Schiss vor Peter Thiel – der hochumstrittene Tech-Gigant darf nicht kommen

Milo Rau knickt vor dem eigenen Mob ein: Wiener Festwochen canceln Peter Thiel

von Gregor Leip

Ideologiewoche im Quatschtheater© Quelle: Wikipedia/by Gage Skidmore, Wiener Festwochen, Montage: Wallasch

Die Wiener Festwochen haben eine geplante Diskussion mit Peter Thiel abgesagt. Der PayPal-Mitgründer, Palantir-Investor und CIA-nahe Überwachungskapitalist gilt für viele als Inbegriff des Bösen, als ein erklärter Gegner von Demokratie und Freiheit und ein suspekter Technokrat und Elitist. Milo Rau, bekannt für sein AfD-Tribunal am Thalia Theater, gibt nach – und entlarvt damit die ganze Doppelmoral des politischen Theaters.

Heute Abend um 20 Uhr haben die Wiener Festwochen die für den 7. Juni 2026 geplante Diskussion mit dem deutsch-amerikanischen Tech-Unternehmer Peter Thiel abgesagt. Die Pressemeldung von Intendant Milo Rau und Geschäftsführerin Artemis Vakianis kam nach tagelangem medialem Druck und einer wachsenden Zahl von Absagen aus dem künstlerischen Programm.

Peter Thiel ist Mitgründer von PayPal, Investor bei Palantir und ein Denker, der schon mal Freiheit und Demokratie für unvereinbar erklärt. Thiel hat aber auch den woken Kapitalismus scharf kritisiert und steht für seine elitären, technokratischen Positionen massiv in der Kritik. Heute gilt er vielen von links und rechts als das ultimative Böse – ein Mann, der mit Überwachungstechnologie, Machtnetzwerken und anti-demokratischen Ideen assoziiert wird.

Besonders schwer wiegt für seine Kritiker die Frühfinanzierung von Palantir durch die CIA: Das Unternehmen erhielt 2004/2005 einen ersten Millionenbetrag von In-Q-Tel, dem Venture-Capital-Arm der CIA. Diese Verbindung machte Palantir zum Symbol für eine neue Generation von Überwachungskapitalismus.

Genau diese hochumstrittene Figur hatten Rau und Vakianis zunächst eingeladen, frei nach dem Motto: Polarisierung schafft Relevanz, eine simple Rechnung also. Weil den Machern aber doch etwas mulmig wurde, wurden Gremien befragt, eine öffentliche Debatte im Odeon-Theater veranstaltet und ein Expertengremium einberufen, das dann eindeutig für die Durchführung plädierte – das Ding also legitimierte.

Das Beratungsgremium – unter anderem Matthias Pees von den Berliner Festspielen – hatte es noch klar gesagt: Eine starke Gesellschaft muss polemische, spaltende, extremistische oder undemokratische Stimmen aushalten, ihnen entgegentreten und sie widerlegen können. Schon bizarr genug für den linken Kulturbetrieb, dass so etwas explizit diskutiert werden muss. Aktionskünstlerikone Christoph Schlingensief wird sich totsicher im Grab umgedreht haben.

Trotzdem ist diese Zustimmung nun null und nichtig, ab in den Papierkorb. Rau und Vakianis haben dem Druck nachgegeben, weil einige Künstler aus „ethischen Gründen“ absagen und das Programm angeblich in einem „untragbaren Umfang“ schwächen würde. Ausgerechnet unter dem Festivalmotto „Republic of Gods“, das große Mythen, Extremglauben und apokalyptische Visionen verhandeln wollte.

Willkommen in der Realität einer vorauseilenden Unterwerfung vor dem eigenen Milieu.

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Richtiggehend peinlich wird es, wenn man sich dazu näher mit Milo Rau beschäftigt. Derselbe Regisseur, der am Thalia Theater Hamburg den „Prozess gegen Deutschland“ inszeniert hat – ein aufwendiges Tribunal, das ohne den Angeklagten über AfD-Verbot, rechte Netzwerke und „Techno-Faschismus“ zu Gericht saß.

Rau hat seine Karriere auf – na ja – Tabubrüchen aufgebaut: Schockinszenierungen, Kapitalismuskritik, linke Anklagen. Aber klar: Solange die Provokation in die gewohnte Richtung zeigt und das Förderpublikum applaudiert, ist er der große Aufklärer. Sobald aber einer wie Thiel daherkommt, dessen Einfluss auf Technologie, Politik und Macht echt und unbequem ist, heißt es plötzlich „Verantwortung für das Gesamtprogramm“. Die Doppelmoral stinkt zum Himmel.

Dabei hätte sich der Antidemokrat Thiel womöglich prima mit dem linken antidemokratischen Kulturbetrieb verstehen können. Fürchte Rau am Ende, dass man es bemerkt?

Cancel-Absagen werden also in Wien nicht als Erpressung benannt, sondern brav erfüllt. Das Signal, das so nach draußen gesendet wird, ist verheerend: Die Wiener Festwochen knicken ein, weil der Druck aus der eigenen Blase zu laut wird.

Thiel ist ein radikaler Denker, der thematisch perfekt in ein Festival passt, das sich mit Göttern und Endzeiten beschäftigt. Ihn auszuladen, weil ein paar Künstler ethische Bedenken vortragen, zeigt vor allem eines: Die eigene Position ist offenbar so brüchig, dass sie den Konflikt nicht mehr aushält – ein Offenbarungseid. Was für ein albernes Theater der Angst vor der Blase, Angst vor Presse, Angst vor dem Verlust von Reputation und Förderung.

Milo Rau ist ein Kulturversager. Denn wer ständig linkslastig von freier Republik, offener Gesellschaft und politischem Theater spricht, muss auch jemanden wie Peter Thiel auf die Bühne lassen können. Sonst bleibt nur die traurige Gewissheit: Die ganze Inszenierung von Mut und Freiheit ist ein Windbeutel und ein Symptom dafür, wie tief sich diese linke Kulturszene schon selbst entmündigt hat.

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