Gesamtgesellschaftliche Anstrengungen versus parteipolitischer Klüngel

Polizeichef a.D. warnt vor fortschreitender Demontage der Meinungsfreiheit

von Ulf Küch (Kommentare: 2)

Diese Art von Moral einer politisch eingeschüchterten und fehlgesteuerten Gesellschaft wird zu totem Material: Eine Fehlinvestition in die Zukunft unseres Landes.© Quelle: Foto Ulf Küch, Pixabay /Couleur

Der Braunschweiger Ex-Polizeichef und Bestsellerautor („Soko Asyl“) Ulf Küch saß schon bei Anne Will in den hellen Ledersesseln. Aber auch in den sozialen Netzwerken nimmt er kein Blatt vor den Mund. Küch geht dahin, wo es weh tut: Klartext auf gut Norddeutsch.

Mit großer Sorge beobachte ich die zunehmend rabiatere Tendenz in den Medien, sich mit missliebigen Meinungen gar nicht mehr auseinanderzusetzen, sondern vielmehr die nicht in den dort herrschenden Mainstream passende Auffassung mit den Begriffen „Schwurbler, Nazi, Klima-Kriegs-Covid-Leugner oder schlichtweg Idioten“ abzutun und damit zu versuchen, Menschen mundtot zu machen.

Leider ist das mit Hilfe der sogenannten „Qualitätsmedien“ (Originalzitat von Ursula von der Leyen) schon recht gut gelungen und zu viele kritische Geister, nein, ich meine hier nicht wirklich die schnell erkennbaren Outlaws sowohl im ganz rechten als auch im linken Spektrum, sondern kluge und differenzierende Menschen mit halt anderen Auffassungen.

Mir geht es hier um diejenigen, die klug und achtsam derzeitige Entwicklungen analysieren und den Finger in die Wunde zu legen versuchen.

Ich habe den Eindruck, dass wir leider in eine Periode des vorgeschriebenen Denkens und der vorgeschriebene Gefühle und Auffassungen gekommen sind, aus welcher wir uns schnellstens verabschieden sollten, damit keine weiteren Schäden an unserer Demokratie entstehen.

Warum müssen wir uns von der Politik und der Mehrheit der medialen Berichterstattung das Denken und Fühlen vorschreiben lassen – ich frage mich: Müssen wir das?

Persönlich erinnern mich solche politischen Äußerungen vom Gros der Berliner Regierung und der sie tragenden Parteien schon lange nicht mehr nur an schlichte Demagogie.

Nein, diese Politiker denken wirklich so und ich frage mich: Warum muss ich als kritischer Betrachter der Gegenwart immer in Demut darüber hinwegsehen?

Mit der politischen Vorgabe, dass wir unser Denken und Handeln uniformieren, ist doch der Weg zum Kollektivdenken und -verhalten vorgegeben, ein Verhalten, dass noch bis vor Jahren als sozialistisches Gespenst galt.

Es stellt sich mir die Frage, warum eine den „Faktencheckern“ missliebige Meinung dazu führt, dass man diese unterdrückt, sie löscht oder gar nicht erst verbreitet, weil sie in der Regel die andere, eben nicht erwünschte Seite der Medaille zeigt?

Welche fatalen Entwicklungen sind durch diese Aktionen initiiert?
Wer hat denn ein Interesse daran und wem dienen sie?

Um hier Heinrich Böll zu zitieren:

„Warum lässt man uns nicht friedlich tummeln? Tummeln wir Tümmler uns also weiter, während die kleinen Fische weiterhin von den Großen gefressen werden. Die Freiheit, die einer hat, wird suspekt, wenn andere sie nicht haben?“

Es tut mir als aufrechter liberaler Demokrat (nicht FDPler) mit einer grundkonservativen, aber sehr sozial ausgerichteten Grundhaltung in der Seele weh, wenn Widerspruch, Kritik und Reformforderungen im
21. Jahrhundert wie die Pest gefürchtet werden.

Diese Art von Moral einer politisch eingeschüchterten und fehlgesteuerten Gesellschaft wird zu totem Material, ja sie ist die Fehlinvestition in die Zukunft unseres Landes und vermutlich sogar weit darüber hinaus.

Die jetzt immer deutlicher werdende Vorstellung vom raffenden und verlogenen Politiker, Intendanten oder Wirtschaftsboss treibt mich in der Tat um. Damit nimmt unsere Demokratie schweren Schaden, denn ein zu großer Teil unserer gewählten Politiker betrachtet die Berliner Republik offenbar als einen Discounter, der zur Mitnahme einlädt.

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Mitnichten liebe Politik! Unsere Demokratie wird noch mehr Schaden nehmen, wenn die Gewählten künftig nicht mehr unter ihre Wähler treten können, da die Luft immer dünner gemacht wird.

Daher muss jetzt in diesen kritischen Zeiten an der Plattform unserer Demokratie mehr denn je gearbeitet werden, da ansonsten Kräfte wieder gerufen werden, die eigentlich mit dem Untergang des Drittens Reiches und der DDR in der deutschen Geschichte ad acta gelegt waren!

In der derzeitigen Lage reicht es eben nicht mehr aus, wenn sich einige vollkommen überforderte Berliner Politiker damit versuchen, ein demokratisch schwer angeschlagenes und wirtschaftlich beschädigtes Schiff namens Bundesrepublik Deutschland wieder flottzumachen.

Hier sind gesamtgesellschaftliche Anstrengungen erforderlich und kein parteipolitischer Klüngel. Wohin der letztlich führt, hat uns Weimar deutlich gezeigt!

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Kommentare

Kommentar von Christine P.

Ich denke nicht, daß es ein gesamtgesellschaftliches Problem ist.
Bis jetzt ist es doch so, jeder gibt mal einen Kommentar ein und ist der Meinung, damit ist alles gesagt.
Die Medien lügen und betrügen, von sich aus oder auf Druck der Regierung und die Kleinen da unter sollen alles Kommentarlos hinnehmen. Was nützt ein Statment von einem Polizeichef a.D., wenn dieselbige gegen friedliche Demonstranten vorgeht.
Ich hoffe nicht, daß dieses Land schon verloren ist, aber lange kann es nicht mehr dauern.

Kommentar von Joachim Winter

aber was meint der Herr? Im letzten Absatz kommen die Gesamtgesellschaftlichen Aktionen ins Spiel, die genau das sind, was wir den ganzen Tag vor gekaut bekommen: Außerkraftsetzen der demokratischen Spielregeln zu Gunsten eines kollektiven. Hier wird offensichtlich der Bock zum Gärtner gemacht. Wie wäre es damit, die normalen demokratischen Spielregeln und die Grundrechte einfach einzuhalten