Von Sascha Rauschenberger
Seit die USA im Golf wieder Krieg für Frieden und Freiheit geführt haben, was nun länger dauert, als von Trump gedacht, stellt sich die Frage, was denn die Produktionsausfälle bewirkt haben.
Immerhin wurde hier nicht die Orangenernte von Trinidad oder die Sandförderung von Algerien auf Null reduziert. Hier ging es weltweit nicht nur um 30 Prozent der Öl- und 25 Prozent der Gasfördermenge – deren Fehl wir immerhin an der Zapfsäule und querschnittlich als Inflationsanstieg bemerkt haben – hier geht es um all die veredelten Produkte, die vor Ort durch Raffinerien hergestellt wurden. In aller Regel energieintensive Produkte wie Helium für Chipherstellung (25 Prozent Weltmarktanteil). Und um Dünger für Agrarwirtschaft (20-25 Prozent), um nur zwei zu nennen.
Durch Beschuss, Bombardierung und Sekundärschäden wurden nicht nur im Iran, sondern auch in allen Golfstaaten die Förderkapazitäten vielfach auf Null heruntergefahren. Zum Teil durch Zerstörung von Anlagen aber auch durch die Unmöglichkeit das geförderte Öl/Gas einlagern zu können.
Einerseits wurden Tanklagerkapazitäten zerstört und andererseits können die voll beladenen Tanker nicht mehr durch leere ausgetauscht werden, was Sinn und Zweck der Doppelblockade von Persischem Golf und Rotem Meer ist.
Selbst wenn dort vereinzelt Schiffe durchgelassen oder durchgeschleust werden, ist das in Masse ein Tropfen auf den heißen Stein, der da Nachfrage heißt. Eine Nachfrage, die nun weltweit in der Spitze mit einem Viertel oder gar einem Drittel weniger auskommen muss. Und diese Produktionsmengen sind nicht beliebig ersetzbar, denn das würde den marktwirtschaftlichen Gesetzen widersprechen; es müssten also ungenutzte und verfügbare Kapazitäten kostenträchtig vorgehalten worden sein…
Im Gegenteil: weltweit gibt es zu wenig Raffinerie- und Öl-Veredlungskapazitäten, ergo sind Produktionsausfälle nicht auszugleichen. Und schon gar nicht in der Masse.
Öl, Benzin, Diesel, Kerosin und Gas sind teurer geworden und wirken auch querschnittlich auf die gesamten Volkswirtschaften. Vornehmlich dort, wo man sich selbst durch Sanktionen gegen andere zusätzlich und einseitig von Alternativen abgeschnitten hat.
Nur sind die zu beobachtenden Preissteigerungen, bei einem bis zu 30 Prozent reduziertem Angebot nicht ansatzweise erklärbar, so nicht der Markt mit zusätzlichen Erdölprodukten stabilisiert wird. So unfreundlich es klingt: der Preisanstieg der Basiskomponenten ohne Steuer&CO2-Abgabe war zu gering!
Soll heißen, es wurden zur Preis- und Inflationsreduzierung Reserven eingebracht. Vielleicht aus der nationalen Krisenreserve, die damit wohl dann reduziert sein dürfte? – Schön dämlich, so es stimmt, dass der Russe schon auf dem Sprung ist…
Immerhin ist klar, dass die nationalen Gasspeicher zum 01.10. noch nie so leer waren wie heute. Und das in Anbetracht von ausbleibenden LNG-Lieferungen, abgeschalteten Pipelines und Lieferengpässen aus dem Golf. Habeck‘s Quatar-Besuch samt Bückling vor dem örtlichen Despoten/Oberscheich/Herrscher/Heilsbringer war sowieso nur „Show of Intention“ und völlig sinnbefreit, da der Ausfall russischen Gases nicht durch alle LNG-Tanker der Welt hätten abgefedert werden können. Und solche Spezialschiffe, die nur wenige Länder überhaupt bauen können, lassen sich nicht innerhalb von ein paar Monaten in den Markt drücken. Das dauert Jahre und auch die Bereitschaft sie zu bauen, was bei bis zu 300Millionen pro Schiff auch eine zu klärende Investitionsfrage ist.
Hier in Deutschland baute man zwar zwei LNG-Terminals, teilweise sogar Anschlussleitungen ans Gasnetz, mitunter auch durch und in Naturschutzgebiete, aber Tanker wurden nicht finanziert. Ein Umstand der voll im Trend unserer politischen Genieelite liegt und damit die Erwartungen hinreichend erfüllt hat. Wer eine Tankstelle baut, hat auch Sprit. Zum Teufel mit dem Anschluss ans Versorgungsnetz oder Tanker, die den Sprit vorbeibringen.
Ergo fehlt nun dauerhaft Gas. Schön, dass in Deutschland die Industrie lahmt, die Pleitewelle rollt und energieintensive Branchen Deutschland mit Warp 10 verlassen und anderswo produzieren. Das spart Energie ein. Klar. Und auch der Fachkräftemangel reduziert sich, was etwas Luft im Recruiting schafft. Man vermag also wieder zwischen verschiedenen Bewerbern wählen. Wie früher einmal. Es ist also nicht alles schlecht, oder?
Weiterlesen nach der Werbung >>>
Ihre Unterstützung zählt
Was mich aber etwas besorgt, sind die fehlenden Düngermittellieferungen. Die Erde ernährt ohne Dünger knapp zwei Milliarden Menschen und es wollen acht Milliarden ernährt werden. Die Pflanzen brauchen für gute Ernten zusätzlichen Stickstoff, der eben durch Dünger hinzugeführt wird. Sonst wird der Ernteertrag pro Hektar kleiner. Viel kleiner.
Dazu kommen die Ausfälle aus der UKR und RUS, die beide das Schwarze Meer nicht mehr nutzen können und völlig ausgelastete Eisenbahnrouten, die allein für die UKR einen Ausfall von 25% der landwirtschaftlichen Restfläche ausmachen. Millionen von Tonnen werden auf Lager bleiben, zumal die ukrainische elektrifizierte Eisenbahn dank russischer Angriffe auf die Energieinfrastruktur, Bahnhöfe und Umgleisanlagen (Stichwort: Spurbreite) die Kapazität nochmals reduziert haben.
Ergo bleibt für strukturschwache Regionen auf der Welt, die zudem als überbevölkert gelten, weniger Dünge über oder verfügbar. Und der, der geliefert werden könnte, wir teurer. Viel teurer.
So unser kritische Blick nun nach Afrika wandert, nach Simbabwe oder Südafrika, den Kornkammern von einst, wo man weiße Farmer vertrieben, das Land aufgeteilt und dann hochkompetent heruntergewirtschaftet hat, lässt vermuten, dass da zusätzlicher Bedarf bestehen wird.
Nur hört man komischerweise nichts davon. Wie gesagt: 20-25 Prozent aller Kunstdüngerlieferungen kamen vom Golf. Das muss nichts heißen. Geregelte und sättigende Nahrungsaufnahme könnte überbewertet sein. Auch ist Afrika an Leid gewohnt und möglicherweise weniger anspruchsvoll, dennoch gibt es für alles Grenzen, wie Sudan, Somalia und andere Staaten der Sahelzone jedes Jahr aufs Neue zeigen. Komischerweise kommen von dort auch viele der Fachkräfte her, die unsere Industrie - bisher zumindest - so alternativlos nötig gebraucht hatte.
So da ein objektiver Zusammenhang zwischen Bevölkerungsdichte, Nahrungsangebot und Reisebereitschaft besteht, könnte man auf den Gedanken kommen, dass da 2027 ggf. eine neue Weller von zusätzlichen Facharbeitern kommen könnte, die wir so dringend brauchen. Kein Witz – BRAUCHEN!
Schließlich sind wir auf deren Kompetenz nun angewiesen, denn mit der gerade stattfindenden Deindustrialisierung können wir nicht umgehen. Als ex-Industriestandort wieder auf Schafzucht und Eigenversorgung umzusatteln bedarf solcher Experten, die das beherrschen.
Ohne weiter in die Tiefe zu gehen, und ohne mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, könnte man aber die Frage stellen, ob vielleicht der ein oder andere Gedanke nicht besser schnell weiterverfolgt werden sollte. So ganzheitlich betrachtet, wie es früher einmal in Deutschland üblich war. Gern auch als gesamteuropäische Lösung, damit solche Orte wie Ceuta, Lampedusa oder Samos nicht wieder in der grenzenlosen Willkommenskultur versinken.
Ansonsten beschließen wir diesen Artikel mit dem altgermanischen, klimawandeltauglichen und frommen Wunsch: Möge der Winter kurz und mild sein!
-----------------------
Sascha Rauschenberger, geboren 1966 in Wattenscheid, ging nach dem Abitur zur Bundeswehr, wo er als Panzeraufklärer und Nachrichtenoffizier Dienst tat. Er diente, unter anderem auch als Reservist, in vier Auslandseinsätzen, zuletzt als Militärberater in Afghanistan.
Als Analyst im Bereich Sicherheitspolitik schrieb er diverse Artikel u.a. auch zum Ukrainekonflikt und zur inneren Sicherheit.
Seit 2000 ist er als Unternehmensberater im Bereich strategisches Projektmanagement und Arbeitswelt der Zukunft (Demographie / Future Work) tätig und Autor diverser Romane und Fachbücher.
(Bild: Sascha Rauschenberger)
Einen Kommentar schreiben
Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen. Aufgrund von zunehmendem SPAM ist eine Anmeldung erforderlich. Wir bitten dies zu entschuldigen.
Zur Anmeldung
Kommentare
melden
Kommentar von T S
Landwirtschaftliche Selbstversorgung ist Kern einer jeglichen Souveränität.
Souveränität ist unerwünscht:
Läuft also alles wie gewollt.