Fast ein Fünftel der Mitglieder verloren – und anderen erklären, wer Deutschland in den Abgrund führt

Toxische DGB-Chemikerin Fahimi: Die eigene Basis schrumpft dramatisch

von RA Dirk Schmitz

Nichtökonomin Fahimi erklärt den anderen die Wirtschaft© Quelle: Grok, Wikipedia/https://www.dgb.de/uber-uns/dgb-heute/organisation-und-bundesvorstand/yasmin-fahimi

Fast ein Fünftel der Mitgliederbasis in zwanzig Jahren verloren – aber anderen erklären, wer Deutschland in den Abgrund führt. Die SPDGB-Oberfunktionäre haben eine eigene Vorstellung von Leistungsnachweisen: Die Organisation schrumpft, dafür wächst die Selbstgewissheit. Yasmin Fahimi liefert das passende Anschauungsmaterial.

Von Rechtsanwalt Dirk Schmitz M.A.

„Eine AfD-Regierung würde Deutschland in den Abgrund führen“, erklärt die SPDGB-Vorsitzende Yasmin Fahimi fachkompetent. Und sie warnt vor wirtschaftlicher Isolation und Demokratieabbau unter einer Kanzlerin Weidel. Eine gewaltige Prognose von einer Frau, deren politische Heimat seit Jahrzehnten an den deutschen SPD-Regierungstischen liegt. Bevor Fahimi den nächsten AfD-Abgrund ausruft, wäre eine Besichtigung der eigenen Negativ-Bilanz angebracht.

Ende 2005 zählten die DGB-Mitgliedsgewerkschaften stolze 6.778.429 Mitglieder. Ende 2025 waren es noch 5.432.306. Das bedeutet einen Nettoverlust von 1.346.123 Mitgliedern – fast zwanzig Prozent. Allein im Jahr 2025 gingen gegenüber dem Vorjahr weitere 146.609 Mitglieder verloren.

Das DGB-Paradoxon: Die eigene Gefolgschaft wird kleiner, der Anspruch auf Deutungshoheit aber wächst. Oder anders: Die Kuh gibt weniger Milch, scheißt dafür aber mehr.

In der Realwirtschaft fragen Shareholder nach Gewinn, Umsatz, Kundenbindung, Strategie und Führung. Im Funktionärsapparat gibt Fahimi eine Erklärung über die Gefährlichkeit der politischen Opposition ab.

Eindrucksvoll fällt die Bilanz bei ver.di aus. Ende des Gründungsjahres 2001 hatte die Dienstleistungsgewerkschaft 2.806.496 Mitglieder. Ende 2025 waren es noch 1.830.267. Das sind 976.229 Mitglieder weniger, also ein Rückgang um satte 34,8 Prozent!

Dabei wuchs der öffentliche Dienst - das zentrale Betätigungsfeld von ver.di - erheblich. Die Beschäftigtenzahl stieg dort von 4,6 Millionen im Jahr 2005 auf 5,5 Millionen Mitte 2025. Seit dem Tiefstand von etwa 4,5 Millionen im Jahr 2008 kam ungefähr eine Million Beschäftigte hinzu. Allein 2025 wuchs die Staatskrake um 95.100 Beschäftigte.

ver.di organisiert weitere Branchen und im Staatsdienst sind auch kleinere Gewerkschaften vertreten. Die unbequeme Feststellung: Das erhebliche Wachstum des wichtigsten Organisationsfeldes hat ver.di nicht nutzen können.

Der kurze Mitgliederzuwachs von 2023 änderte daran nichts. Im Jahr 2025 verlor ver.di erneut mehr als 1,8 Prozent seiner Mitglieder. 131.621 Eintritten standen 166.400 Austritte, Todesfälle und sonstige Abgänge gegenüber. Vorsitzender Frank Werneke verweist auf die negative „Babyboomer-Welle“. Die demografische Herausforderung ist real. Überraschend ist sie nicht. Eine Organisation zu führen bedeutet, auf Veränderungen rechtzeitig Antworten zu finden.

Diese langfristige Entwicklung ist nicht Fahimis persönliche Bilanz. Sie steht erst seit 2022 an der DGB-Spitze. Doch sie repräsentiert heute jene Organisationen, deren Mitgliederschwund besonderes Engagement verlangt.

AfD-Bashing führt bei rund 30 Prozent Zustimmung in der Bevölkerung aber nicht zu einem Mitglieder-Schub. Wer Kompetenzvorsprung ableiten will, muss mehr vorweisen als einen Vorstandstitel und eine gut ausgeleuchtete Pressekonferenz „gegen rechts“.

Was bringt die 58jährige Fahimi mit? Sie ist seit 1986 SPD-Mitglied, schloss 1998 ihr Chemiestudium mit Diplom ab. Es folgten die gewerkschaftsnahe Stiftung „Arbeit und Umwelt“ und die IG BCE, dort zuletzt als Leiterin der Grundsatzabteilung.

Parallel übernahm sie Funktionen im SPD-Unterbezirks- und Bezirksvorstand, im Parteirat und als stellvertretende SPD-Vorsitzende in Hannover. Von 2014 bis 2015 war sie sogar SPD-Generalsekretärin, von 2016 bis 2017 beamtete Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium und von 2017 bis 2022 Bundestagsabgeordnete. Anschließend wechselte sie an die DGB-Spitze.

Klassischer Funktionärsweg: Zwar ist ein Chemiediplom ein ernsthafter Abschluss. Eine zusätzliche wirtschaftswissenschaftliche Qualifikation oder eine Position in operativer Unternehmensführung hat sie im Gegensatz zur kritisierten Alice Weidel und ihrer Partei nicht.

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Selbst beim Chemiekonzern Bayer, wo Fahimi fett im Aufsichtsrat sitzt, wird sie nicht in dessen „Kompetenzmatrix 2025“ und nicht unter den Mitgliedern mit besonderen Kompetenzen im Bereich Finanzen geführt. Und das ist die Einschätzung des wohlwollenden Bayer-Aufsichtsrates!

Ihre (Aus-)Wahl zur DGB-Vorsitzenden verdient Nüchternheit. Man wollte ausdrücklich „eine Frau“ an der Spitze. Und „Gedöns“ - irgendwas mit Integrationsfähigkeit, gewerkschaftlicher Herkunft und Alter. Nach schwieriger Suche einigten sich die Gewerkschaftsspitzen auf Fahimi.

Der Kreis der Beteiligten war vertraut bis vertraulich: Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE, pikanterweise heute Fahimis Ehemann, war zunächst selbst für die DGB-Spitze im Gespräch. Er scheiterte am Widerstand von verdi. Anschließend Verständigung auf Fahimi.

Heute führt er eine Mitgliedsgewerkschaften, sie den Dachverband. Das verleiht gewerkschaftlicher Führung die bemerkenswerte Anmutung eines Familienunternehmens.

Durch die distanzlose Nähe von Gewerkschaftsspitzen und SPD wirken DGB und Co. immer noch wie eine gewerkschaftliche Außenstelle der kränkelnden Sozialdemokratie. Dessen Mitgliederschwund erscheint als organisatorisches Gegenstück zu einer Partei, deren Bindung an große Teile der arbeitenden Bevölkerung abgebrochen ist.

Fahimi verkörpert diese Verflechtung. Sie kommt aus der Gewerkschaft, macht SPD-Karriere, übernimmt ein Regierungsamt und kehrt an die Spitze des Gewerkschaftsbundes zurück. Wer so eng mit einer parteipolitischen Richtung verbunden ist, behandelt unsere Staatsbilanz so als habe sie nichts mit ihr zu tun?

Das SPD-Gewächs erklärt die Wahlerfolge der AfD knapp mit der Schwäche der anderen Parteien und fehlenden wirtschaftlichen Zukunftsperspektiven. Damit benennt sie ein Problem, dessen Ursachen vollständig auf SPDCDUGrüner Verantwortung liegen.

Die Industriestatistik veranschaulicht die deutsche Schwäche drastisch: Deutschland verzeichnet seit 2015 ein Minus von elf Prozent in der Industrieproduktion, zahlreiche Nachbarländer haben Zuwächse. Selbst der französische Stillstand wirkt daneben wie ein Erfolg. Weltweit stieg die Industrieproduktion demgegenüber um 30 Prozent.

Kritik richtet sich gegen eine Politik, die Absicht für wirtschaftliche Leistung hält. Klimaziele, Transformationsversprechen und immer neue Verteilungsansprüche werden formuliert; die Frage, unter welchen Bedingungen Unternehmen das alles erwirtschaften sollen, wird verdrängt. Jetzt ist die AfD das Risiko. Na klar!

Gewerkschaften müssen gute Löhne und Arbeitsbedingungen vertreten. Sie müssen sich ebenso daran messen lassen, ob ihre politischen Forderungen und Prioritäten zur dauerhaften Sicherung von Arbeitsplätzen führt.

Lohnforderungen - insbesondere im immer parasitäreren öffentlichen Dienst - sind kein Ersatz für tragfähige Standortpolitik. Der schönste Tarifvertrag schützt auf Dauer keinen Arbeitsplatz, dessen wirtschaftliche Grundlage wegbricht.

Der Weg in die Katastrophe beginnt nicht mit Friedrich Merz. Er betrifft den über Jahre verfolgten Kurs der Parteien, die Bundesregierungen getragen haben: vor allem SPD und Union, in ihren Regierungszeiten ebenso Grüne und FDP. Die AfD gehörte keiner dieser Bundesregierungen an.

Die Deutschland AG wirkt inzwischen wie ein insolventer Sanierungsfall, in dem die Beteiligten vor allem um „Schuld“, Zuständigkeiten, Einfluss und verbleibende öffentliche Mittel verhandeln.

Fahimi warnt vor dem Abgrund. Die erste Pflicht einer glaubwürdigen Warnerin wäre, sich umzudrehen und zu prüfen, welche fetten Fußspuren das eigene politische Milieu auf dem Weg bis zur Kante hinterlassen hat.

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