Der Lagebericht: Was passiert im Ukraine-Krieg – Ein neues Format gibt Auskunft

Im Interview: Torsten Heinrich - und ab 20 Uhr sendet der Militärhistoriker live auf Youtube

von Torsten Heinrich (Kommentare: 5)

Nach einem etwa einstündigen Lagebericht folgt die Frage-Antwort-Runde ist, wo die Zuschauer Fragen stellen können zu Torsten Heinrichs relevanten Themen.© Quelle: Youtube / Militär & Geschichte mit Torsten Heinrich

Der fundierte Lagebericht zum Kriegsgeschehen live moderiert vom Militärhistoriker Torsten Heinrich auf seinem erfolgreichen Youtube-Kanal.

Liebe Leser und Freunde. Wir starten heute mit einem neuen Format: Torsten Heinrich bei alexander-wallasch.de

Und so machen wir es:

Regelmäßig, ein paar Stunden bevor Torsten Heinrich auf Sendung geht, informieren wir Sie über die kommende Sendung und bieten Ihnen den Link zur Sendung zum gemeinsamen Anschauen an. Zusätzlich und im losen Turnus von zwei Wochen führen wir in schriftlicher Form Gespräche mit Torsten Heinrich, der dann exklusiv für alexander-wallasch.de die vergangenen Tage zusammenfassen wird.

Kurz zur Vorgeschichte:

Meine erwachsenen Söhne machten mich auf ein Youtube-Format aufmerksam, dass sie regelmäßig mit Begeisterung schauen. So lernte ich den Militärhistoriker Torsten Heinrich kennen.

Der erfolgreiche Youtube-Blogger sendet live und deutschsprachig aus Panama. Heinrich stellt seine Inhalte im Anschluss seiner Analyse auf YouTube zur Diskussion und beantwortet Fragen von mittlerweile weit über 30.000 Abonnenten. Torsten Heinrich ist exzellenter Analyse-Experte des Kriegsgeschehens in der Ukraine. Und er ist ein kluger und unterhaltender Moderator seiner Analysen.


Heute um 20 Uhr startet der nächste Ukraine-Lagebericht von Torsten Heinrich im Youtube-Livestream. Wer mag, schaut mit uns gemeinsam hier:

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Wir haben Torsten Heinrich zum Auftakt unseres neuen Formates interviewt.

Alexander Wallasch: Was machen Sie im Youtube? Wie sind Sie dazu gekommen?

Torsten Heinrich: Ich beschäftige mich seit dreißig Jahren mit den Themen Militär, Streitkräfte, Militärgeschichte, Geopolitik, Konflikte et cetera. Natürlich muss man das in einen gewissen Rahmen setzen: Ich werde gerade vierzig. Das heißt, ich habe als Neunjähriger begonnen, mich dafür zu interessieren und mein Interesse natürlich auf völlig anderem Niveau betrieben, als ich es heute tue.

Ich habe de facto das, was ich jetzt mit dem Youtube-Kanal mache, im zweiten Bergkarabach-Krieg gemacht, also 2020. Dort habe ich Videos analysiert, Propaganda analysiert, Entwicklungen an der Front analysiert. Aber alles nur per Text auf meiner Facebookseite, sodass es dort wahrscheinlich eintausend Menschen maximal gelesen haben. Als es jetzt in der Ukraine begann, hat mich meine Freundin ermutigt, einfach mal einen Youtube-Kanal zu machen. So fing das an.

Alexander Wallasch: Wie schaffen Sie es, die Balance zu halten, dass Sie da nicht irgendwie in eine Richtung geschoben werden?

Torsten Heinrich: Ich bin Historiker. Jetzt muss man das ein bisschen in Relation setzen. Das ist keine geschichtswissenschaftliche Arbeit. Das heißt, das ist nicht die Arbeit eines Historikers, die ich dort mache. Aber als Historiker habe ich Quellenkritik gelernt. Quellenkritik ist die Essenz des Historikers. Das ist seine Kernfähigkeit.

Was ich tun kann, ist mir Informationen aus möglichst vielen unterschiedlichen Informationsquellen zu suchen und diese aufgrund meiner angelernten Fähigkeit der Quellenkritik zu bewerten nach ihrem Wahrheitsgehalt.

Das heißt, ich abonniere die wahrscheinlich 25 populärsten pro-russischen Telegram-Propaganda-Kanäle. Ich folge pro-ukrainischen Kanälen, ich folge Think-Tanks, Politikern aus dementsprechenden Spektren und den entsprechenden Ländern et cetera. Das heißt, ich filtere das durch und bewerte es anhand der Aussagen.

Und dementsprechend ist es klar, dass eine pro-russische Quelle, die über russische Erfolge spricht, natürlich weniger glaubwürdig ist als eine pro-russische Quelle, die über russische Niederlagen spricht. Ich versuche erst einmal, die Qualität und den Wahrheitsgehalt hochzuhalten, indem ich beide Seiten miteinander abgleiche und dann im Idealfall mich weitestgehend nur auf tatsächliche Belege beschränke. Die Verlustzahlen, die beide Seiten nennen, auf die gebe ich relativ wenig. Nicht weil sie per se falsch sein müssten, sondern weil der sogenannte Nebel des Krieges einfach eine historische Tatsache ist.

Um das zu illustrieren: Im Zweiten Weltkrieg greift ein deutsches Jagdflugzeug eine amerikanische Bomberstaffel an, die hat zehn Flugzeuge und aus den zehn Flugzeugen schießen die Bordschützen. Und das deutsche Flugzeug wird abgeschossen.

Daraufhin glaubt jeder der zehn Bordschützen, der geschossen hat, er hat einen Abschuss erzielt und meldet den. Und am Ende werden eventuell zehn Abschüsse gemeldet, wo nur ein Flugzeug abgeschossen wurde. Das ist völlig normal, dass so etwas passiert. Das muss nicht einmal böser Wille sein. Aber es ist völlig klar, dass diese Zahlen von beiden Seiten einfach Humbug sind. Die Frage ist nur, wie weit sind sie Humbug und wie weit ist es dreistes Lügen oder nicht?

Das heißt, ich beschränke mich, was solche Dinge angeht, ausschließlich auf das, was Bildbelege sind, wenn es zum Beispiel um die Verluste geht. Wenn ich von riesigen Massen von Gefangenen höre, dann warte ich darauf, dass ich die Videos sehe. Ansonsten gibt es die Gefangenen nicht. Und wenn es um Territorialveränderungen geht, dann schaue ich mir an, ob beide Seiten zustimmen. Wenn die Ukrainer melden, sie haben eine Stadt verloren, dann können wir davon ausgehen, dass die in russischer Hand ist.

Wenn die Russen sagen, Lyman wurde eingekesselt, dann ist Lyman ziemlich sicher eingekesselt. Und so versuche ich eben bei den Fakten zu bleiben. Und wenn sie mich auf das Ideologische ansprechen: Ja, ich habe eine klare Position für mich. Ich bin pro-ukrainisch, ich bin nicht neutral. Wirkliche Neutralität ist bei einem so emotionalen Thema wohl auch kaum möglich. Was allerdings möglich ist, ist ein aufrichtiges Bemühen um Objektivität. Das tue ich für mich und meine Zuschauer.

In der Vergangenheit, vor etwa fünfzehn Jahren, habe ich einmal gelernt, dass man in einer Sache einhundert Prozent falsch liegen kann, auch wenn man von deren Richtigkeit felsenfest überzeugt ist. Und das war eine unfassbar lehrsame Erfahrung, die ich nicht missen möchte, weil sie mir gezeigt hat, wo die eigenen Grenzen liegen und wie wichtig es ist, sich mit den Gegenargumenten auseinanderzusetzen.

Wenn man das jetzt hier auf den Konflikt übertragen würde: Ich mag vielleicht pro-ukrainisch sein, das darf für seriöse Arbeit aber nicht bedeuten, dass ich die Welt pro-ukrainisch sehe. Erst recht nicht radikal pro-ukrainisch. Allerdings halte ich es im gleichen Zusammenhang für sehr wichtig, dass meine tatsächlich existierenden Ansichten auch meinen Zuschauern bekannt sind. Nicht, weil ich sie zwingend missionieren will, sondern weil dies dann auch aus der Quellenkritik der Zuschauer meine Aussagen in das richtige Licht rückt. Ich will es also praktisch dem Zuschauer einfacher machen, meine Aussagen in einem Kontext zu sehen. Das gehört zu meinem Bemühen um aufrichtiges Arbeiten.

Wenn ich anfange, negative Nachrichten über die Ukraine zu ignorieren, zu leugnen oder gar Positives herbeizulügen, dann muss ich mittels Unwahrheiten meine eigene Position unterstützen.

Und im entsprechenden Maße würde das bedeuten, dass meine eigene Position vielleicht nicht ganz korrekt ist. Und daher gehe ich offen darauf ein. Denn wenn ich die Ukraine zu Recht unterstütze, dann kann ich auch offen und ehrlich mit ihr umgehen und auch offen und ehrlich ihre Schwächen thematisieren. Ihre Fehler, die Kriegsverbrechen, die belegt wurden und so weiter.

Alexander Wallasch: Haben Sie Informationen darüber, ob die Alt-Medien so jemanden wie Sie in ihren Redaktionen sitzen haben, der den Journalisten zuarbeitet? Oder da im besten Fall selbst genügend Journalisten sitzen, möglicherweise erfahrene Kriegsreporter, die auch ein adäquates militärhistorisches Wissen mitbringen?

Torsten Heinrich: „Genügend“ definitiv nicht. Und das ist ganz einfach zu erklären: Militär, Streitkräfte, Krieg ist ein Tabuthema, ein unangenehmes Thema. Ich wurde selber in der Vergangenheit diesbezüglich attackiert. Wie könne ich denn für so etwas Begeisterung zeigen?

Das heißt, sich mit diesem Thema zu beschäftigen, ohne gleich einen Widerwillen zu zeigen. Ein gewisses tiefergehendes Interesse zu zeigen, funktioniert wahrscheinlich eher selten, wenn man gleichzeitig davon angewidert ist. Das ist einfach etwas, was im deutschen Kulturraum nicht populär war und entsprechend dann natürlich auch fehlt.

Es gibt selbstverständlich Personen im deutschen Sprachraum, die ich respektiere diesbezüglich. Aber es gibt ganz klar in Redaktionen auch Leute, wo man den Eindruck bekommt, der macht das, weil ihm der Chefredakteur gesagt hat: Mach du das mal!

Alexander Wallasch: Was kann denn der Zuschauer morgen um 20 Uhr von Ihrer Live-Sendung auf Youtube erwarten?

Torsten Heinrich: Das, was ich mache in den regelmäßigen Sendungen, ist ein Lagebericht. Das heißt, ich kläre detailliert über die Entwicklungen an der Front auf. Wie hat sie sich verändert? Was ist passiert? Was können wir daraus lesen?

Das heißt, ich gehe in die Interpretation, wenn es zum Beispiel um die Frage geht, welche Seite die Initiative hat, die ja enorm wichtig in der Kriegsführung ist.

Hier nur als Vorgriff: Wir können aktuell klar konstatieren, dass die strategische Initiative jetzt auf Seiten der Ukraine ist. Diese Dinge schaue ich mir an, ich berichte die Entwicklungen an der Front, wenn dort etwas Spannendes passiert. Wenn wir uns die Stadt Donezk anschauen: Von dort aus gehen die Angriffe in Richtung Avdiivka. Da passiert praktisch nichts seit Wochen.

Entsprechend fasse ich das mit zwei Sätzen zusammen und gehe dann weiter. Und nachdem ich die direkten Front-Entwicklungen durchgesprochen habe, bewerte ich diese, ordne diese ein. Was können wir daraus lesen? Welche Seite führt was durch?

Das heißt, ich nehme nicht einfach Meldungen zusammen, sondern ich interpretiere die und setze sie in einen Zusammenhang und führe da eine Synthese durch, sodass der Zuschauer ohne eigene Kenntnisse lernt, was dies zu bedeuten hat.

Alexander Wallasch: Gibt es noch irgendwas, was Sie meinen Lesern, deren Neugierde wir wecken konnten, mit auf den Weg geben wollen, wenn es am Samstagabend um 20 Uhr losgeht?

Torsten Heinrich: Was vielleicht noch interessant wäre zu sagen, dass nach dem Lagebericht normalerweise mindestens eine Stunde, mitunter bis zu zwei Stunden Frage-Antwort-Runde ist, wo die Zuschauer Fragen stellen können zu den für mich relevanten Themen. Wer mag, kann gerne meinen Kanal abonnieren und die Youtube-Glocke drücken.


Hier gehts zum YouTube Kanal Militär & Geschichte mit Torsten Heinrich: https://www.youtube.com/c/MilitärGeschichte

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Kommentare

Kommentar von Christian Herberg

Herr Heinrich hat seine dreißigjährige Beschäftigung mit den Militärthemen im Interview selbst eingeordnet, werter Herr Kerner. Er hat im vollen Wortlaut gesagt (und da haben Sie bei der von Ihnen zitierten Stelle leider abrupt abgebrochen): "Ich beschäftige mich seit dreißig Jahren mit den Themen Militär, Streitkräfte, Militärgeschichte, Geopolitik, Konflikte et cetera. Natürlich muss man das in einen gewissen Rahmen setzen: Ich werde gerade vierzig. Das heißt, ich habe als Neunjähriger begonnen, mich dafür zu interessieren und mein Interesse natürlich auf völlig anderem Niveau betrieben, als ich es heute tue." Seine zunächst jugendliche Leidenschaft hat sich also zum Expertentum eines erwachsenen Menschen entwickelt. Auf mich wirkt das nachvollziehbar authentisch. Auf Sie auch, oder? Auch was die Fronterfahrungen anbelangt, empfinde ich Ihr Argument doch als sehr verengt. Sicherlich sind direkte Kriegserfahrungen ein wichtiger Baustein für einen Erkenntnisgewinn. Doch können sie nicht das mit Hilfe von möglichst vielen unterschiedlichen Quellen erworbene Wissen über die Gesamtzusammenhänge eines komplexen Kriegsgeschehens ersetzen.

 

Kommentar von Alfonso Kerner

Wenn er sagt "Ich werde gerade vierzig. Ich beschäftige mich seit dreißig Jahren mit den Themen Militär, Streitkräfte, Militärgeschichte, Geopolitik, Konflikte et cetera", dann muss ich mich schon fragen, wie ernst kann man so einen Mann überhaupt nehmen.

Ansonsten gilt auch hier: Nur wer selber vor Ort an der Front (nicht in Kiew) ist, weiß, was dort wirklich passiert und geschehen ist. Alles andere ist Meinungmache.

Kommentar von hans

Paul Ronzheimer von der BLÖD ist auch 'pro-ukrainisch'. Wenn ich Torsten Heinrichs website
torstenheinrich.online ansteure, gibt es ein Warnhinweis; 'Der Besuch einer nicht vertrauenswürdigen Website wurde verhindert.'

… ach ja, ich bin pro-deutsch.

Kommentar von Hildegard Hardt

Nachtrag:

Da mir Torsten Heinrich bis heute unbekannt war, habe ich mich mal ein bißchen auf seiner Seite umgeschaut.
"Hat Russland Nord Stream zerstört?" v. 29.09.22 war sehr interessant, vor allem die Begründungen für eine mögliche russische Urheberschaft. In diesem Zusammenhang sollte berücksichtigt werden, daß W. Putin ein exzellenter Schachspieler ist und dafür ist strategisches Denken und Weitblick zwingend notwendig. Offenbar hat der Westen das nicht auf dem Schirm.

Kommentar von Hildegard Hardt

Danke! Endlich ein Lichtblick im ganzen Wirrwarr der einseitigen Berichterstattung. Ich werde läuten.