Von Außenreporter Gregor Leip
Wahlkampf in Magdeburg: Auf dem Domplatz vor dem Landtag schauen wir nach, wie der politische Gegner der AfD die letzten Tage bis zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt nutzt. Unsere Wahl fiel dabei auf eine Veranstaltung, welche die „taz“ schon in der Titelzeile als entschlossene migrantische Community erkannt haben wollte.
Etwas mehr als einhundert von Migranten geführte Magdeburger Läden und Geschäfte sollten heute geschlossen bleiben, erklärte der Veranstalter vom Flüchtlingsrat. Eine entschlossene Community, ein Weckruf, ein Zeichen gegen Rassismus und die drohende AfD-Regierung – so der Chor der Leitmedien von taz über FAZ bis Tagesschau und MDR.
In Magdeburg angekommen, fielen uns diese geschlossenen Geschäfte allerdings nicht auf. Im Stadtbild sah man hier und da mal eines der Veranstaltungsplakate in einem Schaufenster hängen. Bei dem einen oder anderen entschlossenen Gewerbetreiber war allerdings nicht klar, ob es nicht längst ein dauerhaft geschlossener Betrieb ist oder ob die Läden nicht ohnehin um die Mittagszeit geschlossen waren.
Um 12:30 Uhr – eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn – tummelten sich maximal ein Dutzend Personen auf dem Domplatz, die sich überhaupt als Teilnehmer der geschlossenen Läden zu erkennen gaben. Aber wenn einhundert Geschäfte aus politischen Gründen geschlossen sind, man von dem einen oder anderen migrantischen Großfamilienbetrieb ausgehen kann und das Personal motiviert wurde mitzumachen, wo sind dann eigentlich die fünfhundert von der kommenden Wucht der AfD erschrockenen selbstständigen Migranten und ihre verängstigten Angestellten?
Auf dem Platz zwischen Landtag und Dom waren kurz vor 13 Uhr mehr Leitmedien- und Pressevertreter als Demonstranten zu sehen. Fernsehsender – ZDF, ARD, MDR – waren mit Teams vor Ort und unterhielten sich mit den migrantischen Einzelhändlern. Im Vorbeigehen hörte man die ZDF-Moderatoren fragen: „Haben Sie Angst? Haben Sie Angst?“ Haben Sie doch bitte Angst in diesem fiesen Magdeburg!
Aus der Musikbox hallte „Bella Ciao“ und die „Moorsoldaten“ über den Domplatz. Wir fragen uns, wie es immer wieder gelingt, diese Demo-Nomaden zusammenzukarren. Einer der Bannerträger erklärt gegenüber Alexander-Wallasch.de, er wäre gar kein Magdeburger. Aber wer hat „Comandante“-Kassetten mitgebracht, die man sonst immer nur hört, wenn gerade Dieter Dehm mit seinem rotlackierten Moskwitsch vorbeifährt? Omas gegen Rechts dürfen auch in Magdeburg nicht fehlen. Ältere Damen und Herren in Bunt. Geflochtene Zöpfe in Grau. Und dazu ausgewaschene Batik-Klamotten aus einer besseren Zeit – Klischee live!
Andere Teilnehmer standen in kleinen Gruppen herum, teilweise mit dem Logo ihrer NGO auf dem Rücken. Eine Palästina-Flagge hängt schlapp im fehlenden Wind, ebenso wie die blutrote Standarte der Gewerkschaft ver.di.
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Ein Veranstalter sprach in eines der hingehaltenen Mikrofone, er erwarte auf dieser Veranstaltung physische Gewalt und Gegenaktionen der Rechten aus Magdeburg. Davon war allerdings außer der üblichen Polizeipräsenz nichts zu sehen. Und als die Kamerateams die bestmöglichen Positionen für ihre Interviews suchten, damit nicht so auffällt, dass eigentlich kaum Teilnehmer da sind, wurde einmal mehr deutlich, wie dieser ganze politische Kampf mediengemacht ist.
So sieht er also aus, der große Migra-Streik 2026 in Magdeburg: Wenige Einheimische, importierte Banner, Batik und Bella Ciao, Kameras, die fleißig das Nichts filmen, während draußen vor den Türen die Realität einfach weiterläuft. Die Leitmedien haben wieder einmal eine entschlossene Bewegung aus dem Nichts gezaubert. Ob das die Wähler in Sachsen-Anhalt beeindruckt? Man darf Zweifel haben.
Aber was tun, wenn man schon mal da ist? Aus der Not eine Tugend machend schauen wir im Dom dem Aufbau der morgigen Herbert-Grönemeyer-Chorveranstaltung zu. Der Stadion-Grönemeyer im Dom? Tatsächlich will der 70-jährige Bochumer Sachsen-Anhalt vor der blauen Stunde bewahren. Der Reichsparteitags-Schreihals von Wien hat die Öffentlichkeit im Magdeburger Dom allerdings ausgeschlossen. Lediglich 350 Sänger und Sängerinnen sollen frisch geimpft mit Propaganda die Wähler mental von der AfD abhalten. Die Aktion mit Menschen aus verschiedenen Chören Sachsen-Anhalts will das Verbindende der Chormusik betonen. Der Termin für diese Grönemeyer-Fischerchöre ist für morgen angesetzt. Oder wie es Heino singen würde: Ja, so blau, blau, blau blüht der Enzian …
Man kann es auch „kulturelle Notwehr“ nennen, wenn die üblichen Mittel versagen. Doch die Professionalität der Organisation mit Grönemeyers „MoschusMusic GmbH“ und Nicole Zabel als professionelle Geschichtenerzählerin von „Planet Narrative“ geht weit über die Grönemeyer-Erklärung zur Veranstaltung hinaus. Der Bochumer wollte wissen: „Was verbindet uns? Und wie wollen wir in den nächsten Jahren miteinander leben?“
Für die Initiative „Gemeinsame Sache“ arbeitet der Mann mit den Flugzeugen und dem Currywurst-Kraftriegel im Bauch unter anderem mit dem Verein Heimatbewegen in der Kleinstadt Ballenstedt (Landkreis Harz) zusammen. Aber so freaky und rührend wie das alles klingen will, so potemkinsch ist es in Wahrheit: Hinter dem Label „Zusammenbringen“ und „Gemeinschaft statt Alltagspolitik“ steckt eine handfeste Inszenierungsmaschinerie, die den Anschein zivilgesellschaftlicher Spontaneität wahrt, während professionelle Narrative-Profis und Firmenstrukturen die Fäden ziehen.
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