US-Präsident: Grönland war „dumm“ zurückgegeben – jetzt will er es kaufen: Historischer Schwachsinn als Kaufargument

Trumps Grönland-Show in Davos: Wie Biontech – erst Hysterie schüren, dann die „Rettung“ verkaufen

von Gregor Leip (Kommentare: 3)

Der Präsident erfindet einen heldenhaften US-Krieg um einen Gletscher, den es nie gab. Und droht mit „strategischer Notwendigkeit“ à la Corona-Panik© Quelle: Pixabay/JChristophe_Andre/kalhh, Montage: Wallasch

In Davos verdreht Trump die Geschichte Grönlands zum Zweiten Weltkrieg – keine Eroberung, keine Rettung, nur Wetterstationen und ein freiwilliges Abkommen. Stattdessen Panikmache, neue Wunderwaffen und Erpressung: „Kauft oder wir erinnern uns.“ Ein Manifest der Dreistigkeit.

Von Gregor Leip

In seiner Rede auf dem World Economic Forum im schweizerischen Davos betonte US-Präsident Donald Trump zunächst seine größte Hochachtung sowohl für die Menschen in Grönland als auch für das dänische Volk.

Dann erinnerte er daran, dass jeder NATO-Verbündete verpflichtet sei, das eigene Territorium zu verteidigen. Anschließend lässt der US-Präsident die Katze aus dem Sack und behauptet, keine Nation sei in der Lage, Grönland zu sichern, außer den USA.

Trump beschrieb die USA als eine starke Macht, die sehr viel stärker sei, als die meisten Menschen annehmen. Dabei verwies er auf die Militäroperation der USA vor zwei Wochen in Venezuela. Aber Trump holte noch weiter nach hinten aus: Er erinnerte an den Zweiten Weltkrieg, als Dänemark von Deutschland überrollt worden sei und sich nach knapp sechs Stunden Kampf weder selbst verteidigen noch von europäischen Verbündeten unterstützt werden konnte.

Daraufhin seien, so Trump, die USA gezwungen gewesen, Streitkräfte zu entsenden, um das grönländische Territorium zu halten, was sie auch getan hätten, während andere versucht hätten, es zu erobern.

Trump erklärte bei seiner Rede im Davos, Dänemark wisse das nur allzu gut, da die USA dort Militärbasen für Dänemark aufgebaut und für Dänemark gekämpft hätten, um es zu retten – ein großes, wunderbares Stück Land, das eigentlich kein Land, sondern ein riesiger Gletscher sei. Die USA hätten ihre Feinde daran gehindert, einen Fuß in die westliche Hemisphäre zu setzen, und dies auch für sich selbst getan.

Historisch ist das ziemlicher Nonsens. Denn außer ein paar Wetterstationen gab es schlicht keine nazideutschen Eroberungspläne für Grönland. Nach dem Krieg, den die USA mit großer Überlegenheit gewonnen hätten, so Trump, habe man Grönland an Dänemark zurückgegeben, was Trump unumwoben als „dumm“ bezeichnete. Sodann kritisierte er die Undankbarkeit der Dänen.

Solche Trump-Aussagen wollen sich nicht ernsthaft auf die Suche nach Wahrheit machen oder mit dem Gegenüber klug auseinandersetzen. Das sind Trump-Aussagen, die in ihrer ganzen Dreistigkeit und wissentlichen Dummheit kaum mehr Spielraum für irgendeine Ernsthaftigkeit lassen.

Trump warnte weiter davor, dass das Land und die Welt sehr viel größeren Risiken ausgesetzt seien als je zuvor, aufgrund von Raketen, Nuklearwaffen und Kriegswaffen, über die er nicht sprechen dürfe. Vor zwei Wochen seien Waffen aufgetaucht, die nie zuvor gesehen worden seien. Es sei aber kein Schuss auf die USA abgefeuert worden. Die USA hätten diese Versuche abgewehrt, die neuen Waffen zu Boden geworfen und ihre Verteidigungssysteme eingesetzt, wobei Trump die eigenen Waffen als überlegen einschätzte.

Wie nebulös ist das denn? Schwer einzuschätzen, was davon zu halten ist. Räuberpistole? Jedenfalls für seine Zuhörer nicht nachprüfbar.

Trump erklärte weiter, Grönland sei ein weites, fast unbewohntes und kaum entwickeltes Territorium, offen für Angriffe in einer Schlüsselposition zwischen den USA, Russland und China. Bei der Rückgabe nach dem Krieg hätten ganz andere Umstände geherrscht. Es gehe nicht um Bodenschätze oder seltene Erden, da man dafür hunderte Meter dicke Eisschichten durchbohren müsse, sondern um strategische Interessen zur Sicherung der eigenen Verteidigungsfähigkeit und der nördlichen Flanke der westlichen Gemeinschaft.

Dies sei eine Kernangelegenheit der USA, und seit Hunderten von Jahren sei es US-Politik, andere Kräfte am Eindringen in ihr Territorium zu hindern. Auch deshalb hätten amerikanische Präsidenten fast zweihundert Jahre lang versucht, Grönland zu erwerben.

Noch einmal widerholt Trump: Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten die USA Grönland behalten sollen, aber sie hätten es zurückgegeben.Diese Darstellung der Rolle Grönlands im Zweiten Weltkrieg ist nicht nur historisch ungenau, sondern ein grober Verstoß gegen faktenbasierte Geschichtsschreibung – ein Muster, das Trump nutzt, um seine verstaubten imperialen Fantasien zu befriedigen.

Nur ein paar Stichworte dazu: Tatsächlich unterzeichnete der dänische Botschafter Henrik Kauffmann am 9. April 1941 ein freiwilliges Abkommen mit den USA, das Grönland zu einem De-facto-Protektorat machte, um es vor deutschen Einflüssen zu schützen – nicht weil Dänemark „nach sechs Stunden“ aufgegeben hätte, sondern weil Dänemark unter deutscher Besatzung handlungsunfähig war.

Es gab schlicht keine „Eroberungsversuche“ durch andere, die die USA heldenhaft abwehrten. Deutsche Aktivitäten beschränkten sich auf kleine Wetterstationen, die von US- und alliierten Patrouillen wie „Northeast Greenland Sledge Patrol“ neutralisiert wurden, ohne nennenswerte Kämpfe. Die USA bauten Basen wie Thule, aber Grönland war nie „besetzt“ oder „gehalten“ wie ein erobertes Territorium – es blieb dänisch.

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Nach dem Krieg wurde es auch nicht „zurückgegeben“, schlicht, weil es niemals US-Eigentum war. Ein Abkommen von 1951 erlaubte lediglich die Fortsetzung US-militärischer Präsenz. Trumps Behauptung, die USA hätten „für Dänemark gekämpft und es gerettet“, ignoriert, dass dies ein kooperativer Akt war, der auf gegenseitigem Interesse basierte, nicht auf US-Alleinherrschaft.

Aber wozu diese grotesken Verzerrung vor der Weltöffentlichkeit? Weil er es kann! Trumps Vortrag erscheint hier wie eine wenig ambitionierte und halbherzige Rechtfertigung aktueller Aggression unter dem Deckmantel historischer „Großmut“. Es ist zudem intellektuell unehrlich, faktenfern und  propagandistisch.

Und weiter geht’s bei Trump: Dänemark habe zu wenig Geld für die Verteidigung Grönlands investiert. Deshalb wolle er die Nation zusammenführen, um erneut den Kauf Grönlands durch die USA zu diskutieren. Und, als wäre es das normalste Anliegen der Welt: Alles soll so laufen, wie schon oft in der Geschichte, als Gebiete erworben worden seien. Viele europäische Nationen hätten das getan, einige seien zurückgeworfen worden, andere gewachsen. Dies sei keine Bedrohung für die Natur und würde die Sicherheit des gesamten NATO-Bündnisses verstärken. Der Nato oder der USA?

Was Trump wirklich von der Nato hält, kommt gleich hinten dran: Die USA würden durch die NATO sehr unfair behandelt, was niemand bestreiten könne. Die USA hätten so viel gegeben und so wenig zurückbekommen. Viele Jahre lang sei er ein Kritiker der NATO gewesen, dennoch habe er in seiner ersten Amtszeit der NATO mehr geholfen als jeder andere Präsident, prahlt Trump.

Ohne ihn würde die NATO nicht so existieren, wie sie jetzt sei. Der Krieg in der Ukraine sei ein Beispiel, und die USA seien Tausende von Meilen entfernt.

Kein Wort allerdings vom Engagement der USA in den vergangenen Jahrzehnten in der tausende Meilen entfernten Ukraine und was das mit der Entstehung des  Krieges zu tun haben könnte.

Trumps Rede ist ein klassisches Beispiel für Panikmache, die in Teilen sogar an die Corona-Pandemie erinnert, als massenhaft Ängste geschürt wurden, um Kontrolle über die Bürger zu erlangen – nur dass Trump hier die Ängste schürt.

Er warnt vor „größeren Risiken als je zuvor“ ohne diese wirklich nachvollziehbar konkret zu benennen. Stattdessen wilde Science-Fiction-Abenteuergeschichten von Strahlenwaffen oder was immer der Präsident im Kopf hatte! Was Trump da macht, ist kalkulierte Hysterie: Ohne konkrete Belege für Bedrohungen aus Russland und China.

Das Ziel ist durchsichtig und Trump bemüht sich nicht einmal es zu kaschieren: Die Übernahme Grönland soll als „strategische Notwendigkeit“ verkauft werden – So wie Biontech als gesundheitliche Notwendigkeit herhalten musste?

Trump instrumentalisiert Angst vor unsichtbaren Feinden, um geopolitischen Druck auszuüben. Er ignoriert, dass Grönland bereits durch NATO und bilaterale Abkommen geschützt ist, und malt stattdessen ein Szenario apokalyptischer Unsicherheit, um seinen Kauf-Vorschlag als „Rettung“ zu framen.

Das ist nicht strategisches Denken, sondern Erpressung – vergleichbar mit der Impf-Debatte, wo Panik („die Welt endet ohne Impfung“) Freiheit einschränkte.

Trump nennt keine Fakten, es ist ihm vollkommen wurscht, viel zu kompliziert – viel leichter ist es mit der Furcht zu arbeiten: „Wir sind stärker als je“, aber nur, wenn wir Grönland haben.

Diese Taktik ist zynisch, manipulativ und schadet der globalen Stabilität, indem sie bestehende Allianzen nicht etwa stärkt, sondern in Misstrauen verwandelt.

Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen nannte Trumps Ansinnen zuvor schon „absurd“, die EU plant jetzt Gegenzölle auf US-Importe im Wert von 108 Milliarden Dollar, und NATO-Partner warnen vor einem Bruch.

Nein, Trumps Rede in Davos war kein Aufruf zur Einheit, sondern ein Manifest des Zerfalls. Aber Grönland ist nicht verkäuflich, und Trump inszeniert sich zunehmend als Gefahr für die liberale Ordnung, wie wir sie bisher kannten.

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