Toddn Kandzioras Wochenrückblick 45/2021

Ungeimpft und asozial: „Sich nicht zu impfen, kostet Menschenleben“

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Ungeimpft und asozial: „Sich nicht zu impfen, kostet Menschenleben“
Ein Ungeimpfter im Kessel der Ungeimpften: „Nur wieder einen weiteren Tag miteinander durchhalten können mit der kleinen Hoffnung auf ein großes Wunder.“ © Foto: Pixabay / Thomas Wolter

„Die freie Entscheidung, sich nicht zu impfen, kostet Menschenleben“. So las ich es heute zum Frühstück in der Braunschweiger Zeitung. Dieser Satz stand erhaben und bedeutungsvoll in großen Buchstaben auf der Seite von Lesern für Leser in der Rubrik „Ihre Meinung“ der regionalen Tageszeitung, die ich seit einiger Zeit früh morgens (man gönnt sich ja sonst keine andere Meinung mehr) erhalte.

Dieser eine Satz war dem eines Leserbriefes entnommen. Er stand jedoch nicht in Ausrufezeichen und er war so präsent wie groß und schwarz auf weiß abgedruckt, als wolle man jeden Zweifel an seiner Aussage damit im Keim ersticken.

Seit einigen Tagen schon lese ich mit großem Interesse die Leserbriefe dieser Zeitung. Welche Meinung diese mit Vehemenz vertritt, ist nicht schwer zu erlesen. Fast das ich mich an die publizierte andere Meinung gewöhnt habe, erschreckte mich vor Tagen eine abgedruckte Lesermeinung dann doch zutiefst.

In besagtem Leserbrief nämlich wurde dazu aufgerufen, endlich die Tyrannei der Ungeimpften zu beenden, zu denen der Autor unter anderen „diese Kimmichs und Wagenknechts“ zählte. All die asozialen Ungeimpften, die durch ihr unverantwortliches Handeln ihn und die Geimpften zwingen würden, Dinge zu tun, die er/sie/es nicht tun wollen. Und. Es würde reichen. Diese Asozialen sollten jetzt endlich pflichtgeimpft werden und dann wäre wieder alles gut. Oder so.

Diesem Leserbrief folgten die Tage weitere Leserkommentare. Nicht derart extrem, jedoch mit einer ähnlichen Meinung. Einig in solch einer Meinungshaltung sind sich nicht nur Leser dieser Zeitung, dass Menschen, die sich nicht impfen lassen wollen, sich asozial gegenüber der Gemeinschaft verhalten und das daher eine Impfpflicht jetzt unumgänglich sei. Damit ein sogenanntes normales Leben wieder möglich ist. Basta.

„Sich nicht zu impfen, kostet Menschenleben.“ Wer sich nicht impfen lässt ist daher für viele Menschen dieser Tage ein asoziales Subjekt und gehört ... tja, was gehört sich da wohl?

Wie soll mit dieser Gruppe Menschen verfahren werden, die sich noch immer weigern sich mit etwas impfen zu lassen das weder einen Schutz garantiert, das nicht ausreichend erforscht wurde, für das, weder Hersteller, Staat noch Arzt eine Haftung übernimmt und das inzwischen für viele Impfschäden wie Impftote verantwortlich ist?

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Wie soll mit Menschen verfahren werden, die aus diesen und anderen Gründen doch lieber auf ihr Immunsystem vertrauen und nicht heutigen Politikern und PolitikerInnen wie linientreuen Medienorganen? Was tun mit diesen Menschen, die wenig bis nicht empfänglich sind für die allgegenwärtige „lass dich impfen“ Propaganda, dem penetranten Framing und unsäglichen Nudging von früh bis spät.

Wie soll mit diesen „nicht mehr Erreichbaren" morgen umgegangen werden?

Zur Beantwortung meiner Frage muss jetzt kein altes Geschichtsbuch aus dem Bücherschrank geholt werden. Mit ein wenig Fantasie im heutigen Normal wird, dem ein oder der anderen schon was Interessantes einfallen, um sich vor der Gruppe der „asozial Ungeimpften“ zu schützen: Diesen unsäglichen Personen die geimpfte Menschenleben kosten. „Möglichkeiten“, um diese vor Geimpften fernzuhalten gibt es ja. Aber sicher doch.

Wer fühlt sich als Ungeimpfter derzeit nicht auch unfreiwillig wie inmitten einer letzten Kesselschlacht verfangen? Als unverstandenes Mitglied einer verängstigten Gruppe nicht geimpfter Menschen, die dies aber auch bleiben wollen. Und wir alle tief eingegraben in einem kalten, schlammigen Graben. Von einem Feind bedroht, der Tag und Nacht in der Lage ist uns anzugreifen. Dem weder die Munition noch Nachschub ausgeht. Der uns vom Wasser, vom Boden und aus der Luft nachstellt.

Jeden Morgen, wenn wir uns den Sand aus den Augen reiben, verwundert darüber noch immer stand zu halten, zählen wir durch und stellen fest, dass wir auch in dieser Nacht weniger geworden sind. Das selbst die vermeintlich Stärksten von uns sich in der Dunkelheit ergeben haben, übergelaufen sind und sich mit dem Gegner gemein machten, da sie dem immensen Druck, seiner Verschlagenheit und gnadenlosen Härte nichts mehr entgegenzusetzen in der Lage waren.

Ich kann es ihnen nicht verübeln. Verstehe ich sie doch nur zu gut, denn auch ich hadere jeden Tag mit diesem, meinem gefühlt richtigem Leben im falschen.

Das Schlimmste an dieser aussichtslosen Lage ist - selbst wenn wir aus diesem Kessel auszubrechen in der Lage wären -: da ist kein sicheres Heimatland mehr in Sicht, welches uns aufzunehmen bereit wäre.

Es gibt, so hat es den Anschein, nur noch ein Leben im Kessel und in diesem unseren täglichen Kampf, sich gegen eine stündlich größer werdende Übermacht zu behaupten. Nur wieder einen weiteren Tag miteinander durchhalten können mit der kleinen Hoffnung auf ein großes Wunder.

Was für ein surreales Gefühlsleben ist das eigentlich?

Heute Morgen hatte ich einen Arzttermin. Mein erster Arzttermin nach fast zwei Jahren. Ich musste meine Werte kontrollieren lassen. Ich sollte dies schon vor Monaten hinter mich bringen, hatte jedoch die Befürchtung, als Ungeimpfter dafür zu bekommen, einer geimpften Person den Termin streitig zu machen. Wer will schon „asozial“ genannt werden.

Für diesen Arzttermin fuhr ich fünfzehn Kilometer in die Kreisstadt, in der ich lange nicht mehr war, da ich täglich versuche, geimpfte Menschen durch meine Gegenwart weder Angst noch Hass empfinden zu lassen. So lebe ich - ich schreibe, wie es ist - seit fast zwei Jahren recht einsam auf dem Land, da ich nur selten noch besucht werde und mich selbst fast verweigere in eine Stadt zu fahren.

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Auf dem Weg in die Stadt sah ich wirklich viele Plakatwände, die von der niedersächsischen Initiative „impfen-schuetzen-testen.de“ mit Pro-Impfplakaten beklebt waren. Fast jede zweite, öffentliche Plakatwand war von dieser Initiative beklebt worden. Sie waren allgegenwärtig. Die Farbwahl, Schwarz-Weiß-Rot erinnerte mich sehr an die Werbeplakate der SPD für den diesjährigen Bundestagswahlkampf.

Wie wir wissen, siegte die SPD und wird wahrscheinlich eine Regierung zusammen mit den neuen Grünen und dieser FDP anführen. Davon abgesehen, dass ich glaube, dass es inzwischen völlig belanglos ist, welche Partei oder welche Parteien in diesem Land Hauptrollen spielen dürfen, da diese ja doch nur den Vorgaben weniger Superreicher, einer Handvoll Konzerne aus Übersee und gewisser NGOs Folge wie Abbitte zu leisten haben, erinnerte mich die Farbwahl der SPD wie die der Impfkampagne an die Propaganda des Dritten Reichs, die aus dem Film 1984 und den Vereinsfarben einer bekannten Rockertruppe.

Was soll ich von solch einer Werbekampagne halten? Die Farben Schwarz-Weiß-Rot im Bereich der politischen Werbung, der Propaganda und Agitation haben denen, die sie zu nutzen wussten, leider oft den erwünschten Erfolg gebracht.

Schwarz-Weiß-Rot. Möglicherweise wieder die richtige Farbwahl, um eine Gesellschaft zu spalten. Um einen Teil dieser gegen einen anderen, einen Kleineren in Position zu bringen und zum Hassen „freizugeben“.

Um von den vielen gravierenden Missständen, Unzulänglichkeiten, Fehlern und einem geschichtlich nicht zu ermessenden Versagen unserer, so kommt es mir vor, völlig durchgeknallten, politischen und wirtschaftlich verantwortlichen Elite abzulenken.

Könnte wieder klappen. Muss aber nicht.

  • Wenn wir nicht wollen.
  • Es nicht zulassen.
  • Nicht mehr mitmachen.
  • Es ihnen nicht länger durchgehen lassen.

B. Traven hat in der „Rebellion der Gehängten“ folgenden Satz geschrieben:

„Unser Leben ist so arm geworden, dass es uns nichts kostet, unsere Henker zu morden.“

Hoffen wir das dies von B. Traven beschriebene Gefühl so vieler, mexikanischer Wanderarbeiter zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts im neuen Normal nicht wieder erweckt wird.

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