist. Und selbst das war heftig. Und es ist noch nicht vorbei. Aber trotzdem besser, als weiter in diesem Land noch irgendeine Tätigkeit unternehmerisch aufzubauen. Ich kann nur jedem raten, wenn ihr etwas wollt, wenn ihr Unternehmer seid, geht weg aus diesem Land! Und das tue ich nicht, weil ich ein troll bin, sondern weil ich Unternehmer war und weil ich Gott sei Dank vor zwei Jahren die Entwicklung vorausgesehen habe, und die Segel gestrichen habe. Ehrlich, seht euch doch mal unseren Fritz an!? Würdet ihr ihm, einen Gebrauchtwagen abkaufen? Ist das der Typ, dem ihr vertraut? Ich nicht (zugegeben, ich hätte das nicht gedacht), aber es ist so. Ich glaube, der möchte nur mal Kanzler gewesen sein! Das wird er ja bald sein, zu mindestens das gewesen sein! Wir hoffen, dass es früh möglichst kommt!