Von Christa Ritter
Sein Protagonist startet mit dem drückenden Unbehagen als Teenie, ihn drückt die Gewissheit, dass die Eltern die Nazizeit mittrugen, also wie alle Deutschen an den Leichenbergen beteiligt waren. Er sucht jetzt wie alle damaligen Jungen eine bessere Welt.
Damit beginnt ein unterhaltsamer wie bittersüßer Trip, der diesen Sucher in den Rock’n Roll, in Drogen, Liebesversuche und aus dem elterlichen Berlin immer wieder in die Entdeckung neuer Gefühlswelten führt.
Als Leserin war ich schnell an seiner Seite, denn seine Story fühlte sich meiner sehr ähnlich an. Dieses komisch verdruckste Elternhaus, die autoritäre Gesellschaft, das Muffig-Erstarrte und daher des Protagonisten ständige Versuche, sich aus solch tödlichem Schicksal zu befreien. Ich las von seinen Teenie-Jahren auch meiner ersten Schritte in eine liebevollere Zukunft. Sehr szenisch geschrieben, locker und leicht.
Ich dachte: Bisher erzählen wir Kriegs- und Nachkriegskinder uns noch sehr wenig von unseren systemsprengenden Erfindungen neuer Menschen. Selbst wie hier von den ersten Schritten gibt es sehr wenige Erzählungen. Selbst unsere Anfänge sind wohl durch die Nähe und Unmittelbarkeit zu frisch, um schon zu begreifen.
Das Private ist politisch, lautete die 68er Devise. Wir sind noch mittendrin. Darin könnte auch der Grund liegen, weshalb dieser Roman nur die ersten Jahre erzählt und das Ziel oder den Sinn seiner Reise leider noch nicht verraten kann.
Wohin führt dieser unglaubliche Aufbruch? Diese Frage wird also nicht beantwortet. Schließlich prägt aber diese eigenartig hohe Erfahrung uns alle bis heute, verändert zwar sehr langsam, aber doch deutlich die Geschlechter, die Familie, alles, später angeschoben durch das Internet der Kalifornischen Hippies.
Der Verlag schreibt zum Buch:
„In seinem autobiografisch inspirierten Roman erzählt Stefan Roloff von Jugend und Aufbegehren in den deutschen 60ern, zwischen dunkler Vergangenheit und Wirtschaftswunder, über die Popkultur und sexuelle Revolution hereinbrechen – wild, rauschhaft und frei.“
Stefan Roloff: „Durchbrenner“ (Rowohlt Verlag, Hamburg) 25,00 Euro
Christa Ritter über Christa Ritter:
"Bin auch so eine wie der im Roman: Die Nachkriegszeit-Welt der Alten war ein No Go. Und seitdem werde ich eine Selbst-Frau, Community mäßig mit weiteren verrückten Frauen und Langhans in Freedom-Schwabing."