Krise sei Dank: Profit-Allzeithoch bei Energie-Konzern

RWE verkündet Milliardengewinn

von Gaia Louise Vonhof

Der Bürger muss mit seinen Steuern für die Rettungen der Gasversorger einstehen und zahlt zusätzlich per Gasumlage an die 1.000 Euro aus seinem Nettoeinkommen? Und obendrauf bekommt er von denen noch utopisch hohe Gasrechnungen.© Quelle: Pixabay / Pexels, Bildmontage Alexander Wallasch

Die Energiekrise treibt nicht nur die Preise der Gas- und Stromrechnungen von Otto-Normalverbraucher in unbezahlbare Höhen, nein, zeitgleich gibt es hier echte Krisengewinnler wie den Energiekonzern RWE, der seine Gewinnerwartung gerade korrigiert hat – nach oben. Er rechnet mit einem hohem Milliardengewinn.

Schwammig heißt es da, für diese unsäglichen Profite im Energiehandel sei eine „starke operative Performance“ der Grund. Statt der erwarteten 3,4 bis 4 Milliarden Euro Gewinn stehen jetzt 5,5 bis 6 Milliarden Euro im Raum, noch vor Abschreibungen, Zinsen und Steuern.

Einzelheiten sollen erst am 11. August bei der Vorlage der Halbjahreszahlen von RWE offiziell kommuniziert werden. Als Grund für diese drastische Korrektur nach oben wurde aber bereits jetzt „ein außerordentlich gutes Ergebnis“ im Segment Wasser/Biomasse/Gas sowie im Unternehmensbereich Energiehandel genannt. Der Aktienkurs von RWE legte ob dieser Prognose direkt 4 Prozent zu.

RWE ist kein Einzelfall: Auch andere europäische Energiekonzerne fahren dank hoher Öl- und Gaspreise fette Gewinne in Milliardenhöhe ein, berichtet das ZDF.

Letzte Woche gab der britische Shell-Konzern einen Rekordgewinn von 11,5 Milliarden Dollar an. Total Energies/Frankreich freute sich mit 5,7 Milliarden über eine Gewinnverdoppelung und der deutsche Gas- und Ölproduzent Wintershall Dea konnte seinen Gewinn deutlich steigern, auf ganze 668 Millionen Euro.

Die Krisengewinner heißen also Shell, Total Energies und Co und haben eines gemeinsam:

Sie sind die Big Player des Big Gas- und Big Energy-Business. Die Krisenverlierer scheinen hingegen der Endverbraucher zu sein. Denn der wird kein Plus machen, nicht einmal ein paar Peanuts, sondern stattdessen in ein eiskaltes Gas- und Energie-Kostenloch fallen.

Spätestens dann, wenn ihm die gerade erst verordnete Gasumlage, verkündet durch Wirtschaftsminister Habeck, die erste Schneise ins knappe Haushaltsbudget schlägt, gefolgt von der eigentlichen Gaspreissteigerung.

Hier geht es um eine bis zu Vervierfachung, die ab Herbst greift und viele an die Existenzgrenze bringen wird.

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Keine Entlastung der leeren Familienkassen ist in Sicht, die staatliche Deckelung der steigenden Gaspreise wurde kürzlich abgelehnt. On Top geht der Einstieg des Bundes bei Gas-Importeur Uniper mit 30 Prozent als Konzernrettung zusätzlich zu Lasten der Bürger, denn die bezahlen diese mit ihren Steuergeldern.

Und spätestens da fragt man sich: Wie können diese Nachrichten innerhalb in einer Woche zusammengehen? Wie kann es ein, dass der Bürger mit seinen Steuern für die Rettungen der Gasversorger einstehen muss, um dann noch zusätzlich per Gasumlage an die 1.000 Euro aus seinem Nettoeinkommen draufzuzahlen?

Und obendrauf bekommt er von denen noch utopisch hohe Gasrechnungen und muss die nicht selbst verschuldeten Energiepreiserhöhungen ohne staatliche fremde Hilfe schultern.

Auf der anderen Seite Energiekonzerne, die am Ende diese hohen Rechnungen an die Bürger verschicken werden, und genau in dieser Zeit Rekordgewinne einfahren?

Ulrich Schneider, Geschäftsführer des Deutschen Paritätischen Wohlstandsverbandes, fasst das Abstruse der Situation im Welt-Interview zusammen:

„Der Bundeskanzler erklärt, wir müssten eine Umlage schaffen, damit Energiekonzerne ihre gestiegenen Einkaufspreise direkt weitergeben an den Kunden, die ja Verträge mit diesen Anbietern haben. In die wird einfach mal eingegriffen. Und auf der anderen Seite drei Tage später: Der RWE erklärt, dass sie mit (…) 5,5 Milliarden Gewinn allein im ersten Halbjahr rechnen. Da ist die Bundesregierung jetzt eine Erklärung schuldig.“

Schneider fordert konkrete Unterstützungen für die Menschen, die Grundsicherung beziehen oder Hartz IV, die jetzt schon nicht über den Monat kommen. Das wäre auch nur Symptom- statt Ursachenbehandlung, und wäre im Übrigen auch nicht ausreichend, sondern nur magerer Kitt für diese Risse der Ungerechtigkeiten, deren existenzbedrohende Auswirkungen bald auch die Mitte der Gesellschaft erreichen werden.

Schneider weiter:

„Die Konzepte für eine Übergewinnsteuer, und das wird ja bei RWE eher zutreffen, die sind ja da, im Ausland wird es ja gemacht, das wird in Spanien gemacht, es wird in England gemacht, es wird in anderen Ländern gemacht, dass man die Unternehmen, die jetzt durch die Krise besonders profitiert haben, das sind ja zum Teil auch Gas-Importeure, dass man die dann auch mit einer besonderen Abgabe heranzieht, um dann auch die Unterstützungsleistungen zahlen zu können, die notwendig sind für die Bevölkerung. Aber einfach mal gestiegene Einkaufspreise durchreichen zu lassen an die Verbraucher, das halte ich nun für ein bisschen sehr schlecht.“

Sehr gut hingegen sind die Prognosen, die aus dem RWE-Konzern verlautbart werden: Schon jetzt erwarte der Konzern für das Geschäftsjahr 2023 eine Fortsetzung der positiven Ergebnisentwicklung. Eine Kriegsgewinnler-Übergewinnsteuer, wie von Schneider angesprochen und zwischendurch von Linken und Grünen gefordert, ist wohl erstmal nicht von den Konzernern zu befürchten:

Bundesfinanzminister Lindner spricht sich dagegen aus, nicht zuletzt in Bezug auf die Mineralölkonzerne. Diese waren die Hauptprofiteure des Rohrkrepierers Spritpreisbremse. Ein Hilfspaket, ursprünglich dazu gedacht, den Autofahrer zu entlasten, indem die Kraftstoffpreise sinken sollten durch zeitweilige Reduzierung der Energiesteuer auf Benzin und Diesel. Statt Billig-Sprit im Tank dann Benzin-Preise in Rekordhöhe und dickes Plus auf den Konzernkonten.

Fast möchte man darin das Muster erkennen, dass sich die Konzerne als Kriegs- und Krisengewinnler der vollen Unterstützung der Politik gewiss sein können – im Gegensatz zum zahlenden Endverbraucher, dem Steuer-Michel. Es sei denn, die Menschen bewegen sich aus den im Winter dann kalten Stuben und machen den Verantwortlichen Feuer unterm Hintern und fordern ein, was ihnen zusteht: Dass sich die von ihnen gewählten Parteien und Politiker für das Wohl der Bürger einsetzen.

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