„Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ (Matthäus 5,9).

Predigt eines Kriegstreibers im Hamburger Michel

von RA Dirk Schmitz

Segnet die Kanonen!© Quelle: https://esut.de/2026/11/meldungen/76478/nur-als-christ-soldat-sein/ Screenshot

Natürlich kann auch ein Christ Soldat sein. Aber zwischen der gewissenhaften Rechtfertigung äußerster Gewalt zur Abwehr eines Angriffs und der religiösen Überhöhung militärischer Einsatzbereitschaft liegt ein gewaltiger Unterschied.

Von RA Dirk Schmitz M.A.

Was für eine Verkehrung der christlichen Botschaft: Ein deutscher General steht im Hamburger Michel und erklärt, weshalb er gerade als Christ Soldat sein könne.

Generalleutnant Christian Freuding, Inspekteur des Heeres, sprach am 2. November 2026 vor rund 800 Zuhörern in der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis.

Er forderte vor Gott ein Heer, das kämpfen und gewinnen könne, und erklärte zugleich, die Suche nach Frieden sei ein biblischer Auftrag. Besonders bemerkenswert ist seine Aussage, der Frieden sei kein Selbstzweck, sondern „Voraussetzung, Bedingung und Ergebnis einer gerechten Ordnung“.

Was für ein Satz. Und was für eine irre Verschiebung der Maßstäbe.

Der Drohung von Krieg und Gewalt sollten alle Christen wehrhaft entgegentreten. Die Wahrung des Friedens schließe stets das Streben nach Gerechtigkeit mit ein. Friede sei kein Selbstzweck, sondern „Voraussetzung, Bedingung und Ergebnis einer gerechten Ordnung“. Für sich persönlich stellte Generalleutnant Freuding heraus, dass er nur Soldat als Christ werden konnte.

In der Bergpredigt heißt es nicht: Selig sind, die eine gerechte Ordnung mit militärischen Mitteln durchsetzen. Es heißt: „Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ (Matthäus 5,9).

Jesus sagt nicht: Liebt eure Feinde, sofern sie sich euren sicherheitspolitischen Vorstellungen unterwerfen. Er soll stattdessen gesagt haben: „Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen.“ (Matthäus 5,44).

Und als Petrus zum Schwert greift, soll die Antwort Jesu geheißen haben: „Stecke dein Schwert an seinen Ort! Denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen.“ (Matthäus 26,52).

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Natürlich kann auch ein Christ Soldat sein. Aber zwischen der gewissenhaften Rechtfertigung äußerster Gewalt zur Abwehr eines Angriffs und der religiösen Überhöhung militärischer Einsatzbereitschaft liegt ein gewaltiger Unterschied.

Das Christentum ist keine militärische Mobilisierung. Der Altar ist keine Bühne geistlicher Aufwertung deutscher Kriegstüchtigkeit.

Besonders pervers ist die Behauptung, Frieden sei kein Selbstzweck. Die christliche Friedensbotschaft darf nicht zur politischen Verfügungsmasse werden. Die Gerechtigkeit ist keine Blankovollmacht für den Krieg. Das will dieser Typ. Und um es in der Sprache des Christen zu formulieren: Fahr zur Hölle!

Freuding erklärt, jeder weitere Tag ukrainischen Widerstands verschaffe Deutschland Zeit, seine eigene militärische Einsatzbereitschaft zu erhöhen.

Man kann die Unterstützung der Ukraine befürworten. Aber in einer Kirche muss die Frage erlaubt sein, ob das menschliche Leid des Krieges noch als Tragödie wahrgenommen wird oder als strategischer Zeitgewinn.

Ein Christ darf sich im äußersten Fall gezwungen sehen, zur Waffe zu greifen. Aber er darf daraus keine christliche Begeisterung für Waffen machen.

Wer im Namen des Christentums über Krieg und Frieden spricht, erklärt, weshalb ein Heer gewinnen muss?

Jesus Christus hat keine Panzerdivision aufgestellt. Er hat keine Kriegstüchtigkeit gepredigt. Er hat die Friedensstifter seliggepriesen.

Welch ein christlicher Offenbarungseid!

Im Hamburger Michel erhält ein General die Bühne, um Kriegsbereitschaft mit christlichem Glauben zu versöhnen. Von einer mutigen kirchlichen Friedensbewegung dagegen keine Spur.

Während willige Michel-Pastoren militärischer Macht die Kirchentüren öffnen - wie nebenan auf Sankt Pauli Huren ihre Schenkel - zeigt die Staatskirche gegenüber politisch missliebigen AfD-Kindergärtnerinnen unerbittliche Härte. Das ist der Gratismut einer moralisch bankrotten Kirche: nach oben devot, nach unten gnadenlos.

Nicht Gott hat diese Kirche verlassen – sie hat sich von Christus und seiner Botschaft verabschiedet.

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